Dekubitus
(Druckgeschwür; Wundliegen)
Was ist ein Dekubitus?
Dekubitus bezeichnet ein örtlich begrenztes Absterben (Nekrose) der Haut und manchmal auch des darunter liegenden Gewebes infolge einer Druckbelastung und daraus folgender Minderversorgung des Areals mit sauerstoff- und nährstoffreichem Blut. Dementsprechend bezeichnet man das Krankheitsgeschehen auch als Druckgeschwür.
Der Volksmund spricht auch vom Wundliegen, da ein Dekubitus vor allem Menschen betrifft, die lange Zeit im Bett liegen müssen.
Grundsätzlich kann ein Dekubitus überall am Körper entstehen. Besonders gefährdete Stellen sind aber vor allem Knochenvorsprünge. Hier können auch Katheterschläuche oder im Bett vergessene Gegenstände durch Druck zur Gewebeschädigung führen. Erhöhte Aufmerksamkeit ist am Fersenbein, an den Knöcheln und den Knieinnenflächen, am Kreuz-, Steiß- und Sitzbein, an den Hüftknochen, am Brustbein, an den Ellenbogen, am Schulterblatt, am Hinterkopf und an der Ohrmuschel geboten.
Jedes Druckgeschwür muss ernst genommen und rechtzeitig behandelt werden. Die offene Stelle kann als Eintrittspforte für Keime (Bakterien, seltener auch Pilze) dienen und zu einer lebensgefährlichen Blutvergiftung (Sepsis) führen.
Wie kommt es zu einem Dekubitus?
Für die Entstehung des Hautschadens ist die Dauer des Drucks auf die entsprechende Stelle eher ausschlaggebend als die Druckstärke. Die länger anhaltende Druckbelastung komprimiert die kleinen Blutgefäße, so dass die Region schlechter mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt wird. In Folge dessen stirbt das Gewebe ab. Betroffen sind meist bettlägerige und in ihrer Beweglichkeit eingeschränkte Patienten mit schweren Grundkrankheiten sowie ältere Menschen.
Begünstigend auf die Entstehung eines Druckgeschwürs wirken außerdem:
- Schlechter körperlicher Allgemeinzustand
- Mangelernährung
- Blutzuckerkrankheit und damit verbundene Nervenschädigung (Polyneuropathie)
- Allgemeine Abwehrschwäche
- Abwehrschwäche, die durch Medikamente (z. B. Chemotherapie) hervorgerufen wird
- Flüssigkeitsmangel durch mangelnde Zufuhr oder erhöhten Bedarf (Fieber)
- Inkontinenz
Dazu zählen z. B. Beruhigungsmittel oder Schmerzmedikamente.
Welche Erscheinungsformen können Druckgeschwüre haben?
Man unterscheidet folgende Stadien eines Dekubitus:
- Stadium I: Die Haut ist gerötet. Die Rötung ist nicht wegdrückbar und bleibt auch bei Entlastung der betroffenen Stelle bestehen. Die Hautoberfläche ist noch unversehrt.
- Stadium II: Die Haut weist an der Druckstelle einen oberflächlichen Defekt auf, sodass das Unterhautgewebe frei liegt.
- Stadium III: Der Gewebeschaden reicht bis zu Knochenhaut. Haut, Unterhautgewebe, Sehnen und Muskeln sind beschädigt.
- Stadium IV: Der Knochen ist angegriffen.
Wie wird ein Dekubitus festgestellt?
Meist kann der Arzt die Diagnose aufgrund des Hautbefundes sofort stellen. Wundabstriche zu Beginn und regelmäßig im weiteren Verlauf geben wichtige Anhaltspunkte für eine angepasste und phasengerechte Behandlung.
Eventuell werden weitere diagnostische Maßnahmen wie eine Röntgenaufnahme oder bildgebende Verfahren wie die Kernspintomografie erforderlich, um die Knochen- und Weichteilschädigung besser beurteilen zu können.
Wie werden die Druckgeschwüre behandelt?
Es gibt allgemeine Maßnahmen bei Stadium I und II, die auch der Vorbeugung des Wundliegens dienen.
Umlagern
Häufiges (alle zwei bis drei Stunden) Umlagern dient der Druckentlastung der betroffenen oder gefährdeten Stellen. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass Stellen, die zum Offenliegen neigen, nicht zu sehr belastet werden. Hier gibt es bestimmte erprobte Lagerungspositionen je nach Sitz des Druckgeschwürs oder gefährdeter Stelle, die auch Angehörige erlernen können.
Hautpflege
Eine geeignete Hautpflege - besonders bei alten Menschen - vermindert Scher- und Reibekräfte, welche Druckgeschwüre begünstigen.
Krankengymnastik
Krankengymnastik ist ebenfalls zur Druckentlastung und Durchblutungsförderung sehr wichtig.
Sanitär- und orthopädietechnische Hilfsmittel
Sanitär- und orthopädietechnische Hilfsmittel können viel zur Behandlung und Vermeidung offener Stellen beitragen. Dazu gehören verschiedene im Einzelfall geeignete Unterlagen, Fersenkappen, Gelkissen, angepasste Matratzen mit entsprechenden Aussparungen, Spezialbetten mit geeigneten Füllungen (z. B. Schaumstoff-, Wechseldruck-, statische oder dynamische Luftmatratze).
Wundreinigung und Infektionsbekämpfung
Wichtig sind regelmäßige Wundreinigung und Infektionsbekämpfung. Dabei ist die Entfernung abgestorbenen Gewebes (Debridement) unerlässlich. Zur Wundreinigung und Wundheilung stehen verschiedene phasengerechte Wundauflagen und Wundspüllösungen zur Verfügung. Da die Abheilung eines Druckgeschwürs mehrere Phasen durchläuft, ist es wichtig, die für den augenblicklichen Zustand geeignete Wundauflage zu wählen und gegebenenfalls zu einer anderen Wundauflage überzugehen.
In den Stadien III und IV bleibt manchmal nur die operative Therapie. Das Geschwür wird komplett herausgeschnitten. Manchmal muss dabei auch ein Teil des darunter liegenden Knochens entfernt werden. Die Abdeckung des entstandenen Defekts ist teilweise nur mit der Transplantation gesunden Gewebes möglich. Hierzu dienen meistens Lappen aus Muskel- und Hautgewebe.
Bei mangelernährten, ausgezehrten oder ausgetrockneten Patienten ist es sinnvoll, die fehlenden Nahrungsbestandteile oder fehlende Flüssigkeit zu ergänzen, gegebenenfalls durch Infusionen.
Im Verlauf eines Dekubitalleidens kann es zu einer Infektion kommen, die in manchen Fällen eine Therapie mit Antibiotika notwendig macht. Um den Erreger zu identifizieren und gezielt das richtige Medikament auszuwählen, helfen Wundabstriche und so genannte Blutkulturen (Anzüchtung des sich bei Blutvergiftung in der Blutbahn befindlichen Keims)..
Manchmal ist auch der Einsatz von Schmerzmitteln erforderlich. Auch hier gibt es verschiedene schmerzangepasste Behandlungskonzepte, die speziell für den Einzelfall ausgesucht werden müssen.
Für den Therapieerfolg ist es von erheblicher Bedeutung, dass der Patient, seine Angehörigen, die Pflegefachkräfte und die behandelnden Ärzte eng miteinander zusammenarbeiten. Der Betroffene sollte so weit wie möglich in seine Behandlung miteinbezogen werden.
Literatur/Leitlinien/EBM:
Evidenzbasierte Leitlinie des Wissensnetzwerkes evidence.de der Universität Witten Herdecke: Dekubitusprävention (2001)
http://www.evidence.de/Leitlinien/leitlinien-intern/Dekubitus_Leitlinie_Evidence_d/Dekubitus_Volltext/dekubitus_volltext.html
AWMF-Online. Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Physikalische Medizin und Rehabilitation: Dekubitus Therapie und Prophylaxe (März 1999)
Altmeyer P. : Therapielexikon Dermatologie und Allergologie. Springer (2. Auflage 2005).
Braun-Falco O.: Dermatologie und Venerologie. Springer (4. Auflage 2002).
Dirschka, T.: Klinikleitfaden Dermatologie. Urban & Fischer (2. Auflage 2002).
Fritsch, P.: Dermatologie und Venerologie, Lehrbuch und Atlas. Springer (2. Auflage 2004).
Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag (2004).
Sterry, W.: Checkliste Dermatologie. Thieme (5. Auflage 2004).


