Dengue-Fieber
(Breakbone Fever; Dandy Fieber)
Was ist Dengue-Fieber?
Das Dengue-Fieber ist eine hochfieberhafte Viruserkrankung, die durch Mücken auf den Menschen übertragen wird. Hauptverbreitungsgebiete sind Südostasien (vor allem Thailand), Mittel- und Südamerika sowie Afrika. Insgesamt in ca. 100 subtropischen und tropischen Ländern außerhalb Europas.
Die Mücken (Tigermoskito, Aedes aegypti) gibt es auch und vor allem in den Großstädten. Sie sind zu jeder Tageszeit aktiv. Kleinste Wasseransammlungen reichen ihnen als Brutplatz aus, wobei hohe Temperaturen zu einer starken und schnellen Vermehrung führen. Infolgedessen können Epidemien (Masseninfektionen) des Dengue-Fiebers auftreten.
In den letzten 20 Jahren ist es zu einem erheblichen Anstieg der Erkrankungsfälle und zu vermehrten Epidemien gekommen. Die World Health Organization (WHO) schätzt, dass sich weltweit rund 50 Millionen Menschen jährlich mit dem Dengue-Virus infizieren.
Mittlerweile wird die Erkrankung zunehmend als eine der wichtigsten neuen Infektionskrankheit der Welt bezeichnet. An der schweren Verlaufsform des Dengue-Fiebers, der Dengue-Schock-Syndrom, versterben weltweit über 22.000 Menschen vor allem Kinder.
Wie kann man Dengue-Fieber bekommen?
Europäer infizieren sich meist bei einem Urlaubsaufenthalt in den betroffenen Gebieten. Die blutsaugenden Mücken beherbergen die Krankheitserreger. Beim Stich werden diese auf den Menschen übertragen und vermehren sich in den Lymphknoten und in bestimmten Zellen des Abwehrsystems (retikuloendotheliale Zellen).
Innerhalb von zwei bis zehn Tagen nach der Ansteckung kommt es dann zum Ausbruch der Krankheit (Inkubationszeit).
Welche Symptome treten bei Dengue-Fieber auf?
Wenn kurz nach einem Aufenthalt in den oben genannten Gebieten folgende Anzeichen auftreten, könnte es sich um ein Dengue-Fieber handeln:
- Plötzliches Auftreten von Fieber: Typischerweise geht das Fieber nach einigen Tagen zurück, um dann nach kurzer Pause erneut anzusteigen (zweigipfliger Fieberverlauf)
- Kopfschmerzen, vor allem hinter den Augen
- Knochen-, Muskel- und Gelenkschmerzen, die sehr intensiv sein können (daher der Name Breakbone- oder Knochenbrecher-Fieber)
- evtl. niedriger Pulsschlag
- vtl. rötlicher Hautausschlag
- evtl. Schwellungen der Lymphknoten
Wie wird die Verdachtsdiagnose gesichert?
Ein Tropenarzt kann die Diagnose in der Regel aufgrund der typischen Symptome und des Verlaufs stellen. Reisende sollten ihrem Arzt von dem Auslandsaufenthalt berichten.
Allerdings sind selten alle Symptome vorhanden, sodass sich oft eine mehr oder weniger eindeutige Konstellation ergibt. Eine Blutuntersuchung kann die Diagnose durch den Nachweis der Erreger sowie von Antikörpern gegen das Dengue-Virus sichern.
Häufig liegen die Resultate aber erst dann vor, wenn die Erkrankung schon überwunden ist. Wenn der Erreger nachgewiesen wurde, muss dies dem örtlichen Gesundheitsamt gemeldet werden.
Wie verläuft die Krankheit?
In den weitaus meisten Fällen verläuft die Erkrankung über acht bis zehn Tage mit einem zweigipfligen Fieber, dann lassen die Symptome langsam nach. Allerdings kann die Erholungsphase über Monate andauern. In einigen Fällen beobachtet man bei den Betroffenen Depressionen.
In seltenen Fällen gibt es Komplikationen. Das Hämorrhagische Dengue-Fieber, auch als Dengue-Schocksyndrom und Dengue-Enzephalitis bezeichnet, ist selten, aber sehr gefürchtet. Es tritt meist bei Säuglingen und Kleinkindern auf. Aber auch bei Erwachsenen, die schon einmal an einem Dengue-Fieber erkrankt waren, kann diese lebensgefährliche Verlaufsform vorkommen. Dabei kann es zu massive Gerinnungsstörungen mit starken Einblutungen von Haut- und Schleimhäuten kommen. Nicht selten werden diese Komplikationen mit einem Blutdruckabfall und Kreislaufkollaps begleitet.
Wie wir die Erkrankung behandelt?
Da es keine ursächliche Therapie gibt, kann man nur symptomatisch behandeln, d. h. man bekämpft die Beschwerden. Der Arzt verordnet Schmerzmittel, die gleichzeitig fiebersenkend wirken.
Durch die Abgeschlagenheit neigen die Erkrankten dazu, zu wenig zu trinken. Durch gleichzeitiges Schwitzen kann so schnell ein Flüssigkeitsmangel entstehen, den man an einer trockenen Zunge und dunklem Urin erkennt. Es empfiehlt sich deshalb, viel zu trinken, z. B. Wasser oder Tee.
Bei komplizierten Verläufen kann eine ärztliche Behandlung im Krankenhaus zur Schock- und Blutungsbekämpfung erforderlich sein.
Welche Schutzmaßnahmen gibt es?
Der einzig mögliche Schutz besteht zurzeit noch darin, sich vor Mückenstichen zu schützen.
Folgende Verhaltensregeln sollte man beachten:
- Lange Hosen und langärmelige Kleidung tragen
- Fenster mit Moskitogaze versehen bzw. geschlossen halten
- Eine halbe Stunde vor dem Schlafengehen ein Insektizid versprühen
- So genannte Moskitocoils anzünden
- Klimatisierung einschalten
- Unter einem Moskitonetz schlafen
- Unbedeckte Körperteile mit einem Mückenabwehrmittel einreiben
Mit diesen Maßnahmen schützt man sich gleichzeitig vor anderen Krankheiten, z. B. vor Malaria. Eine Impfung gegen Dengue-Fieber ist derzeit noch in der Erprobung und noch nicht verfügbar.
Bin ich nach einer durchgemachten Erkrankung immunisiert?
Nein, derzeit gibt es vier verschiedene bekannte Viren ( sogenannte vier Serotypen) die das Dengue-Fieber auslösen können.
Ein Mensch der sich vermehrt in Gebieten aufhält in denen das Dengue-Fieber übertragen werden kann, kann nach derzeitigem Stand der Wissenschaft bis zu vier mal erkranken.
Erst-Erkrankung verlaufen in der Regel gutartig und heilen komplikationslos aus. Besonders bei Zweitinfektionen ist ein schwerer Verlauf mit o.g. Blutungsneigung oder Schocksymptomen möglich.
Impressum
Copyright: sanvartis GmbH
Erstellungsdatum: September 2000
Autor: Dr. med. Karl Addicks
Letzte Aktualisierung: April 2005
Durch: Simone Woytke und Dr. med. Dirk Nonhoff
Literatur/Leitlinien/EBM:
CRM Handbuch zur Reisemedizinischen Beratung (Ausgabe Mai 2000).
Diesfeld, H. J.: Praktische Reise- und Tropenmedizin. Thieme (1997).
Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag (2004).
Kretschmer/Kusch/Scherbaum: Reisemedizin. Urban & Fischer (1999).
Lang: Tropenmedizin in Klinik und Praxis. Thieme (2000).


