Haarausfall, kreisrunder
(Alopezia areata)
Was ist eine Alopezia areata?
Die Alopezia areata ist eine besondere Form des Haarausfalls. Ursache ist wie man annimmt eine Störung der Funktion der Haarwurzeln, ausgelöst durch körpereigene Abwehrzellen, so genannte T-Lymphozyten. Die T-Lymphozyten umlagern die Haarwurzel während der Wachstumsphase des Haares und verhindern den störungsfreien Ablauf der Haarbildung, so dass das Haar ausfällt.
Die Haarwurzel wird nicht dauerhaft geschädigt, weshalb daraus jederzeit ein neues Haar wachsen kann. Auch die Kopfhaut zeigt keine offensichtliche Veränderung wie eine Rötung oder Schuppung.
Die Alopezia areata kommt familiär gehäuft vor und tritt gelegentlich zusammen mit anderen Auto-Immunerkrankungen (Schädigung durch die körpereigene Abwehr) auf. Nach Schätzungen sind etwa eine Million Menschen in Deutschland betroffen, Kinder und junge Männer am häufigsten.
Ob die Krankheit auch durch psychischen Stress ausgelöst werden kann, ist umstritten.
Wie macht sich eine Alopezia areata bemerkbar?
Typisch für die Alopezia areata ist ein plötzlicher örtlich begrenzter Haarausfall in kreisrunder Form, daher auch die Bezeichnung "kreisrunder Haarausfall". Jede behaarte Stelle des Körpers kann betroffen sein, am häufigsten bemerkt man die kahlen Bezirke aber am behaarten Kopf, an den Augenbrauen oder Wimpern, und bei Männern im Bartbereich.
Die haarlosen Stellen können sich während der Ausbreitung miteinander verbinden und verlieren dann ihre kreisrunde Form. Der Haarausfall ist nicht schmerzhaft, die Kopfhaut ist nicht verändert und der Betroffene fühlt sich nicht krank.
Wie stellt der Arzt eine Alopezia areata fest?
Der Hautarzt erkennt die Alopezia areata in der Regel auf den ersten Blick durch den charakteristischen kreisrunden Haarausfall. An den Fingernägeln können Veränderungen an der Nagelplatte (so genannte Sandpapiernägel) auftreten.
Um die Art des Haarausfalls genauer herauszufinden, untersucht man die Haarwurzel unter einem Lichtmikroskop. Diese Untersuchung bezeichnet man als Haarwurzelstatus oder Trichogramm. Sie erlaubt es dem Arzt, die verschiedenen Entwicklungsstadien, in denen sich die Haare gerade befinden, zu beurteilen. Normalerweise sind ca. 77 Prozent der Haare in der Wachstumsphase (Anagenhaare). Etwa ein Prozent der Haare befindet sich in einer Übergangsphase (Katagenhaare) und bis zu 20 Prozent in der Ruhephase (Telogenphase). Gesundes Haar weist zusätzlich maximal zwei Prozent abgestorbene oder beschädigte Haare auf. Bei der Alopezia areata ist dieses Verhältnis in Richtung Übergangsphase verschoben.
Außerdem kann man eine Hautprobe entnehmen. Dabei wird ein kleines Stückchen Kopfhaut herausgeschnitten und unter dem Mikroskop untersucht. Finden sich T-Lymphozyten in der direkten Umgebung der Haarwurzeln ohne Anzeichen einer Narbenbildung, bestätigt sich die Diagnose einer Alopezia areata.
Darüber hinaus kann es sinnvoll sein, weitere Auto-Immunerkrankungen auszuschließen, z. B. durch Blutuntersuchungen.
Wie wird eine Alopezia areata behandelt?
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Alopezia areata zu behandeln. Ziel aller Therapieansätze ist, die Aktivität der T-Lymphozyten an den Haarwurzeln zu reduzieren. Die Wurzeln können sich dann wieder erholen und neue Haare wachsen nach.
Eine Möglichkeit, die T-Lymphozyten in ihrer Aktivität zu bremsen, sind Kortisonsalben. Kortisonhaltige Salben dringen jedoch nicht sehr tief in die Haut ein, so dass je nach behandelter Körperregion die Haarwurzeln nicht erreicht werden. Eine Alternative stellen Kortisonunterspritzungen dar. Werden sie an der Kopfhaut vorgenommen, besteht im ungünstigen Fall die Gefahr der Geweberückbildung (Atrophie) und damit des Einsinkens der Kopfhaut im behandelten Gebiet. Die Einnahme von Kortisontabletten sollte sehr genau bedacht werden, denn bei einer langfristigen Tablettentherapie in der notwendig hohen Dosierung überwiegen unter Umständen die möglichen Nebenwirkungen (erhöhter Augeninnendruck, Knochenentkalkung, Gefäßbrüchigkeit, Gewichtszunahme, Bluthochdruck, Diabetes mellitus etc.). Außerdem kann der Haarausfall nach Absetzen der Kortisontabletten erneut auftreten.
Eine weitere Möglichkeit, die T-Lymphozyten von den Haarwurzeln zu verdrängen, besteht in der Anwendung von UV-Licht, vor allem UVA-Strahlen. In der Kombination mit einer Licht sensibilisierenden Substanz (so genanntes Psoralen) wird diese Therapie auch PUVA-Therapie genannt. Aber auch die UV-Strahlen gelangen nicht immer tief genug in die Kopfhaut.
Die so genannte topische Immuntherapie zielt darauf ab, die T-Lymphozyten mit einem künstlich erzeugten Kontaktekzem von der Haarwurzel wegzulocken. Zu diesem Zweck verwendet man Diphenylcyclopropenon (DCP) oder Quadratsäure. Jeder Mensch mit einem gesunden Immunsystem entwickelt gegen diese beiden Stoffe eine Kontaktallergie. Bei dieser Reaktion werden viele T-Lymphozyten benötigt, die dann nicht mehr an der Haarwurzel zur Verfügung stehen. Bei der topischen Immuntherapie wird der Patient zunächst sensibilisiert (d. h. eine Allergie wird verursacht), indem ein Pflaster irgendwo auf die Haut geklebt wird, das dort wenige Tage verbleibt. Nach zwei Wochen ist die Sensibilisierung abgeschlossen, und man beginnt die Behandlung der kahlen Stellen mit sehr verdünnter DCP- oder Quadratsäurelösung, um ein schwaches Kontaktekzem zu erhalten. Auf diesem harmlosen Ekzem können die Haare dann nachwachsen.
Weitere Therapieansätze mit Salben, welche die Immunabwehr hemmen, befinden sich in der Erprobungsphase. Bleiben alle Therapieversuche erfolglos, kann in seltenen Fällen über die Möglichkeit einer Haarverpflanzung nachgedacht werden.
Was passiert, wenn eine Alopezia areata nicht behandelt wird?
Die Spontanheilungsrate, das heißt die Abheilung der Alopezia areata ohne Therapie, ist mit über 50 Prozent sehr hoch. Oft beobachtet man, dass kahle Stellen ohne Vorwarnung auftreten, nach Wochen oder Monaten von allein verschwinden und sich nach Jahren erneut an anderer Stelle bilden.
Allerdings ist es auch möglich, dass sich der Haarausfall immer weiter ausbreitet, bis schließlich alle Kopfhaare (Alopezia areata totalis) und sogar alle Körperhaare (Alopezia areata universalis) fehlen.
Der Verlust der Augenbrauen und Wimpern kann zusätzliche Beschwerden bereiten, weil Schweiß in die Augen läuft und ein Brennen verursacht.
6 Wie wirkt sich eine Alopezia areata auf den Alltag des Patienten aus?
Die Alopezia areata ist keine lebensbedrohliche Erkrankung, stellt aber für den Betroffenen oft eine große psychische Belastung dar. Je nach Frisur können kleinere Kahlstellen zunächst noch verdeckt werden.
Problematischer ist es jedoch, wenn die Erkrankung weiter fortschreitet. Auch Unberechtigte, aber leider gar nicht seltene Befürchtungen der Mitmenschen, es könne sich um eine ansteckende Krankheit oder Folgen einer Krebsbehandlung handeln, erschweren mitunter den Alltag.
Was kann der Patient selbst tun?
Da die Alopezia areata nach bisheriger Erkenntnis keine gesicherten äußeren Auslöser hat und die meisten Vermutungen auf eine genetische Veranlagung abzielen, kennt man zum bisherigen Zeitpunkt keine Möglichkeit, die Erkrankung zu verhindern.
Die Einnahme von Mineralstoffen und Spurenelementen hat bisher keinen nachweisbaren Effekt auf den Verlauf des kreisrunden Haarausfalls. Gleiches gilt für frei erhältliche Kopfhauttinkturen.
Literatur/Leitlinien/EBM:
Altmeyer P. : Therapielexikon Dermatologie und Allergologie. Springer (2. Auflage 2005).
Braun-Falco O.: Dermatologie und Venerologie. Springer (4. Auflage 2002).
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Freyschmidt-Paul, P. et al. : Current and potential agents for the treatment of Alopecia areata.
Curr pharm des 2001, 7(3), 213-230.
Katsarou-Katsari, A. et al. : Alopecia areata and affected skin CRH receptor upregulation induced by acute emotional stress. Dermatology. 2001;203(2):157-61.
Sterry, W.; Paus, R.: Checkliste Dermatologie. Thieme (5.Aufl. 2004).


