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Hagelkorn



(Chalazion)


Was ist ein Hagelkorn und welche Beschwerden verursacht es?


Beim Hagelkorn (Chalazion) handelt es sich um eine Entzündung der im Augenlid leigenden Meibom-Drüse. Die Entzündung ist nicht infektiös, d. h. sie wird nicht durch Bakterien oder andere Erreger hervorgerufen. In der Regel entsteht das Hagelkorn in Folge einer Verstopfung des Ausführungsganges der Drüse. Es beginnt als mehr oder minder schmerzhafte Entzündung des Augenlides und entwickelt sich innerhalb eines oder weniger Tage.

Die schlauchartigen Meibom-Drüsen in den Lidern sind für die Produktion von Talg zuständig, welcher zum regelgerechten Aufbau des Tränenfilms erforderlich ist. Die entzündliche Reaktion kann sich, vom Ausführungsgang ausgehend, weiter ausbreiten, sodass manchmal das gesamte Lid geschwollen und gerötet ist.

Wenn das gestaute Talg-Sekret nicht von selbst aus der Meibom-Drüse in den Bindehautsack abfließt, kapseln die Abwehrzellen den Entzündungsherd ab. Im Zuge dieser Fremdkörperreaktion entsteht ein derb tastbarer, wenig verschieblicher Knoten im Lid. Manchmal findet man mehrere kaum schmerzhafte, wenig oder gar nicht gerötete, derbe, rundliche Schwellungen im Ober- oder Unterlid nahe an der Lidkante.

Das Chalazion kann sich spontan zurückbilden oder bestehen bleiben. Im letzteren Fall wünschen sich die meisten Betroffenen wegen des unangenehmen Druckgefühls sowie wegen der ästhetischen Beeinträchtigung, dass das Hagelkorn entfernt wird. Je nachdem, wie große das Hagelkorn ist, kann es aber auch zu einer Lidfehlstellung oder einer Verformung der Hornhaut mit möglicher Sehverschlechterung führen.

Ein Chalazion tritt meist im Erwachsenenalter auf. Leidet man wiederholt unter Hagelkörnern muss an eine Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) gedacht werden. Dies wird vom Hausarzt abgeklärt.

Ein ähnlicher Knoten, der am Auge auftreten kann und vom Hagelkorn unterschieden werden muss, ist das Gerstenkorn (Hordeolum). Das Gerstenkorn ist eine schmerzhafte, eitrige Entzündung, die von einem Wimpernhaarbalg oder einer kleinen Lidranddrüse ausgeht. Auslöser sind meist Keime vom Lidrand oder aus dem Bindehautsack , das heißt im Gegensatz zum Hagelkorn handelt es sich um eine infektiöse, Erreger bedingte Entzündung. In seltenen Fällen kann sich allerdings auch das zunächst durch nur durch den Sekretstau und nicht Erreger bedingte Hagelkorn bakteriell "superinfizieren".

Hagelkorn und Gerstenkorn sind gutartige entzündliche Knoten. Bösartige Neubildungen am Augenlid kommen sehr viel seltener vor.

Wie wird das Hagelkorn behandelt?


Häufig ist keine spezielle Behandlung notwendig, einige Maßnahmen können aber die Abheilung begünstigen. Auf jeden Fall aber sollte man sich mit dem Knoten bei einem Augenarzt vorstellen damit er die Ursachen abklären kann.

Es werden entzündungshemmende, meist kortisonhaltige, Salben und Augentropfen angewendet. Die niedrige, örtlich verabreichte Dosis von Kortison ist in jedem Fall gut verträglich, Nebenwirkungen wie bei Tabletten oder Spritzen sind also nicht zu befürchten. Da sich der Augeninnendruck unter der Behandlung erhöhen kann, sollte er vom Augenarzt kontrolliert werden.

In hartnäckigen Fällen kann eine Wärmebehandlung (Rotlicht mehrmals täglich für jeweils 10 bis 15 Minuten bei geschlossenen Augen) und leichte Massage zum besseren Abbau des Sekretstaus und der Verhärtung beitragen. Desinfizierende oder antibiotische Salben und Tropfen helfen, wenn Keime beteiligt sind.

Bildet sich das Hagelkorn durch die örtliche Kortison-Anwendung nicht zurück, kann der Arzt es mit einem kleinen Schnitt von der Innenseite des öffnen, um das Sekret zu entleeren. Dadurch werden der Entzündungsherd und Entzündungsreiz beseitigt, und das Lid heilt ohne Narben ab.

Bei jeder Lidveränderung, die wie ein Hagelkorn aussieht, muss man auch an einen bösartigen Tumor der Meibom-Drüsen denken. Dies gilt besonders, wenn man schon älter ist und wenn der Knoten wiederholt auftritt, nicht auf die Behandlung anspricht, gleichzeitig auch die Bindehaut des Lids entzündet ist oder die Lymphknoten vor den Ohren oder am Unterkiefer geschwollen sind, was bei einem Hagelkorn nicht typisch ist. In Verdachtsfällen wird das bei der Entfernung gewonnene Gewebe aus dem Lid eingeschickt und untersucht.


Literatur/Leitlinien/EBM:



Grehn, F.: Augenheilkunde. Springer (28. Auflage 2003).

Kampik-Grehn: Augenärztliche Differentialdiagnose (2000).

Lang, G. K.: Augenheilkunde. Thieme (3. Auflage 2004).

Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF)
Leitlinie des Berufsverbandes der Augenärzte: Hagelkorn (2004).
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