Hefepilzbesiedlung des Darms
(Darmpilz durch Candida; Darmcandidose)
Wann hat eine Hefepilzbesiedlung einen Krankheitswert?
Ein Hefepilz auf der Darmschleimhaut kommt auch bei Gesunden vor und hat in diesem Fall nach dem Stand des medizinischen Wissens keinen Krankheitswert. Er muss demnach auch nicht behandelt werden. Nur eine Hefepilzbesiedelung des Darmes mit deutlich hoher Anzahl, die im Stuhl nachgewiesen werden kann, und bei entsprechenden Infektionszeichen wird eine Behandlung notwendig.
Candida-Pilze sind Hefepilze, die bei zwei Drittel der gesunden Menschen im Stuhlgang, bei 30 Prozent im Mundrachenraum und bei 25 Prozent in der Scheide vorkommen. Auch auf der Haut gehört er zur normalen Besiedelung. Der bekannteste und häufigste Hefepilz ist Candida albicans.
Gefährlich wird der Pilz meist erst bei einer geschwächten Körperabwehr. AIDS-Patienten, Menschen mit Immundefekten und solche, die sich einer immunsuppressiven Therapie (z. B. einer Chemotherapie bei Krebs) unterziehen, gehören zur Risikogruppe.
Bei ihnen kann der Hefepilz auf der Schleimhaut des Mundrachenraumes weiße Beläge verursachen (Mundsoor), zu einer Infektion der inneren Schleimhäute (z. B. der Darmschleimhaut) führen oder sogar über die Blutbahn andere innere Organe befallen. Dann droht auch eine lebensgefährliche Sepsis (Blutvergiftung).
Welche Beschwerden kann eine Infektion mit Hefepilzen verursachen?
Bei den meisten Menschen hat, wie bereits deutlich gemacht, die Hefepilzbesiedelung des Darmes keinen Krankheitswert und verursacht auch gar keine Beschwerden. Bei Abwehrgeschwächten kann eine Hefepilzinfektion allerdings zu einer lebensbedrohlichen Erkrankung werden. Sie äußert sich ähnlich einer schweren Magen-Darm-Infektion, wie sie auch durch Bakterien und Viren verursacht werden kann.
Es kommt zu Durchfällen, Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Appetitlosigkeit. Sind die Durchfälle sehr stark und wird nicht genug getrunken, ist ein Flüssigkeitsmangel die Folge (Exsikkose, Dehydratation). Allgemeine Abgeschlagenheit, Schwäche und Fieber begleiten die Beschwerden.
Wie erwähnt, können die Pilze bei entsprechender Abwehrschwäche auch alle anderen Organe befallen, dort zu Entzündungen (z. B. zu einer Lungenentzündung mit Husten und Auswurf) bis hin zu einer Blutvergiftung (Sepsis) führen.
Ob vielfältige Beschwerden der Allgemeinbevölkerung wie Müdigkeit, Verdauungsstörungen, Schlafstörungen oder Gelenkschmerzen auf einen Hefepilzbefall zurückzuführen sind, wird kontrovers diskutiert. Einen wissenschaftlichen Nachweis gibt es dafür nicht und alle seriösen Untersuchungen sprechen dagegen.
Welche Ursachen und Auslöser sind bekannt?
In der Regel handelt es sich bei der übermäßigen Hefepilzbesiedlung von Darm und dem Befall anderer Organe um eine Zweiterkrankung. Wie erwähnt, sind vor allem abwehrgeschwächte Personen betroffen.
Ein erhöhtes Risiko haben demnach vor allem AIDS-Patienten, Tumorpatienten sowie Menschen, die an einer angeborenen Immunschwäche oder an Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) leiden. Aber auch bei alten Menschen werden häufiger schwere Verläufe einer Darmpilzbesiedelung beobachtet.
Auch eine vorausgegangene Behandlung mit Antibiotika (Bakterien abtötende Medikamente) kann eine krankhafte Hefepilzbesiedlung verursachen.
Wie behandelt man einen krankhaften Hefepilzbefall?
Nur ein krankhafter Hefepilzbefall bedarf überhaupt einer Therapie. Bei entsprechenden Beschwerden können der Pilz und ein Pilz-Antigen z. B. im Blut nachgewiesen und eine Pilzkultur angelegt werden. Ist der Befund dann bestätigt, wird dem Erkrankten ein Antipilzmittel (Antimykotikum) über die Vene verabreicht. Da die Betroffenen oft aufgrund ihres Grundleidens sehr krank und geschwächt sind und einem großen Risiko für einen schweren Verlauf ausgesetzt sind, sollte die Therapie im Krankenhaus durchgeführt werden.
Ist nur der Mundraum oder der Darm befallen, reichen Tabletten oder entsprechende Lösungen aus.
Alle Tabletten, die zu einer Pilzbehandlung eingenommen werden, können Nebenwirkungen wie Magen-Darm-Beschwerden, Kopfschmerzen und Benommenheit verursachen. Oft muss diese Therapie über Wochen durchgeführt werden. Wird sie zu früh beendet, kann es zu einem schweren Rückfall durch eine rapide Vermehrung der verbliebenen Pilze kommen.
Bei einem Darmpilzbefall kann zusätzlich zur medikamentösen Therapie eine entsprechende Diät, die mit den behandelnden Ärzten und ggf. einem Ernährungsberater festgelegt wird, sinnvoll sein.
Literatur/Leitlinien/EBM:
Hahn, E. G. / Riemann, J. F.: Klinische Gastroenterologie. Thieme (2000).
Hahn, J.M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme (4. Auflage 2003).
Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag (2005).
Harrison, T. R.: Harrisons Innere Medizin. ABW Wissenschaftsverlag (16. Auflage 2005).
Ärzte Zeitung: Pilze im Darm in der Praxis ein Thema, trotz aller Kritik. (19.11.1999)
http://www.aerztezeitung.de/docs/1999/11/19/211a1302.asp
http://www.inform24.de/candida.html
http://gin.uibk.ac.at/gin/freihtml/darmpilz.htm


