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Herpes



(Herpes-simplex-Infektion; Herpes labialis; Herpes genitalis)


Was ist Herpes?


Herpes bedeutet wörtlich übersetzt "kribbeln", "kriechen" oder "schleichen". Der griechische Arzt Hippokrates verwendete das Wort in der Antike zur Beschreibung bestimmter Bläschen bildender Hautkrankheiten.

Das Herpes-simplex-Virus (HSV) ist weltweit verbreitet und kommt nur beim Menschen vor. Es ruft meist schmerzhafte, gruppierte Bläschen auf der geröteten Haut oder Schleimhaut hervor. Es werden zwei Typen von Herpes-simplex-Viren unterschieden: Das Herpes-simplex-Virus 1 (HSV1) wird vornehmlich durch den Speichel übertragen. Die Durchseuchung beginnt in der Kindheit, im Erwachsenenalter sind bei 90 Prozent Antikörper gegen das Virus nachweisbar. Infektionen der Haut und der Schleimhaut im Mundbereich (Herpes labialis) sind für dieses Virus typisch. Im Volksmund wird diese Infektion auch als Fieberbläschen oder Gletscherbrand bezeichnet.

Das Herpes-simplex-Virus 2 (HSV2) wird hauptsächlich über die Geschlechtsorgane (genital) bei sexuellen Kontakten übertragen. Die Durchseuchungsrate liegt ab der Pubertät mit steigender Tendenz bei 20 Prozent. Es verursacht vorwiegend Infektionen im Genitalbereich (Herpes genitalis). Während der Geburt kann das Virus auf das Neugeborene übertragen werden.

Grundsätzlich können HSV1 und HSV2 auch Infektionen an anderen Stellen des Körpers hervorrufen. In den letzten Jahren wird allerdings eine zunehmende Vermischung beider Herpes-Viren (genitaler Befall durch HSV1, Infektionen oberhalb der Gürtellinie durch HSV2) beobachtet.

Die Erstinfektion mit HSV1 erfolgt häufig bis zum fünften Lebensjahr, die mit HSV2 meist erst nach der Pubertät. Die Viren werden durch Speichel, Urin, Stuhl und andere Körperflüssigkeiten übertragen. Eintrittspforten in den Organismus sind Haut- und Schleimhautverletzungen. In 90 Prozent der Fälle verläuft die Infektion unbemerkt.

Das Herpes-simplex-Virus verweilt ein Leben lang in den Nervenzellen. In Zeiten von Abwehrschwächen des Körpers (z. B. Stress, Fieber, Tumorerkrankungen, Menstruation, Sonnenbestrahlung) kann das Virus reaktiviert werden und zu Beschwerden und Krankheitszeichen führen.

Wie äußert sich die Infektion an den jeweiligen Organen?


Bei etwa zehn Prozent der Betroffenen verursacht die Erstinfektion mit dem Herpes-simplex-Virus Beschwerden. Es treten dann Fieber und allgemeines Unwohlsein auf. Schleimhaut und Haut zeigen gruppiert stehende, eingedellte Bläschen mit einhergehender Entzündung der entsprechenden Region.

Bei einer Infektion mit HSV1 finden sich die Bläschen häufig am Lippenrand, aber auch im Mund- und Rachenraum. Bei Kleinkindern kann eine Stomatits aphtosa (Mundfäule) mit schwerem Krankheitsgefühl auftreten. Bei der Infektion der Frau mit HSV2 finden sich die Bläschen an der Scheide, am Muttermund, am Gebärmutterhals und an der Harnröhre (Vulvovaginitis herpetica), beim Mann an der Eichel und an der Vorhaut (Balanitis herpetica).

Juckreiz und Spannungsgefühl werden von den Betroffenen vor der Bläschenbildung beschrieben. Durch Aufplatzen oder Eintrocknen bilden sich nachfolgend Krusten, die dann in der Regel nach acht bis zehn Tagen ohne Narbenbildung abheilen. Die Lymphknoten können ebenfalls schmerzhaft geschwollen sein. Die Betroffenen leiden vor allem unter dem unangenehmen Spannungsgefühl sowie unter dem kosmetischen Aspekt der Hauterkrankung. Da das Virus in den Nervenzellen überdauert, kommt ein Wiederauftreten der Infektion am gleichen Ort vor.

Die Infektion mit Herpes simplex betrifft nicht nur die Haut und die Schleimhäute. Auch andere Organe wie die Augen oder das zentrale Nervensystem können erkranken.
  • Ein Befall von Bindehaut und Hornhaut des Auges kann zur Hornhauttrübung führen, was die Sehkraft deutlich verschlechtern kann. Es sollte ein Augenarzt aufgesucht werden.
  • Eine HSV-Infektion der Hirnhäute (Herpes-Meningitis) wird meist durch das HSV2 verursacht. Die Betroffenen zeigen Kopfschmerzen, Lichtempfindlichkeit und Nackensteifigkeit. Diese Erkrankung verläuft meist mild und führt selten zu Komplikationen und Spätschäden.
  • Eine HSV-Infektion des Gehirns (Herpes-Enzephalitis) wird in über 90 Prozent der Fälle durch das HSV1 verursacht. Zunächst treten Fieber, Unwohlsein und Kopfschmerzen auf. Dann können Verhaltens- und Sprachstörungen, leichte Halbseitenlähmung und epileptische Anfälle hinzukommen. Ein Facharzt (Neurologe) sollte hinzugezogen werden, da die Erkrankung sehr ernst zu nehmen ist. Unbehandelt führt die Herpes-Enzephalitis in 70 Prozent der Fälle zum Tod. Mit virusabtötenden Medikamenten (Virustatika, z. B. Aciclovir) und intensivmedizinischen Maßnahmen kann die Sterblichkeit auf unter 30 Prozent gesenkt werden, es bleiben aber oft Schäden zurück.
  • Bei Menschen, die an einem deutlichen Immundefekt (z. B. HIV-Patienten, Tumorpatienten) leiden, können innere Organe wie Leber, Lunge oder Nieren infiziert werden und zu einem dramatischen Krankheitsverlauf führen.

Wie wird die Diagnose gestellt?


Das Krankheitsbild ist aufgrund der typischen sichtbaren Herpesbläschen für den Arzt meist schon beim ersten Anblick eindeutig.

Nur bei schweren Verläufen bedarf es manchmal einer weiteren Diagnostik. Dazu gehören
eine Antikörperbestimmung oder der direkte Virusnachweis aus einem Abstrich oder dem Bläscheninhalt.

Welche Behandlungsmöglichkeiten bestehen?


Bei sonst gesunden Personen ist bei Befall der Schleimhaut oder Haut, wenn überhaupt, nur eine lokale Therapie (äußere Anwendung) mit Medikamenten sinnvoll, um die unangenehmen Beschwerden zu lindern. Besonders geeignet sind hier austrocknende, antiseptische und örtlich betäubende Medikamente.

Kühlung des befallenen Areals wirkt ebenfalls wohltuend. Das Auftragen von kortisonhaltigen Mitteln im Frühstadium verkürzt die Erkrankungszeit. Im Bläschenstadium werden dann zinkhaltige Schüttelmixturen bevorzugt, die zum Austrocknen der Bläschen beitragen. Im Krustenstadium können Salben benutzt werden. Die Auswahl der Inhaltsstoffe richtet sich nach dem jeweiligen Krankheitsbild. Immunstimulierende Medikamente, also Mittel, die das Abwehrsystem fördern, haben keinen Effekt.

Bei einer schweren Verlaufsform oder einer Infektion des Auges ist eine systemische Therapie (innerliche Anwendung) notwendig. Diese Behandlung wirkt sich auf den Gesamtorganismus, und nicht nur auf das betroffene Areal aus. Ist eine Tablettengabe nicht ausreichend, und sind die Symptome und Schmerzen stark ausgeprägt, sollte die Behandlung im Krankenhaus durchgeführt werden. Hier werden zunächst virusabtötende Medikamente (Aciclovir) über die Vene gegeben und die Therapie bei Besserung ggf. mit Tabletten weitergeführt.

Die Herpesinfektion bildet sich in manchen Fällen nur sehr zögerlich zurück. Grundsätzlich ist der frühe Therapiebeginn für eine kurze Erkrankungszeit entscheidend.

Impfstoffe gegen HSV befinden sich derzeit noch in der Erprobungsphase.


Literatur/Leitlinien/EBM:



Consilium Cedip Practicum: Handbuch für Diagnose und Therapie. CEDIP Verlagsgesellschaft (1999).

Jung, E. G.: Dermatologie. MLP Duale Reihe. Thieme (5. Auflage 2002).

Orfanos, C. E.: Therapie der Hautkrankheiten. Springer (2. Auflage 2002).

Sterry, W.: Checkliste Dermatologie. Thieme (4. Auflage 2000).

Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag (2004).

Lexikon der Infektionskrankheiten des Menschen. Springer (1997).

Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF)
Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für pädiatrische Infektiologie (DGPI):
Herpes-simplex-Virus-(HSV)-Infektionen (AWMF-Leiltinien-Register Nr. 048/003). Erstellung: 1996. Überarbeitung: 1998.
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