Hämorrhoiden
Was sind Hämorrhoiden?
Hämorrhoiden sind knotenförmige Erweiterungen der am Übergang Enddarm vom zum After befindlichen Blutgefäße, dess so genannten Hämorrhoidalschwellkörpers. Wenn sich dieses Gefäßgeflecht erweitert, werden Hämorrhoiden als Vorwölbung im Bereich des Afters sichtbar und tastbar.
Hämorrhoidalleiden sind weit verbreitet. Schätzungen zu Folge erkranken 30 Prozent der mitteleuropäischen Bevölkerung ein- oder mehrmalig in ihrem Leben.
Was sind die Ursachen von Hämorrhoiden?
Die Ursachen des Hämorrhoidalleidens sind vielfältig. Vor allem dauerhafte Verstopfung (chronische Obstipation) begünstigt die Entstehung von Hämorrhoiden. Durch die Verstopfung muss man beim Stuhlgang stark pressen und durch den erhöhten Druck kommt zu einer vermehrten Ansammlung von Blut im Gefäßgeflecht des Afters. In Folge dessen können sich diese Blutgefäße wiederum dauerhaft überdehnen.
Weitere Ursachen können Übergewicht, angeborene Bindegewebsschwächen, Schwangerschaften, Bewegungsmangel und andauernde sitzende Tätigkeiten sein. Auch infolge einer übermäßig starken Spannung oder Verengung des Afterschließmuskels muss gegen einen höheren Widerstand angepresst werden, was die Entstehung von Hämorrhoiden begünstigt.
Des Weiteren können Hämorrhoiden bei bestimmten Lebererkrankungen vorkommen und sollten deshalb immer ärztlich abgeklärt werden.
Wie werden Hämorrhoiden erkannt?
Meist werden Hämorrhoiden durch Beimengungen von hellrotem Blut zum Stuhlgang bemerkt oder zufällig bei der Körperreinigung ertastet. Im Allgemeinen machen Hämorrhoiden nur leichte Beschwerden. Typisch sind Juckreiz, Brennen oder Nässen am After, vor allem während und nach dem Stuhlgang. Bei größeren Hämorrhoiden kann es auch zum unkontrollierten Abgang kleiner Stuhlmengen kommen (Stuhlschmieren) sowie zu einem unangenehmen Druck- und Fremdkörpergefühl.
Ein Arztbesuch zur weiteren Abklärung ist unumgänglich, weil sich auch andere schwerwiegendere Erkrankungen auf diese Art und Weise äußern können.
Bei der ärztlichen Untersuchung folgt einer genauen Betrachtung (Inspektion) des Afters eine Untersuchung des Anus mit dem Finger (rektal-digitale Untersuchung). Der Patient wird aufgefordert zu pressen, da dadurch manchmal die Hämorrhoiden zum Vorschein kommen.
Durch eine Spiegelung des Enddarmes (Proktoskopie) kann die Größe und Beschaffenheit der Hämorrhoiden sicher beurteilt werden. Auch lassen sich so andere Ursachen der Beschwerden (z. B. Anal- oder Enddarmkrebs) ausschließen. Für diese Untersuchung wird ein Endoskop, bestehend aus einem Schlauch mit integrierter Optik undeiner Lichtquelle, durch den After bis in den Enddarm (Rektum) eingeführt. Neben der Beurteilung der Hämorrhoiden kann der Arzt die Darmschleimhaut betrachten und nach Veränderungen wie Geschwüre oder Tumoren suchen. Findet er verdächtige Schleimhautveränderungen, entnimmt er mit einer Zange Proben (Biopsien), die der Pathologe dann unter dem Mikroskop weiter untersucht.
Die Spiegelung des Enddarms ist im Allgemeinen ein risikoarmes Routineverfahren. Trotzdem kann es in seltenen Fällen zu Komplikationen wie Verletzungen der Darmwand mit nachfolgenden Blutungen (z. B. bei der Probenentnahme) kommen. Noch seltener wird die gesamte Wand des Darmes durchstoßen (Perforation).
Ferner muss eine Allgemeinerkrankung als Ursache für ein Hämorrhoidalleiden ausgeschlossen werden. Dafür können weitere Untersuchungen wie z. B. eine Blutabnahme notwendig sein.
Wie verläuft das Hämorrhoidalleiden unbehandelt?
Unbehandelt schreitet das Hämorrhoidalleiden langsam aber stetig voran. Aus kleinen Venengeflechten bilden sich größere und festere Gefäßveränderungen. Dann besteht die Gefahr, dass sich in den erweiterten Gefäßen sehr schmerzhafte Blutgerinnsel (Hämorrhoidal-Thrombosen) bilden.
Im fortgeschrittenen Stadium können die Hämorrhoiden unter Mitnahme des davor liegenden Analkanals dauerhaft sichtbar nach außen vorfallen (Analprolaps). Eine weitere mögliche Folge ist eine langfristig gestörte Schließmuskelfunktion durch die sich ausbreitenden Hämorrhoiden. Dann droht Inkontinenz.
Durch den ständigen und chronischen Blutverlust kann es außerdem zu einer langsam sich entwickelnden Anämie (Blutarmut) oder zu einem Eisenmangel kommen.
Wie werden Hämorrhoiden behandelt?
Die Behandlung richtet sich nach dem Ausmaß der Hämorrhoiden. Wenn es keine oder nur ganz selten geringe Beschwerden mach, muss ein Hämorrhoidalleiden nicht unbedingt therapiert werden.
Die Betroffenen sollten ihre Ernährung auf eine ballaststoffreiche Kost (Vollkornprodukte, Obst, Gemüse) umstellen und täglich mindestens zwei Liter trinken, weil das die Stuhlentleerung erleichtert. Pressen sollte unbedingt vermieden werden. Weitere ergänzende Maßnahmen sind körperliche Betätigung (z. B. Spaziergänge, Joggen, Schwimmen) sowie eine Gewichtsreduktion hin zum Normalgewicht.
Ist die Haut im Analbereich gereizt, helfen Sitzbäder. Es sollte aber keine Seife zur Reinigung verwendet werden.
Bei bestehenden Hämorrhoiden kann der Arzt Salben oder Zäpfchen verschreiben, die das Jucken, Brennen und Nässen lindern. Diese Medikamente sind auch entzündungshemmend, so dass sich die Hämorrhoiden in seltenen Fällen unter dieser Behandlung zurückbilden. Diese Mittel darf man allerdings nur über einen kurzen Zeitraum anwenden.
Oft sind weitere therapeutische Maßnahmen notwendig. Eine Möglichkeit, die Krankheit zu behandeln, besteht in der Verödung (Sklerosierung) der Hämorrhoiden durch das Einspritzen einer Lösung (meist Phenol-Mandelöl) an den Ursprung des Knotens. Dadurch wird der Blutfluss gedrosselt und der Hämorrhoidalknoten schrumpft. Diese Methode ist risiko- und schmerzarm.
Hämorrhoiden können auch mit einer Gummibandligatur entfernt werden. Dabei wird ein Gummiring über den Hämorrhoidalknoten gestülpt, das die Blutzufuhr abschnürt, der Folge, dass die Hämorrhoide innerhalb weniger Tage abstirbt und mit dem Gummiring abgestoßen wird. Dieses Verfahren ist schmerzarm, das Fremdkörpergefühl kann jedoch unangenehm sein. In seltenen Fällen kann es in den ersten Tagen aus der Wunde stark bluten.
Bleiben diese Behandlungsverfahren erfolglos oder liegen größere Hämorrhoiden vor, ist eine Operation sinnvoll (Hämorrhoidektomie). Hierbei entfernt der Chirurg die Knoten mit der darüber liegenden Schleimhaut bindet und die Blutgefäße ab. Der Eingriff wird in der Regel in Vollnarkose durchgeführt. Neben einer selten vorkommenden Verletzung des Afterschließmuskels mit möglicher Beeinträchtigung der Rückhaltefunktion (Stuhlinkontinenz), Nachblutungen und einer Einengung des Analkanals, ist vor allem der Wundschmerz nach der Operation ein Nachteil dieser Methode. Man muss mit einer Arbeitsunfähigkeit von zwei bis drei Wochen rechnen. Nach der Operation sollten die Patienten mehrmals täglich Sitzbäder durchführen und den After nach jedem Stuhlgang vorsichtig abduschen.
Alternativ kann mithilfe eines so genannten Staplergerätes die Hämorrhoidalzone ausgestanzt werden (Hämorrhoidopexie). Der Wundschmerz ist bei diesem Operationsverfahren deutlich geringer und der stationäre Aufenthalt kürzer. Die Komplikationsrate entspricht der einer herkömmlichen Operation.
Literatur/Leitlinien/EBM:
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http://www.uni-duesseldorf.de/WWW/AWMF/ll/081-007p.htm (Erstellungsdatum Nov 2002)


