Hepatitis B
(Virushepatitis; Hepatitis B Virus-Infektion; Gelbsucht)
Hepatitis B - Was ist das?
Ganz generell bezeichnet der Begriff Hepatitis eine Entzündung des Lebergewebes.
Wird diese Entzündung durch das Hepatitis-B-Virus hervorgerufen, spricht man von einer Hepatitis B. Mit weltweit etwa 300 Millionen Virusträgern gehört die HBV-Infektion zu den häufigsten Infektionskrankheiten überhaupt. In Deutschland tragen schätzungsweise 600.000 Menschen den Erreger in sich. Obwohl seit 1995 eine allgemeine Impfempfehlung für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren besteht, gibt es nach Angaben des Robert-Koch-Instituts jedes Jahr in Deutschland etwa 3000 akute Hepatitis-B-Fälle.
Wie verläuft die Hepatitis B und wie kann sie erkannt werden?
Der Verlauf der Krankheit ist sehr variabel. Etwa ein Drittel der Betroffenen leiden etwa drei bis sechs Wochen nach der Ansteckung unter akuten Krankheitszeichen. Wie bei vielen anderen Viruserkrankungen treten zunächst grippeartige Symptome auf, die oft das einzige Krankheitszeichen bleiben können.
Zeichen der Leberbeteiligung, wie sie bei etwa einem Drittel der Erkrankten auftreten können, sind eine Gelbfärbung der Haut und der Augen. Die Gelbfärbung beruht auf einer Einlagerung von Gallenfarbstoff und wird oft von einem mehr oder weniger starken Juckreiz begleitet. In diesen Fällen wird auch der Urin dunkel und der Stuhlgang hell.
Die Schwellung der Leber kann schmerzhaft sein, manchmal ist sie dann auch unter dem rechten Rippenbogen tastbar. Da diese Zeichen aber auch bei anderen Lebererkrankungen auftreten können, sollte durch eine Blutuntersuchung das Ausmaß der Leberschädigung und die Art der Erkrankung festgestellt werden.
Im Rahmen der Blutuntersuchung lassen sich zum einen die Antikörper gegen das jeweilige Hepatitis-Virus feststellen. Außerdem kann die Beeinträchtigung der Leberfunktion anhand der Leberenzyme, der Gerinnungswerte sowie anhand von weiteren Stoffen, die in der Leber produziert werden, beurteilt werden.
In selten Fällen (weniger als ein Prozent der Betroffenen) kommt es in der akuten Erkrankungsphase zu einem äußerst schweren und schnellen Verlauf der Hepatitis. Bei dieser so genannten fulminanten Hepatitis droht ein Leberversagen. Deshalb müssen diese Patienten unbedingt und sofort ins Krankenhaus.
3 Welche Komplikationen können auftreten?
Bei der Hepatitis B besteht die Gefahr einer Chronifizierung der Erkrankung. Das bedeutet, dass die Entzündung nicht ausheilt, die Viren im Körper bleiben und die Leber fortlaufend schädigen können. Bei Erwachsenen ist dieser Verlauf eher selten, bei Kleinkindern hingegen sehr häufig.
Durch den anhaltenden Vorgang von Zellschädigung, Reparaturversuch und Ersatz von funktionstüchtigem Lebergewebe durch Narbengewebe kommt es zu einer Einschränkung der Leberfunktion und zu einer Verhärtung und Verkleinerung der Leber einer so genannten Leberzirrhose.
Weil die Leber eine zentrale Stellung im Stoffwechsel des Körpers einnimmt, hat eine Funktionsstörung weitreichende Folgen. Ein verhärtetes Lebergewebe bildet einen höheren Widerstand für das durchfließende Blut. In Folge dessen kann es zu Stauungen des Blutes mit Wassereinlagerungen und Krampfadern in verschieden Organsystemen kommen.
Da die Leber auch die Gerinnungsstoffe bildet, die zur Blutstillung erforderlich sind, kann eine Blutung aus Krampfadern (z. B. in der Speiseröhre) rasch lebensbedrohliche Ausmaße annehmen. Diese Folgen gilt es durch konsequente Behandlung zu vermeiden.
Langfristig kann die andauernde Schädigung eine bösartigen Veränderung des Lebergewebes (Leberkrebs) verursachen.
Wie kann man sich infizieren?
Die Infektion mit dem Hepatitis-B-Virus erfolgt ausschließlich über Blut und Körperflüssigkeiten.
Die chronische Infektion, also das Verbleiben des Virus im Körper mit erhaltener Ansteckungsgefahr für andere, ist äußerlich nicht erkennbar. Daher stellt der ungeschützte Geschlechtsverkehr mit häufig wechselnden Partnern ein hohes Risiko dar.
Gemeinsame Nutzung von Injektionsnadeln, z. B. beim Drogenkonsum, ist eine weitere, nicht selteneInfektionsquelle. Früher stellten Blutübertragungen ein Risiko dar, durch intensive Überwachung der Blutkonserven hat diese Gefahr in den letzten Jahren jedoch deutlich abgenommen.
Wie kann man sich vor Hepatitis B schützen?
Es gibt eine Impfung gegen Hepatitis B, die derzeit - sofern die Eltern einwilligen - bei allen Säuglingen und Kleinkindern durchgeführt wird. Gleiches gilt für enge Kontaktpersonen eines Virusträgers.
Auch für beruflich gefährdete Personen (z. B. medizinisches Personal) und Personen in Fürsorgeeinrichtungen wird die Impfung empfohlen, des Weiteren für bestimmte Risikogruppen (z. B. homosexuelle Männer, Personen mit häufigem Partnerwechsel und Drogenabhängige), für Personen mit chronischen Lebererkrankungen und mit Erkrankungen, die häufige Blutübertragungen oder eine Dialyse (künstliche Blutwäsche) erforderlich machen.
Welche Behandlungsmöglichkeiten bestehen?
Grundlage der Behandlung einer akuten Hepatitis B ist die körperliche Schonung des Patienten. Die Ernährung sollte leicht und ausgewogen und möglichst auf mehrere Mahlzeiten am Tag verteilt sein. Alkohol ist strikt zu meiden. Stark fetthaltige Speisen sollten nicht verzehrt werden. Die Einnahme von Medikamenten darf nur nach Absprache mit dem Arzt erfolgen, der auch sonst regelmäßig eingenommene Medikamente in dieser Situation auf ihre Verträglichkeit hin überprüft.
Entwickelt sich aus der Erkrankung eine chronische Hepatitis - das ist der Fall, wenn die Leberwerte mindestens sechs Monate lang krankhaft erhöht bleiben - versucht man, die Krankheit medikamentös zu behandeln, mit dem Ziel, schwerwiegende Folgeschäden zu vermeiden.. Grundsätzlich gibt es zwei Arten von Medikamenten, die dann eingesetzt werden können: Zum einen die Interferone, welche die Abwehrkräfte des Körpers gegen die Virusinfektion unterstützen, und zweitens Virustatika, welche die Vermehrung des Virus im Körper unterdrücken. Ob und mit welchem Medikament behandelt wird, hängt von der Aktivität der Entzündung ab. Ein weiteres Kriterium ist, wie der Patient die Behandlung verträgt.
Durch die Therapie ist oft eine vollständige Beseitigung der chronischen Infektion möglich. Als Nebenwirkungen beider Medikamentenarten können Allgemeinsymptome wie Kopfschmerzen, Übelkeit und Muskelschwäche auftreten. Die Interferone können zudem seelische Verstimmungen bis hin zu Depressionen auslösen. Diese lassen sich jedoch meist ausreichend behandeln und führen nur in Ausnahmefällen zum Abbruch der Therapie. Die Virustatika rufen sehr selten eine Bauchspeicheldrüsenentzündung und Blutbildveränderungen hervor.
Wird die chronisch aktive Hepatitis B, bei der eine deutliche Entzündung der Leber nachweisbar ist, nicht behandelt, droht in der Mehrzahl der Fälle ein fortschreitendes Leberversagen, das innerhalb weniger Jahre zum Tode führen kann.
Die seltene fulminante Verlaufsform macht eine Behandlung in speziellen Fachkliniken erforderlich. Bei diesem schweren Verlauf besteht die einzige Behandlungsmöglichkeit oft nur noch in einer Lebertransplantation.
Ist die Hepatitis im Blut zwar nachweisbar, das Virus aber nicht aktiv (sog. chronisch persistente Hepatitis), sind lediglich Laborkontrollen erforderlich. Eine chronisch persistente Hepatitis kann in eine aktive Hepatitis mit fortschreitender Entzündung der Leber übergehen, sie kann aber auch noch nach Jahren ausheilen.
Welche Verhaltensregeln sollten beachtet werden?
Da eine Übertragung der Erkrankung über Blut und Körperflüssigkeiten erfolgt, sollten Patienten mit einer bekannten Hepatitis-B-Infektion offene Wunden mit geeigneten Verbänden abdecken.
Um eine Ansteckung des Partners zu vermeiden, darf Geschlechtsverkehr nur unter Kondomschutz erfolgen. Dies gilt sowohl für für Patienten mit einer neu aufgetretenen Hepatitis als auch für Kranke mit der chronischen Form. Zahnbürsten und Rasierapparate sollten nicht gemeinsam benutzt werden. Für den alltäglichen häuslichen Umgang bestehen keine besonderen Einschränkungen.
Unter der Behandlung einer chronischen Infektion mit Interferonen sind regelmäßige Kontrollen des Krankheitsverlaufes erforderlich.
Eine plötzliche Umfangszunahme des Bauches oder Händezittern kann auf eine Leberschädigung hinweisen. In diesem Fall muss sofort ein Arzt aufgesucht und eine Behandlung eingeleitet werden.
Literatur/Leitlinien/EBM:
Hahn/Riemann: Klinische Gastroenterologie. Thieme (2000).
Thiemes Innere Medizin (TIM). Thieme (2000).
Harrison, T. R.: Harrisons Innere Medizin. ABW Wissenschaftsverlag (2003).
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Erfolgreiche Behandlung der chronischen Hepatitis B mit Adefovir.
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Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF).
Leitlinie der Gesellschaft für Pädiatrische Gastroenterologie und Ernährung: Hepatitis B (April 2002)
Diagnostik, Verlauf und Therapie der Hepatitis-B-Virusinfektion Ergebnisse einer evidenzbasierten Konsensuskonferen der Deutschen Gesellschaft für Verdaungs- und Stoffwechselerkrankungen in Zusammenarbeit mit dem Kompetenznetz Hepatitis. Z Gastroenterol 2004
Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF).
Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten: Behandlung der chronischen Hepatitis B/D und C.
Manns, M.P., et al.: Standardtherapie der chronischen Hepatitis B. Z. Gastroenterol 2004


