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Speichenbruch, körperferner



(Handgelenkbruch; Radiusfraktur, distale)


Was ist ein körperferner Speichenbruch?


Der körperferne Speichenbruch ist der häufigste Knochenbruch des Menschen. Der Unterarm wird von zwei Knochen, der Speiche (Radius) und der Elle (Ulna) gebildet. Am häufigsten tritt ein Bruch am körperfernen Ende der Speiche (distaler Radius) auf. Die Bruchstelle liegt ganz nah am Handgelenk, deshalb nennt man diesen Bruch manchmal auch Handgelenkbruch.

Seltener bricht gleichzeitig auch das körperferne Ende der Elle, dann spricht man vom kompletten Unterarmbruch. Nur ganz vereinzelt kommt es zu einem isolierten Bruch nur an der Elle.

Wie entsteht ein körperferner Speichenbruch?


Fast immer ist die Ursache ein Sturz, entweder auf die im Handgelenk gebeugte oder gestreckte Hand. Im Alter handelt es sich meist um häusliche Unfälle. Bei einer vorbestehenden Osteoporose kann auch ein leichterer Schlag oder Stoß gegen das Handgelenk zum Speichenbruch führen.

Bei Kindern sind fast immer Stürze beim Spielen oder beim Sport die Ursache, bei Jugendlichen finden sich am häufigsten Sportunfälle.

Wie wird ein körperferner Speichenbruch festgestellt?


Häufig deuten nach einem Sturz Schwellung und Schmerzen im Handgelenk, die Unfähigkeit, das Handgelenk zu bewegen, Gefühlsstörungen oder eine sichtbare Fehlstellung auf einen körperfernen Speichenbruch hin. Durch Röntgenaufnahmen des Handgelenkes lässt sich eine distale Radiusfraktur fast immer sicher diagnostizieren. Manchmal sind bei bestimmten Fragestellungen noch weiterführende Untersuchungen wie Röntgenschichtaufnahmen oder eine Computertomografie notwendig.

In Ausnahmefällen ist eine Magnetresonanztomografie, eine Szintigrafie oder auch eine Arthroskopie (Gelenkspiegelung), insbesondere auch zur Abklärung von Begleitverletzungen, erforderlich. Dazu gehören Nervenschädigungen, Gefäßverletzungen, Risse der Bandverbindungen im Bereich des Handgelenkes oder der Knorpelscheibe zwischen Elle und Handwurzelknochen.

Wie wird ein körperferner Speichenbruch behandelt?


Das Ziel der Therapie besteht darin, die volle Beweglichkeit des Handgelenks wieder herzustellen. Grundsätzlich gibt es zwei Therapieoptionen: eine konservative Behandlung durch Gipsruhigstellung und eine operative Behandlung, bei der die Fraktur durch Drahtstifte, Schrauben und/oder eine Platte fixiert wird. Die Wahl des Behandlungsverfahrens wird wesentlich beeinflusst durch die Stellung der Bruchenden, aber auch durch das Alter, den Funktionsanspruch und Begleiterkrankungen der verletzten Person.
Erfolgt keine Operation mit Freilegung des Knochens, kann die Behandlung in der Regel ambulant erfolgen.

Konservative Behandlung:
Falls nötig verlagert der Arzt zunächst die Knochenteile wieder in ihre ursprüngliche Position. Nach dieser sogenannten Reposition wird der Arm auf einer Gipsschiene ruhig gestellt. Konservativ mittels Unterarmgipsschiene behandelte distale Radiusfrakturen sind in der Regel nach vier Wochen verheilt, bei Kindern häufig schon nach drei Wochen.

Operative Behandlung:
Eine operative Behandlung ist unter folgenden Umständen notwendig:
  • Abgerutschte Brüche mit einer Fehlstellung in der Gelenkfläche müssen so schnell wie möglich wieder eingerichtet werden. Dies kann in einer örtlichen Betäubung oder in einer kurzen Allgemeinnarkose erfolgen.
  • Handelt es sich um Brüche, die sich nach ihrer Einrichtung nicht halten lassen oder stark abrutschgefährdet sind, wird das Einbringen von Drähten, im Einzelfall auch von einer Platte oder eine äußere Schienung mit Knochenstiften (Fixateur externe) empfohlen.
  • Besondere Bruchformen, bei denen Stufen in der Gelenkfläche bestehen oder aber die Gelenkfläche zur Handfläche hin abgekippt ist, sowie Brüche mit Weichteilverletzungen und freiliegendem Knochen lassen sich meist nicht ohne Operation behandeln. In Einzelfällen kann auch eine Unterfütterung des Bruches mit körpereigenem Knochengewebe erfolgen.


Knochenbrüche sind eine schmerzhafte Angelegenheit, deshalb bekommen die Betroffenen in der Regel Schmerzmittel. Wenn eine Schwellung aufgetreten ist, muss der verletzte Arm hochgelagert werden. Auch das Kühlen mit Eis ist sinnvoll. Abhängig vom Behandlungsverfahren (nur Ruhigstellung, Einrichten oder operative Stabilisierung) sind im Verlauf der Genesungsphase Röntgenkontrollaufnahmen erforderlich.

Wird ein körperferner Speichenbruch nicht behandelt, bestehen lange Zeit Schmerzen und eine Bewegungseinschränkung im Handgelenk. Es kann zum Nichtheilen des Bruches mit Ausbildung eines falschen Gelenkes kommen. Verheilt der Bruch in Fehlstellung, können daraus bleibende Bewegungseinschränkungen, anhaltende Schmerzen oder eine Arthrose im Handgelenk durch eine übermäßige Belastung resultieren.

Welche Komplikationen gibt es?


Wie bei jedem Knochenbruch kann es zu einem Weichteilschaden, einer Nervenverletzung oder zu Durchblutungsstörungen kommen. In erster Linie entstehen diese Schäden durch eine starke Fehlstellung oder durch die auftretende Schwellung. Ein gewisses Risiko für solche Begleitverletzungen besteht aber auch beim Einrichten des Bruches unter starkem Zug.

Stehen die Bruchenden durch die Haut sichtbar hervor (offene Fraktur), erhöht das die Infektionsgefahr. Deshalb bekommen diese Patienten meist ein Antibiotikum (Bakterien abtötendes Medikament). Auch bei der operativen Freilegung besteht ein gewisses Entzündungsrisiko. Lassen sich Fehlstellungen oder kleine Stufen in der Gelenkfläche nicht ausreichend gut beseitigen, kann eine Bewegungseinschränkung oder eine Arthrose auftreten.

Eine besondere Komplikation nach einem körperfernen Handgelenkbruch ist die Reflexdystrophie, auch Morbus Sudeck genannt. Bei diesem auf den Deutschen Chirurgen Paul Sudeck (1866-1945) zurück gehenden Krankheitsbild leiden die Betroffenen zunächst unter starken Schmerzen, teilweise gefolgt von Störungen der Nerven- und Muskelfunktion bis hin zur Knochenentkalkung der betroffenen Hand.
Um diese und andere Komplikationen zu vermeiden, sollte man beim Auftreten von Schmerzen, Kribbelgefühlen oder Taubheit in den Fingern sofort zur Kontrolle den Arzt aufzusuchen.

Was ist nach einem Handgelenkbruch zu beachten?


Während der Ruhigstellung des Handgelenkes sollte der Arm in den ersten Tagen hochgelegt werden, damit die Schwellung rasch abklingt. Alle nicht ruhiggestellten Gelenke (Finger, Ellenbogen, Schulter) können und sollten normal bewegt werden. Nach der Ruhigstellung sind zur Rehabilitation intensive Bewegungsübungen erforderlich, im Erwachsenenalter meist unter krankengymnastischer Anleitung, bei Kindern reichen fast immer selbständige Übungen aus.

In den meisten Fällen, insbesondere bei den stabilen Frakturen, heilen Handgelenkbrüche folgenlos aus. Nach einigen Wochen können die Patienten ihre gewohnten Tätigkeiten zumeist wieder problemlos ausüben. Falls eine andere Erkrankung, z. B. durch eine Gangunsicherheit oder Schwindel zum Sturz geführt hat, ist eine weitere Abklärung und zusätzliche Behandlung erforderlich.

Wie kann ein Handgelenkbruch vermieden werden?


Wichtig sind Maßnahmen zur allgemeinen Unfallverhütung und eine ausreichende Vorbeugung gegen Knochenschwund (Osteoporoseprophylaxe). Körperliches und geistiges Training können dazu beitragen, sich im Alter im täglichen Leben sicherer zurecht zu finden. Ebenso eine altersgerechte Wohnungseinrichtung, dem Wetter angepasstes Schuhwerk und Gehhilfen. Beim Sport sollte entsprechende Schutzkleidung getragen werden, z. B. beim Inline-Skating.

Impressum


Copyright: Sanvartis GmbH
Erstellungsdatum: November 2000
Autor: Dr. med. Martina Modrack
Letzte Aktualisierung: Juni 2005
Durch: Ulrich Kraft (Arzt)

Literatur/Leitlinien/EBM:


Müller, M.: Chirurgie. Medizinische Verlags- und Informationsdienste (2004/2005).

Trentz, O.: Checkliste Traumatologie. Thieme (5. Auflage 2000).

Krämer, J.; Grifka, J.: Orthopädie. Springer (2005)

Trentz, O.: Checkliste Traumatologie. Thieme (5. Auflage 2001)

Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie: Distale Radiusfraktur (Erstellungsdatum: März 1999).
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