Heuschnupfen
(Rhinopathie, saisonale allergische; Rhinitis allergica, saisonale; Pollinosis)
Was ist Heuschnupfen und wodurch wird er ausgelöst?
Heuschnupfen gehört zu den allergischen Erkrankungen, das heißt, er wird durch eine Überempfindlichkeit der Nasen- und Rachenschleimhäute gegen bestimmte Substanzen hervorgerufen. Generell basieren Allergien auf einer überschießenden Reaktion des Immunsystems auf bestimmte Fremdstoffe. Beim Heuschnupfen richtet sich diese Reaktion gegen Blütenpollen oder Pilzsporen. Pflanzenpollen sind feinste Körnchen des Blütenstaubs. Jede Pollenart fliegt nur in bestimmten Monaten durch die Luft, dementsprechend treten die durch sie ausgelösten allergischen Reaktionen nur in dieser Zeit auf. Ein Pollenflugkalender informiert den Allergiker über die Flugzeiten der verschiedenen Pollen.
Die Symptome des Heuschnupfens treten aber nicht nur nach Kontakt mit Pollen, sondern auch bei Kontakt mit Tieren, Hausstaubmilben, Insektengiften, Kosmetika (Parfums) sowie bestimmten Nahrungsbestandteilen oder Stäuben am Arbeitsplatz (z. B. Mehl) auf. In diesen Fällen fehlt verständlicherweise der jahreszeitliche Bezug. Allergischen Schnupfen, der nicht nur durch Pollen ausgelöst wird, nennt man allergische Rhinitis.
Der Heuschnupfen ist eine sehr häufige Krankheit. Nach Angaben des Deutschen Allergie- und Asthmabundes betrifft die Krankheit 16 bis 18 Prozent der Bevölkerung, in mehr oder minder ausgeprägter Form.
Wie äußert sich Heuschnupfen?
Typische Symptome sind: Nasenlaufen (wässriges Sekret), Niesanfälle, Behinderung der Nasenatmung, tränende, brennende oder juckende Augen, angeschwollene Augenlider sowie Jucken und Kitzeln im ganzen Nasen-Rachen-Bereich.
Häufige Allgemeinsymptome sind Abgeschlagenheit, Müdigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten und Kopfschmerzen. Obwohl das Immunsystem in gewissem Sinne überaktiv ist, ist dennoch die allgemeine Anfälligkeit für Infekte erhöht.
Wie kommt es zur allergischen Reaktion beim Heuschnupfen?
Die einer Allergie zu Grunde liegende Reaktion des Immunsystems ist eigentlich eine nützliche Maßnahme, denn sie dient der zur Abwehr von körperfremden Einflüssen. Bei Allergikern ist diese Reaktion jedoch "übertrieben" und fehlgeleitet, da die Körperabwehr auf Fremdstoffe anspricht, die, anders als Krankheitskeime, eigentlich keine Gefahr für die Gesundheit darstellen. Prinzipiell kann so jeder Stoff unserer Umgebung zum Auslöser einer Allergie, einem so genannten Allergen werden. Bei den meisten Allergenen handelt es sich um Eiweißsubstanzen tierischer oder pflanzlicher Herkunft. Menschen, bei denen neutrale Stoffe sehr leicht zu einem Allergieauslöser werden, nennt man Atopiker. Der Arzt spricht dann von einer allergischen Anfälligkeit (Disposition), deren Ursachen man noch nicht vollständig kennt. Welches Allergen bei welchem Menschen eine Allergie hervorruft, lässt sich nicht vorhersagen und ist im Einzelfall nicht begründbar. Die Ausbildung eines Heuschnupfens ist oft erblich bedingt.
Heuschnupfen ist keine banale Erkrankung und sollte keineswegs auf die leichte Schulter genommen werden. Die Gefahr besteht darin, dass die Krankheit nicht auf die oberen Atemwege beschränkt bleibt. Bei etwa 15 Prozent der Erkrankten kommt es zu diesem so genannten "Etagenwechsel" der Allergie. Die Betroffenen entwickeln Asthma bronchiale, das als allergische Reaktion des Bronchialsystems zu werten ist. Durch die frühzeitige Behandlung der allergischen Rhinitis lässt sich dieses Übergreifen verhindern. Wichtig ist vor allem, den Auslöser der allergischen Reaktion zu bestimmen. Hierbei werden verschiedene Allergene auf der oder in die Haut eingebracht und die Hautreaktion ausgewertet.
Wie wird Heuschnupfen behandelt?
Es gibt Medikamente, welche die allergischen Reaktionen hemmen. Eine sehr wichtige Gruppe für die Behandlung der akuten Symptome sind die Antihistaminika: Sie blockieren den Hauptbotenstoff allergischer Reaktionen, das Histamin, welches Rötung, Schwellung und Juckreiz vermittelt. Werden sie in Tablettenform eingenommen, verursachen sie nicht selten Müdigkeit. Ihre lokale Anwendung als Augentropfen oder Nasenspray hat dagegen kaum Nebenwirkungen. Im Anfall bringen auch schleimhautabschwellende Nasentropfen schnell Erleichterung. Sie dürfen aber nur bei Bedarf und nicht anhaltend über Wochen angewendet werden, da sie sonst die Schleimhaut schädigen können.
Stabilisatoren der sogenannten Mastzellen, wie die Cromoglicinsäure, wirken der Ausschüttung der Botenstoffe aus den betreffenden Zellen entgegen. Diese Medikamente wirken nicht im Anfall, sondern nur vorbeugend und müssen deshalb regelmäßig angewendet werden. Sie sollten bereits ein bis zwei Wochen vor dem erwarteten Pollenflug eingenommen werden. Kurz nach ihrer Anwendung können Jucken und Brennen als Nebenwirkungen auftreten. Auch regelmäßige Inhalationen mit salzhaltigem Wasser können die allergische Reaktion abschwächen.
Kortisonhaltige Nasensprays wirken entzündungshemmend und sind bei kurz- und mittelfristiger Anwendung sehr gut verträglich. Diese Mittel kommen bei mittlerer und schwerer Symptomatik zum Einsatz.
Weiterhin gibt es die Möglichkeit, die Abwehr zu stärken und den Körper unempfindlicher zu machen. Das Prinzip besteht diese Hyposensibilisierung genannten Therapie besteht darin, die köpereigene Abwehr an das Allergen zu gewöhnen. Die Allergene werden dazu in ansteigender Dosierung als subkutane Injektion verabreicht, d. h. mit einer dünnen Nadel ins Unterhaut-Fettgewebe gespritzt. Entscheidend ist, die Injektionen konsequent und regelmäßig durchzuführen, in aller Regel über mehrere Jahre hinweg. Trotzdem: Die sehr zeitaufwändige Behandlung ist nicht immer erfolgreich.
Bei Kindern kann die Lösung versuchsweise in Tropfenform verabreicht werden (orale Hyposensibilisierung).
Unabdingbare Voraussetzung der Hyposensibilisierung ist, dass man die Stoffe, die eine allergische Reaktion hervorrufen, kennt. Die Methode ist besonders hilfreich bei Pollen-, Hausstaubmilben- und Insektenstichallergie. Bei Schimmelpilz- und Tierhaarallergie ist sie weniger wirksam. Nebenwirkungen reichen von leichten allergischen Reaktionen an der Einstichstelle bis, im seltenen Ausnahmefall, zu einer gefährlichen allergischen Reaktion des gesamten Körpers. Daher muss der Patient nach einer Injektion zur Sicherheit noch eine halbe Stunde in der Praxis bleiben.
Welche Möglichkeiten der Behandlung in Frage kommen, wird der behandelnde Arzt zusammen mit dem Betroffenen klären.
An Schutzimpfungen gegen Allergien wird derzeit weltweit mit Hochdruck gearbeitet. Die ersten Therapieansätze klingen vielversprechend, bis sie auf breiter Basis zum Einsatz kommen wird es aber wohl noch ein wenig dauern.
Worauf ist bei Heuschnupfen zu achten?
Sind die Allergie-auslösenden Pollen aktiv, kann es ratsam sein, sich in geschlossenen Räumen aufzuhalten, denn dort ist die Pollenkonzentration geringer. Ein Pollenflugkalender informiert über die jeweiligen Flugzeiten der verschiedenen Pollenarten
Außerdem sollten Betroffene ihre Kleidung häufig wechseln und waschen, da sie als Träger für die Pollen dient.
Dauermedikamente müssen regelmäßig eingenommen werden, um ein Wiederaufflammen der Erkrankung effektiv zu verhindern.
Impressum
Copyright: sanvartis GmbH
Erstellungsdatum: November 2001
Autor: Hubertus Fries (Facharzt für Innere Medizin)
Letzte Aktualisierung: Juli 2005
Durch: Ulrich Kraft (Arzt)
Literatur/Leitlinien/EBM:
Boenninghaus, H.G.: Hals-Nasen-Ohrenheilkunde. Springer (12. Auflage 2005).
Probst, R.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme (2. Auflage 2004).
Merk, H.F.: Allergologie. Bechtermünz (2000).
Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF)
Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAI): Allergieprävention.
AWMF-Leitlinien-Register Nr. 061/016 (April 2004).
Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF)
Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Halschirurgie: Allergische Rhintis. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 017/017 (letzte Überarbeitung 2001).


