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Hodenhochstand



(Maldescensus testis; Bauchhoden; Gleithoden; Leistenhoden; Pendelhoden)


Was ist ein Hodenhochstand?


Beim männlichen Fetus werden die Hoden zuerst in der Bauchhöhle ausgebildet. Normalerweise wandern sie während der fetalen Entwicklung, manchmal aber auch erst nach der Geburt, abwärts in den Hodensack. Der Fachausdruck dafür lautet Descensus testis (Herabwandern des Hodens).

Hodenhochstand ist ein Oberbegriff für alle in der Entwicklung unvollständig aus der Bauchhöhle herabgewanderten Hoden (ein- oder doppelseitig). Dieser so genannte Maldescensus testis tritt bei etwa zwei bis vier Prozent aller reifen männlichen Neugeborenen auf. Bei Frühgeborenen beobachtet man den Hodenhochstand wesentlich häufiger. Dies hängt mit dem Reifealter des Kindes zusammen: In der Regel wandern die Hoden im siebten Schwangerschaftsmonat in den Hodensack herunter. In 75 Prozent der Fälle verschwindet der Hodenhochstand im Lauf des ersten Lebensjahres von selbst. Nach dem ersten Lebensjahr ist ein solcher spontaner Descensus der Hoden dann äußerst unwahrscheinlich.

Mögliche Ursachen für einen Hodenhochstand sind anlagebedingte, anatomische Fehlbildungen bei dem betroffenen Jungen. Beim Gleithoden etwa, ist der Samenstrang, an dem der Hoden aufgehängt ist, zu kurz. Der Hoden wird deshalb immer wieder in den Leistenkanal zurück gezogen. Auch eine hormonell bedingte Fehlregulierung wie eine unzureichende mütterliche oder kindliche Ausschüttung des Hormons Gonadotropin kann zu einem Hodenhochstand führen.

Welche Formen des Hodenhochstandes gibt es?


Bauchhoden: Der Hoden befindet sich in der Bauchhöhle. Er ist im Hodensack nicht tastbar und kann aber auch im Bauch nur schwer lokalisiert werden. Deshalb weiß man zunächst nicht, ob überhaupt ein Hoden vorhanden ist. Möglichkeiten, die Lage des Hodens herauszufinden, sind Ultraschalluntersuchungen, bildgebende Verfahren wie Computertomografie und Kernspintomografie oder ggf. auch eine Bauchspiegelung (Laparaskopie).

Leistenhoden: Die Hoden lassen sich im Leistenkanal tasten. Sie können von dort jedoch nicht in den Hodensack verschoben werden.

Gleithoden: Gleithoden befinden sich im Hodeneingang, lassen sich nur unter Spannung in den Hodensack verlagern und gleiten sofort wieder zurück.

Pendelhoden: Die Hoden sind hier bereits in den Hodensack gewandert, werden aber durch bestimmte Reize wie Kälte durch das Zusammenziehen des Cremaster-Muskels zeitweise in den Leistenkanal zurückgezogen. Der Pendelhoden ist im Allgemeinen harmlos.

Welche Folgen hat die Hodenfehllage?


Das zweite Lebensjahr scheint der Scheidepunkt für eine normale bzw. eingeschränkte oder fehlende Funktion eines sich an falscher Stelle befindlichen Hodens zu sein. Verantwortlich für die Schädigung des Hodens und seiner Samenzellen (Spermien) ist wahrscheinlich die hohe Umgebungstemperatur, die verglichen mit dem Hodensack an anderen Stellen des Körpers wie in der Leiste oder im Bauch herrscht. Die Folge sind eine eingeschränkte Zeugungsfähigkeit bis hin zur Unfruchtbarkeit im Erwachsenenalter.

Der Hodenhochstand birgt außerdem ein erhöhtes Risiko für einen bösartigen Hodentumor. Etwa zehn Prozent aller Hodentumoren entstehen in einem fehlgelagerten Hoden. Das Risiko einer bösartigen Entartung ist bei einer Hodenfehllage rund viermal höher als bei normaler Hodenlage.

Vor allem beim Gleit- und Leistenhoden besteht außerdem eine erhöhte Gefahr einer Hodentorsion (Verdrehung des Hodens) und eines Leistenbruchs.

Wie stellt der Arzt die Diagnose?


Der Hodenhochstand wird in der Regel ertastet. Die Untersuchung führt der Arzt bei angezogenen Beinchen des Säuglings durch. Der Hoden wird mit der Zeigefingerkante der einen Hand sanft von der Leiste her gegen den Hodensack gestrichen und dort mit der anderen Hand ertastet.

Ist der Hoden bei dieser Untersuchung und im Ultraschall nicht auffindbar, werden weitere Untersuchungen wie bildgebende Verfahren (z. B. Computertomografie oder Kernspintomografie) und ggf. auch ein Hormonstimulationstest durchgeführt.

Wie wird der Hodenhochstand behandelt?


Eltern sollten den Kinderarzt aufsuchen, wenn sie keine Hoden bei ihrem Kind tasten. Meist hat der Kinderarzt dies im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen bereits selbst festgestellt. Die Behandlung eines sich nicht im Hodensack befindlichen Hodens sollte spätestens zu Beginn des zweiten Lebensjahres erfolgen. Wird ein doppelseitiger Hodenhochstand nicht rechtzeitig behandelt, ist Unfruchtbarkeit die Folge.

Bei ein- oder doppelseitigem Bauch-, Leisten- und Gleithoden wird eine Behandlung mit dem Hormon HCG, dem Hormon GnRH bzw. LH-RH oder der Kombination beider durchgeführt. Diese Hormone regen die Testosteronbildung an und stimulieren so das Herabgleiten der Hoden. Meist erfolgt eine Monotherapie (alleinige Therapie) mit dem Hormon LH-RH, dieses wird durch Einsprühen in die Nase über ungefähr vier Wochen verabreicht. Bei der Kombinationstherapie wird zuerst LH-RH über zwei bis vier Wochen als Nasenspray und anschließend HCG als Spritze dreimal in wöchentlichen Abständen verabreicht. Bei der Therapie mit HCG wird dieses Hormon in einem Zeitraum von fünf Wochen als wöchentliche Spritze verabreicht.

Beide Hormonbehandlungen führen in 40 bis 60 Prozent aller Fälle zum Erfolg. Je früher mit der Behandlung begonnen wird, desto wahrscheinlicher kommt es zu einem Herunterwandern des Hodens. Da Rückfälle möglich sind, muss der Befund nach einem Monat und einem halben Jahr kontrolliert werden. Danach sollte eine jährliche Untersuchung bis zur Pubertät erfolgen.

Bleibt die Hormonbehandlung erfolglos oder liegen die Hoden an einer untypischen Stelle, wird möglichst vor Vollendung des zweiten Lebensjahres ein kleiner operativer Eingriff vorgenommen. Die Hoden mit Samenstrang werden dabei am tiefsten Punkt des Hodensacks fixiert. Im Fachjargon spricht man von einer Finunkolyse mit Orchidopexie.
Seltene Komplikationen des Eingriffs sind Schädigungen des Hodens oder des Samenleiters (Ductus deferens), die zur Schrumpfung (Atrophie) des Hodens führen können, sowie allgemeine Operationsrisiken wie Blutungen, Wundheilungsstörungen, Vernarbungen oder Infektionen.

Impressum


Copyright: sanvartis GmbH
Erstellungsdatum: September 2002
Autor: Dr. med. Martina Waitz
Letzte Aktualisierung: Januar 2005
Durch: Ulrich Kraft (Arzt)

Literatur/Leitlinien/EBM:


Hautmann, R.: Urologie. Springer (2. Auflage 2001).

Sökeland, J.: Urologie. Thieme (13. Auflage 2004).

Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF)
Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurige: Hodenhochstand. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 006/022.
(Erstellungsdatum: März 1999, Letzte Überarbeitung: September 2002).
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