Kopflausbefall
(Pediculosis capitis)
Was sind Kopfläuse?
Kopfläuse sind zwei bis drei Millimeter kleine, flügellose, blassgraue Insekten, die sich an menschlichen Haarschäften in der Nähe der Kopfhaut ansiedeln und dort ihre Eier (Nissen) legen. Mehrfach am Tag beißen sie ihren Träger und saugen Blut, um sich zu ernähren. In unseren Breiten übertragen sie in der Regel keine Erkrankungen, sind aber sehr lästig und verbreiten sich schnell weiter.
Die Entwicklung der Kopfläuse von den Eiern über die schlüpfenden Larven bis hin zu den geschlechtsreifen Männchen und Weibchen, die ihrerseits wieder Eier legen, dauert zwei bis drei Wochen. Beim Kämmen oder Haarewaschen krallen sich die Tiere mit ihren kräftigen Beinen an den Haaren fest und sind so nur schwer zu entfernen.
Wie bekommt man Kopfläuse?
Die Übertragung der Kopfläuse erfolgt von Mensch zu Mensch durch Überwandern der Insekten von einem Kopf zum anderen. Läuse springen nicht und legen keine größeren Strecken zurück.
Sie können allerdings über verlauste, nebeneinander hängende Kleidungsstücke oder gemeinsam benutzte Mützen, Kissen, Decken, Kämme oder Spielzeug (z. B. Stofftiere) weitergegeben werden. Möglich ist auch eine Ansteckung über gepolsterte Sitzlehnen in öffentlichen Verkehrsmitteln.
Während der Herbst- und Wintermonate treten gehäuft Kopflausfälle auf. Am häufigsten werden Kinder im Alter von fünf bis zehn Jahren, in Kindergärten oder Schulen, befallen. Meist sind dann auch die Familienangehörigen betroffen.
Wie stellt man Kopflausbefall fest?
Beim Läusebiss gelangen Sekrete über den Speichel in die Kopfhaut, die Juckreiz verursachen und den Betroffenen sich ständig am Kopf kratzen lassen. Besonders im Nacken und hinter den Ohren entwickelt sich ein Hautausschlag, der sich eitrig entzünden kann. Als Reaktion auf die Entzündung können Lymphknotenschwellungen im Nacken- und Halsbereich auftreten.
Am Anfang kann es schwierig sein, die Läuse und Nissen auf der Kopfhaut zu erkennen. Hierzu ist oft eine Lupe hilfreich. Die Nissen findet man hauptsächlich im Nacken, hinter den Ohren und im Schläfenbereich. Sie sind dort mit einer wasserunlöslichen Kittmasse am Haarschaft nahe der Kopfhaut verankert. Von Kopfschuppen unterscheiden sie sich dadurch, dass sie fest am Haar haften und nicht abgestreift werden können.
Bei massivem Befall verkleben die Haare und entwickeln einen üblen Geruch. Beim Erwachsenen können auch andere behaarte Körperbezirke (z. B. Bart, Achselhaare) betroffen sein. Wenn der Verdacht auf Kopflausbefall besteht, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Er sichert die Diagnose und leitet eine entsprechende Behandlung ein.
Was kann man gegen Kopfläuse tun?
Wirksam beseitigt werden können Kopfläuse nur durch Medikamente, mit denen die betroffenen Haare behandelt werden. Ohne Behandlung verschwinden die Läuse nicht.
Am häufigsten werden Lösungen mit Pyrethrum, dessen Wirkstoff aus einer Chrysanthemen-Art gewonnen wurde, zur Behandlung der Kopfläuse eingesetzt. Diese Substanz allein tötet nur die Läuse und nicht die Nissen ab. Durch Zusatzstoffe wird die insektizide Wirkung verbessert. Die Anwendung erfolgt streng nach Packungsbeilage, als Nebenwirkungen können Hautreizungen auftreten.
Lindan enthaltende Gele oder Shampoos wirken als Berührungs- und Atemgift auf die Läuse. Auch die nachschlüpfenden Larven werden abgetötet. Die Anwendung richtet sich nach Mittel und Darreichungsform. Bei zu häufiger oder falscher Anwendung kann das menschliche Nervensystem geschädigt werden.
Ein sehr wirksames Präparat, das Läuse und Nissen zuverlässig abtötet, ist auch das aus Astern-Arten weiterentwickelte Permethrin. Bei einmaligem Gebrauch nach Packungsbeilage sind in der Regel keine Nebenwirkungen zu erwarten. Eine häufige Anwendung kann zu Hautreizungen führen.
Alle aufgeführten Medikamente sollten nicht in die Augen gelangen, da sie dort Reizungen hervorrufen.
Selbst bei korrekter Anwendung dieser Medikamente werden unter Umständen nicht alle Nissen abgetötet. Daher ist eine zweite Behandlung nach acht bis zehn Tagen notwendig. In diesem Zeitraum sind alle nicht getöteten Larven geschlüpft, haben jedoch selbst noch keine Eier gelegt.
Die alleinige Behandlung mit bekannten Hausmitteln (z. B. Essiglösungen, Ölen) kann nur in Ausnahmefällen empfohlen werden. Sie sind deutlich weniger wirksam und im Gebrauch sehr zeitaufwendig. Eine sichere Abtötung der Läuse ist hierbei nicht garantiert.
Ein Spezialkamm mit engen Zinken, mit dem sich die abgetöteten Nissen und Läuse nach der Behandlung aus dem Haar leichter entfernen lassen, ist in Apotheken erhältlich. Die entzündlichen Hautveränderungen werden nach Beseitigung der Kopfläuse behandelt. Familienangehörige und andere enge Kontaktpersonen müssen ebenfalls auf Kopflausbefall untersucht werden. Bei Kindern unter drei Jahren sowie in der Schwangerschaft und Stillzeit sollten die oben genannten Medikamente nur nach ärztlicher Rücksprache angewendet werden.
Zur völligen Beseitigung der Kopfläuse und zur Vorbeugung einer Neuansteckung ist zusätzlich eine gründliche Reinigung von Kämmen und Bürsten notwendig. Kleidung, Handtücher und Bettwäsche müssen gewechselt und bei 60 Grad Celsius gewaschen werden. Fußböden und Polstermöbel, auf denen sich Läuse oder Nissen befinden könnten, sind mit einem Staubsauger gründlich von Haaren zu reinigen. Stofftiere und textiles Spielzeug kann entlaust werden, indem man es über zwei bis vier Wochen in gut verschlossenen Plastiksäcken aufbewahrt, über 60 Minuten größerer Hitze (mindestens 45 Grad Celsius) im Wäschetrockner aussetzt oder für einen Tag in Kälteboxen (minus 10 Grad Celsius bis minus 15 Grad Celsius) lagert.
Welche gesetzlichen Bestimmungen sind zu beachten?
Treten Kopfläuse in Gemeinschaftseinrichtungen wie Schulen, Kindergärten oder Kindertagesstätten auf, muss das zuständige Gesundheitsamt informiert werden. Das Gesundheitsamt wird dann, in Zusammenarbeit mit dem Leiter der Gemeinschaftseinrichtung und den Eltern der betroffenen Kinder, die notwendigen Maßnahmen vorschlagen.
Tritt bei einem Kind Läusebefall auf, darf es die Schule oder den Kindergarten erst wieder besuchen, wenn nach Meinung eines Arztes oder des Gesundheitsamtes keine Weiterverbreitung der Kopfläuse zu befürchten ist.
Literatur/Leitlinien/EBM:
RKI-Ratgeber Infektionskrankheiten - Merkblätter für Ärzte: Kopflausbefall (Mai 2004).
http://www.rki.de
Altmeyer, P.; Dirschka, T.: Hartwig, R.: Klinikleitfaden Dermatologie. Urban & Fischer (2.Aufl. 2002).
Jung, E. G.; Moll, I.: Dermatologie. Thieme (5.Aufl. 2003).
Rassner, G.: Dermatologie. Urban & Fischer (7.Aufl. 2002).


