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Koxarthrose



(Arthrose des Hüftgelenks, Hüftgelenks-Arthrose; Hüftgelenksverschleiß)


Was ist eine Koxarthrose?


Unter einer Koxarthrose versteht man eine Abnutzung des Knorpels im Hüftgelenk, es handelt sich also um eine degenerative Veränderung des Knorpelgewebes. Im Endeffekt entwickelt sich jede Arthrose aus einem Missverhältnis zwischen Belastungsfähigkeit des Gelenkknorpels und Belastung. Auf Dauer wird nicht nur der Knorpel, sondern auch andere Gelenkanteile (Knochen, Gelenkschleimhaut, Gelenkkapsel) in Mitleidenschaft gezogen. Eine Koxarthose kann vielfältige Ursachen haben. Man unterscheidet anlagebedingte (primäre) und erworbene (sekundäre) Arthrosen. Bei den weitaus häufigeren anlagebedingten Arthrosen wird der Knorpel im Alltag stärker beansprucht, als es seine Stabilität zulässt. Die erworbene Arthrose kann die Folge eines Unfalls (z. B. Achsfehlstellungen im Sinne eines O- oder X-Beins, direkte Knorpelverletzung), einer Entzündung oder auch einer inneren Erkrankung (z. B. Rheuma) sein.

Die primäre Arthrose ist die häufigste menschliche Gelenkerkrankung. Bei rund 75 Prozent aller Menschen, die über 50 Jahre alt sind und rund 90 Prozent derer über 70 Jahre bestehen entsprechende Gelenkveränderungen. Der Gelenkverschleiß betrifft am häufigsten das Hüftgelenk. Eine primäre Koxarthrose entwickelt sich in der Regel in der zweiten Lebenshälfte, ohne dass eine genaue Ursache für den Abbau des Knorpels bekannt ist. Nach dem 60. Lebensjahr ist etwa jeder zweite Erwachsene betroffen, insbesondere Frauen.
Doch längst nicht jede Koxarthose muss behandelt werden, oft ist die degenerative Veränderung nur gering ausgeprägt und beeinträchtigt die Lebensqualität nicht.

Wie äußert sich die Hüftgelenksarthrose?


Am Anfang der Erkrankung steht ein Knorpelzellschaden, in dessen Folge es zur Freisetzung von knorpelabbauenden Enzymen kommt. Dadurch wird eine Entzündung hervorgerufen. Die Gelenkschleimhaut ist gereizt und produziert vermehrt Gelenkflüssigkeit, und es kann sich ein Gelenkerguss bilden.

Da diese Gelenkschleimhautreizung Schmerzen verursacht, verspannen sich die Muskeln des Oberschenkels und des Gesäßes unwillkürlich, was die Belastbarkeit und die Beweglichkeit des Hüftgelenkes einschränkt. Der Schmerz bei den Arthose äußert sich typischerweise als Anlaufschmerz, Ermüdungsschmerz und Belastungsschmerz. Reibegeräusche im Gelenk können hinzu kommen.

Schreitet die Erkrankung fort, treten die Schmerzen zunehmend auch in Ruhe auf. Gelenkblockaden sind ein weiteres Symptom. Später stellen sich Schrumpfungen und Vernarbungen der Gelenkkapsel ein, im Extremfall versteift das Hüftgelenk.

Wie wird eine Arthrose des Hüftgelenks festgestellt?


Meistens sucht der Betroffene wegen zunehmender Schmerzen oder der eingeschränkten Beweglichkeit den Arzt auf. Zunächst erfolgt eine ausführliche Befragung zu den Beschwerden, Begleiterkrankungen und der individuellen Lebensweise, anschließend führt der Arzt eine gründliche klinische Untersuchung durch. Sie beinhaltet die Beurteilung von äußerer Gelenkform, Beinachse (X- oder O-Bein), der Beinlänge sowie des Gangbildes und des Bewegungsumfanges. In einer Reihe von Funktions- und Schmerztests wird der erste Eindruck vervollständigt. Außerdem beurteilt der Arzt Haut und Bindegewebe.

Wegweisend für die Diagnose der Hüftgelenksarthrose ist die Röntgenuntersuchung des Beckens. Im Röntgenbild sieht man die Zeichen einer fortgeschrittenen Arthrose. Manchmal wird der Gelenkverschleiß auch zufällig entdeckt, beispielsweise, wenn bei einem Knochenbruch des Oberschenkelhalses Röntgenaufnahmen angefertigt werden.

Im Einzelfall können auch spezielle Schicht- oder Speicheruntersuchungen, wie eine Kernspintomografie, Computertomografie oder Szintigrafie die Diagnose erleichtern und präzisieren. Weitere nützliche Informationen zur Abgrenzung der Ursache für den Gelenkverschleiß gewinnt man durch Untersuchungen des Blutes und der Gelenkflüssigkeit.

Welche nichtoperativen Behandlungsmöglichkeiten gibt es?


Eine ursächliche Behandlung der Koxarthrose, also eine Therapie, die das Gelenk wieder in seinen gesunden Zustand zurück bringt, gibt es derzeit nicht. Nichtoperative Behandlungsformen können den Verschleiß des Gelenkes nicht rückgängig machen, sie alle haben eine Schmerzverminderung sowie eine Verbesserung der Lebensqualität, der Beweglichkeit und der Gehleistung zum Ziel. Auf diese Weise lässt sich das Fortschreiten der Erkrankung bestenfalls verzögern. Bei einem fortgeschrittenen Gelenksverschleiß mit starken Beschwerden ist eine konservative, nichtoperative Behandlung oft nicht ausreichend wirksam.

Die nichtoperative Behandlung beinhaltet die Gabe von Medikamenten, Physikalische Anwendungen und Bewegungstherapie. Schmerzmittel und entzündungshemmende Medikamente können in Tablettenform verabreicht oder örtlich in das Gelenk eingespritzt werden. Letzeres unter sterilen Bedingungen, um eine Infektion zu vermeiden. Bei der Einnahme von entzündungshemmenden Medikamenten ist als Hauptnebenwirkung das gehäufte Auftreten von Magengeschwüren zu berücksichtigen.
Unter der Anleitung von Physiotherapeuten erlernt der Patient krankengymnastische Übungen (Gangschule, Mobilisierung, Muskelkräftigung, Muskeldehnung und Koordinationsschulung). Wärmetherapie, Kältetherapie und Wassertherapie und Elektrotherapie werden individuell an seine Bedürfnisse angepasst. Im Einzelfall kann zusätzlich auch der Einsatz orthopädietechnischer Hilfsmittel Sinn machen. Da orthopädische Hilfsmittel, wie zum Beispiel Schuhe, auffällig sein können und häufig keinen modischen Ansprüchen genügen, werden sie von manchen Patienten abgelehnt.

Chondroprotektiva (Knorpelschutzpräparate)
Die Wirkung von so genannten Chondroprotektiva (Knorpelschutzpräparaten), etwa von Orthokin (Anti-Interleukin-1), Hyaluronsäure oder Glukosamin-Präparaten, die in das Gelenk hineingespritzt oder in Tablettenform eingenommen werden können, sind in ihrer Wirkungsweise noch nicht hinreichend erforscht. Es wird jedoch über den erfolgreichen Einsatz bei Arthrosen im Frühstadium berichtet. Allergische Reaktionen auf diese Präparate sind möglich.

Was ist eine künstliche Hüfte (Hüft-TEP)?


Bei fortgeschrittener Hüftgelenksarthrose mit starken Beschwerden bekommen die Betroffenen heute zumeist ein künstliches Hüftgelenk eingesetzt. Beim Gelenkersatz entfernt man die zerstörten Gelenkanteile und ersetzt sie  wenn notwendig unter Korrektur einer Fehlstellung  durch künstliche Gelenkteile (Endoprothese). Bei einer Totalendoprothese (TEP), der häufigsten Operationstechnik werden beide Anteile des Gelenks, nämlich Pfanne und Kopf durch künstliche Implantate ersetzt. Man kann aber auch nur den Hüftkopf ersetzen, wobei der Begriff TEP dann nicht ganz korrekt ist. Der Ersatz des Hüftgelenkes durch eine TEP oder durch eine Hüftkopfprothese ist mit 150.000 bis 180.000 Operationen pro Jahr in Deutschland einer der häufigsten Eingriffe überhaupt.

Wie bei jedem operativen Eingriff schätzt der Arzt im Vorfeld des Eingriffs den Gesundheitszustand seines Patienten ein, insbesondere in Bezug auf Herz- und Kreislauf- sowie von Lungenerkrankungen. Begleiterkrankungen sollten vor der Operation möglichst optimal therapiert sein. Der Zeitpunkt der Operation lässt sich in aller Regel im Voraus planen, was die Möglichkeit einer Eigenblutspende beitet. Bei der Operation, die entweder in Vollnarkose oder in Teilbetäubung der unteren Körperhälfte durchgeführt werden kann, eröffnet der Operateur die Haut seitlich über dem Hüftgelenk etwa 15 bis 20 Zentimeter. Nachdem er die Muskulatur und die Bänder des Hüftgelenks längs eingeschnitten und beiseite geschoben hat, durchtrennt er den oberen Teil des Oberschenkelknochens mit einer Säge und entfernt den Hüftgelenkkopf aus der Gelenkpfanne. Mit einer Raspel wird dann der Hohlraum des Oberschenkelknochens für die Aufnahme des Prothesenschaftes vorbereitet. Die zementfreien Prothesen kann man direkt einpassen, bei den zementierten Prothesen muss zuerst der Knochenzement in weicher Form in den Hohlraum eingespritzt. Dann setzt der Arzt die Prothese ein. Der Zement verfestigt sich innerhalb von Minuten. Auf den stabil eingepassten Schaft wird dann der Gelenkkopf aufgeschraubt.

Muss neben dem Hüftkopf auch die Hüftpfanne ersetzt werden, bringt man die geschädigte Hüftpfanne mit Hilfe einer halbrunden Fräse zunächst in die richtige Form gebracht und setzt dann die künstliche Gelenkpfanne ein. Zum Schluss wird der künstliche Hüftkopf in die Pfanne eingepasst und die freie Beweglichkeit überprüft. Danach werden Gelenkkapsel, Muskeln und die Haut vernäht. Zur Ableitung von Blut und Wundwasser schließt man Schläuche (Drainagen) aus verschiedenen Wundschichten an eine Vakuumflasche an und sammelt die Flüssigkeit. In der Regel dauert eine solche Operation zwei bis drei Stunden.

Bereits in den ersten Tagen nach der Operation wird mit der krankengymnastischen Übungsbehandlung begonnen. An dem Krankenhausaufenthalt schließt sich meist eine Anschlussheilbehandlung von einigen Wochen an, um Beweglichkeit, Kraft und Koordination des Beines zu verbessern. Die Behandlung sollte auch zu Hause fortgeführt werden. Bei unzementierten Prothesen kann das Bein in der Regel nach drei Monaten voll belastet werden. Bis dahin sollten die Patienten Gehstützen benutzen. Von der aktiven Teilnahme am Straßenverkehr, z. B. als PKW-Fahrer, wird bis zur vollen Belastbarkeit dringend abgeraten. Bis man sich an das Leben mit einer Endoprothese vollständig gewöhnt hat, kann bis zu einem Jahr vergehen.

Das Einsetzen einer Hüftprothese ist heutzutage eine häufige Operation, die mit großer fachlicher Routine an vielen Krankenhäusern durchgeführt wird. Doch obwohl der Eingriff als relativ sicher gilt, können Komplikationen auftreten.
Man unterscheidet zwischen allgemeinen Komplikationen, wie Bluterguss, Nachblutung, Nervenverletzung, Wundinfektion und Thrombosegefahr, und speziellen Komplikationen, die vorwiegend bei Hüftoperationen auftreten. Zu diesen speziellen Komplikationen zählen die Verletzung von benachbarten Nerven (Ischiasnerv), die Verkürzung oder Verlängerung des operierten Beines, die Ausrenkung des neuen Gelenkes und die Bildung von Rissen oder Brüchen im Oberschenkel oder der Beckenknochen beim Einbringen der Prothese. Auch Allergien auf den Knochenzement oder die eingebrachte Prothese sind möglich. Im Rahmen des Heilungsprozesses kann es zu unerwünschten Verkalkungen in der Muskulatur kommen, was manchmal Schmerzen und Bewegungseinschränkung zu Folge hat. Das Eindringen von Keimen in den Oberschenkelschaft führt zu einer langwierigen Knocheneiterung (Osteomyelitis). Diese gefürchtete, aber sehr seltene Komplikation zieht häufig mehrere Folgeoperationen und zeitaufwendige Nachbehandlungen nach sich.
Eine Spätfolge ist die vorzeitige Lockerung der Prothese.

Ein künstliches Gelenk ist niemals so haltbar und leistungsfähig wie ein gesundes Gelenk. Man geht heute von einer mittleren Haltbarkeit von etwa 15 bis 20 Jahren aus. Nach dieser Zeit kann es zu Auslockerung der Prothesenanteile mit erneuten Schmerzen kommen, die dann unter Umständen einen operativen Wechsel der Prothese notwendig machen. Die Erfahrung hat gezeigt, dass nicht zementierte Prothesen im Durchschnitt eine längere Haltbarkeit besitzen. Daher werden unzementierte Prothesen trotz der längeren Einheilungsphase besonders bei relativ jungen Patienten bevorzugt. Insgesamt kann die Zeitspanne bis zur Lockerung bei beiden Prothesenarten sehr unterschiedlich sein.

Hüftprothesen, die mit Knochenzement befestigt werden, sind jedoch bereits direkt nach der Operation so stabil, dass sie belastet werden können. Das bietet vor allem für ältere Patienten den Vorteil, dass sie nur kurze Zeit Bettruhe einhalten müssen. Dadurch verringert sich die Thrombosegefahr und das Risiko einer Lungenentzündung im Anschluss an die Operation..

Was muss man mit einer künstlichen Hüfte beachten?


Da das künstliche Gelenk niemals so stabil wie das ursprüngliche Hüftgelenk sein kann, sind für die Träger einer TEP einige Verhaltensregeln wichtig.

Auf Sportarten mit starker Erschütterung oder Drehbewegung sowie auf Sportarten mit hoher Verletzungsgefahr, wie alpiner Skilauf, Ballspiele, Reiten und Tennis, sollte man ganz verzichten. Als geeignete Sportarten nach einem Gelenkersatz bietet sich Schwimmen, besonders Kraulen oder Wassergymnastik an. Auch leichte Gymnastik außerhalb des Wassers und Radfahren (ohne Stange) sowohl in der Natur als auch auf dem Heimtrainer sind zu empfehlen. Das gilt ebenso für das Laufen oder Wandern in leichtem Gelände.

Übergewicht abzubauen ist wichtig, denn jedes Kilo zuviel belastet die Prothese stärker trägt so zur schnelleren Abnutzung bei. Auch Schuhe mit weichen Sohlen oder Absätzen (Kreppsohlen), die Stöße abfangen können, tragen zur Lebensdauer der Hüftprothese bei und vermindern die Sturzgefahr. Es ist besser, keine Lasten von mehr als zehn Kilo zu heben oder tragen. Leichtere Dinge sollte man immer mit beiden Händen anheben, um die Belastung der Gelenke gleichmäßig zu verteilen.

Ein Implantatausweis, der von der behandelnden Klinik ausgestellt wird, enthält Informationen, die bei nachfolgenden Krankenhausaufenthalten oder beim Passieren von Sicherheitsschleusen (z. B. Flughafen) wichtig sind.

Impressum


Copyright: sanvartis GmbH
Erstellungsdatum: August 2000
Autor: Dr. med. Roland Werners (Facharzt für Orthopädie)
Letzte Aktualisierung: Januar 2005
Durch: Ulrich Kraft (Arzt)

Literatur/Leitlinien/EBM:


Barrett, W. P.: Contempory Techniques and Issues in Orthopaedics (2000).

Wirth, C. J.: Praxis der Orthopädie, Bd.1, Konservative Orthopädie. Thieme (2001).

Wirth, C. J.: Praxis der Orthopädie, Bd. 2, Operative Orthopädie. Thieme (2001).

Niethard, F.U.: Duale Reihe Orthopädie, Thieme (2003)

Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie: Endoprothese bei Koxarthrose (Erstellungsdatum: März 1999).

Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie und Berufsverband der Ärzte für Orthopädie: Koxarthrose (letzte Überarbeitung: April 2002).
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