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Krätze



(Skabies)


Was versteht man unter Krätze?


Die Krätze ist eine Hauterkrankung, die durch den Befall der Haut mit der Krätzmilbe ausgelöst wird. Diese Milbe (lateinisch Sarcoptes scabiei) gehört zu den Spinnentierchen. Sie wird durch engen Kontakt mit befallenen Personen übertragen. Auch durch den Tausch ungewaschener Kleidung oder durch das Schlafen im gleichen Bett (Bettwärme) ist eine Ansteckung möglich.

Die Infektion mit der Krätze erfolgt durch die Übertragung von Milbenweibchen, die befruchtete Eier tragen. Die weibliche Krätzmilbe ist etwa 0,4 Millimeter groß. Nach der Paarung gräbt sie sich einen Gang in die Hornschicht der Haut. Dort legt sie ihre Eier ab, aus denen nach etwa vier Tagen Larven schlüpfen. Die Larven wachsen in zwei bis drei Wochen zu geschlechtsreifen Milben heran. Während die Weibchen nur nachts zur Paarung auf die Oberfläche der Haut ausschwärmen, leben die Milbenmännchen ständig auf der Hautoberfläche. Sie sind etwa halb so groß wie die Weibchen und haben eine kurze Lebensspanne, während die Weibchen etwa zwei Monate alt werden können.

Die Krätzmilbe ist ein Parasit. Sie ist auf den Menschen als Träger angewiesen und kann ohne diesen nur wenige Tage überleben.

Welche Beschwerden macht die Erkrankung?


Der Befall mit Krätzmilben löst einen starken Juckreiz aus, insbesondere in Bettwärme. Es kann ein Ekzem mit geröteter Haut, Bläschen und Knötchen entstehen. Durch den starken Juckreiz kommen Kratzverletzungen hinzu. Typisch sind die Milbengänge, die bei genauem Hinsehen mit bloßem Auge erkannt werden können. Milbengänge sind wenige Millimeter bis einen Zentimeter lange, strichförmige, oft leicht gewundene Gänge, die besonders an Hautstellen mit dünner Hornschicht auftreten. Die Fingerzwischenräume, Handgelenke, Achselhöhlen, der Brustbereich und der Genitalbereich sind besonders oft betroffen. Am behaarten Kopf treten die Hauterscheinungen fast nur bei Kleinkindern auf.

Bei Menschen, die häufig baden, kann das Bild einer "gepflegten Krätze" entstehen. Hier sind nur wenige und kleine Hauterscheinungen vorhanden. Diese befinden sich oft an Stellen, wo sie schwer entdeckt werden, beispielsweise im Genitalbereich, der scheinbar grundlos juckt. Deshalb ist eine gründliche und genaue Untersuchung der gesamten Haut wichtig.

Bei Kindern kann sich durch heftiges Kratzen eine tiefe, knotige Entzündung der Haut entwickeln, wahrscheinlich, weil durch das intensive Kratzen Milbenteile tiefer in die Haut gebracht werden.

Bei stark abwehrgeschwächten Menschen (zum Beispiel Patienten mit Blutkrebs oder AIDS) und bei Menschen, die unter sehr schlechten hygienischen Bedingungen leben, kann ein sehr ausgeprägter Hautbefall entstehen ("Scabies norwegica"). Die Besiedelung mit großen Massen an Milben führt zu einer tiefroten Hautverfärbung und Bildung grauer Schuppen. Der Juckreiz ist allerdings gering. Die Ansteckungsgefahr ist bei so einem ausgeprägten Milben-Befall sehr hoch.

Wie stellt der Arzt die Diagnose?


In den meisten Fällen kann der Arzt die Diagnose allein durch die genaue Untersuchung der Haut stellen.

In Zweifelsfällen kann man die Milben auch unter dem Mikroskop nachweisen. Hierfür wird ein Milbengang mit einer Nadel angebohrt und eine Milbe oder Milbenkot vorsichtig hervorgezogen.

Alternativ können die Milbengänge unter einem speziellen Mikroskop, dem so genannten Auflicht-Mikroskop, betrachtet werden.

Einige andere Erkrankungen äußern sich in dem Beschwerdebild der Krätze sehr ähnlich. So müssen verschiedene Ekzemerkrankungen und einige Erkrankungen des Immunsystems (der körpereigenen Abwehr) ausgeschlossen werden.

Wie behandelt man die Erkrankung?


Ein Befall mit Krätzmilben kann in den meisten Fällen einfach und wirkungsvoll behandelt werden. Um eine weitere Ausbreitung der Krätze oder eine erneute Infektion zu verhindern, muss allerdings das Umfeld wie die Familie mit behandelt werden.

Es gibt wirksame Arzneimittel, die von außen auf die Haut aufgetragen werden. Die Creme wird einmalig auf den gesamten Körper mit Ausnahme des Kopfes über der Kinnlinie aufgetragen. Anschließend wird die Creme für acht Stunden belassen und dann durch ein Bad abgewaschen. Als Nebenwirkung kann eine Hautreizung auftreten. Das Mittel sollte außerdem nicht in Kontakt mit den Augen kommen.

Andere Milben abtötende Mittel müssen an drei aufeinander folgenden Tagen aufgetragen werden. Am vierten Tag nehmen die Betroffenen dann ein Vollbad oder ein gründliches Duschbad. Nebenwirkungen können ebenfalls eine Hautreizung oder eine allergische Reaktion sein. Einige dieser Mittel sind auch für Schwangere, stillende Frauen und Kleinkinder geeignet.

Bei abwehrgeschwächten Menschen mit einer schweren Milben-Infektion kann ein innerlich anzuwendendes Medikament gegeben werden.

Nachdem die Milben durch die Behandlung abgetötet wurden, ist es oft sinnvoll, die Haut zusätzlich mit antientzündlichen Cremes oder Salben zu pflegen.

Was ist bei der Behandlung zu beachten?


Begleitend zur oben genannten Therapie der Krätze sollte der Patient auf jeden Fall seine Bettwäsche und Unterwäsche vor und nach der Behandlung wechseln. Außerdem sollte die Wäsche bei 95 Grad Celsius (Kochwäsche) gewaschen werden. Kleider und auch Stofftiere sollte man für mehrere Tage gründlich auslüften oder am besten für ein paar Tage in einem Plastiksack luftdicht verpacken. Die Milben können körperfern nur zwei bis drei Tage überleben und sind zudem auf Sauerstoff angewiesen.

Unmittelbar vor der Behandlung sollte man weder ein Bad nehmen noch die Haut mit anderen Cremes oder Pflegeprodukten eincremen, dadurch kann das Medikament schlechter in die Haut eindringen.

Nahe Kontaktpersonen sollten immer mit behandelt werden, auch wenn sie noch keine Symptome der Erkrankung zeigen, da zwischen der Infektion und dem sichtbaren Ausbruch der Krätze bis zu vier Wochen liegen können.

Impressum


Copyright: sanvartis GmbH
Erstellungsdatum: November 2002
Autor: Dr. med. Silke Zaun (Fachärztin für Allgemeinmedizin)
Inhaltliche Beratung: Dr. med. Charlotte Willers (Fachärztin für Dermatologie und Venerologie)
Letzte Aktualisierung: April 2005
Durch: Janna Christoffers, Medizinjournalistin

Literatur/Leitlinien/EBM:


Fritsch, P.: Dermatologie und Venerologie. Springer (2.Aufl. 2003).

Gesenhues, S.; Ziesché, R.: Praxisleitfaden Allgemeinmedizin. Urban & Fischer (4.Aufl. 2003).
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