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Klumpfuß



(Pes equinovarus, excavatus et adductus)


Welche Fußdeformitäten gibt es?


Der Fuß ist als eine doppelte Gewölbekonstruktion aufgebaut: Im Vorfuß befindet sich das Quergewölbe, zwischen Vor- und Rückfuß ist das Längsgewölbe ausgebildet und normalerweise zur Mitte hin höher als am Fußaußenrand.

Die ideale Fußform ist nicht genau definiert. Viele Menschen, deren Fußgewölbe von der Norm abweicht, z. B. mit einer Abflachung des Längsgewölbes (Plattfuß), sind lebenslang beschwerdefrei.

Nach ihrem Erscheinungsbild, das von der normalen Fußform abweicht, unterscheidet man folgende Fußdeformitäten:
  • Ballenhohlfuß
  • Hackenfuß (Pes calcaneus)
  • Hängefuß
  • Hohlfuß (Pes cavus)
  • Knickfuß (Pes valgus)
  • Klumpfuß (Pes equinovarus, excavatus et adductus)
  • Plattfuß und Senkfuß (Pes planus)
  • Sichelfuß (Pes adductus)
  • Spitzfuß Pes equinus)
  • Spreizfuß (Pes transverso-planus)


Diese Fußdeformitäten können einzeln oder kombiniert auftreten. Außerdem sind sie häufig mit Fehlstellungen der Zehen vergesellschaftet (z. B. Hammerzehe, Krallenzehe, Hallux valgus).
Die Deformitäten können angeboren oder im Laufe des Lebens erworben sein.

Was ist ein Klumpfuß?


Der Klumpfuß stellt eine komplexe Fußdeformität dar, bei der vier Fehlstellungen gemeinsam auftreten:
  1. Ein Spitzfuß (Pes equinus): Die Achillessehne ist verkürzt und zieht damit die Ferse nach oben, während der Vorfuß sich nach unten senkt.
  2. Eine Einwärtsdrehung des gesamten Fußes, die Fußaußenkante ist nach unten gedreht (Supinationsstellung, Pes varus)
  3. Ein Hohlfuß (Pes cavus oder excavatus)
  4. Sichelfuß (Pes adductus): Der Vorfuß und die Zehen zeigen nach innen. Von oben betrachtet sieht der Fuß wie eine Sichel aus.

Diese Fehlstellungen ergeben zusammen das Bild eines Klumpfußes. Zusätzlich ist die Wadenmuskulatur unterentwickelt, was auch als Klumpfußwade bezeichnet wird.
Des Weiteren findet sich eine Verrenkung (Subluxation) im so genannten Chopartgelenk. Das Chopartgelenk (Articulatio tarsi transversa) wird von vier Fußwurzelknochen gebildet: dem Sprungbein (Talus) und dem Fersenbein (Kalkaneus) sowie dem Kahnbein (Os naviculare) und dem Würfelbein (Os cuboideum).

Welche Ursachen gibt es?


Am häufigsten findet sich die angeborene Form des Klumpfußes. Seine Ursache ist nicht bekannt. Es wird vermutet, dass es bereits in der Gebärmutter zu einem Muskelungleichgewicht beim ungeborenen Kind kommt, das letztlich zu einer Formveränderung der Fußwurzelknochen führt. Den angeborenen Klumpfuß findet man familiär gehäuft bei zwei von 1000 Neugeborenen, wobei Jungen doppelt so häufig betroffen sind wie Mädchen. In der Hälfte der Fälle sind beide Füße befallen.

Gelegentlich entsteht ein Klumpfuß als Folge neurologischer Erkrankungen, die mit einer Lähmung der Muskulatur am Fußaußenrand einhergehen. Dadurch überwiegt die mittelseitige Fußmuskulatur und belastet Knochen, Sehnen und Gelenke so stark, dass sich ein Klumpfuß bildet. Übergewicht begünstigt die Verformung des Fußgewölbes zusätzlich.

Wie äußert sich der Klumpfuß?


Wird ein Klumpfuß nicht behandelt, resultiert ein groteskes Gangbild. Da die Fußmuskulatur an der Innenseite überwiegt, vor allem der "Klumpfußmuskel" Musculus tibialis posterior, setzt der Betroffene seinen Fuß mit dem Fußaußenrand oder sogar mit dem Fußrücken auf. An diesen Stellen bilden sich Hornhautschwielen und Druckgeschwüre (Ulzera).

Die Beweglichkeit des Fußes wird zunehmend eingeschränkt und das Gehen fällt dem Betroffenen immer schwerer. Frühzeitig kommt es durch die unnormale Belastung des Fußes zu Gelenkveränderungen im Sinne einer Arthrose (Gelenkverschleiß). Eine Fußdeformität im Kindesalter kann im Erwachsenenalter Schäden am gesamten Skelettsystem verursachen.

Welche Untersuchungen sind erforderlich?


Grundlage der Diagnostik ist eine genaue Untersuchung der Füße im Gehen, Stehen und Liegen. Angeborene Klumpfüße werden bereits unmittelbar nach der Geburt durch den Kinderarzt festgestellt. Die betroffenen Neugeborenen fallen durch die verformten Füßen sowie durch eine verkümmerte Wadenmuskulatur auf.

Neben einer orthopädischen Untersuchung führt der Arzt auch eine gründliche neurologische Untersuchung durch, um Lähmungen und eine neurologische Grunderkrankung auszuschließen. Auch ist es wichtig auf weitere Missbildungen zu achten, wie z. B. eine Hüftverrenkung.

Zur genauen Beurteilung der Fehlstellung sind Röntgenaufnahmen erforderlich. Auf dem Röntgenbild erkennt man unter anderem, dass das Sprungbein (Talus) und das Fersenbein (Kalkaneus) durch den Hochstand der Ferse parallel zueinander stehen. Normalerweise beträgt der Winkel zwischen diesen beiden Fußwurzelknochen 30 Grad. Röntgenbilder sollten erst im Alter von etwa drei Monaten angefertigt werden, da vorher die Fußwurzelknochen noch nicht ausreichend zu erkennen sind.

Um den Verlauf der Fußdeformität beobachten zu können, werden die Röntgenuntersuchungen in regelmäßigen Abständen wiederholt.

Wie wird der Klumpfuß behandelt?


Der Klumpfuß muss so früh wie möglich behandelt werden. Bei angeborenen Klumpfüßen wird bereits am Tag der Geburt ein Gipsverband, der den Oberschenkel, die Knie und den Fuß einschließt, angelegt. Der Außenrand des Fußes bleibt frei, damit sich der Vorfuß in diese Richtung ausdehnen kann. Aufgrund der leichten Verformbarkeit des Säuglingsfußes kann die Fehlstellung so korrigiert werden. Der Gipsverband wird anfangs alle zwei Tage, später wöchentlich bis zum Ende des dritten Lebensmonats gewechselt. Leichtere Formen des Klumpfußes können so bereits beseitigt werden.

Konnte die Fehlstellung durch den Gips nicht komplett behoben werden, erfolgt eine Operation. Dabei wird die Achillessehne operativ verlängert, um die Spitzfuß-Komponente zu korrigieren. In einigen Fällen ist es notwendig, noch andere Weichteile zu operieren, z. B. weitere Sehnen zu verlängern, zu verlagern oder Bänder zu durchtrennen. Weiterhin werden die Fußwurzelknochen in die korrekte Stellung zueinander gebracht.

Nach der Operation muss der Fuß für mindestens sechs Wochen durch einen Gips in der richtigen Stellung gehalten werden. Später kann man nachts auf Schalen, so genannte Oberschenkel-Nachtlagerungs-Schalen, übergehen. Wenn das Kind anfängt zu laufen, sollte es tagsüber zusätzlich Klumpfußeinlagen tragen. Je nach Ausmaß des Klumpfußes können dies handgefertigte Innenschuhe oder fersenumgreifende Einlagen sein. Die nächtlichen Lagerungsschienen sollten etwa bis ins Vorschulalter verwendet werden.

Zusätzlich ist beim Klumpfuß eine krankengymnastische Behandlung sehr wichtig, um die Muskulatur zu kräftigen, ein normales Wachstum des Fußes zu fördern und "richtiges Gehen" zu trainieren.

Bei etwa zehn Prozent der Kinder werden weitere Operationen im Laufe des Wachstums notwendig.

Wenn das Wachstum abgeschlossen ist, kann eine operative Gelenkversteifung (Arthrodese) sinnvoll sein, um restliche Fehlstellungen zu korrigieren. Dabei werden Knochenkeile im unteren Sprunggelenk und im Chopart-Gelenk entnommen.

Welche Behandlung und welche Operationsmethode im Einzelfall gewählt werden, hängt unter anderem von der Ursache, der Schwere und der Entwicklung der Fehlstellung ab und sollte mit den behandelnden Ärzten eingehend besprochen werden. Risiken bei allen Eingriffen sind Verletzungen von Nerven, Knochen und Gelenken mit der Folge möglicher Bewegungseinschränkungen und späterer arthrotischer Veränderungen.

Impressum


Copyright: sanvartis GmbH
Erstellungsdatum: November 2002
Autor: Dr. med. Martina Waitz
Lektorat: Melanie Wilberg
Letzte Aktualisierung: September 2005
Durch: Dr. med. Maria-Anna Schoppmeyer

Literatur/Leitlinien/EBM:


Breusch, S.: Klinikleitfaden Orthopädie. Urban & Fischer (2002).

Debrunner, A.M.: Orthopädie und Orthopädische Chirurgie. Huber (2002).

Frisch, H.: Programmierte Therapie am Bewegungsapparat. Springer (2001).

Elterninformationsblatt der Othopädischen Universitätsklinik der RWTH Aachen: Klumpfuss. http://www.orthopädie-aachen.de
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