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Rachenentzündung




Was ist eine Pharyngitis?


Die Pharyngitis ist eine Entzündung der Rachenschleimhäute. Kinder sind am häufigsten betroffen. Prinzipiell kann die Rachenentzündung jedoch in jedem Lebensalter auftreten.

Eine Rachenentzündung kommt meist im Rahmen eines allgemeinen Virusinfektes vor, wobei der Rachen oft zusätzlich durch Bakterien besiedelt wird.

Eine Sonderform der akuten Pharyngitis ist die so genannte Seitenstrang-Angina. Dabei sind auch die lymphatischen Gewebestraßen an der Rachenhinterwand (Seitenstränge) mit entzündet.

Wie entsteht eine Rachenentzündung?


Akute Entzündungen der Rachenschleimhäute sind meist durch Viren bedingt (Influenza-Parainfluenza- oder Adenoviren). Auf der durch Viren vorgeschädigten Schleimhaut können sich Bakterien jedoch leichter vermehren und die Beschwerden verschlimmern.

Bei Erwachsenen wird die Rachenentzündung in etwa zehn Prozent der Fälle durch Bakterien verursacht. Meist handelt es sich dabei um die so genannten Streptokokken der Serumgruppe A.

Die Infektion wird von Mensch zu Mensch durch Tröpfcheninfektion über Speichel oder Nasensekret beim Sprechen oder Niesen übertragen.

Welche Beschwerden macht die Pharyngitis?


Typische Beschwerden sind ein trockener Husten, Schluckbeschwerden und leichtes Fieber. Bei Kindern tritt häufig auch sehr hohes Fieber auf. Ein Kratzen oder Brennen im Hals sowie starkes Trockenheitsgefühl im Mund können zusätzlich vorkommen.

Die hintere Rachenschleimhaut ist gerötet und angeschwollen. Auf den Seitensträngen sind manchmal gelb-weißliche stecknadelkopfgroße Erhebungen ("Stippchen) zu sehen.
Wenn Bakterien die Entzündung verursachen, sind die Beschwerden stärker ausgeprägt. Der Rachen erscheint dann hochrot, die weißen Stippchen bilden zusammenfließende gelbe Beläge. Auch das Fieber steigt höher als bei der durch Viren hervor gerufenen Entzündung.

Sind auch die lymphatischen Seitenstränge betroffen, können weitere Beschwerden hinzukommen. Die Seitenstränge liegen am Ausgang der Ohrtrompete, einem Verbindungsgang zwischen Rachenraum und Mittelohr. Schwellen sie an und verschließen dadurch die Ohrtrompete, sind Ohrenschmerzen die Folge. Daraus kann sich eine Mittelohrentzündung entwickeln.
Sind die Rachenmandeln (Tonsillen) ebenfalls entzündet, spricht man von einer Tonsillo-Pharyngitis (Angina).

Selten kann die Infektion mit A-Streptokokken ein rheumatisches Fieber mit schweren Schäden an Herz, Gelenken, Gehirn und Haut oder auch Nierenerkrankungen wie die so genannte Poststreptokokken-Glomerulonephritis (eine schwere Nierenentzündung) verursachen.

Welche Untersuchungen werden durchgeführt?


Der Arzt stellt die Diagnose beim Blick in den Rachen und anhand der typischen Beschwerden. Mit einem Spatel wird dazu die Zunge leicht herunter gedrückt, damit die Rachenhinterwand eingesehen werden kann. Besteht der Verdacht auf ein bakterielle Infektion, wird mit Hilfe eines Wattestäbchens ein Abstrich des Rachens gemacht. Ein Labor ermittelt dann den Erregertyp.

Wenn Kinder immer wieder an Pharyngitis erkranken, können weitere Untersuchungen nötig werden. Um Defekte der Immunabwehr auszuschließen, wird dann eine Blutprobe genommen und untersucht.
Zum Arztbesuch sollte das Impfbuch des Erkrankten mitgebracht werden. Die Diphtherie kann ein der Pharyngitis ähnliches Krankheitsbild verursachen und im Falle einer erfolgten Impfung ausgeschlossen werden.

Auch die Infektiöse Mononukleose (Pfeiffersches Drüsenfieber) kann mit den Beschwerden einer Rachenentzündung einhergehen. Die Beläge des Rachens sind dann eher weißlich, und es bestehen Lymphknotenschwellungen am ganzen Körper. Ein Mononukleose-Schnelltest kann diesen Verdacht ausräumen.

Wie wird die Rachenentzündung behandelt?


Eine Rachenentzündung und die begleitende Grunderkrankung schwächen den Betroffenen oft sehr und sollte je nach Verlauf mindestens einige Tage oder länger auskuriert werden. Der Erkrankte sollte zu Hause, am besten im Bett bleiben und sich erholen. Normalerweise verschwindet eine akute Pharyngitis dann innerhalb weniger Tage von selbst.

Um die Beschwerden zu lindern, werden schmerzstillende und desinfizierende Lösungen zum Gurgeln angewendet. Auch Lutschtabletten können genommen werden. Fiebersenkende und schmerzstillende Medikamente können die Symptome ebenfalls bessern. Nicht alle Schmerzmittel, insbesondere Acetylsalicylsäure, sind für Kinder geeignet. Die am häufigsten verwendeten Wirkstoffe sind Paracetamol und Ibuprofen. Nicht verabreichen sollte man kleinen Kindern Acetylsalicylsäure (ASS) wegen des zwar seltenen, aber gefürchteten so genannten Reye-Syndroms. Bei dem Reye-Syndrom handelt es sich um dramatische Komplikationen, die nach viralen Infekten bei Kindern im Alter zwischen vier und zwölf Jahren beobachtet werden, wenn sie im Rahmen ihrer Viruserkrankung Salizylate, wie das ASS, eingenommen haben. Es kommt zu einer lebensbedrohlichen Hirnschwellung und Leberschädigung.

Bakterielle Infektionen werden nach Diagnosestellung durch den Arzt mit Antibiotika behandelt. Meist ist Penizillin das geeignete Medikament, da es gegen den klassischen Erreger wie die Streptokokken sehr wirksam ist. Nebenwirkungen von Penizillin äußern sich meist mit Magen-Darm-Beschwerden oder Hautausschlägen. Für Patienten mit einer Penizillin-Allergie ist Erythromyzin der Wirkstoff der ersten Wahl. Die Antibiotikatherapie wird meist über zehn Tage durchgeführt. Antibiotika sollen so lange eingenommen werden wie vom Arzt verordnet, auch wenn die Schmerzen bereits nachgelassen haben. Dadurch werden Rückfälle und Resistenzbildungen der Erreger verhindert.

Wenn eine Seitenstrang-Angina Ohrenschmerzen verursacht, helfen abschwellende Nasensprays. Der Rückgang der Schwellung wird dabei meist über eine Engstellung der Blutgefäße bewirkt. Als Nebenwirkung können Kopfschmerzen oder Schleimhaut-Reizungen auftreten. Wegen möglicher Gewöhnung bei längerfristigem Gebrauch sollten die Medikamente, v. a. die Schmerzmittel und die Schleimhaut abschwellenden Mittel, nur kurzfristig (d. h. während der akuten Pharyngitis) eingenommen werden.


Literatur/Leitlinien/EBM:



Infektionen des Mundes und der oberen Atemwege. Urban & Fischer (2000).

Clinical Practice Guideline: Principles of Appropriate Antibiotic Use for Acute Pharyngitis.
Ann Intern Med. (2001). 134:506-508.

Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Pneumologie: Erkrankungen der oberen Atemwege: Rhinitis-Pharyngitis-Laryngitis (Letzte Aktualisierung: Juli 1998).

Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Deutsche Gesellschaft für pädiatrische Infektiologie: Streptokokken (Gruppe A) Infektionen (Letzte Aktualisierung: Juli 1998).
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