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Refluxkrankheit




Was ist eine Refluxkrankheit?


Der Magen produziert einen sauren Magensaft (Salzsäure), der für eine ungestörte Verdauung und die Abwehr von Krankheitserregern unbedingt notwendig ist. Der Begriff Reflux bezeichnet den Rückfluss des säurehaltigen Mageninhalts in die Speiseröhre. Ein gelegentlicher Rückfluss von Magensäure ist normal und bleibt in der Regel unbemerkt.

Eine Refluxkrankheit liegt vor, wenn entweder Beschwerden auftreten, oder Veränderungen an der Schleimhaut der Speiseröhre festgestellt werden. Unter einer Refluxkrankheit leiden relativ viele Menschen; jeder fünfte hat gelegentlich Beschwerden, bei etwa jedem zehnten Bundesbürger kommt es zu einer Entzündung der Speiseröhre (Refluxösophagitis).

Was sind die Ursachen einer Refluxkrankheit?


Bei gesunden Menschen verhindert der untere Schließmuskel der Speiseröhre (Ösophagussphinkter) weitestgehend den Rückfluss von saurem Mageninhalt. Ist er in seiner Funktion gestört, fließt Magensäure in die Speiseröhre zurück und schädigt dort die Schleimhaut. In Verbindung damit ist häufig auch die Selbstreinigungskraft der Speiseröhrenschleimhaut vermindert, sodass dieser natürliche Schutzmechanismus ausfällt. Daneben kann sich eine verzögerte Magenentleerung mit Rückstau zusätzlich negativ auswirken.

In der Mehrzahl der Fälle liegt eine Kombination der unterschiedlichen Entstehungsmechanismen vor. Ausgeschlossen werden sollten durch Schädigung von Nerven bedingte Entleerungsstörungen des Magens, z. B. im Rahmen eines Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) sowie die rheumatischen Erkrankungen Sklerodermie und Sjögren-Syndrom.

Ebenso tritt bei 50 bis 60 Prozent aller Schwangeren Sodbrennen auf. Ursache ist hier der gesteigerte Druck im Bauchraum. Die Beschwerden verschwinden im Allgemeinen nach der Entbindung.

Ein Zusammenhang mit westlichen Ernährungsgewohnheiten wie z. B. der übermäßigen Zufuhr gesättigter Fettsäuren, Nikotin- oder Alkoholkonsum, dem vermehrten Genuss stark gesüßter oder saurer Speisen und Getränke sowie Übergewicht, wird mit dem Entstehen der Refluxkrankheit in Verbindung gebracht, konnte jedoch bisher nicht sicher bewiesen werden.

Welche Beschwerden treten auf?


Das führende Symptom der Refluxkrankheit ist der brennende Schmerz hinter dem Brustbein, das Sodbrennen, oft in Verbindung mit Aufstoßen und einem typischen sauren Geschmack im Mund. Diese Beschwerden treten vor allem in Verbindung mit auslösenden Faktoren wie Alkoholgenuss, sauren Fruchtsäften und Speisen oder bei Druckerhöhung im Bauchraum, z. B. beim Bücken oder Heben schwerer Gegenstände, auf.

In Einzelfällen kann dieser Schmerz so heftig sein kann, dass er mit Beschwerden bei einem Herzinfarkt verwechselt wird. Häufig treten die Beschwerden auch nachts im Liegen auf. Gelegentlich gerät der säurehaltige Mageninhalt dann auch in die Luftröhre und kann neben Luftnot zu Reizungen und Schäden der Atmwege durch die aggressive saure Flüssigkeit führen. Deshalb sollte bei nächtlichen Hustenattacken, chronischer Heiserkeit, Kehlkopf- und Rachenentzündungen immer auch eine Refluxkrankheit ausgeschlossen werden.

Der ständige Entzündungsreiz kann auf Dauer zu narbigen Verziehungen und Einengungen der Speiseröhre führen oder auch zur Veränderung im Sinne eines so genannten Barrett-Ösophagus. Hierbei wandelt sich die Schleimhaut der Speiseröhre in magenähnliche Schleimhautzellen um. Der Barrett-Ösophagus geht in ungefähr zehn Prozent der Fälle in einen Speiseröhrenkrebs über.

Wie wird eine Refluxkrankheit erkannt?


Nach einer ausführlichen Befragung des Patienten zu seinen Beschwerden, möglichen Begleiterkrankungen, seiner Lebensweise sowie einer gründlichen körperlichen Untersuchung wird eine Spiegelung der Speiseröhre (Endoskopie) durchgeführt. Nur die direkte Betrachtung der Speiseröhrenschleimhaut durch die Spiegelung erlaubt eindeutige Aussagen zum Schweregrad der Entzündung. Gleichzeitig können Schleimhautproben zur feingeweblichen Untersuchung entnommen werden, um Veränderungen der Zellen im Sinne eines Barrett-Ösophagus zu erkennen.

Lässt das endoskopische Bild keine eindeutigen entzündlichen Veränderungen erkennen, die Beschwerden des Patienten aber den Verdacht auf eine Refluxkrankheit nahe legen, kann eine dünne Sonde (kaum dicker als ein Zwirnsfaden) über die Nase in die Speiseröhre vorgeschoben werden, die dort bis zu 24 Stunden liegen bleibt. Hierüber ist eine kontinuierliche Messung des Säuregrades innerhalb der Speiseröhre möglich. Dieses wenig belastende Messverfahren nennt man pH-Metrie. Es wird ebenfalls vor einer Operation der Refluxkrankheit durchgeführt.

Vor einer Operation wird zusätzlich noch eine Manometrie, die Druckmessung in der Speiseröhre, durchgeführt. Hierbei wird ein flüssigkeitsgefüllter Messkatheter bis in den Magen geführt und dann bis zum unteren Speiseröhrenschließmuskel zurückgezogen.

Bei Beschwerden, die auf eine Schädigung des Kehlkopfes oder der Stimmbänder hindeuten (z. B. Heiserkeit, Räusperzwang, Halsschmerzen), ist ergänzend eine Untersuchung durch den Hals-Nasen-Ohren-Arzt sinnvoll.

Wie wird eine Refluxkrankheit behandelt?


Die Refluxkrankheit wird mit Medikamenten behandelt, die die Säureproduktion im Magen blockieren. Mittel der ersten Wahl sind die so genannten Protonenpumpenblocker (z. B. Pantoprazol). Weniger wirksam sind H2-Blocker und Antazida.

Daneben können Medikamente zum Einsatz kommen, die die Entleerung des Magens und damit auch den Transport der Magensäure in den nachfolgenden Dünndarm fördern (Prokinetika). Sie sind jedoch nicht so wirksam wie Protonenpumpenblocker.

Die Dauer der medikamentösen Behandlung richtet sich nach dem Verlauf der Symptome. Meist wird zunächst eine vierwöchige Therapie mit einem Protonenpumpenblocker durchgeführt. Wenn die Beschwerden weiterbestehen, wird die Dosis des Medikaments gesteigert. Wenn nach Absetzen der Medikamente erneut Beschwerden auftreten, sollte eine Langzeitprophylaxe, eventuell lediglich bei Auftreten von Symptomen, durchgeführt werden. Episodisch versucht man, die Dosis zu reduzieren. Nebenwirkungen der Medikamente können sich mit Beschwerden im Magen-Darm-Trakt (Verstopfung, Durchfälle, Übelkeit), seltener mit Müdigkeit, Muskelschmerzen oder Allergien äußern.

In den wenigen Fällen, in denen die medikamentösen Maßnahmen versagen, insbesondere bei Erkrankten, die jünger als 40 Jahre sind, muss über eine Operation nachgedacht werden. Dabei wird der obere Magenanteil, der Magenfundus, manschettenförmig um die Schließmuskelregion gelegt, um deren Funktion zu verbessern. Diese so genannte Fundoplikatio erfolgt über eine Bauchspiegelung, selten über einen Bauchschnitt, und führt zu guten Langzeitergebnissen und einer deutlichen Steigerung der Lebensqualität.

Wie bei allen Operationen birgt auch dieser Eingriff Risiken. Es kann zu Verletzungen von anderen Organen, von Nerven und Blutgefäßen kommen, die Blutungen und Nachblutungen nach sich ziehen können. Infektionen, vor allem im Bereich der Wunde, sowie Verwachsungen sind möglich. Blutgerinnsel, also Thrombosen und Embolien, kommen in der Regel selten vor. Über die Risiken der Narkose klärt vor der Operation ein Narkosearzt, der Anästhesist, auf. Er bespricht mit dem Patienten dessen individuelles Risiko und die Narkose wird dementsprechend angepasst.

Verschiedene neue Operationstechniken, wie die so genannte Transorale Endoskopische Gastroplasie, befinden sich zur Zeit in klinischer Erprobung und gehören noch nicht zur Standardtherapie.

Wenn aufgrund der Refluxkrankheit ein Barrett-Ösophagus vorliegt, sollte die Speiseröhre regelmäßig gespiegelt werden, um das Auftreten einer bösartigen Veränderungen frühzeitig zu erkennen.

Was kann man selber tun?


Um eine Refluxkrankheit zu verhindern oder um die Beschwerden zu vermindern, sollte man vor allem folgende Nahrungsmittel vermeiden: Fette Speisen, süße Speisen (z. B. Schokolade), Getränke wie saure Fruchtsäfte, Kaffee, kohlensäurehaltige Limonaden und Alkohol, vor allem hochprozentiger und säurehaltiger Alkohol (z. B. Wein). Ebenso sollte auf Nikotin verzichtet werden.

Es empfiehlt sich, Übergewicht zu reduzieren und mehrere kleine, fettarme Mahlzeiten am Tag zu sich zu nehmen. Als positiv hat sich auch Kaugummikauen und Spazieren gehen bis zu einer Stunde nach den Mahlzeiten erwiesen.

Sinnvoll können mitunter auch andere Maßnahmen wie Schlafen mit erhöhtem Oberkörper oder das Tragen nicht beengender Kleidung sein.


Literatur/Leitlinien/EBM:



Hahn, E. G./Riemann, J. F.: Klinische Gastroenterologie. Thieme (2000).

Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag (2004).

Thiemes Innere Medizin (TIM). Thieme (2000).

Riemann J. F., u. a.: Reflux und refluxassoziierte Erkrankungen. Der Internist 44, S. 9 - 67 (2003).
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