Riechstörungen
(Geruchsstörungen; Dysosmien)
Wie funktioniert das Riechen?
Riechzellen finden sich in einem kleinen Bereich im Inneren der Nase, dem Nasendach. Hier werden kleinste Bestandteile aus der Luft aufgenommen und entsprechende Signale von den Nervenzellen an das Gehirn zur Verarbeitung der Geruchseindrücke übermittelt. Der Mensch kann sehr viele verschiedene Duftstoffe unterscheiden. Die Geruchswahrnehmung kann geschwächt sein (Dysosmie) oder ganz fehlen (Anosmie). Als unangenehm und störend wird eine fehlerhafte Wahrnehmung von Gerüchen empfunden (Parosmie).
Der Geruchssinn ist auch sehr wichtig für die Geschmackswahrnehmung, bei der verschiedene Faktoren eine Bedeutung haben: die Geruchseindrücke, die Empfindungen eines Nerven (Trigeminusnerv), die vier Grundgeschmacksrichtungen süß, sauer, salzig, bitter sowie die Konsistenz und Temperatur der Nahrung. Aus diesem Grund wirken sich Störungen des Geruchs auch auf den Geschmack aus.
Wie kommt es zu Riechstörungen?
Ein grippaler Infekt ist bei jedem fünften Betroffenen die Ursache für eine Riechstörung. Bei ca. der Hälfte aller Fälle sind Riechstörungen die Folge von Nasenerkrankungen wie allergische Schleimhautschwellungen, Nasenpolypen oder Nebenhöhlenentzündungen.
Bei Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), Lebererkrankungen und Schilddrüsenunterfunktion sowie neurologischen Krankheiten wie Morbus Parkinson, Multiple Sklerose und der Alzheimer-Krankheit sowie bei Hirntumoren kann es zu Geruchsstörungen kommen.
Auch durch Chemikalien und Medikamente können Riechstörungen hervorgerufen werden. Kommt es bei Schädelverletzungen oder Operationen zu Schäden an den Nervenbahnen des Geruchssinns, kann die Geruchswahrnehmung ebenfalls gestört sein.
Wie wird die Diagnose gestellt?
Die Diagnose einer Riechstörung ergibt sich aus der Vorgeschichte (Infekt, Unfall mit Gesichtsverletzung, bekannte Grunderkrankung, Medikamenteneinnahme), den Beschwerden
(z. B. Riechstörung und Behinderung der Nasenatmung) und den Ergebnissen der Untersuchungen. Der Hals-Nasen-Ohren-Arzt untersucht die Nasen- und Nasennebenhöhlen, weil hier häufig die Ursache gefunden werden kann.
Spezielle Untersuchungen prüfen das Riech- und auch das Schmeckvermögen. Man testet, ob bestimmte Riech- bzw. auch Schmeckproben erkannt werden, ob die Intensität bestimmt werden kann oder bei welcher Konzentration ein Duftstoff gerochen wird. Diese Untersuchungen sind von den Angaben des Patienten abhängig.
Für eine objektive Prüfung des Geruchs, die unabhängig von den Angaben des untersuchten Patienten ist, werden die entsprechenden Hirnströme bei Geruchsreizen gemessen. In einzelnen Fällen werden die Nasennebenhöhlen geröntgt, ggf. kann auch eine Computertomografie des Schädels oder eine neurologische Untersuchung notwendig sein.
Wie werden Riechstörungen behandelt?
Die Behandlung richtet sich nach der jeweiligen der Riechstörung zugrunde liegenden Ursache. Eine Riechstörung durch einen akuten grippalen Infekt zum Beispiel kann sich auch ohne Behandlung bessern, wenn die Infektion abgeklungen ist.
Allgemein können bei Geruchsstörungen Kortison, das abschwellend und entzündungshemmend wirkt, aber auch Zink und Vitamin A eingesetzt werden. Durchblutungsfördernde Infusionen führen in den meisten Fällen auch zu einer Besserung des Riechvermögens. Als unerwünschte Nebenwirkung dieser Therapiemaßnahmen kann der Kreislauf belastet werden, es kann zu vorübergehenden Veränderungen des Blutdrucks, des Blutzuckers und der Blutzellen sowie zu Elektrolytstörungen (Natrium, Kalium) kommen. Schwere Nebenwirkungen sind bei einer kurzen Anwendung im Allgemeinen aber nicht zu befürchten.
Bei Störungen der Geruchswahrnehmung durch allergische Nasenschleimhauterkrankungen, Nasennebenhöhlenentzündungen und Nasenpolypen kann sich durch Behandlung dieser Erkrankungen oftmals die Riechstörung bessern oder komplett beseitigen. Wird die Riechstörung durch ein Medikament ausgelöst, kann der behandelnde Arzt erwägen, dass Präparat wegzulassen, in der Dosis zu verringern oder zu ersetzen.
Bei Schäden an den Nervenbahnen für den Geruch infolge einer Schädelverletzung kann im schlimmsten Fall eine Geruchsstörung entstehen, die nicht behandelt werden kann.
Literatur/Leitlinien/EBM:
Arnold, W.; Ganzer, U.; Largiader, F.; Sturm, A.; Wicki, O.: Checkliste Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme (4.Aufl. 2005).
Boenninghaus, H. G.; Lenarz, T:: Hals-Nasen-Ohrenheilkunde. Springer (12.Aufl. 2004).
Naumann; H.H.: Differentialdiagnose in der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme (2.Aufl. 1998).
Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF)
Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie: Riechstörungen.
AWMF-Leitlinien-Register Nr. 017/050. (Letzte Aktualisierung: 2004).


