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Ringelröteln



(Erythema infectiosum)


Was sind Ringelröteln?


Ringelröteln sind eine Infektionskrankheit, die durch Viren (Parvoviren) verursacht wird. Sie tritt im Winter und im Frühjahr gehäuft auf. Die Infektion, die in der Fachsprache Erythema infectiosum heißt, ist durch einen charakteristischen Hautausschlag in Form eines Schmetterlings auf Wangen und Nase gekennzeichnet.

Es erkranken vor allem Kinder im Schulalter zwischen fünf und 15 Jahren, prinzipiell kann man sich aber in jedem Alter anstecken. Eltern kleinerer Kinder und Menschen, die mit Kindern arbeiten, haben ein besonders großes Risiko, Ringelröteln zu bekommen. Wer einmal an einem Erythema infectiosum erkrankt war, besitzt lebenslangen Schutz (Immunität) gegen das Parvovirus B19, den Erreger der Ringelröteln.

Normalerweise ist die Erkrankung recht harmlos und heilt folgenlos ab. Gefährlich ist aber eine Infektion in der Schwangerschaft, die bei 20 Prozent der Ungeborenen zu einem so genannten Hydrops fetalis - einer übermäßigen Flüssigkeitsansammlung im heranwachsenden Fetus - führt, und nicht selten in einer Fehl- oder Totgeburt endet.

Wie werden Ringelröteln übertragen?


Die Viren werden durch so genannte Tröpfcheninfektion, also über Nasenflüssigkeit oder Speichel beim Niesen, Husten oder Sprechen, übertragen. Der Zeitraum zwischen Ansteckung und Ausbruch der Krankheit (Inkubationszeit) beträgt ein bis zwei Wochen.

Allerdings sind Ringelröteln bereits einige Tage vor dem Auftreten des Hautausschlags ansteckend. Bei guter Abwehrlage kommt die Erkrankung aber oft gar nicht zum Ausbruch. In Kindergärten oder Schulen kommt es allerdings alle paar Jahre zu so genannten Kleinraum-Epidemien, bei denen ganze Gruppen von Kindern an Ringelröteln erkranken.

Wie machen sich Ringelröteln bemerkbar?


Die Erkrankung verläuft in zwei Stadien. Im so genannten "Stadium der Virusvermehrung" treten meist keine oder nur leichte Beschwerden wie Husten, Schnupfen, Übelkeit und Gliederschmerzen auf. In dieser etwa sechs Tage langen Phase vermehren sich die Parvoviren in den Vorläuferzellen der roten Blutkörperchen im Knochenmark und stören dadurch die Blutbildung.

Im anschließenden "Exanthemstadium" tritt der charakteristische Hautausschlag auf, welcher der Erkrankung ihren Namen gibt. Die schmetterlingsförmige Hautrötung beginnt im Gesicht, erstreckt sich dort über Wangen und Nasenwurzel. Kinn, Lippen und der knorpelige Nasenanteil bleiben frei. Nach ein bis vier Tagen breitet sich der Ausschlag auf die Arme, die Beine (vor allem auf die Streckseite) und letztlich den gesamten Körper aus. Der Hautausschlag erscheint girlandenartig, kann jucken und ist unterschiedlich stark ausgeprägt. Er dauert meist wenige Tage, selten bis zu mehreren Wochen an. Gelegentlich ist die Krankheit von Fieber, Gelenk- und Muskelschmerzen und geschwollenen Lymphknoten begleitet.

Die Krankheit verläuft meistens leicht und ist für Kinder in der Regel harmlos.

Nicht wenige der an Ringelröteln Erkrankten haben keinen Hautausschlag. Manchmal wird die Krankheit auch überhaupt nicht entdeckt, weil gar keine der genannten Symptome auftreten. Da diese Menschen aber das Virus in sich tragen, können sie andere trotzdem anstecken.

Wie werden Ringelröteln diagnostiziert?


Der Arzt erkennt die Ringelröteln meist schon auf den ersten Blick anhand des charakteristischen Hautausschlags. Fehlt der Hautausschlag oder sieht er untypisch aus, kann der Arzt Blut abnehmen. Ab dem zehnten Tag der Erkrankung lassen sich nämlich Antikörper gegen das Parvovirus B19 im Blut nachweisen und die Erkrankung somit feststellen. Noch Jahre nach einer durchgemachten Infektion sind die Antikörper vorhanden.

Sehr leichte Krankheitsverläufe werden häufig auch übersehen.

Wenn eine Schwangere an Ringelröteln erkrankt, kontrolliert der behandelnde Frauenarzt im Ultraschall, ob das Kind im Mutterleib gefährdet ist und führt weitere Blutuntersuchungen durch.

Wie behandelt man Ringelröteln?


Im Allgemeinen heilt die Erkrankung auch ohne Behandlung aus. Bei Fieber, Kopf- und Gelenkschmerzen sollte man sich körperlich schonen, Bettruhe einhalten und ausreichend Flüssigkeit trinken.

Auch können schmerzstillende und fiebersenkende Medikamente eingenommen werden, um die Beschwerden zu lindern. Hier eignen sich zum Beispiel Parazetamol oder Ibuprofen.

Welche Komplikationen können auftreten?


Ringelröteln heilen in aller Regel komplikationslos und ohne Folgen aus. Zu Komplikationen kommt es äußerst selten.

Menschen, die an einer bestimmten Blutkrankheit, der chronisch-hämolytischen Anämie (einer Blutarmut infolge der Zerstörung von roten Blutkörperchen) leiden, können bei einer Infektion mit Ringelröteln eine so genannte aplastische Krise entwickeln. Dabei ist die Bildung der roten Blutkörperchen so schwerwiegend gestört, dass die Blutarmut in einigen Fällen sogar tödlich endet.

Bei Schwangere, die zuvor nie Ringelröteln hatten, droht bei einer Ansteckung mit dem Parvovirus Gefahr für das Kind. In der gesamten Schwangerschaft verursacht eine Infektion mit Ringelröteln bei ca. 20 Prozent der Ungeborenen einen so genannten Hydrops fetalis. Das Virus stört die Blutbildung des Fetus, was eine Wassersucht mit Flüssigkeitsansammlungen in den Körperhöhlen und im Gewebe zur Folge hat. Dies kann eine kindliche Herzschwäche bis hin zu einer Fehl- oder Totgeburt nach sich ziehen. Viele Ungeborene überleben einen Hydrops fetalis trotz sofortiger Therapie mit Blutaustauschtransfusionen nicht. Eine mögliche Infektion der Schwangeren lässt sich durch eine Blutuntersuchung feststellen. Arzt und Patientin sollten dann gemeinsam über das weitere Vorgehen entscheiden.


Literatur/Leitlinien/EBM:



Hahn, J.M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme (2003).

Lentze, M.J.: Pädiatrie. Grundlagen und Praxis. Springer (2003).

Behrman, R. E.: Nelson Textbook of Pediatrics. Harcourt Verlag (17. Auflage 2003).

Koletzko, B.: Kinderheilkunde. Springer (12. aktualisierte. Auflage 2004).

Sitzmann, F.C.: Pädiatrie. MLP Duale Reihe. Thieme (2002).

Harrison, T. R.: Harrisons Innere Medizin. ABW Wissenschaftsverlag (16. Auflage 2005).

Robert-Koch-Institut: Parvovirus B 19.
http://www.rki.de/cln_006/nn_226928/DE/Content/Infekt/Blut/AK__Blut/Stellungnahmen/download/st03__4,templateId=raw,property=publicationFile.pdf/st03_4 (Dezember 1998)
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