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Scharlach




Was ist Scharlach?


Scharlach ist eine ansteckende Infektionskrankheit, die mit einer akuten Mandelentzündung (Angina tonsillaris) und einem charakteristischen Hautausschlag einhergeht. Als klassische Kinderkrankheit tritt Scharlach am häufigsten zwischen dem dritten und zehnten Lebensjahr auf.

Erreger sind die so genannten A-Streptokokken. Dies sind Bakterien, die bei Kindern vor allem Infektionen der Atemwege und der Haut verursachen. Die Infektion wird durch Husten und Niesen übertragen (Tröpfcheninfektion), selten auch durch verunreinigte Lebensmittel.

Welche Beschwerden verursacht Scharlach?


Zwei bis vier Tage nach der Ansteckung (Inkubationszeit) treten plötzlich hohes Fieber, Erbrechen sowie Kopf- und Halsschmerzen mit Schluckbeschwerden auf. Die Mandeln sind gerötet, häufig finden sich weißliche, stippchenförmige Beläge. Besonders charakteristisch für Scharlach sind die Veränderungen der Zunge und der Haut. Anfangs ist die Zunge belegt, nach einigen Tagen stark gerötet. Wegen der entzündeten Papillen ähnelt die Zungenoberfläche einer Himbeere. Der Rachen und der Gaumen sind düsterrot verfärbt, und es kommt zu einer fleckigen Rötung der Mundschleimhaut.

Der Hautausschlag beginnt am ersten oder zweiten Krankheitstag. Er tritt zuerst am Oberkörper auf und überzieht dann den gesamten Körper. Er ist kleinfleckig und "scharlach-rot, die betroffene Haut fühlt sich rau an. Typischerweise bleibt die Haut um den Mund ausgespart. Die Ausprägung und die Dauer dieses Ausschlages ist von Kind zu Kind sehr unterschiedlich. Typischerweise hält er für etwa eine Woche an. Einige Tage danach löst sich die Haut, insbesondere an Hand- und Fußinnenflächen, grobschuppig ab.

Wie wird Scharlach diagnostiziert?


Durch die oben genannten typischen Beschwerden und Hauterscheinungen fällt der Verdacht direkt auf eine Scharlach-Erkrankung. Man kann die Erreger, die Streptokokken, anhand eines Rachenabstriches nachweisen und so die Diagnose sichern. Dies geschieht entweder durch einen Schnelltest oder durch einen kulturellen Nachweis der Streptokokken.

Auch können im Rahmen einer Blutuntersuchung spezifische Antikörper gegen die Streptokokken gefunden werden.

Welche Komplikationen können bei einer Scharlach-Erkrankung auftreten?


Komplikationen, die begleitend zu der akuten Mandelentzündung auftreten können, sind u. a. Mittelohrentzündung, Nasennebenhöhlen-Entzündung, Lymphdrüsenbeteiligung, Abszesse im Rachenbereich sowie Hirnhautentzündung.

Selten kommt es zu einem toxischen Verlauf des Scharlachs. Die Beschwerden sind dann von Anfang an sehr viel ausgeprägter. Hohes Fieber, Benommenheit bis zur Bewusstlosigkeit, Krämpfe und Kreislaufversagen bis zum Schock können auftreten

Daneben gibt es schwere Folgekrankheiten, die zu Dauerschäden an lebenswichtigen Organen wie Herz und Nieren führen können. Insbesondere das so genannte rheumatische Fieber sowie eine Nierenentzündung (Glomerulonephritis) sollen verhindert werden.

Das rheumatische Fieber tritt zwei bis drei Wochen nach einer Scharlach-Erkrankung auf. Es kann zu Entzündungen der Gelenke, des Herzens sowie zu Bewegungsstörungen (so genannte Chorea minor) kommen. Mögliche Dauerschäden am Herzen betreffen die Herzklappen und können eine lebenslange Behandlung mit Antibiotika erforderlich machen.

Bei der akuten Glomerulonephritis kommt es ein bis zwei Wochen nach dem Scharlach zu einer Nierenschädigung. Daher sollte etwa drei Wochen nach Beginn der Behandlung mit Antibiotika eine erneute ärztliche Untersuchung stattfinden, um Komplikationen an Herz und Niere auszuschließen.

Wie wird Scharlach behandelt?


Unmittelbar mit der Diagnose eines Scharlachs sollte eine Behandlung mit dem Antibiotikum Penizillin begonnen werden, um eine weitere Vermehrung der Streptokokken zu vermeiden und so möglichen Komplikationen und Folgekrankheiten vorzubeugen. Die Medikamente müssen unbedingt regelmäßig und wie vom Arzt verordnet - meist über zehn Tage - eingenommen werden.

Bei Fieber ist Bettruhe wünschenswert, aber nicht zwingend erforderlich. Mit Wadenwickeln kann das Fieber gesenkt werden. Reicht dies nicht aus, können auch fiebersenkende Medikamente als Zäpfchen oder Saft verabreicht werden. Wegen des erhöhten Flüssigkeitsbedarfs muss reichlich getrunken werden.

Ein bis zwei Tage nach Beginn der Behandlung mit Antibiotika ist Scharlach nicht mehr ansteckend. Erkrankte Kinder können nach dieser Zeit wieder die Schule oder den Kindergarten besuchen.

Eine Schutzimpfung gegen Scharlach gibt es nicht. Es ist möglich, erneut an Scharlach zu erkranken.


Literatur/Leitlinien/EBM:



Herold. G.: Innere Medizin. Selbstverlag. (2004).

Lentze, M.J.: Pädiatrie. Grundlagen und Praxis. Springer (2003).

Sitzmann, F.C.: Pädiatrie. MLP Duale Reihe. Thieme (2002).

Robert-Koch-Institut: Scharlach und andere Infektionen durch Streptococcus pyogenes - Ratgeber Infektionskrankheiten. www.rki.de. (2000).

Deutsche Gesellschaft für Kinderheilkunde und Jugendmedizin: Leitlinien Kinderheilkunde und Jugendmedizin. Urban & Fischer (1999).
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