Schuppenflechte
(Psoriasis)
Was ist eine Schuppenflechte?
Bei einer Schuppenflechte (Psoriasis) handelt es sich um eine chronische Erkrankung der Haut, die schubweise verläuft. Mit einem Auftreten von zwei bis drei Prozent in der Bevölkerung ist es eine der häufigsten Hauterkrankungen.
Die Hauterscheinungen äußern sich in scharf begrenzten, erhabenen, rötlichen, runden Herden mit typischer silbrig-weißer Schuppung. Die Herde sind unterschiedlich groß und können am ganzen Körper auftreten; am häufigsten betroffen sind aber die Streckseiten der großen Gelenke, der behaarte Kopf und die Analregion. Zusätzlich finden sich häufig auch Veränderungen an den Fingernägeln wie ölfleckartige Verfärbungen, wie gestanzt wirkende Einsenkungen der Nagelplatte und ein bröckeliger Nagelzerfall. Auch die Handinnenflächen und die Fußsohlen können befallen sein, die isoliert auftretend eine eigene Form der Psoriasis darstellt.
Eine Sonderform der Schuppenflechte stellt die so genannte Psoriasis arthropathica dar, die in 10 bis 15 Prozent der Fälle auftritt. Hierbei finden sich zusätzlich zu den Hauterscheinungen eine Beteiligung der Gelenke und eventuell der Knochen mit arthroseartigen Gelenkbeschwerden. Häufig sind die Fingergelenke betroffen, prinzipiell kann aber jedes Gelenk befallen sein.
Wie wird die Diagnose gestellt?
Die Erhebung der Krankengeschichte und die charakteristischen Hautveränderungen sind in der Regel ausreichend, um eine sichere Diagnose zu stellen. Hierbei ist auch wichtig zu erfragen, ob weitere Familienmitglieder betroffen sind, da eine Schuppenflechte eine erbliche Komponente aufweist.
Nur bei unklarem Bild kann die Entnahme einer kleinen Gewebeprobe in örtlicher Betäubung und die anschließende Untersuchung unter dem Mikroskop notwendig sein.
Wie verläuft die Erkrankung?
Die Psoriasis verläuft individuell außerordentlich unterschiedlich. Oft kommt es zu einer schubweisen Verschlechterung der Krankheitszeichen, wobei die Schübe in Dauer, Stärke und Häufigkeit sehr variabel sein können. Die Schuppenflechte ist eine Hauterkrankung, die durch viele Faktoren ausgelöst und beeinflusst wird. Dazu gehören besondere Belastungen wie Stress oder zusätzlich bestehende Grunderkrankungen wie Diabetes oder eine HIV-Infektion oder auch entzündliche Infekte als Auslöser. Aber auch physikalische (wie z. B. ein Sonnenbrand) und chemische Reize, Medikamente und Alkohol können mit verursachend sein, Saisonale Faktoren können den Hautzustand ebenfalls beeinflussen, eine Verschlechterung ist häufig im Herbst und Frühjahr zu beobachten.
Bei der Psoriasis kann es zu spontanen Abheilungen, d. h. ohne therapeutische Maßnahmen, kommen, andererseits sind auch chronische Verläufe, die sich trotz einer Behandlung kontinuierlich verschlechtern, zu beobachten. Insbesondere bei einer Gelenkbeteiligung kann es zu bleibenden Einschränkungen kommen, so dass bestimmte Tätigkeiten, im schlimmsten Fall auch der Beruf, nicht mehr ausgeübt werden können.
Wie wird die Schuppenflechte behandelt?
Die Wahl des jeweiligen Therapieverfahrens richtet sich nach den befallenden Körperregionen und dem Schweregrad der Erkrankung. Grundsätzlich können viele Therapieformen miteinander kombiniert werden. Auch ein Wechsel des Behandlungsverfahrens ist nach Ablauf von bestimmten Zeiträumen vielfach hilfreich und je nach individuellem Ansprechen erforderlich. Die Therapie erfolgt im Allgemeinen nur dann, wenn auch Beschwerden bestehen. Im so genannten symptomfreien Intervall beschränkt sich die Behandlung auf Hautpflegemaßnahmen. Lediglich in besonders schweren Fällen kann zusätzlich eine Therapie zur Verzögerung des nächsten Schubes durchgeführt werden.
Aufweichen und Entfernen der Schuppen
Am Anfang der Therapie steht das Aufweichen und Entfernen der Schuppen. Neben dem kosmetischen Effekt wird so die Grundlage für weitere Therapieschritte geschaffen. Die Schuppenablösung (Keratolyse) geschieht mit Salicylsäure- oder Harnstoff-haltigen Salben. Diese Salben können die Haut zusätzlich reizen oder zu allergischen Reaktionen führen, wobei Salicylsäure generell nicht großflächig über einen längeren Zeitraum angewandt werden sollte. Die Salbenbehandlung wird oft mit Öl- oder Solebädern kombiniert. Für Herde am Kopf eignen sich Salicylöl-Hauben, die man nachts unter einer Duschhaube einwirken lässt und morgens durch Kopfwäsche entfernt. Bei großflächigem Befall am Körper eignen sich Schmierseifenbäder.
Drosselung der Schuppenbildung
Der nächste therapeutische Schritt besteht in der Drosselung der Schuppenbildung. Dies geschieht mit verschiedenartigen lokal anwendbaren Therapeutika, die der Dermatologe je nach Befall und Form der Psoriasis auswählt. Weitere äußerlich anwendbare Mittel, die die schnelle Zellvermehrung hemmen und damit der Schuppenbildung entgegenwirken, sind Vitamin-D-Abkömmlinge und so genannte Retinoide. Diese Substanzen werden in der Regel gut vertragen, allerdings ist zu beachten, dass Retinoide nur ausschließlich auf die befallenen Hautstellen aufgetragen werden dürfen, da sonst erhebliche Reizungen der gesunden Haut möglich sind. Vitamin-D-Präparate sollten eine bestimmte Dosierung nicht überschreiten, da es sonst zu einem erhöhten Blutkalziumspiegel kommen kann.
Entzündungshemmung
Therapieziel ist es, Entzündungen entweder einzudämmen oder möglichst zu vermeiden. Hierzu eignen sich z. B. Kortison-haltige Salben. Kortison kann nach längerer Anwendung oder bei zu hoher Dosierung ebenfalls Hautveränderungen wie eine Verdünnung der oberen Hautschicht oder eine Akne hervorrufen. Nach Absetzen des Kortisons kommt es häufig zu einem so genannten Rebound-Phänomen, d. h. die Hautveränderungen treten an gleicher Stelle wieder auf.
Systemische Therapie
Bei schweren chronischen Psoriasis-Formen, die auf äußere Behandlungsmaßnahmen nicht ausreichend ansprechen, kommt eine systemische Therapie in Betracht, d. h. es werden Medikamente in Tablettenform oder Infusion verabreicht. Um die Dosis möglichst gering zu halten und eine bessere Wirksamkeit zu erzielen, wird immer mit lokal anwendbaren Präparaten kombiniert.
Zu den systemisch verabreichten Medikamenten gehören die Wirkstoffe Fumarsäure, Methotrexat und Cyclosporin A. Sie haben zum Teil jedoch schwerwiegende Nebenwirkungen wie Nieren- und Leberschädigungen, Blutdrucksteigerung, Blutbildveränderungen und Magen-Darm-Beschwerden. So ist der behandelnde Arzt gefordert, Risiko und Nutzen dieser therapeutischen Maßnahmen strengstens abzuwägen.
UV-Therapie
Eine wichtiger Bestandteil der Therapie ist die Anwendung von UV-Licht, welches nachweislich eine günstige Auswirkung auf die Hautveränderungen der Psoriasis hat. Neben der natürlichen Sonnenbestrahlung werden künstliche UV-Quellen (UV-A) eingesetzt, wobei deren Wirkung häufig durch verschiedene Medikamente unterstützt werden kann (Photochemotherapie oder PUVA), so dass die Menge benötigter UV-A-Strahlen reduziert werden kann.
Möglicherweise wird zur Behandlung auch eine Kombination von Bestrahlung und Salz-(Sole-)Bädern eingesetzt.
Eine UV-Behandlung sollte nie ohne Schutzbrille erfolgen und bei Nichtbefall der Genitalien sollten diese abgedeckt werden. Außerdem muss bei einer UV-Bestrahlung strengstens auf die Einhaltung der individuell festgelegten Dosierung geachtet werden, da zu hohe Dosierungen oder zu lange Bestrahlungen Hautschäden verursachen können.
Klimatherapie
Eine Klimatherapie wie beispielsweise an der Nordsee kann einen günstigen Einfluss auf die Schuppenflechte haben. Bäder in Salzwasser und natürliche UV-Strahlung bewirken häufig eine Besserung des Hautzustandes. Empfehlenswert ist eine jährliche Therapie, wobei vier bis sechs Wochen nicht unterschritten werden sollten.
Welche zusätzlichen Maßnahmen sind sinnvoll?
Die Patientenschulung ist ein wichtiger Bestandteil eines jeden Behandlungsplanes. Hier werden Kenntnisse über allgemeine und individuelle Auslöser eines Psoriasis-Schubes vermittelt. Auch mögliche Wechselwirkungen zwischen Phototherapie, Arzneimitteln und anderen Krankheiten werden besprochen. Die Patienten sind so in der Lage, eigenverantwortlich mit ihrer Krankheit umzugehen und ihren Alltag entsprechend zu gestalten. Da die Psoriasis eine erblich bedingte Erkrankung sein kann, werden in der Schulung auch Informationen über Vererbungsformen vermittelt und ggf. eine genetische Beratung angeboten.
Einige Faktoren wirken sich auch günstig auf den Verlauf einer Psoriasis aus. Nahrungsmittel haben - bis auf die Ausnahme des Alkohols und des Nikotins - keinen Einfluss auf die Ausprägung der Schuppenflechte.
Hautpflegemaßnahmen sollen die Austrocknung der Haut verhindern. Allerdings werden viele Pflegeprodukte nicht vertragen, besonders solche mit einem hohen Anteil an Emulgatoren oder Tensiden. Die Hautreinigung sollte mit einer milden Seife oder so genannten Syndets erfolgen. Bei der Wahl der richtigen Hautpflegeprodukte sollte der behandelnde Dermatologe den Patienten beratend unterstützen.
Auch die Kleidung hat einen erheblichen Einfluss auf die Beschwerden. Man sollte auf luftdurchlässige, nicht zu enge Kleidung achten, um einen Wärmestau zu verhindern. Außerdem kann die Kleidung auf der Haut reiben und Entzündungen fördern.
Entspannungstechniken wie z. B. autogenes Training, Meditation oder Yoga führen in vielen Fällen zu einer Linderung der Beschwerden. Hier ist der einzelne Patient gefordert herauszufinden, mit welchen Methoden die Erkrankung positiv beeinflussbar ist.
Welche Auswirkungen kann die Schuppenflechte auf den Alltag haben?
Abgesehen von den Beschwerden, die diese Hauterkrankung mit sich bringt, kann das Aussehen der Haut für den Patienten psychisch sehr belastend sein. Durch den Irrglauben hinsichtlich einer möglichen Ansteckungsgefahr reagieren Mitmenschen oft ablehnend auf Betroffene. So fühlen sich Psoriasis-Erkrankte oftmals ausgegrenzt und scheuen zunehmend soziale Kontakte. Hierbei sind insbesondere auch Mitmenschen gefordert, offener mit solch schweren Hauterkrankungen umzugehen.
Wichtig ist es für Betroffene, Strategien im Umgang mit der eigenen Krankheit zu entwickeln und sich Problemen in der Familie, der Partnerschaft, der Sexualität und im Beruf zu stellen. Dazu ist es notwendig, über die Krankheit und das Krankheitsgeschehen informiert zu sein. Hilfreich sind auch der Kontakt und der Erfahrungsaustausch mit anderen Betroffenen. Möglicherweise ist auch psychotherapeutische Unterstützung hilfreich. Wichtig ist ein intensiver Austausch mit dem Arzt, nur so kann ein akzeptabler Weg in der Behandlung und in persönlichen Bereichen gefunden werden.
Literatur/Leitlinien/EBM:
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Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF)
Deutsche Dermatologische Gesellschaft: Psoriasis-Therapie.
AWMF-Leitlinien-Register Nr. 013/001 (Erstellung: 1999).


