Spannungskopfschmerz
Spannungskopfschmerz - was ist das?
Der Spannungskopfschmerz ist die am häufigsten vorkommende Kopfschmerzform. Mehr als die Hälfte aller Menschen hatten schon mal Kopfschmerzen dieser Art.
Der Kopfschmerz befällt nicht nur eine Kopfhälfte, sondern kann im Bereich der Stirn, des Nackens, des Scheitels oder des ganzen Kopfes auftreten. Manche Betroffene beschreiben ihren Schmerz als "ein Stahlband, das um den Kopf gespannt ist" oder als "Gewicht auf dem Kopf". Der Schmerz ist dumpf-drückend und hat zumeist eine niedrige bis mittlere Intensität. Er dauert häufig den ganzen Tag und ist nur gelegentlich mit Übelkeit verbunden. Erbrechen tritt in der Regel aber nicht auf. Lärm- und Lichtempfindlichkeit können vorkommen, sind aber nur gering ausgeprägt.
Manche Menschen klagen während der Kopfschmerzen über Konzentrationsmangel und verminderte Leistungsfähigkeit. Sehstörungen und andere Missempfindungen treten selten auf. In vielen Fällen entwickelt sich der Spannungskopfschmerz im Laufe des Morgens und erreicht am Nachmittag seinen Höhepunkt. Typisch für diese Kopfschmerzform ist, dass die Schmerzen die normale Aktivität zumeist nicht verhindern. Durch leichte körperliche Belastung können sie sich sogar bessern.
Gibt es verschiedene Arten von Spannungskopfschmerz?
Man unterscheidet den episodischen Spannungskopfschmerz mit gelegentlichem Auftreten, der sehr verbreitet ist, vom chronischen Spannungskopfschmerz. Von der chronischen Form spricht man, wenn an mehr als 15 Tagen im Monat oder mehr als 180 Tagen im Jahr Kopfschmerzen vom Spannungstyp auftreten.
An chronischen Spannungskopfschmerzen leiden etwa drei Prozent der Bevölkerung.
Manchmal entwickelt sich aus episodischen Spannungskopfschmerzen auch ein chronischer Spannungskopfschmerz.
Wie entsteht der Spannungskopfschmerz?
Im Gegensatz zur Migräne sind die Vorstellungen zur Entstehung des Spannungskopfschmerzes sehr unklar. Bei etwa der Hälfte der Betroffenen findet man schmerzhafte Verspannungen sowie eine erhöhte Schmerzempfindlichkeit der Schulter- und Nackenmuskulatur. Die frühere Vorstellung, dass diese Verspannungen die Kopfschmerzen auslösen, hat sich in Studien nicht belegen lassen, sie können auch eine Folge der Kopfschmerzen sein. Heute geht man davon aus, dass bei Spannungskopfschmerzen eine dauerhafte Änderung der Schmerzschwelle im Gehirn vorliegt.
Spannungskopfschmerzen treten in manchen Familien gehäuft auf, sodass auch eine erbliche Veranlagung angenommen werden kann. Da Spannungskopfschmerzen in Stresssituationen häufiger vorkommen, vermutet man, dass Probleme in der Stressbewältigung das Entstehen von Spannungskopfschmerzen fördern.
Wie wird die Diagnose gestellt?
Viele Menschen, die an episodischen Spannungskopfschmerzen leiden, gehen wegen ihrer Beschwerden zeitlebens nicht zum Arzt. Wenn Menschen wegen Spannungskopfschmerzen einen Arzt aufsuchen, tun dies oft, weil die Schmerzen in Art und Häufigkeit zugenommen haben.
In diesen Fällen werden andere Kopfschmerzursachen durch eine sorgfältige Erhebung der Krankengeschichte, eine neurologische Untersuchung sowie im Einzelfall zusätzliche fachärztliche oder apparative Untersuchungen abgegrenzt. Dies kann auch den Besuch beim Zahnarzt, Hals-Nasen-Ohren-Arzt oder Orthopäden beinhalten.
Zum Ausschluss von Halswirbelsäulenproblemen kann die Anfertigung von Röntgenaufnahmen in verschiedenen Richtungen und unterschiedlichen Haltungen notwendig sein. Manchmal müssen Schichtaufnahmen von Schädel, Nasennebenhöhlen und Gehirn angefertigt werden, um krankhafte Veränderungen auszuschließen. Das geschieht durch eine Computertomografie oder eine Kernspintomografie. Gelegentlich ist zur Abgrenzung von Stoffwechselstörungen auch eine Blutuntersuchung sinnvoll. Bei episodischen und chronischen Spannungskopfschmerzen liefern diese Untersuchungen typischerweise keine krankhaften Befunde.
Bei allen chronischen Kopfschmerzformen ist das Führen eines Kopfschmerz-Tagebuches ein wesentlicher Bestandteil der Untersuchung. In diesem trägt der Betroffene ein, ob an einem Tag Kopfschmerzen aufgetreten sind, wie stark diese waren sowie Begleiterscheinungen wie Übelkeit. Auch die Einnahme von Schmerzmitteln wird im Tagebuch dokumentiert. Das Kopfschmerz-Tagebuch ist eine Möglichkeit, die Schmerzen "sichtbar" zu machen. Dem Arzt ermöglicht der Blick ins Kopfschmerz-Tagebuch die Abgrenzung von anderen Kopfschmerzformen. Die Wirksamkeit einer Therapie lässt sich so ebenfalls kontrollieren.
Wie kann der Spannungskopfschmerz behandelt werden?
Der episodische Spannungskopfschmerz wird mit frei verkäuflichen Medikamenten, zum Beispiel mit den Wirkstoffen Acetylsalicylsäure, Paracetamol oder Ibuprofen behandelt. Medikamente, die eine Kombination von Wirkstoffen oder zusätzlich Koffein oder Vitamine enthalten, sollte man nicht einnehmen. Eine Verbesserung der Wirksamkeit gegen Schmerzen ist durch diese Zusätze bisher nicht belegt, jedoch fördern sie die Gewöhnung an Schmerzmitte.
Die Selbstbehandlung ist in der Regel gut wirksam und verträglich. Eine regelmäßige Einnahme von Schmerzmedikamenten sollte jedoch nur nach Rücksprache mit dem Arzt erfolgen. Langfristig drohen sonst Schäden an den Nieren und der Leber. Die regelmäßige Einnahme von Schmerzmitteln an mehr als zehn Tagen pro Monat kann außerdem selbst Kopfschmerzen verursachen (so genannter Arzneimittel-induzierter Kopfschmerz). Diese Kopfschmerzform ist klinisch oft nicht von chronischen Spannungskopfschmerzen zu unterscheiden.
Die Therapie der chronischen Form der Spannungskopfschmerzen gestaltet sich oft schwierig. In der Regel kann keine Schmerzfreiheit, sondern nur eine Verminderung der Schmerzintensität erreicht werden. Wichtig ist, dass Menschen mit chronischen Spannungskopfschmerzen nicht regelmäßig Schmerzmittel einnehmen. Dann können sich die Kopfschmerzen sogar noch verschlimmern, da die regelmäßige Einnahme von Schmerzmitteln die Schmerzschwelle im Gehirn weiter herabsetzt.
Wie bei anderen chronischen Schmerzerkrankungen erfolgt die Behandlung der chronischen Spannungskopfschmerzen nicht durch eine Therapieform allein, sondern am sinnvollsten innerhalb eines Behandlungskonzeptes. Das Zusammenstellen geeigneter Maßnahmen ist die Aufgabe eines schmerztherapeutisch tätigen Arztes. Jedes Konzept wird individuell entwickelt, da nicht alle Maßnahmen bei jedem Patienten wirksam sind.
Bei chronischen Spannungskopfschmerzen werden häufig trizyklische Antidepressiva eingesetzt. Das sind Medikamente, die eigentlich zur Behandlung von Depressionen verwendet werden. Beim Spannungskopfschmerz beeinflussen sie jedoch die Schmerzschwelle im Gehirn. Der genaue Wirkmechanismus bei Schmerzen ist noch nicht bekannt, sicher ist aber, dass der Stoffwechsel der Nervenzellen beeinflusst wird. Anders als Schmerzmittel können und müssen diese Medikamente regelmäßig über einen längeren Zeitraum eingenommen werden, um ausreichend wirksam zu sein. Die Gefahr einer Abhängigkeit besteht bei dieser Substanzgruppe nicht.
Typische Nebenwirkungen der Antidepressiva sind Mundtrockenheit, Müdigkeit, Gewichtszunahme und Nebenwirkungen am Herzen.
Ein weiterer wichtiger Baustein im Behandlungskonzept ist die Unterstützung durch einen Psychotherapeuten, der auf dem Gebiet der psychologischen Schmerztherapie tätig ist. Wenn bei chronischen Schmerzen das ganze Leben nur noch um den Schmerz kreist, leidet die Lebensqualität erheblich. Die Betroffenen fühlen sich dann oft unverstanden und ziehen sich zurück. Aus dieser Isolation heraus entstehen manchmal auch Ängste und Depressionen. Diese Erscheinungen sind Bestandteil der chronischen Schmerzerkrankung. In diesen Fällen kann der Besuch beim Psychotherapeuten sinnvoll sein. Maßnahmen zur Stressreduktion können dort ebenso vermittelt werden wie Schmerzbewältigungsverfahren.
Unter den alternativen Heilmethoden besitzt besonders die Akupunktur als Teil eines Behandlungskonzeptes einen Stellenwert bei chronischen Spannungskopfschmerzen. Zur Wirksamkeit dieser Behandlungsform existieren bereits einige Studien. Der endgültige Beleg steht aber noch aus, sodass die Akupunktur heute bei chronischen Kopfschmerzen im Rahmen von Modellprojekten eingesetzt wird.
Eine recht neue Behandlungsform stellt die Therapie mit Botulinum-Toxin dar. Der Wirkstoff stammt von Bakterien, die eine besonders schwere Form der Lebensmittelvergiftung verursachen. Er wird hoch verdünnt in die Muskulatur des Kopfes eingespritzt. Die behandelten Muskeln werden durch die Behandlung gelähmt, die Wirkung hält zwischen drei und sechs Monaten an. Bei einigen Patienten konnte für diesen Zeitraum eine deutliche Besserung der Beschwerden erreicht werden. Bisher ist nicht klar, wie es zu einer Wirkung auf die Kopfschmerzen kommt. Diese Therapieform ist kein Routineverfahren und wird nur in wenigen Zentren eingesetzt. Langzeitergebnisse zur Wirksamkeit und zur Verträglichkeit einer wiederholten Behandlung existieren zur Zeit noch nicht.
Was kann man selbst tun?
Neben der medikamentösen Therapie stehen verschiedene nichtmedikamentöse Therapieansätze zur Verfügung.
Im einzelnen Kopfschmerzfall, auch beim episodischen Spannungskopfschmerz, haben sich einfache Maßnahmen wie die Kühlung der Stirn durch einen Eisbeutel, die Massage der Schläfenmuskeln oder leichte Bewegung wie ein Spaziergang an der frischen Luft als wirkungsvoll erwiesen. Das Aufbringen von Pfefferminzöl auf Schläfen und Stirn ist bei Spannungskopfschmerz nachweislich effektiv, nebenwirkungsfrei und verstärkt die Wirkung von Schmerzmitteln. Auch eine warme Dusche oder ein Bad mit muskelentspannenden Zusätzen können die Kopfschmerzen manchmal lindern.
Die Wirksamkeit von regelmäßigem Ausdauersport auf chronische Kopfschmerzen ist belegt. Sportarten wie Schwimmen, Radfahren oder leichtes Jogging können die Schmerzschwelle günstig beeinflussen. Optimal sind 20 bis 30 Minuten, wenn möglich zwei- bis dreimal pro Woche. Dadurch lässt in einigen Fällen die Häufigkeit und die Intensität der Schmerzen etwas nach.
Eine weitere wichtige unterstützende Maßnahme stellt sowohl beim episodischen, als auch besonders beim chronischen Spannungskopfschmerz, das Erlernen der progressiven Muskelrelaxation (Muskelentspannung) nach Jacobson dar. Diese Methode gehört zu den Entspannungsverfahren und lässt sich leicht erlernen, sodass sie sogar beim Autofahren angewandt werden kann. Sie ermöglicht es, sich krampfhafte Muskelanspannungen bewusst zu machen und zu lernen, diese Muskeln aktiv zu lockern. Dadurch wird auch die geistige Entspannung unterstützt.
Auch andere Entspannungsverfahren wie das autogene Training oder EMG-Biofeedback können Spannungskopfschmerzen günstig beeinflussen.
Als wirkungslos bei chronischen Spannungskopfschmerzen haben sich die Entfernung von Zähnen, Amalgamfüllungen, Operationen an den Nasennebenhöhlen oder der Nasenscheidewand sowie spezielle Diäten erwiesen.
Literatur/Leitlinien/EBM:
Diener, H.C.: Das Schmerztherapiebuch. Urban & Schwarzenberg (1997).
Schockenhoff, B.: Spezielle Schmerztherapie: Nach den Richtlinien der Bundesärztekammer.
Urban & Fischer (1999).
Zenz, M.: Lehrbuch der Schmerztherapie: Grundlagen, Theorie und Praxis für Aus- und Weiterbildung. WVG (1993).
Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF)
Leitlinien Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (Oktober 1997).


