Syphilis
(Lues; Schanker, harter)
Was ist Syphilis?
Syphilis ist eine Infektion, die durch das Bakterium Treponema pallidum ausgelöst wird. Übertragen wir eine Syphilis, auch Lues genannt, in erster Linie durch ungeschützten Geschlechtsverkehr und zählt damit zu den sexuell übertragbaren Krankheiten (Sexually Transmitted Diseases, STD). Der Erreger gelangt über kleine Einrisse der Haut oder Schleimhäute in den Körper.
Die Ansteckung kann aber auch intrauterin, d. h. es kann eine Übertragung der an Syphilis erkrankten schwangeren Mutter an ihr Kind, erfolgen. Man spricht dann von einer Lues connata. Diese Form ist aber durch die regelmäßigen Untersuchungen in der Schwangerschaftsvorsorge selten geworden.
Die Inkubationszeit einer Syphilis, also die Zeit zwischen Ansteckung und Ausbruch, beträgt drei bis vier Wochen.
Syphilis ist mit etwa eineinhalb Neuerkrankungen pro Jahr in unseren Breiten recht selten. In Afrika und in Asien sowie zum Teil auch in osteuropäischen Ländern ist die Erkrankung aber auch heute noch sehr verbreitet. Bei vielen der in Deutschland auftretenden Fälle handelt es sich um Personen, die sich im Ausland angesteckt haben.
Es besteht eine anonyme Meldepflicht für Menschen, die an Lues erkrankt sind.
Welche Beschwerden treten bei der Syphilis auf?
Die Erkrankung verläuft in mehreren Stadien. Die Krankheitserscheinungen beginnen wie bei allen anderen Geschlechtskrankheiten meist an den Genitalorganen. Nach der Inkubationszeit bildet sich im ersten Stadium ein Geschwür auf der Haut oder der Schleimhaut direkt an der Stelle der Infektion. Man bezeichnet dieses infektiöse Geschwür auch als harten Schanker. Die häufigsten Lokalisationen sind bei Männern die Eichel, seltener der Penisschaft, bei Frauen die Schamlippen, die Klitoris, Harnröhrenöffnung, Gebärmutterhals, seltener die Scheide. Bei Oralverkehr kann sich aber auch an Lippen oder im Mundraum wie an Zunge, Zahnfleisch, Tonsillen und bei Analverkehr am Anus oder im Enddarm ein so genannter Primäraffekt entwickeln. Diese Ulzerationen sind meist schmerzlos und haben einen derben Rand, sie sind hochinfektiös. Innerhalb von zehn Tagen schwellen die regionalen Lymphknoten an. Die Geschwüre bilden sich nach einigen Wochen zurück.
Im zweiten Stadium der Erkrankung, ca. 10 Wochen nach Ansteckung, finden sich vielgestaltige Hauterscheinungen: ein generalisierter, fleckiger Ausschlag, insbesondere am Stamm und an Handflächen und Fußsohlen, Papeln im Anogenitalbereich, die durch permanente Reizung häufig nässen, Mundschleimhautveränderungen (so genannte plaques muqueuses)..Häufig begleitend ist eine Verschlechterung des Allgemeinzustandes mit Fieber, Abgeschlagenheit und Kopfschmerzen. Lymphknotenschwellungen finden sich in diesem Stadium am ganzen Körper. Zusätzlich sind häufig die Tonsillen entzündet und infiltriert, begleitend finden sich Schluckbeschwerden und ein süßlicher Mundgeruch, ein fleckförmiger Haarausfall, der reversibel ist. Selten sind innere Organe beteiligt.
Die Hautveränderungen können spontan abheilen, häufig erfolgen danach aber Rezidive, ein erneutes Auftreten der Krankheitserscheinungen. Der Verlauf erstreckt sich über Jahre. Bei nicht ausreichender Behandlung kann die Syphilis in das 3. Stadium übergehen. Es kann hierbei zu Abszessen (so genannten Gummen, druckschmerzhafte Knoten) und zu größeren Gewebszerstörungen der Haut mit narbiger Abheilung kommen. Weiterhin kann es zu schweren Schäden an Organen kommen. Die gefährlichsten Spätfolgen betreffen das Herz und die Blutgefäße, insbesondere die Aorta, die Hauptschlagader. Durch die Gummen an den Koronararterien am Herzen kommt es zu Gefäßverengungen mit Unterversorgung des Herzens und entsprechenden Folgeschäden. An der Aorta können sich Gefäßaussackungen bilden, die im schlimmsten Fall zu einer Ruptur der Hauptschlagader führt. Auch der Befall des Nervensystems und des Gehirns (so genannte Neurolues) ist eine der schweren Folgen im Tertiärstadium. Hierbei kommt es zu einem syphilitischen Befall des Rückenmarks und zu einem Untergang von Hirnsubstanz mit vielfältigen neurologischen Symptomen.
Wie wird die Erkrankung festgestellt?
Die Erkrankung wird im Allgemeinen von einem Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten, ggf. auch von einem Gynäkologen oder Urologen diagnostiziert und behandelt. Zunächst ist eine genaue Befragung zur Krankheitsgeschichte notwendig, bei Verdacht auf eine Syphilis ist ein besonderes Augenmerk auf Auslandsaufenthalte und sexuelle Kontakte zu richten.
Drei bis vier Wochen nach Infektion führt eine Blutuntersuchung zum Nachweis von Antikörpern gegen Treponema pallidum (serologischer Nachweis) zur Diagnose. Der so genannte Treponema-Pallidum-Hämagglutinations-Test (TPHA-Test) ist hochspezifisch. Fällt der Test positiv aus, folgt ein weiterer Bestätigungstest. Auch zur Bestimmung der Krankheitsaktivität und zur Verlaufskontrolle einer Therapie stehen bestimmte serologische Untersuchungen zur Verfügung.
Wie wird Syphilis behandelt?
Syphilis wird mit dem Antibiotikum Penizillin behandelt. Antibiotika sind Medikamente, die Bakterien wie das Treponema pallidum abtöten und damit deren weitere Ausbreitung im Körper verhindern. Bei einer Penizillinallergie können andere Antibiotika wie Tetrazykline eingesetzt werden. Die Therapie muss über mehrere Wochen ohne Unterbrechung erfolgen und der Verlauf vom Arzt durch Blutuntersuchungen kontrolliert werden.
Als unerwünschte Wirkungen der Antibiotika kann es zu allergischen Reaktionen, Mundtrockenheit, Übelkeit und Magen-Darm-Beschwerden sowie zu Blutbildveränderungen kommen. Schwere Nebenwirkungen der Antibiotikatherapie sind selten.
Die Partner müssen sich ebenfalls einer ärztlichen Untersuchung unterziehen. Erkrankte müssen alle Personen, mit denen sie in den letzten drei Monaten vor dem ersten Auftreten der Symptome sexuellen Kontakt gehabt hatten, darüber informieren, weil auch sie möglicherweise infiziert sind. Geschützter Geschlechtsverkehr (mit Kondomen) ist die beste Vorbeugung vor Syphilis, ebenso wie vor anderen sexuell übertragbaren Erkrankungen.
Literatur/Leitlinien/EBM:
Classen, M.; Diehl, V.; Kochsiek, K.: Innere Medizin. Urban & Fischer (5.Aufl. 2003)
Goerke, K.; Steller, J.; Valet, A.: Klinikleitfaden Gynäkologie und Geburtshilfe. Urban & Fischer (6.Aufl. 2003).
Sökeland, J.; Schulze, H.; Rübben, H.; Alken, C.-E.: Urologie. Thieme (12.Aufl 2001).
Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF)
Leitlinien der Deutschen Urologen: Synopse der sexuell übertragbaren Erkrankungen (STDs) mit Primärsymptomen im männlichen Genitale.
AWMF-Leitlinien-Register Nr. 043/037. (Erstellung 2002).
Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF)
Deutsche Gesellschaft für Neurologie: Neurosyphilis.
AWMF-Leitlinien-Register Nr. 130/101. (Erstellung 2002).


