Spinaliom
(Karzinom, spinozelluläres; Stachelzelltumor; Plattenepithelkarzinom der Haut)
Was ist ein Spinaliom?
Unter einem Spinaliom versteht man einen bösartigen Tumor der Haut, der von einer der oberflächlichen Hautschichten, der so genannten Stachelzellschicht (Stratum spinosum), ausgeht.
Das Spinaliom entsteht überwiegend auf dem Boden einer chronischen Vorschädigung der Haut, meist bedingt durch den ultravioletten Anteil des Sonnenlichts, also durch UV-Strahlung. Daher werden vor allem dem Sonnenlicht ausgesetzte Körperregionen wie das Gesicht oder die Hände betroffen.
Das Spinaliom ist der zweithäufigste Hauttumor, an dem in Deutschland jährlich etwa 20.000 Menschen erkranken. Die meisten Betroffenen sind über 60 Jahre alt. In anderen Ländern, beispielsweise in Australien, ist diese Form von Hautkrebs noch wesentlich häufiger.
Wodurch entsteht ein Spinaliom?
In der überwiegenden Anzahl der Fälle wird eine jahrelange, übermäßige Sonneneinstrahlung als Ursache für die Entstehung eines Spinalioms angenommen. UV-Strahlen führen zu chronischen Schäden der Hautzellen, die dann entarten können. Hellhäutige Menschen sind empfindlicher gegen UV-Strahlen, und deshalb häufiger von Spinaliomen betroffen als dunkelhäutige.
Außer dem Sonnenlicht kennt man noch eine Reihe anderer Risikofaktoren. Neben chemischen Auslösern wie Arsen oder Teerprodukten werden auch bestimmte Viren (Human Papilloma Viren, HPV) für die Tumorentstehung verantwortlich gemacht. Insbesondere der Teerbestandteil des Tabakrauches kann im Bereich der Lippen zur bösartigen Entartung führen.
Seltene Ursachen sind langjährige dauerhafte Wunden oder Narben nach Verbrennungen, weshalb der Tumor dann auch Narbenkarzinom genannt wird.
Wie erkennt man ein Spinaliom?
Typisch für das Spinaliom ist die rötliche Färbung des über das Niveau der Haut wachsenden Tumors. Zunächst sieht der Krebs aus wie ein kleines, derbes Knötchen. Seine Oberfläche kann mit einer mehr oder weniger dicken und harten Hornschicht bedeckt sein. Aber auch nässende Geschwüre oder eine glatte Oberfläche kommen vor. Manche Spinaliome sehen so ähnlich aus wie Warzen.
In vier von fünf Fällen entstehen sie an Körperpartien, die der Sonne oft ungeschützt ausgesetzt sind, also im Gesicht an Nase, Ohren und Lippen oder an Händen und Unterarmen. Spinaliome können sich aber ebenfalls auf Schleimhäuten im Mund und im Genitalbereich entwickeln. Der Tumor bleibt lange Zeit auf seinen Entstehungsort beschränkt, kann dort aber durch Ausbreitung in die Tiefe Knochen und Knorpel zerstören. Wird das Spinaliom längere Zeit nicht behandelt, Besteht die Gefahr, dass es sich über die Lymphwege in die Umgebung und in andere Organe ausbreitet und Töchtergeschwülste bildet (Metastasierung).
Die ärztliche Untersuchung der Hauterscheinungen führt in der Regel sehr schnell zum Verdacht auf ein Spinaliom, weil dessen optische Erscheinung doch recht charakteristisch ist. . Gesichert wird die Diagnose dann anhand einer Gewebeprobe, die der Arzt aus dem verdächtigen Areal entnimmt und unter dem Mikroskop untersucht (Biopsie, bzw. feingewebliche Untersuchung).. Selten sind bei fortgeschrittenen Krankheitsstadien weitere Untersuchungen mittels Röntgen oder Computertomografie (CT) erforderlich, die vor allem dazu dienen, zu kontrollieren, ob der Tumor bereits Metastasen gebildet hat.
Welche Behandlungsmethoden gibt es?
Ziel jeder Behandlung ist die vollständige operative Entfernung des Tumors und die Verhinderung der weiteren Ausbreitung. Je früher der Eingriff erfolgt, desto besser sind die Aussichten auf Genesung.
Operation (mit Sicherheitsabstand):
Die besten Heilungschancen bietet die vollständige Entfernung des Tumors mit entsprechendem Sicherheitsabstand. Das gilt im Besonderen, wenn der Tumor kleiner als ein Zentimeter ist. Besteht der Verdacht, dass der Tumor sich bereits ausgebreitet hat, werden auch die benachbarten Lymphknoten mitentfernt. Nach der Operation lässt sich die Bildung einer Narbe in der Regel nicht vermeiden. Auch kann es zu Wundheilungsstörungen und Infekten an der operierten Stelle kommen. Bei größeren Tumoren muss der entstandene Hautdefekt manchmal durch eine Hauttransplantation gedeckt werden.
Chemotherapie (medikamentöse Behandlung zum Abtöten von Krebszellen):
Zur örtlichen Behandlung stehen zellabtötende Medikamente in Form von Salben oder Tinkturen zu Verfügung, die auf die betroffene Stelle aufgetragen werden. Bei fortgeschrittenem Tumorstadium mit Ausbreitung werden zellabtötende Medikamente (Zytostatika) als Tabletten eingenommen oder in die Vene gespritzt werden. Eine vollständige Heilung ist damit aber nur selten möglich und es kann zu unangenehmen Nebenwirkungen wie örtlich zu Hautreizungen oder allergischen Reaktionen oder allgemein zu Unwohlsein und möglicherweise auch zu Organ- und Gewebeschäden kommen. Auch haben die Zellgifte ihrerseits eine gewisse krebsauslösende (kanzerogene) Wirkung. In der Regel kommt die Chemotherapie vor allem in sehr weit fortgeschrittenen Tumorstadien zum Einsatz, also wenn sich bereits Tochtergeschwülste gebildet haben.
Strahlentherapie:
Ähnlich wie die örtliche Chemotherapie kann eine Bestrahlung bei Tumoren mit ungünstiger Lage, wie z. B. am Auge, eine Heilung oder Verkleinerung des Tumors bewirken.
Kältebehandlung
Mit der Kältebehandlung (Kryotherapie), Laserbehandlung und der Photodynamischen Therapie (Medikamente und UV-Bestrahlung) stehen weitere Behandlungsmethoden zur Verfügung, die in Ausnahmefällen eingesetzt werden.
Was ist zu beachten?
UV-Strahlen sind der entscheidende Risikofaktor für Hautkrebs. Deshalb lässt sich die Gefahr, an einem Spinaliom zu erkranken, vermindern, in dem man ausgedehnte Sonnenbestrahlung vermeidet und sich vor der Sonne schätz, durch Kleidung oder Sonnenschutzcremes. Zusätzlich können Vorstufen (Präkanzerosen) des Tumors vom Hautarzt frühzeitig erkannt und entfernt werden.
Bei beruflichem Kontakt mit krebsauslösenden Stoffen (Arsen, Teer) muss auf ausreichende Schutzmaßnahmen geachtet werden. Außerdem sollte auf das Rauchen verzichtet werden.
Nach der Behandlung eines Spinalioms müssen in regelmäßigen Abständen Kontrolluntersuchungen stattfinden, um die nicht selten wiederkehrenden Tumore rechtzeitig erkennen und behandeln zu können.
Literatur/Leitlinien/EBM:
Altmeyer, P. : Therapielexikon Dermatologie und Allergologie. Springer (1997).
Jung, E. G.: Dermatologie. MLP Duale Reihe. Thieme (5. Auflage 2002).
Orfanos, C. E.: Therapie der Hautkrankheiten. Springer (2. Auflage 2002).
Rassner, G.: Dermatologie. Urban & Fischer (7. Auflage 2002).
Senn, H. J.: Checkliste Onkologie. Thieme (5. Auflage 2001).
Sterry, W.: Checkliste Dermatologie. Thieme (5. Auflage 2004).
Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF)
Leitlinie Plattenepithelkarzinom der Haut.


