Schizophrenie
Was ist eine Schizophrenie?
Der Begriff "schizophren" wird umgangssprachlich häufig für ein Verhalten gebraucht, das in unserer Gesellschaft negativ auffällt, für die Mitmenschen nicht erklärbar ist und gegensätzliche, unvereinbare Aspekte enthält.
Die Bezeichnung einer psychischen Störung als Schizophrenie wurde Anfang des 20. Jahrhunderts geprägt. "Schizo" bedeutet "ich spalte"; "phren" ist der Geist oder die Psyche. Schizophrenie ist eine psychische Störung, bei der die Gedanken der Betroffenen ihren normalen Zusammenhang verlieren. Auch die Gefühle, die Sprache, das Erleben der eigenen Person und die Wahrnehmung der Umgebung weichen stark von dem Erleben gesunder Menschen ab.
Mit diesen Symptomen gehen Probleme bei der Bewältigung von Alltagsaufgaben sowie grundlegende Veränderungen im Umgang mit anderen Menschen und im beruflichen Alltag einher. Anders als bei vielen anderen psychischen Problemen gehört es in der Regel zum Krankheitsbild, dass die Betroffenen nicht merken oder nicht einsehen können, dass sie psychisch erkrankt sind.
Wie äußert sich eine Schizophrenie?
Die Symptome einer Schizophrenie können sehr unterschiedlich sein und praktisch alle psychischen Funktionen verändern. Insbesondere kommt es zu Störungen des Denkens, zu Wahnerleben, zu Halluzinationen, zu einem veränderten Erleben der eigenen Person (Ich-Störung), zu Störungen des Gefühlserlebens und zu Störungen im Bewegungsablauf.
Denkstörungen: Der formale Denk- bzw. Sprachablauf ist gestört. Der Gedankengang des Erkrankten ist für Außenstehende oft nicht mehr nachvollziehbar. Gedankengänge können plötzlich abbrechen oder schnell zwischen verschiedenen Themen wechseln, ohne dass ein Zusammenhang erkennbar ist. Gelegentlich werden neue Wörter gebildet oder mehrere Wörter zu einem verschmolzen. Der Satzbau ist unlogisch, die Sprache besteht teilweise nur noch aus Bruchstücken und ist bis zur Unkenntlichkeit verändert.
Wahn: Beim Wahn beurteilen die Betroffenen die Realität falsch und sind auch durch sinnvolle Argumente nicht von der Realität zu überzeugen. Häufig fühlen sie sich von anderen Menschen, Institutionen oder einer höheren Macht beobachtet und verfolgt. Typisch ist auch das Gefühl der Bedrohung durch Strahlungen oder Gifte.
Ich-Störung: Von einer Ich-Störung spricht man, wenn die Betroffenen die Grenze zwischen der eigenen Person und der Umwelt als durchlässig erleben. Sie glauben beispielsweise daran, dass ihr Wille durch andere beeinflusst werden kann, dass ihnen Gedanken eingegeben oder entzogen werden können oder dass ihre Gedanken von anderen Personen "gelesen" werden.
Halluzinationen: Auch Halluzinationen sind ein häufiges Symptom der Schizophrenie. In erster Linie hören die Betroffenen Stimmen oder Geräusche, ohne dass diese tatsächlich vorhanden sind. Diese "Stimmen" können über den Betroffenen reden, seine Handlungen kommentieren oder ihm Befehle erteilen. Gelegentlich werden auch die eigenen Gedanken als laut gesprochene Worte gehört. Es können auch bestimmte Dinge gerochen, gefühlt oder gesehen werden, die andere Menschen nicht wahrnehmen.
Gefühlsstörungen: Typisch für die Schizophrenie sind auch Störungen im Erleben und Ausdrücken von Gefühlen. Beispielsweise stimmt der Gesichtsausdruck mancher Schizophrener nicht mit dem Gefühl überein, das sie in dem Moment erleben - sie berichten z. B. lachend von einem tragischen Ereignis. Viele haben auch gleichzeitig gegensätzliche Gefühle, oder ihre Gefühle schwanken sehr schnell und heftig. Erkrankte kapseln sich häufig ganz von der Umwelt ab und wirken vollkommen in sich gekehrt und depressiv. Andererseits können Betroffene auch euphorisch, enthemmt, laut, gereizt und ausgelassen sein.
Körperbewegungen: Der Bewegungsablauf schizophrener Menschen kann stark verändert sein. Einige bewegen sich sehr viel, andere Erkrankte bewegen sich fast gar nicht mehr oder sprechen auch nicht mehr. Dies kann so weit führen, dass die Betroffenen über lange Zeit in sehr ungewöhnlichen Körperstellungen verharren oder immer wieder dieselbe Bewegung ausführen.
Krankheitseinsicht: In der Regel sehen die Betroffenen nicht ein, dass sie erkrankt sind und ihre Wahrnehmung von der Erkrankung beeinflusst wird. Dies führt häufig dazu, dass sie eine Behandlung nicht für notwendig halten.
Aus den genannten Symptomen resultiert häufig ein Kreislauf aus Identitätsverlust, Realitätsverlust und Isolation. Der Umgang mit Angehörigen, Freunden oder Kollegen kann sehr problematisch werden, bis hin zum Verlust von Freundschaften und Beruf. Auch die Pflege der eigenen Person oder die Bewältigung der Alltagstätigkeiten sind oft beeinträchtigt.
Welche Formen von Schizophrenie gibt es?
Je nach Art der Symptome lassen sich verschiedene Formen der Schizophrenie unterscheiden:
Bei der paranoiden Schizophrenie treten vor allem Wahn (z. B. Verfolgungswahn und Halluzinationen) auf, die sich meist auf das Hören von Geräuschen, Stimmen oder eigenen Gedanken beziehen.
Bei der hebephrenen Schizophrenie stehen vor allem Veränderungen in den Gefühlen und im Ausdruck von Gefühlen im Vordergrund. Die Betroffenen sind albern, haben keine starken Gefühle mehr oder zeigen Gefühle, die in der Situation unpassend sind.
Bei der katatonen Schizophrenie sind vor allem die Bewegungsabläufe der Betroffenen beeinträchtigt. Sie bewegen sich sehr viel oder sind wie erstarrt. Einige Betroffene bewegen sich auf Befehl, andere machen genau das Gegenteil von dem, was ihnen befohlen wird.
Bei der residualen Schizophrenie verändert sich die Persönlichkeit der Betroffenen. Sie haben weniger Antrieb, ihre Gefühle werden flacher und sie ziehen sich von anderen Menschen zurück.
Bei der Schizophrenia simplex entwickelt sich die Schizophrenie sehr langsam und die Symptome sind nie deutlich ausgeprägt. Allerdings lässt ihre Leistungsfähigkeit mit der Zeit nach, die Betroffenen zeigen in verschiedenen Lebensbereichen kein Engagement mehr und können immer schlechter mit anderen Menschen umgehen. Ihr Verhalten wirkt für andere Menschen seltsam.
Wie häufig ist die Erkrankung?
Unabhängig vom Kulturkreis erkrankt ungefähr ein Prozent der Bevölkerung an einer Schizophrenie.
Der Beginn der Schizophrenie liegt meist zwischen der Pubertät und dem dreißigsten Lebensjahr. Daneben kommen Spätschizophrenien vor, die im Durchschnitt mit dem 50.Lebensjahr beginnen.
Wie verläuft die Schizophrenie ohne Behandlung?
Der Verlauf von Schizophrenien, die nicht behandelt werden, kann sehr unterschiedlich sein. Grundsätzlich ist es eine Erkrankung, die in Schüben verläuft.
In der Phase vor dem eigentlichen Ausbruch der Erkrankung, die bei ca. 75 Prozent der Betroffenen Jahre dauern kann, sind die Frühzeichen relativ unspezifisch, werden häufig verkannt oder als vorübergehende Krise fehlgedeutet. Die Betroffenen sind häufig verstimmt, schnell gereizt und erscheinen verändert. Ihre Konzentration und Leistungsfähigkeit kann abnehmen und ihr Interesse an privaten wie beruflichen Aktivitäten ist gemindert, wodurch häufig ein sozialer Rückzug resultiert.
Irgendwann kommt es mit den oben beschriebenen Symptomen zur akuten Erkrankungsphase, deren Beginn sehr plötzlich oder aber schleichend kann.
Wenn die akute Symptomatik abgeklungen ist, kann die Krankheit wiederum sehr unterschiedlich verlaufen, wobei die individuelle Verlaufsform nicht vorausgesagt werden kann.
Man unterscheidet grob drei Verlaufsformen:
- Auftreten eines nur einmaligen Schubes, der sich wieder völlig zurückbildet.
- Nach Abklingen der ersten Krankheitsphase nach Monaten oder Jahren kommt es zu weiteren Schüben. Bei einem kleinen Teil dieser Verlaufsform können zwischen den Schüben milde Restsymptome bestehen bleiben.
- Die Erkrankung entwickelt sich chronisch, wobei der Schweregrad mit dem weiteren Verlauf zunimmt.
Welche Faktoren können diese Erkrankung auslösen?
Nach heutigem Stand der Wissenschaft geht man davon aus, dass verschiedene Aspekte zusammentreffen müssen, um eine Schizophrenie auszulösen.
Möglicherweise besteht eine Anfälligkeit, eine Schizophrenie zu entwickeln, wenn eine vererbte Empfindlichkeit und bestimmte Erziehungsmuster bestehen. Zum Ausbruch der Erkrankung kommt es allerdings erst, wenn einschneidende Lebensereignisse hinzukommen, die der Betroffene nicht mehr bewältigen kann.
Eine genetische Komponente spielt eindeutig eine Rolle, erklärt jedoch nur einen Teil des Erkrankungsrisikos. Familienuntersuchungen zeigen, dass das Erkrankungsrisiko für Verwandte von schizophrenen Menschen über dem der Durchschnittsbevölkerung liegt und es somit zu familiären Häufungen kommen kann. Man geht davon aus, dass eine Art "Erkrankungsbereitschaft", und nicht die Erkrankung direkt vererbt wird. Eine Vorhersage für den Einzelnen ist nicht möglich.
Bei einem geringen Anteil (20 bis 25 Prozent) schizophrener Menschen fand man Veränderungen in der Struktur ihres Gehirns. Inwieweit diese Veränderungen in einem direkten Zusammenhang mit der Schizophrenie stehen, ist noch nicht abschließend geklärt.
Eine zentrale Rolle scheint ein bestimmter Botenstoff im Gehirn zu spielen. Botenstoffe übertragen Signale (Informationen) von einer Nervenzelle zur anderen.
Bei schizophrenen Menschen kann man einen Überschuss des Botenstoffes "Dopamin" nachweisen.
Medikamente, die psychotische Symptome bessern, blockieren die Bindungsstellen dieses Botenstoffes und wirken somit dem Überschuss entgegen.
Überzufällig häufig findet man bei den Betroffenen besondere seelische Belastungen vor dem Beginn der Erkrankung. Dies können sowohl positive (Heirat, Geburt eines Kindes), als auch negative Lebensereignisse (Trennungserlebnisse, Prüfungen, Tod eines Angehörigen) sein. Solche Erlebnisse können die Erkrankung - bei entsprechender Veranlagung - letztendlich auslösen.
Auch verschiedene Persönlichkeitsfaktoren, ein gestörtes familiäres Umfeld sowie Drogen können begünstigende Faktoren darstellen.
Wie wird die Diagnose gestellt?
Die Diagnose wird allein anhand der meist charakteristischen Symptome gestellt. Dabei müssen die Symptome mindestens vier Wochen lang bestehen. Leider werden erste Symptome, insbesondere in der Phase vor dem eigentlichen Krankheitsausbruch, meist nicht richtig erkannt. Dies ist von Nachteil, da ein möglichst früher Behandlungsbeginn die Prognose verbessert. Es ist daher wichtig, dass beim geringsten Verdacht auf die Erkrankung ein Facharzt für Psychiatrie aufgesucht wird. So genannte "Früherkennungsambulanzen" haben sich auf die Früherkennung der Schizophrenie spezialisiert.
Um eine Schizophrenie zu diagnostizieren, überprüft der Arzt durch ein ausführliches Gespräch, welche Symptome der Betroffene zeigt. Da die Erkrankten manche Symptome selbst nicht wahrnehmen oder nicht äußern, ist auch die Befragung von Angehörigen sehr wichtig.
Wenn eindeutige Symptome vorliegen, müssen im nächsten Schritt mögliche organische Ursachen, z.B. neurologische Erkrankungen oder Vergiftungen ausgeschlossen werden. Dies erfolgt durch eine körperliche Untersuchung, Laboruntersuchungen sowie durch ein EEG oder eine Computertomografie des Kopfes.
Auch müssen andere psychische Erkrankungen, die eventuell mit ähnlichen Symptomen einhergehen, abgegrenzt werden.
Wie wird eine Schizophrenie behandelt?
Wichtig ist es, Frühsymptome rechtzeitig zu erkennen, denn je früher die Therapie beginnt, desto günstiger ist die Prognose.
Die Therapie der Schizophrenie kann aus mehreren Komponenten bestehen. Zu Beginn wird ein individuelles gesamttherapeutisches Konzept erstellt. Im Mittelpunkt stehen Medikamente (Neuroleptika), die das Ungleichgewicht der Botenstoffe im Gehirn wieder in eine Balance bringen. Über 70 Prozent der Erkrankten profitieren von der medikamentösen Behandlung.
Man unterscheidet die Behandlung der akuten Phase, wenn starke Symptome wie Denkstörungen, Wahn oder Halluzinationen auftreten, von langfristigen Behandlungsmaßnahmen, die insbesondere dem Schutz vor weiteren akuten Schüben dienen. Neben der medikamentösen Therapie kommen auch die Psychotherapie zur Stärkung der Persönlichkeit und eigener Selbsthilfestrategien und auch das Training sozialer Fertigkeiten sowie Selbsthilfegruppen zum Einsatz.
Akutbehandlung:
Da die Schizophrenie nicht selten mit einer mangelnden Einsicht der Betroffenen in die Erkrankung einhergeht, ist eine Behandlung häufig gerade in der Akutphase schwierig.
In der akuten Phase kommen zunächst bestimmte Medikamente zum Einsatz, insbesondere die so genannten Neuroleptika, die den Botenstoff Dopamin im Gehirn hemmen. Vermutet wird ein Zusammenhang zwischen der vermehrten Produktion des Dopamins und der Entstehung zahlreicher Symptome der Schizophrenie. Durch die Medikamente werden vor allem Denkstörungen, Halluzinationen, Wahnvorstellungen, aggressives Verhalten und auffälliges Bewegungsverhalten reduziert.
Da sich die Erkrankung bei den Betroffenen sehr unterschiedlich gestaltet, ist eine sorgfältige Auswahl des einzusetzenden Neuroleptikums wichtig, denn nicht alle Krankheitssymptome werden durch die verschiedenen Neuroleptika im gleichen Maße beeinflusst. Insbesondere Symptome wie Passivität und Zurückgezogenheit sind noch immer schwer beeinflussbar. Es ist auch möglich, dass ein Neuroleptikum keine ausreichende Wirkung zeigt und auf ein anderes Medikament umgestellt werden muss.
Nebenwirkungen einer medikamentösen Behandlung können Störungen der Bewegung, eine auffällige und übermäßige Bewegung der Zungen- und Gesichtsmuskulatur, Zittern der Muskeln oder Bewegungsunruhe sein. Weitere mögliche Begleiterscheinungen können Blutdruckabfall, Müdigkeit, Mundtrockenheit, Herzrhythmusstörungen oder eine Gewichtszunahme sein.
Mögliche Spätfolgen sind so genannte Spätdyskinesien, die Jahre nach der Einnahme der Medikamente auftreten können. Die Betroffenen sind beispielsweise nicht mehr in der Lage, Bewegungen gezielt zu steuern, sie schmatzen oder kauen, ohne es zu wollen.
Sollten die Nebenwirkungen zu groß sein, ist es sinnvoll, gemeinsam mit dem Arzt Risiko und Nutzen der Behandlung sorgfältig abzuwägen und gegebenenfalls die Kombination der Medikamente umzustellen. Ziel ist das Zurückdrängen der Symptome in so weit, dass es dem Erkrankten zunehmend gelingt, wieder einen Bezug zur Realität herzustellen und um den nichtmedikamentösen Behandlungsverfahren zugänglicher zu sein.
Langfristige Behandlungsmaßnahmen:
Die dauerhafte Behandlung mit Neuroleptika senkt das Risiko weiterer Erkrankungsschübe signifikant. Die Dosierung ist hierbei in der Regel deutlich geringer als in der Akutphase. Gegebenenfalls kann eine Depot-Medikation in Form einer Spritze alle ein bis vier Wochen erfolgen. Diese kommt vor allem für Patienten in Frage, die nicht in der Lage sind, ihre Medikamente regelmäßig selbst einzunehmen.
Grundbaustein der Behandlung ist eine umfangreiche Aufklärung über die Erkrankung. Nur so kann der Betroffene Behandlungsschritte nachvollziehen, eine Einsicht entwickeln und kooperativ sein und mitentscheiden. Der Patient muss lernen, erste Anzeichen für einen erneuten Rückfall zu erkennen, um sich dann umgehend in ärztliche Behandlung zu begeben.
Zu den langfristigen Behandlungsmaßnahmen kann auch eine Psychotherapie gehören. Diese sollte sich an den Ressourcen des Erkrankten orientieren, sein Selbstwertgefühl stabilisieren und ihm Hilfestellung bei Stressbewältigung und Problemen des Alltags geben. In neuerer Zeit spielt auch die kognitive Therapie bei der Behandlung von Schizophrenie eine immer größere Rolle. Ansatzpunkt für diese Therapie sind vor allem die Wahnideen, die der Betroffene hat. Gemeinsam sammeln Therapeut und Patient Informationen zu den Wahnvorstellungen, die dann durch bestimmte Fragetechniken gemeinsam mit dem Betroffenen in Frage gestellt und "überprüft" werden. Erste Studien zur Wirkung einer kognitiven Therapie sind vielversprechend.
Im Rahmen einer Therapie können auch Familienmitglieder mit einbezogen werden, um vor allem die bestehenden Kommunikationsmuster zu betrachten und gegebenenfalls zu verändern. Dadurch lassen sich die Rückfallraten deutlich senken.
Die Erkrankten ziehen sich insbesondere bei längeren Krankheitsverläufen sehr zurück, zeigen kaum noch Aktivität und sind nicht mehr in der Lage, ihre alltäglichen Aufgaben zu verrichten. Im Rahmen einer Soziotherapie versucht man, Defizite in den Bereichen Alltagsbewältigung, Wohnen und Arbeiten zu beheben. Durch stufenweises Training können verlorene Fähigkeiten wieder erlernt werden.
Auch zwischenmenschliche soziale Kompetenzen, d. h. die Fähigkeit, angemessen mit seinen Mitmenschen umzugehen, z. B. selbstsicher aufzutreten, in angemessener Art und Weise etwas zu erbitten, aber auch Bitten abzuschlagen, können trainiert werden. Patienten trainieren in Übungen und Rollenspielen im alltäglichen Umgang die Reaktionen anderer Menschen richtig einzuschätzen und sich selbst anderen gegenüber angemessen zu verhalten.
Mehrere Institutionen und Dienste sind auf die Behandlung der Schizophrenie ausgerichtet. Gerade zur Wiedereingliederung in das normale Alltagsleben nach einem längeren Klinikaufenthalt ist eine intensive Betreuung der Betroffenen notwendig, hier spielen z. B. Tageskliniken eine wichtige Rolle. Die Patienten verbringen dort den Tag und haben so die Möglichkeit, sich langsam wieder an ein selbständiges Leben zu Hause zu gewöhnen. Des Weiteren existieren therapeutische Wohngemeinschaften, in denen mehrere Betroffene zusammenleben und begleitend therapeutisch betreut werden. In beschützenden Werkstätten lernen die Betroffenen, wieder einer regelmäßigen Arbeit nachzugehen.
Überwiegend findet die Behandlung und Betreuung jedoch im ambulanten Bereich statt, wo die sozialpsychiatrischen Dienste, ambulante Pflegedienste sowie die niedergelassene Fachärzte ihre Unterstützung anbieten. Eine wichtige Rolle spielen auch Selbsthilfegruppen, in denen sich Erkrankte regelmäßig treffen und austauschen können.
Eine Heilung der Schizophrenie ist nicht möglich. Es können jedoch Symptome wirksam zurückgedrängt und neue Erkrankungsschübe verhindert werden. Durch die heutigen Behandlungsmethoden sind über zwei Drittel der Schizophrenien gut beherrschbar.
Was können Angehörige tun?
Die Erkrankung verändert nicht nur das Leben des Betroffenen, sondern auch das seiner Angehörigen. Häufig stehen diese zunächst hilflos vor der Diagnose. Daher sollten auch sie sich nicht scheuen, professionelle Hilfe und Unterstützung zu suchen. Spezielle Gruppen, in denen sich Angehörige von Betroffenen treffen, können ebenfalls helfen.
Im Verhalten gegenüber dem Erkrankten ist es wichtig, dass von Anfang an der Kontakt zu ihm aufrecht erhalten und Unterstützung symbolisiert wird, auch wenn er vielleicht eher versucht, sich zurückzuziehen.
Berührungsängste sollten abgebaut und die Erkrankung, so wie sie ist, akzeptiert werden. Eine positive Atmosphäre, ein offener Umgang und viel Verständnis wirken sich günstig auf den weiteren Krankheitsverlauf aus.
Literatur/Leitlinien/EBM:
Berger, M. : Psychische Erkrankungen. Urban & Fischer (2.Aufl. 2003).
Rey, E. R.: Schizophrenien. In H. Reinecker: Lehrbuch der klinischen Psychologie. Hogrefe (2003).
http://www.kompetenznetz-schizophrenie.de (2004)
http://www.openthedoors.de (2003).
Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF)
Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde:
Schizophrenie.
AWMF-Leitlinien-Register Nr. 038/009. (Erstellung: 1998).
Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF)
Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie:
Schizophrenie, schizotype und wahnhafte Störungen.
AWMF-Leitlinien-Register Nr. 028/003. (Letzte Aktualisierung: 2003).


