Ihre Suche

Schwerhörigkeit



(Hypakusis; Taubheit)


Wie funktioniert das Hören?


Alle akustischen Informationen, z. B. Sprache, Musik oder Geräusche, verursachen Schallwellen. Diese werden von der Ohrmuschel aufgefangen, dort und im äußeren Gehörgang gebündelt, treffen dann auf das Trommelfell und versetzen es in Schwingungen. Das Trommelfell, das der Arzt von außen betrachten kann, grenzt den Gehörgang vom Mittelohr ab. Die Paukenhöhle, ein kleiner Hohlraum, ist ein Teil des Mittelohres, der über einen Gang (die so genannte Ohrtrompete) mit dem Rachen verbunden ist und von dort aus auch belüftet wird. Diese Verbindung ist notwendig, um den Luftdruck im Mittelohr ständig dem im äußeren Gehörgang anzugleichen. Andererseits können auf diesem Weg aber auch Infekte des Rachenraums auf das Mittelohr übergreifen.

In der Paukenhöhle befinden sich drei winzig kleine Gehörknöchelchen, aufgrund ihrer Form Hammer, Amboss und Steigbügel genannt. Diese Gehörknöchelchen sind untereinander durch Gelenke verbunden. Der "Hammer" haftet außerdem an der Innenseite des Trommelfells, der "Steigbügel" am so genannten "ovalen Fenster", einer dünnen Haut, die das Mittel- gegen das Innenohr abgrenzt. So wird eine Verbindung zwischen dem Trommelfell und dem ovalen Fenster als Eingang zum Innenohr hergestellt. Die durch Schall verursachten Schwingungen des Trommelfells werden über die Gehörknöchelchen auf das Innenohr übertragen.

Das Innenohr besteht aus der so genannten "Schnecke" (Cochlea), dem eigentlichen Hörorgan, und dem Gleichgewichts-Organ. Im Hörorgan werden die Schallwellen in elektrische Nervensignale umwandelt. Diese werden über den Hörnerven an das Gehirn weitergeleitet. Dort findet letztlich die Verarbeitung und das Verständnis von Höreindrücken statt.

Das Hörorgan ist das einzige zu jeder Tageszeit, selbst während des Schlafes, aktive menschliche Sinnesorgan. Deshalb müssen Höreindrücke im Gehirn bearbeitet, "gefiltert" und bewertet werden. Erst durch diese unbewusste Verarbeitung erlangt jeder Mensch die Fähigkeit, mit der Vielzahl akustischer Informationen zurecht zu kommen. Eine junge Mutter wird meistens vom Weinen ihres Babys wach, häufig aber nicht vom eigentlich viel lauteren Lärm des Straßenverkehrs vor dem Fenster, an den sie sich "gewöhnt" hat.
Zu hören ist für uns etwas sehr selbstverständliches. Welche Bedeutung dieser Sinn besitzt, fällt erst dann auf, wenn er nicht mehr reibungslos funktioniert. Diese Erfahrung müssen leider viele Menschen machen, denn Schwerhörigkeit ist fast eine Volkskrankheit. Nach Schätzungen ist jeder 15. in Deutschland schwerhörig, wobei ältere Menschen sehr viel häufiger betroffen sind.

Gibt es unterschiedliche Formen der Schwerhörigkeit?


Entsprechend dem Aufbau des Hörorgans lassen sich grundsätzlich drei verschiedene Arten der Schwerhörigkeit unterscheiden:

Im einfachsten Fall werden die Schallwellen bereits im Bereich des äußeren Ohres nicht ordnungsgemäß gebündelt und an das Trommelfell weitergeleitet. Dies kann zum Beispiel die Folge einer Verstopfung des äußeren Gehörgangs durch Ohrenschmalz (Zerumen), vor allem bei Kindern auch durch Fremdkörper sein. Diese Form der Schwerhörigkeit tritt oft ganz plötzlich auf. Auch angeborene Missbildungen des äußeren Gehörgangs kommen vor, fallen aber in der Regel bereits frühzeitig auf.

Bei der Mittelohrschwerhörigkeit wird der am Trommelfell eintreffende Schall nicht oder nur teilweise an das ovale Fenster weitergeleitet. Dem zu Grunde liegt entweder eine Störung im Bereich der Gehörknöchelchen, des Trommelfells oder des ovalen Fensters. Da Außen- und Mittelohr der Weiterleitung des Schalls an das Innenohr dienen, bezeichnet man Störungen in diesem Gebiet auch als Schallleitungs-Schwerhörigkeit. In der Praxis werden Schallleitungs-Schwerhörigkeit und Mittelohrschwerhörigkeit oft gleichgesetzt.

Die Formen der Schwerhörigkeit, die als Folge von Innenohrerkrankungen oder Schädigungen des Hörnerven entstehen, werden unter dem Begriff der Schallempfindungs-Schwerhörigkeit zusammengefasst.
Aufgrund der engen anatomischen Nachbarschaft von Innenohr und Gleichgewichtsorgan ist die Innenohrschwerhörigkeit gelegentlich mit Schwindel und Gleichgewichtsstörungen verbunden. Bei manchen Formen der Innenohrschwerhörigkeit treten auch Ohrgeräusche (Tinnitus) auf.

Wodurch kann das Hörvermögen beeinträchtigt werden?


Bei den meisten Menschen lässt das Hörvermögen mit zunehmendem Lebensalter mehr oder weniger nach. Diese Altersschwerhörigkeit beruht auf einer Funktionsminderung des Innenohres, deren Ursache nicht genau geklärt ist und die vermutlich als Effekt von Gefäßverkalkung, Durchblutungsstörungen und Umwelteinflüssen entsteht. Die Altersschwerhörigkeit bleibt, da sie in der Anfangsphase meist nur hohe Töne (Grillenzirpen etc.) betrifft, oft längere Zeit unbemerkt und wird erst auffällig, wenn das Sprachverständnis der betroffenen Person deutlich nachlässt.

Eine weitere wesentliche Ursache der Innenohrschwerhörigkeit ist Lärm. Nicht nur als unangenehm empfundener Lärm, z. B. durch Maschinen, Straßenverkehr und Flugzeuge, sondern auch laute Geräusche, denen man sich freiwillig aussetzt und deshalb nicht als unangenehm empfindet, kann einen fortschreitenden Gehörverlust auslösen. Das kann zum Beispiel Lärm in der Disco oder laute Musik unter dem Kopfhörer sein. Anhaltender, immer wiederkehrender Lärmebelastungen am Arbeitsplatz aber auch eine kurzfristige Lärmexposition, wie z. B. bei einem lauten Knall, ziehen nicht selten Gehörschäden nach sich. Deshalb ist die Schwerhörigkeit für einzelne Berufe als Berufskrankheit anerkannt.
Durch verschiedene Infekte kann es zur akuten Innenohrschwerhörigkeit kommen, beispielsweise bei Herpes, Mumps, Masern, aber auch bei der Borreliose und der Toxoplasmose.

Von einigen Medikamenten ist bekannt, dass sie zu bleibenden Schallempfindungs-Schäden führen können. Zu diesen gehören insbesondere bestimmte Antibiotika (Bakterien abtötende Medikamente), Diuretika (harntreibende Medikamente), aber auch die als Schmerzmittel bekannte, in vielen Präparaten enthaltene Acetylsalicylsäure. Bei den meisten Arzneimitteln hängt diese Nebenwirkung von der eingenommenen Menge und der Einnahmedauer ab. Auch die Art der Medikamentengabe (Spritze oder Tablette) spielt eine Rolle. Insbesondere bei vorbestehenden Schäden des Hörorgans sollten entsprechende Warnhinweise in Beipackzetteln ernst genommen und der verordnende Arzt auf die Schwerhörigkeit hingewiesen werden. Wenn es möglich ist, wird man auf Alternativpräparate ausweichen.

Eine akut und ohne erkennbare äußere Ursache einsetzende Innenohrschwerhörigkeit wird als Hörsturz bezeichnet. Ein Hörsturz ist gewöhnlich einseitig, häufig mit Ohrgeräuschen und einem Druckgefühl auf dem Ohr verbunden und kann zu sehr verschiedenartigen Hörschäden bis hin zur Taubheit führen. Die Ursachen sind unklar, vermutet werden unter anderem Durchblutungsstörungen des Innenohres. Hörstürze verlaufen individuell sehr unterscheidlich. Zwischen der spontanen, vollständigen Wiederherstellung des Hörvermögens einerseits und der bleibenden, nicht beeinflussbaren Taubheit kommen alle möglichen Ausgänge vor.

In vielen Fällen lässt sich die Ursache einer fortschreitenden Schallempfindungs-Störung trotz umfangreicher Diagnostik nicht feststellen. Dann wird von einer idiopathischen (der medizinische Fachausdruck für "unbekannte Ursache") Innenohrschwerhörigkeit gesprochen.

Selten weisen allein Schallempfindungs-Störungen auf Erkrankungen des Hörnerven hin. Auch die speziellen Hirnregionen, die dem Hören zugeordnet sind (so genannte "Hör-Rinde") kann durch eine Krankheit geschädigt sein. Meist fallen bereits vor dem Eintritt einer störenden Schwerhörigkeit solche Erkrankungen durch andere Beschwerden wie Kopfschmerzen, Schwindel, Sprach- und Bewegungsstörungen auf.

Eine akute Schalleitungs-Schwerhörigkeit entsteht häufig als Folge einer Mittelohrentzündung. Bedingt durch eine Entzündung der die Paukenhöhle auskleidenden Schleimhaut kommt es zu einer Flüssigkeits-Ansammlung im Mittelohr. Der Arzt bezeichnet das als Mittelohrerguss. Dadurch wird die Beweglichkeit des Trommelfells behindert. In der Regel überwiegen in diesen Fällen aber die Ohrenschmerzen als Zeichen der akuten Entzündung, das nachlassende Hörvermögen ist eher ein Nebensymptom.

Chronische Schalleitungs-Störungen beruhen auf einem fortschreitenden Funktionsverlust der Gehörknöchelchen-Kette, des Trommelfells und/oder des ovalen Fensters. Ursache können wiederholte schwere oder chronische Mittelohrentzündungen mit nachfolgendem "Verkleben" bzw. "Verkalken" dieser Teile des Hörorgans (Paukensklerose/-fibrose) sein, aber auch die so genannte Otosklerose. Die Ursache dieser Erkrankung, bei der die Gehörknöchelchen und das ovale Fenster durch "Verknöcherung" zunehmend unbeweglich werden, ist unbekannt Erbliche Faktoren scheinen eine gewisse Rolle zu spielen.

Welche Auswirkungen hat die Schwerhörigkeit im täglichen Leben?


Schwerhörigkeit bewegt sich im weiten Feld zwischen fast normalem Hörvermögen auf der einen und Gehörlosigkeit auf der anderen Seite. Wie erwähnt, gibt es eine Vielzahl möglicher Ursachen in allen möglichen Ausprägungsgraden. Entsprechend unterschiedlich sind die Auswirkungen dieser Behinderung. So sind Beeinträchtigungen beim Erleben von Musik und nicht mehr hörbares Vogelgezwitscher im Einzelfall zwar sicher belastende Umstände, das Ausmaß der Beeinträchtigung für den Betroffenen wird aber sehr viel mehr durch die Einschränkungen beim Verständnis von Sprache bestimmt. Insbesondere Störungen der Schallempfindung führen oft frühzeitig zu deutlichen Veränderungen des Sprachverständnisses.

Auch bei isoliertem Verlust des Hörvermögens für hohe Frequenzen verändert sich das wahrgenommene Klangbild. So kommt es nicht nur zu Schwer-, sondern im eigentlichen Sinne des Wortes zu "Fehl-Hörigkeit". Dieses nicht nur in seiner Intensität abgeschwächte, sondern auch fehlerhafte Hören lässt sich so lange teilweise durch Hörgeräte ausgleichen, wie das Hörorgan über eine verstärkbare Hörfähigkeit im gesamten Frequenzbereich verfügt. In Frequenzbereichen, in denen kein restliches Hörvermögen mehr besteht, kann auch keine Verstärkung durch ein Hörgerät das Hörvermögen wieder herstellen.

Bei vielen Schwerhörigen ist die Toleranz für hohe Lautstärken stark reduziert, die Schmerzgrenze für laute Töne kann derjenigen von Normalhörigen entsprechen oder sogar darunter liegen. Die Bandbreite zwischen "gerade noch hörbar" und "unangenehm laut" ist bei Hörbehinderten häufig sehr klein. Das setzt den Möglichkeiten der Verstärkung durch Hörgeräte
enge Grenzen. Vor allem, wenn eine Hörgeräte-Versorgung erst spät erfolgt, empfinden viele Betroffene die plötzlich wieder wahrnehmbaren Umweltgeräusche wie Vogelzwitschern, Straßenverkehr oder Waldesrauschen subjektiv als störend. Die (zu) späte Versorgung mit Hörgeräten kommt insbesondere dann vor, wenn ein schleichender Hörverlust erst nach längerer Zeit bemerkt oder eingestanden wird.

Anderseits sind gerade in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte in der Hörgerätetechnologie gemacht worden, die vielen Betroffenen einen langfristigen Erhalt des Sprachverständnisses ermöglicht. Bei rechtzeitigem Griff zum Hörgerät kann ein hörbehinderter Mensch heute in den meisten Fällen fast völlig unbeeinträchtigt am täglichen Leben teilnehmen. Kinder mit angeborener Schwerhörigkeit entwickeln sich mit entsprechender Versorgung meist normal und besuchen reguläre Kindergärten und Schulen. Es wird aber immer wieder Situationen geben, in denen ein schwerhöriger Mensch darauf angewiesen ist, dass seine Mitmenschen deutlich und langsam artikulieren.

Welche Untersuchungen sind notwendig?


Bei jedem Verdacht auf eine Beeinträchtigung des Hörvermögens betrachtet der Arzt zunächst den äußeren Gehörgang und das Trommelfell. , Dann schließt sich stets ein Hörtest (Audiometrie) an, denn diese Untersuchung gibt Aufschluss über Art und Umfang der Schädigung. Beim am häufigsten durchgeführten Test, der Tonschwellen-Audiometrie, bekommt der Patient Töne in verschiedener Höhe vorgespielt. Bestimmt wird die Lautstärke, bei der der Ton ihn gerade hörbar wird (man nennt das die "Hörschwelle"). Dabei sind erhebliche Unterschiede zwischen tiefen und hohen Tönen möglich.

In der Regel werden die Prüftöne seitengetrennt über Kopfhörer, aber auch über einen so genannten Knochenleitungs-Hörer abgegeben, der hinter dem Ohr auf den Schädelknochen aufgesetzt wird. Durch diesen wird der Schall über den Knochen direkt an das Innenohr weiterleitet. Dadurch lässt sich feststellen, ob der Schwerhörigkeit ein Schaden des Mittelohres oder aber des Innenohres zugrunde liegt, es sich also um eine Schallleitungs-, eine Schallempfindungs-Störung oder einer Kombination von beidem handelt.

Da die subjektiv belastendste Folge einer Schwerhörigkeit die Beeinträchtigung der Kommunikationsfähigkeit ist, führt der Arzt spätestens vor einer Hörgeräteanpassung eine Sprachaudiometrie durch. Das Sprach-Verständnis hängt nicht nur von der Stärke des Hörverlustes, sondern auch von den betroffenen Tonhöhen, der Empfindlichkeit für Störgeräusche und anderen Faktoren ab. Zur Untersuchung bekommt der Patient entweder seitengetrennt über Kopfhörer oder über Lautsprecher für beide Ohren gleichzeitig Zahlen und einsilbige, ähnlich klingende Worte (z. B. Hund/Mund, Haus/Maus, rund/Pfund) vorgespielt. Gemessen wird, ob und ab welcher Lautstärke er die Worte eindeutig erkennt.

Besteht bereits bei Säuglingen und Kleinkindern, die bei diesen Hörtests noch nicht mitarbeiten können, der Verdacht auf eine höhergradige Hörschädigung, macht man sich die Beobachtung zunutze, dass das Innenohr nicht nur Geräusche aufnimmt und verarbeitet, sondern - zumindest in diesem frühen Lebensalter - als "Antwort" auf eintreffende Geräusche auch sehr leise Geräusche aussendet. Für das bloße Ohr sind diese so genannten otoakustischen Emissionen nicht hörbar, aber sie lassen sich mit Hochleistungsmikrofonen auffangen. Fehlen sie, weist das auf eine Innenohrschädigung und damit auf eine bedeutsame Schwerhörigkeit, evtl. sogar Taubheit, hin.

Untersuchungen, mit denen Bilder vom knöchernen Schädel, dem Innenohr, Gehirn und Hörnerven erzeugt werden können, sind die Computer- und Kernspintomografie (CCT, MRT). Gelegentlich liefert auch die konventionelle "normale" Röntgenaufnahme des Schädels oder der Ohrregion zusätzliche wichtige Informationen. Die bildgebenden Verfahren kommen zum Einsatz, wenn Verletzungen des Kopfes zum Hörverlust geführt haben. Tumoren, bestimmte Verkalkungen und Entzündungen lassen sich ebenfalls feststellen.

Ist eine Schwerhörigkeit mit anderen Beschwerden, wie z. B. Gleichgewichtsstörungen verbunden, werden entsprechend auch weitere Untersuchungen notwendig.

Wie kann Schwerhörigkeit behandelt werden?


Abhängig von den vielen unterschiedlichen Ursachen werden auch unterschiedliche Behandlungswege eingeschlagen. Bei der akuten Schallempfindungs-Schwerhörigkeit, beispielsweise als Folge eines Lärmschadens, insbesondere aber auch beim Hörsturz, kommen Medikamente zum Einsatz. Obwohl die Entstehung dieser Erkrankungen noch nicht geklärt ist, werden unter der Annahme, dass Durchblutungsstörungen des Innenohres verantwortlich sind, durchblutungsfördernde Mittel verabreicht, zusätzlich häufig Kortison.. In vielen Fällen wird unter einer solchen Behandlung, die meist per Infusion in die Vene erfolgt, eine deutliche Linderung der Beschwerden beobachtet.

Im Allgemeinen sind die durch die Behandlung selbst verursachten Schäden selten, können sich in Einzelfällen aber mit Magen-Darm-Störungen wie Übelkeit und Durchfall, mit Kopfschmerzen oder mit einer allgemeinen Kreislaufschwäche äußern. Schwere Nebenwirkungen des Kortisons, wie sie bei längerfristiger Verabreichung beobachtet werden, sind bei einer kurzen Anwendung in der Regel nicht zu befürchten. Es kann aber zu vorübergehenden Veränderungen des Blutdrucks, des Blutzuckers und der Blutzellen sowie zu Elektrolytstörungen (Natrium, Kalium) kommen. Um einer allergischen Reaktion (vor allem auf die durchblutungsfördernden Mittel) vorzubeugen, verabreicht man zusätzliche Medikamente.

Häufig reicht eine ambulante Behandlung aus, bei schweren Fällen sowie deutlicher psychischer Beeinträchtigung sollte die Therapie im Krankenhaus erfolgen. Da Stressabbau wesentliches Behandlungsprinzip ist, sollte auch eine ambulante Therapie unter Ruhebedingungen erfolgen. Patienten mit einer akuten Schwerhörigkeit schreibt der Arzt vorrübergehend arbeitsunfähig.

Wenn die Infusionstherapie nicht zum Erfolg führt, kann anschließend eine hyperbare Sauerstofftherapie (HBO) in einer Druckkammer versucht werden. Ein eindeutiger wissenschaftlicher Wirkungsnachweis liegt für diese Behandlung allerdings nicht vor. Deshalb wird der Nutzen dieser Methode auch unterschiedlich beurteilt und die Kosten nicht von den Krankenkassen übernommen.

Infektionen mit nachfolgendem Hörverlust bedürfen einer entsprechenden Behandlung mit entzündungshemmenden Medikamenten, mit Antibiotika oder auch mit Mitteln gegen Viren.
Chronisch fortschreitende Schallleitungs-Störungen aufgrund einer Paukenfibrose oder auch einer Otosklerose lassen sich häufig durch eine Operation korrigieren. Die Chancen für eine Verbesserung der Hörfähigkeit sind um so besser, je früher der Eingriff erfolgt. Sie sollte also möglichst durchgeführt werden, bevor hochgradige Hörverluste eingetreten sind.

Nicht heilbare Formen der Schwerhörigkeit, wie die Altersschwerhörigkeit, bedürfen rechtzeitig des Ausgleichs durch geeignete Hörgeräte. Bei beidseitiger Schwerhörigkeit ist in aller Regel auch eine beidohrige Hörgeräteanpassung notwendig, um das räumliche Hören zu erhalten. Nur in Ausnahmefällen beschränkt man sich auf eine einseitige Versorgung. Hörgeräte stehen heute in verschiedenen Formen und Techniken zur Verfügung, deren Einsatz aber in Abstimmung mit dem Hals-Nasen-Ohrenarzt und dem Hörgeräteakustiker individuell abgestimmt werden muss. Neben den schon länger bekannten, hinter dem Ohr getragenen Geräten (HdO) setzen sich in jüngerer Zeit zunehmend im Ohr tragbare Apparate (IO) durch. Mittlerweile existieren auch Gerätetypen, die durch eine Operation teilweise unter die Haut hinter dem Ohr oder in den Schädelknochen eingesetzt werden. Sie eignen sich vor allem wenn bestimmte Probleme das Tragen eines normalen Hörgeräts verhindern, also bei Patienten mit Deformierungen der Ohrmuschel oder des äußeren Gehörgangs.
Bei sehr stark ausgeprägter Schwerhörigkeit ist die Implantation eines CI (Cochlear Implantats) zu erwägen. Dies setzt allerdings voraus, dass der Hörnerv noch intakt ist und die Schwerhörigkeit durch Schäden an den Sinneszellen verursacht wurde.

Im Alltag können weitere Hilfsmittel hilfreich sein: Drahtlose Verstärker mit Kopfhörer für das Fernsehgerät, ein optisches Signal (Lichtblitze) für den Wecker und die Türklingel oder ein Telefonverstärker können das tägliche Leben von hörbehinderten Menschen erheblich erleichtern.

Welchen Verlauf nimmt eine Schwerhörigkeit?


Der Verlauf einer einmal eingetretenen Schwerhörigkeit hängt vor allem von der Grunderkrankung ab. Akute Schallempfindungsstörungen zeigen bei umgehender Einleitung einer Therapie, aber auch ohne Behandlung, oft eine nahezu vollständige Besserung. Schädigungen durch Medikamente oder starken Lärm können allerdings auch schwere, nicht behandelbare Hörschäden bis hin zur Ertaubung verursachen.

Chronische Formen der Innenohrschwerhörigkeit besitzen hingegen häufig die Tendenz zur fortschreitenden Verschlechterung. Manchmal münden sie in eine vollständige Taubheit. Chronische Schallleitungs-Störungen sind häufig durch eine Operation gut behandelbar. Unbehandelt jedoch führen sie fast immer zu einem fortschreitenden Verlust des Hörvermögens.

Schwerhörigkeit - eine anerkennungsfähige Behinderung?


Eine höhergradige Schwerhörigkeit kann von den zuständigen Behörden (Versorgungsamt) als Behinderung anerkannt werden. In vielen Fällen ist eine Untersuchung durch einen Gutachter erforderlich. Dem Betroffenen wird also ein "Grad der Behinderung" (GdB) zuerkannt, die beispielsweise zur Inanspruchnahme von Steuerfreibeträgen berechtigt.

Früher wurde dies "Minderung der Erwerbsfähigkeit" (MdE) genannt. Bei der Bemessung des GdB spielt der Schweregrad eine wesentliche Rolle, aber auch der Zeitpunkt des Krankheitsbeginns. Bei Kindern kann es infolge einer Schwerhörigkeit zu einer fehlerhafter Sprach-Entwicklung kommen, die ebenfalls den Grad der Behinderung beeinflusst.

Wie kann man vorbeugen?


Wesentlicher Punkt der Vorsorge ist der Schutz vor Lärm, und zwar sowohl am Arbeitsplatz wie auch im privaten Bereich. Lärmbedingte Gehörschäden sind bei jüngeren Menschen eine wesentliche und meist vermeidbare Ursache für Schwerhörigkeit. Wenn auch medikamentös ausgelöste Schwerhörigkeit insgesamt selten ist, sollte insbesondere bei vorbestehenden Schäden bei der Medikamenteneinnahme entsprechend vorsichtig vorgegangen werden, und zwar sowohl bei der Selbstmedikation als auch bei ärztlich verordneten Medikamenten.

Jeder behandelnde Arzt sollte auf eine bestehende Schwerhörigkeit hingewiesen werden. Besteht aus eigenem Empfinden oder auch nur aufgrund der Beobachtung von Angehörigen der Verdacht auf eine Schwerhörigkeit, sollte man umgehend ein Hals-Nasen-Ohrenarzt aufsuchen. Sei es, um eine behandelbare Ursache zu therapieren, oder aber um rechtzeitig eine Hörgeräteversorgung einzuleiten, die in den meisten Fällen umso schwerer wird, je später sie erkannt wird.


Literatur/Leitlinien/EBM:



Arnold, W.: Checkliste Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme (3. Auflage 1999).

Boenninghaus, H.G.: Hals-Nasen-Ohrenheilkunde. Springer (12. Auflage 2005).

Masuhr, K.: Duale Reihe Neurologie, Thieme (5. vollständig überarbeitete Auflage 2004)

Probst, R.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme (2. Auflage 2004).

Seifert, K.: Derzeitiger Stand der Hörgeräteversorgung und der Betreuung von Hörgeräteträgern.

Strutz, J.: Praxis der HNO-Heilkunde, Kopf- u. Halschirurgie. Thieme (2001).

Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF)
Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie:
Leitlinie Akustikusneurinom/Kleinhirnbrückenwinkeltumor. Erstellung: Mai 1996, Überarbeitung: Juni 2001.

Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF)
Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie:
Klinischer Algorithmus Schwerhörigkeit. Erstellung: Mai 1996 .

Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF)
Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie:
Leitlinie Hörgeräteversorgung. Erstellung: Juli 1998.

Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF)
Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie:
Leitlinie Hörsturz. Erstellung: August 1996, Überarbeitung: Januar 2004.

Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF)
Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie:
Leitlinie Tinnitus. Erstellung: Mai 1998.
Anzeige
Diese Seite zu Mister Wong hinzufügen Diese Seite zu del.icio.us hinzufügen
Anzeige
Anzeige
Anzeige