Sexualstörungen des Mannes
(Impotenz; Dysfunktion, erektile)
Was sind Sexualstörungen des Mannes, was ist Impotenz und erektile Dysfunktion?
Unter "Impotenz" wird die Unfähigkeit zur Fortpflanzung (Impotentia generandi) verstanden, im weiteren Sinne auch das Unvermögen, den Beischlaf (befriedigend) auszuüben (Impotentia coeundi).
Dieser Begriff wird heute zunehmend durch die Bezeichnung "erektile Dysfunktion" ersetzt. Die erektile Dysfunktion charakterisiert eine mechanische und/oder psychoreflektorische Störung der Gliedversteifung.
Die Erektion wird durch das Zusammenspiel von Empfindungen, Nervenreizleitungen und vermehrter Blutfülle in den männlichen Penisschwellkörpern bestimmt. Durch den vermehrten Bluteinstrom in die Schwellkörper kommt es zu einer Gliedsteife Strömt das Blut wieder ab, erschlafft der Penis.
Welche Arten der Erektionsstörungen gibt es?
Erektionsschwierigkeiten treten zu unterschiedlichen Zeitpunkten und Situationen auf. So können Erektionsstörungen vom Anfang des Sexuallebens an vorliegen oder nach zunächst normaler sexueller Funktion irgendwann auftauchen. Man unterscheidet außerdem zwischen einer akuten, plötzlich auftretenden, und einer chronisch anhaltenden Erektionsstörung.
Unter aktbezogenen Erektionsstörungen werden z. B. Störungen beim Beischlaf, nicht dagegen bei der Masturbation verstanden. Partnerbezogene Erektionsstörungen liegen vor, wenn z. B. keine Erektion bei der Ehefrau, wohl aber bei einer anderen Sexualpartnerin möglich ist. Situationsbezogene Erektionsstörungen sind orts- und zeitbezogen, z. B. normale Erektionen während des Urlaubs aber Probleme im normalen Alltag. In diesem Fall spielt der Faktor Stress oft eine entscheidende Rolle.
Welche Ursachen liegen zu Grunde?
Nach amerikanischen Untersuchungen leiden etwa 50 Prozent der Männer im Alter über 40 Jahre zumindest zeitweise an Erektionsproblemen.
Die Impotenz kann körperliche, seelische und medikamentöse Ursachen (z. B. Blutdruck senkende Medikamente, Herzmedikamente, Blutfettsenker, Psychopharmaka, Magen-Darm-Mittel u. a.) haben.
Ebenso können Lebensgewohnheiten wie Alkohol- und Nikotinkonsum, Operationen an der Wirbelsäule oder des Unterleibes eine erektile Dysfunktion bewirken. Auch nach Verletzungen und Unfällen bleiben unter Umständen sexuelle Funktionsstörungen wie Impotenz zurück. Stoffwechselstörungen wie der Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) mit der Folge von Durchblutungsstörungen, zeichnen sich für einen großen Prozentsatz der Sexualstörungen des Mannes verantwortlich.
Das größte Sexualorgan befindet sich aber nicht unter der Gürtellinie, sondern zwischen den Ohren. Insbesondere bei Männern unter 35 sind die Potenzprobleme oft psychisch bedingt. Anders gesagt: es geht nicht, weil der Kopf nicht frei ist. Dahinter kann sich Stress verbergen, aber auch ein Konflikt mit der Partnerin oder mit sich selbst. Ein Psychotherapeut kann dann oft weiter helfen.
Welche Untersuchungen werden durchgeführt?
Die Untersuchungsmethoden haben das Ziel, die Ursache der Erektionsstörung herauszufinden, also zunächst einmal. ob sie seelisch oder körperlich bedingt ist. Bevor eine psychische Ursache angenommen wird, sollte der Arzt organische Ursachen ausgeschlossen haben.
Körperliche Ursachen lassen sich grob in hormonell-neurologische Störungen und gefäßbedingte Durchblutungsstörungen einteilen.
Zur Selbsteinschätzung ist es wichtig, sich einige Fragen zu stellen, z. B.:
- Wie oft habe ich Geschlechtsverkehr?
- Wie lange dauert die Erektion?
- Kommt es zu einem Orgasmus (ja/nein/zu früh)?
- Welche Medikamente nehme ich?
- Leide ich unter einer Zuckerkrankheit und wie ist mein Blutzuckerwert?
- Rauche oder trinke ich sehr viel?
- Bin ich mit meiner Partnerin glücklich? Ist mein Ehe-/Privatleben harmonisch?
Um organische Veränderungen wie Penisverkrümmungen, Verhärtungen im Bereich der Schwellkörper, Veränderungen der Hoden sowie Entzündungen der Prostata und der Harnröhre zu erkennen, führt der Urologe eine ausführliche körperliche Untersuchung durch.
Mit Blutuntersuchungen können Entzündungen der Prostata oder der Nebenhoden, die zum Verschluss der Samenleiter geführt und damit die Unfruchtbarkeit ausgelöst haben, festgestellt werden. Mit Hilfe der Laborwerte lassen sich auch hormonelle Störungen (z. B. krankhaft erniedrigte Testosteronwerte), erhöhte harnpflichtige Substanzen, Leberwerte, Blutfettwerte oder Blutzuckerwerte erfassen. Eine Analyse des Spermas ist angebracht, wenn der Betroffene eine normale Erektion, aber unerfüllten Kinderwunsch hat.
Kann der Arzt mit diesen Methoden die genaue Ursache der Erektionsstörung nicht bestimmen, schließen sich weitere Untersuchungen an.
Besteht der Verdacht auf eine neurologische, also durch eine Schädigung der die Erektion steuernden Teile des Nervensystems bedingte, Ursache, so kommt die Messung der nächtlichen Gliedausdehnung (Tumeneszenz-Messung) in Betracht: Mittels zweier um den Penis gelegter Messringe, die sich rhythmisch zusammenziehen, wird die Veränderung des Glieddurchmessers (wie Anschwellung und Gliedsteife) eine ganze Nacht lang erfasst und durch einen Computer aufgezeichnet. Dies macht es möglich, eine psychogene von einer organischen Erektionsstörung zu unterscheiden, denn bei letzterer treten auch nachts keine Erektionen auf.
Bei Verdacht auf Nervenstörungen (wie z. B. des Nervus pudendus oder anderer zuführender Nerven) misst der Arzt die so genannte Bulbocavernosus-Reflexzeit. Hierbei wird über eine Klebeelektrode an der Penisrückseite elektrisch der Muskel Bulbocavernosus über Nervenbahnen gereizt. Die sich hieraus ergebenden Reizmuster geben Aufschluss auf nervale Störungen. Dieser apparativ recht aufwändige Untersuchung führen nur entsprechend ausgebildeten Praxen und Kliniken durch.
Bei Verdacht auf gefäßbedingte arterielle Durchblutungsstörungen steht die Dopplersonografie (Ultraschalluntersuchung) zur Verfügung. Sie erlaubt eine Beurteilung der Durchblutung der einzelnen arteriellen Penisgefäße, die ja für die Erektion eine ganz wichtige Rolle spielen. Zunächst bekommt der Patient dabei eine erektionsfördernde Substanz in den Penisschwellkörper (SKIT = Schwellkörperinjektionstest) gespritzt. Ultraschallsonden erfassen die Blutflussverhältnisse sowie die Strömungsverhältnisse der Penisarterien, das Ergebnis sieht der Arzt auf dem Monitor.
Zwar besitz die Untersuchung eine hohe Aussagekraft, doch sie birgt das Risiko einer örtlichen Spritzeninfektion und einer möglichen anhaltenden Dauererektion. Der SKIT darf nicht bei Menschen, die mit blutverdünnenden Medikamenten behandelt werden oder bei solchen, die an einer Gerinnungsstörung leiden, durchgeführt werden.
Vermutet man gefäßbedingte venöse Durchblutungsstörungen als Ursache der Erektionsstörung, steht die so genannte Schwellkörpermessung (Kavernosometrie) zur Verfügung. Dabei handelt es sich um eine Messung des Blutdruckes in den Penisschwellkörpern mit Bestimmung der erforderlichen Blutflussrate, die zur Aufrechterhaltung einer Erektion notwendig ist. Dieser Test erfasst krankhafte venöse Abflüsse sowie Veränderungen an den Schwellkörpern.
Wonach richtet sich die Therapie?
Die Therapie der Impotenz richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache, hängt aber auch stark vom Behandlungswunsch des Patienten ab..
So sind bei psychischen Ursachen der Ejakulations- und Erektionsstörungen in erster Linie psychotherapeutische Verfahren wie Verhaltenstherapie, Gesprächstherapie, Psychotherapie, Sexualtherapie, Sexualberatung und Sexualaufklärung sinnvoll.
Bei hormonellen Ursachen, z. B. Testosteronmangel, kann in Form einer Spritze oder eines Pflasters das männliche Geschlechtshormon zugeführt werden. Vor der Behandlung muss allerdings ein Prostatakarzinom ausgeschlossen werden.
Hirnanhangsdrüsentumoren, die vermehrt das Hormon Prolaktin produzieren, behandelt man medikamentös. Manchmal ist auch eine Operation notwendig, um den Tumor zu entfernen. Eine Grunderkrankung wie der ein Diabetes mellitus sollte therapiert werden, so dass der Blutzuckerwert gut eingestellt ist.
Zur Behandlung von gefäß- und nervenbedingten Erektionsstörungen kommen sowohl Medikamente als auch apparative Hilfsmittel sowie operative Eingriffe in Frage.
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
Durch die so genannten Phosphodiesterasehemmer, der bekannteste Vertreter ist Viagra, wurde die Behandlung von Erektionsproblemen sehr viel einfacher und für den Patienten deutlich angenehmen. Diese Wirkstoffe, sorgen über die Blockade eines bestimmten Botenstoffes dafür, dass die Muskulatur der Blutgefäße im Penis erschlafft. Dadurch kann mehr und länger Blut in den Penis fließen, was eine Erektion ermöglicht. Allerdings bergen die Mittel auch Risiken. Häufige Nebenwirkungen der Phosphodiesterasehemmer sind Kopfschmerzen, Sehstörungen (zumeist Veränderung des Farbsehens), Verstopfung der Nase und Schwindel. Menschen mit Herzbeschwerden sollten dieses Medikament nicht einnehmen.
Erektionsfördende Medikamente können auch direkt in die Harnröhre eingeführt werden (intraurethrale Gabe). Beim Geschlechtsverkehr sollte man ein Kondom benutzen, um die Scheide der Partnerin nicht zu reizen und, bei Schwangeren, ein Risiko für den Fetus zu vermeiden.
Die Einspritzung von Medikamenten in den Penisschwellkörper (Schwellkörperautoinjektionstherapie, SKAT) sollte auf jeden Fall in enger Zusammenarbeit mit dem Arzt erlernt und durchgeführt werden. Sie ist nicht geeignet für Menschen, die blutverdünnende Medikamente einnehmen oder an einer Gerinnungsstörung leiden, da das Risiko einer Harnröhrenblutung erhöht ist.
Mögliche Vernarbungen der Penisschwellkörper, eine Infektion oder eine Dauererektion können als Folge auftreten.
Des Weiteren stehen apparative Hilfsmittel in Form von Penispumpen zur Verfügung. Sie werden kondomartig über den Penis wie eine Saugglocke angelegt. Eine Vakuumpumpe erzeugt einen starken Unterdruck erzeugt, was die Schwellkörper mit Blut füllt. Ein an der Peniswurzel zuvor angelegter Gummiring verhindert einen vorzeitigen Blutabfluss und hält so die Erektion nach dem Ablegen der Pumpe aufrecht.
Bei einer Venensperroperation werden die entsprechenden Venen unterbunden, um den vorzeitigen Blutabfluss aus den Schwellkörpern zu verhindern. Allerdings haben Venensperroperationen nur kurzfristige Erfolge, die Langzeitergebnisse sind enttäuschend.
Wenn die medikamentöse Therapie erfolglos war und der Mann es wünscht, besteht als letzte Möglichkeit die Implantation einer Penisprothese. Dabei kann es allerdings zu Infektionen und Entzündungen kommen, und gelegentlich muss die Prothese dann wieder entfernt werden.
Impressum
Copyright: sanvartis GmbH
Erstellungsdatum: September 2000
Autor: Dr. med. Markus Mohr
Lektor: Dr. med. Stefan Rütten (Facharzt für Urologie)
Letzte Aktualisierung: April 2005
Durch: Ulrich Kraft (Arzt)
Literatur/Leitlinien/EBM:
Eichenhauer, R.: Klinikleitfaden Urologie. Urban & Fischer (3. Auflage 2003)
Hanno, P.: Clinical manual of Urology. McGraw-Hill ( 3rd edition 2001).
Hautmann, R.: Urologie. Springer (2. Auflage 2001).
Sökeland, J.: Urologie. Thieme (13. Auflage 2004).
Krause, W.: Andrologie. Enke (1991).
AWMF-Leitlinien. Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Urologie: Diagnostik und Therapie von Libido- und Erektionsstörungen (August 2001).


