Ihre Suche

Speiseröhren-Achalasie



(Achalasie der Speiseröhre; Entleerungsstörung der Speiseröhre;
Ösophagus-Achalasie)



Was ist eine Achalasie der Speiseröhre?


Unter einer Achalasie versteht man eine Bewegungsstörung der Speiseröhre (Ösophagus), die durch eine mangelnde Erschlaffung des unteren Schließmuskels (Sphinkters) am Übergang der Speiseröhre zum Mageneingang bedingt ist. Normalerweise erschlafft der Sphinkter reflexartig beim Schlucken, sodass die Nahrung aus der Speiseröhre in den Magen gelangen kann.

Bei der Achalasie sind die Nervenzellen des so genannten Plexus myentericus Auerbach geschädigt, die an dieser Erschlaffung beteiligt sind. Folge ist, dass die Nahrung nicht bzw. nur unzureichend aus der Speiseröhre entleert wird.

Die Achalasie ist relativ selten, da nur etwa einer pro 100.000 Menschen jährlich daran erkrankt. Meist tritt die Bewegungsstörung der Speiseröhre im mittleren Lebensalter auf.

Welche Ursachen hat eine Speiseröhren-Achalasie?


Die degenerativen Veränderungen der Nervenzellen des Plexus myentericus Auerbach im unteren Schließmuskel der Speiseröhre kann verschiedene Ursachen haben. In den meisten Fällen ist die Ursache allerdings unbekannt. Möglich - wissenschaftlich aber nicht bewiesen - ist eine Infektion mit dem Varizella-Zoster-Virus.

Durch bösartige Tumoren, z. B. am Mageneingang (Kardiakarzinom), kann es zu einer Achalasie kommen. Auch ein Lungentumor (Bronchialkarzinom) kann Ursache einer Achalasie sein. In den Tropen beobachtet man Achalasien der Speiseröhre gelegentlich als Folge der Chagas-Krankheit, einer durch Trypanosomen verursachten Infektion.

Welche Beschwerden treten bei der Entleerungsstörung der Speiseröhre auf?


Die Achalasie ruft Schluckbeschwerden hervor. Anfangs wird Nahrung nur nach dem Essen wieder aufgestoßen, im späteren Verlauf der Erkrankung geschieht dies auch im Liegen. Zudem besteht meist ein unangenehmes Völlegefühl hinter dem Brustbein. Die Schluckbeschwerden können so stark werden, dass selbst normales Trinken nicht mehr möglich ist. Bei ausgeprägter Achalasie kann auch Flüssigkeit den verkrampften Schließmuskel nicht mehr passieren und die Betroffenen versuchen schlückchenweise zu trinken. Bei längerem Bestehen der Erkrankung kommt es zur Gewichtsabnahme.

Die Achalasie birgt die Gefahr, sich beim Essen und Trinken zu verschlucken. Insbesondere nachts und im Liegen können Nahrungsreste in den Mund aufgestoßen werden. Gelangt saurer Mageninhalt in die Lunge, kann dies eine Lungenentzündung zur Folge haben, da die Säure des Magens sehr ätzend ist und das Lungengewebe stark angreift und schädigt.

Eine gefürchtete Spätkomplikation der Achalasie ist der Speiseröhrenkrebs: Menschen, die unter einer Achalasie leiden, haben ein erhöhtes Risiko, an einem Ösophaguskarzinom zu erkranken.

Wie wird die Erkrankung diagnostiziert?


Der Arzt erkundigt sich nach den Beschwerden und fragt, seit wann diese bestehen. Typisch für die Achalasie - und untypisch für einen Speiseröhrenkrebs - ist es, wenn die Beschwerden schon viele Jahre andauern.

Röntgenuntersuchung der Speiseröhre
Nach einer gründlichen körperlichen Untersuchung wird der Arzt eine Röntgenuntersuchung veranlassen. Um die Form der Speiseröhre erkennen zu können, ist es notwendig, vor der Röntgenaufnahme ein Kontrastmittel zu trinken. Im Röntgenbild erkennt man eine Verengung im unteren Bereich der Speiseröhre. Vor dieser Enge ist der Ösophagus aufgeweitet: Die Form der Speiseröhre bei einer ausgeprägten Achalasie ähnelt einem Sektglas. Aufgrund des langsamen Transportes des Kontrastmittels in den Magen, zeigt sich im Röntgenbild ein Spiegel des Kontrastmittels.

Spiegeluntersuchung der Speiseröhre (Ösophagoskopie)
Um einen bösartigen Tumor auszuschließen, ist es sinnvoll, eine Spiegeluntersuchung der Speiseröhre (Ösophagoskopie) durchzuführen und Gewebeproben zu entnehmen. Bei der Ösophagoskopie wird das Endoskop, ein biegsames Instrument bestehend aus einem Schlauch mit Lichtquelle, durch den Mund am Kehlkopf vorbei in die Speiseröhre vorgeschoben. Der Arzt entnimmt dann mit einer kleinen Zange Proben, um diese unter dem Mikroskop zu untersuchen.

Druckmessung der Speiseröhre (Manometrie)
Mit Hilfe einer so genannten Manometrie kann man die Bewegungen der Speiseröhre und des unteren Schließmuskels direkt erfassen und die Achalasie letztlich beweisen. Bei dieser Druckmessung der Speiseröhre wird ein dünner Plastikkatheter durch ein Nasenloch in die Speiseröhre und zum Teil auch in den Magen vorgeschoben. Anschließend zieht der Untersucher den Schlauch zentimeterweise zurück. Dabei muss der Patient regelmäßig einen Schluck Wasser trinken. Einige Patienten empfinden die etwa 30 Minuten dauernde Ösophagusmanometrie zwar als recht unangenehm, nicht aber als schmerzhaft.

Im Falle einer Achalasie liefert die Druckmessung zumeist eines der folgenden Ergebnisse:
  • Der untere Schließmuskel erschlafft nicht beim Schlucken.
  • Es herrscht auch in Ruhe ein erhöhter Druck im Bereich des Sphinkters.
  • Es finden keine regelmäßigen Bewegungen (Peristaltik) in der Speiseröhre statt.


Wie behandelt man eine Speiseröhren-Achalasie?


Menschen, die keine Beschwerden haben, sollten wegen der erhöhten Gefahr eines Speiseröhrenkrebses regelmäßige Spiegeluntersuchungen beim Arzt durchführen lassen. Die Achalasie muss nicht unbedingt behandelt werden. Treten Beschwerden auf, ist eine Therapie aber empfehlenswert.

Die medikamentöse Therapie mit Nifedipin, das - 30 Minuten vor dem Essen eingenommen - den Druck in der Speiseröhre senkt, erzielt leider auf längere Sicht gesehen keine guten Erfolge. Sie sollte daher nur bei Patienten mit einer milden Verlaufsform der Achalasie eingesetzt werden.

Bei einer neueren Methode, dem Einspritzen des Nervengiftes Botulinumtoxin in den unteren Speiseröhren-Schließmuskel im Rahmen einer Endoskopie, wird die erhöhte Spannung im Schließmuskel der Speiseröhre gesenkt. Die Wirkung dieser Behandlung hält meist nur kurz an, so dass eine mehrmalige Wiederholung erforderlich ist. Langzeitergebnisse stehen noch aus.

Gute Ergebnisse erbringt derzeit die Aufdehnung des Schließmuskels mit einem Ballonkatheter (Ballondilatation). Dabei wird der Übergang der Speiseröhre in den Magen unter endoskopischer Kontrolle mittels eines Ballons aufgedehnt, wodurch ein Teil der Muskelfasern zerreißt und die Spannung des Speiseröhren-Schließmuskels vermindert wird. Bessern sich die Beschwerden nicht, kann eine Ballondilatation auch mehrmals wiederholt werden. Eine schwerwiegende Komplikation dieser Therapie ist eine Ruptur der Speiseröhre. Außerdem kann es im Anschluss an die Ballondilatation zum Rückfluss von Mageninhalt in die Speiseröhre, zu so genannten Refluxbeschwerden kommen. Die Ballondilatation hilft trotz 70-prozentiger Erfolgsquote jedoch nicht allen Patienten.

Eine Alternative stellt hier die operative Durchtrennung (Kardiomyotomie) des Schließmuskels dar. Dabei wird ein Stück der Speiseröhren-Muskulatur aufgeschnitten und der Sphinkter durchtrennt. Die Speisepassage ist damit wieder hergestellt, eine bessere Bewegung der Speiseröhre wird allerdings nur in frühen Stadien erreicht. Die operative Muskeldurchtrennung kann mit einem zusätzlichen Eingriff, der so genannten Fundoplikatio, kombiniert werden. Dabei wird ein Teil des Magens um die untere Speiseröhre geschlungen, um so den Rückfluss (Reflux) von Mageninhalt in die Speiseröhre zu verhindern. Die Erfolgsquote der Operation beträgt etwa 90 Prozent. Der Eingriff wird heutzutage in immer mehr Kliniken auch per Schlüssellochtechnik (Laparoskopie oder Thorakoskopie) durchgeführt, so dass kein großer Schnitt notwendig ist und die Patienten in der Regel nach dem Eingriff schneller wieder genesen.

Neben allgemeinen Operationsrisiken wie Verletzungen von Blutgefäßen mit Blutungen und Nachblutungen, Verletzungen von Nerven oder von anderen Strukturen im Operationsgebiet sowie Infektionen, Entzündungen, Wundheilungsstörungen und einer erhöhten Gefahr einer Blutgerinnselbildung kann außerdem aus der Beschädigung des unteren Speiseröhren-Schließmuskels eine Refluxkrankheit resultieren. Im Falle der Myotomie versucht man, dies durch die oben beschriebene Fundoplikatio zu verhindern. In rund zehn Prozent der Fälle kann man den Rückfluss von Mageninhalt in die Speiseröhre allerdings dennoch beobachten.

Bei einer Achalasie sind regelmäßige Kontroll-Endoskopien aufgrund des erhöhten Risikos für einen bösartigen Speiseröhrentumor unbedingt erforderlich.

Impressum


Copyright: sanvartis GmbH
Erstellungsdatum: Oktober 2002
Autor: Dr. med. Martina Waitz
Lektorat: Melanie Wilberg
Letzte Aktualisierung: Januar 2005
Durch: Dr. med. Maria-Anna Schoppmeyer

Literatur/Leitlinien/EBM:


Consentini E.P., Wenzl E., Jakcsz R.: Behandlung der Achalasie. Wiener klinische Wochenschrift 116/9, S. 296-304 (2004).

Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag (2004).

Universitätsklinikum Heidelberg, Innere Medizin IV: Durchzugsmanometrie des Ösophagus (2004).

Siewert, J. R.: Chirurgie. Springer (7. Auflage 2001).
Anzeige
Diese Seite zu Mister Wong hinzufügen Diese Seite zu del.icio.us hinzufügen
Anzeige
Anzeige
Anzeige