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Speiseröhrenkrebs



(Ösophaguskarzinom)


Was ist Speiseröhrenkrebs?


Eine bösartige Neubildung ausgehend von Zellen der Speiseröhre bezeichnet man als Speiseröhrenkrebs. Der Fachausdruck dafür lautet Ösophaguskarzinom.

Die Speiseröhre (Ösophagus) ist ein etwa 25 Zentimeter langer und ein Zentimeter weiter, innen mit Schleimhaut überzogener Muskelschlauch, der im Schlund beginnt und den Speisebrei in den Magen transportiert. Am unteren Ende findet sich ein Schließmuskel, der verhindert, dass Magensäure in die Speiseröhre zurückfließt.

In Deutschland erkranken jedes Jahr rund 4.000 Menschen an Speiseröhrenkrebs. In anderen europäischen Ländern und in Asien kommt die Erkrankung bis zu zehnmal häufiger vor. Männer sind wesentlich häufiger betroffen als Frauen. Mit zunehmendem Alter (über 50 Jahre) steigt das Risiko, an einem Ösophaguskarzinom zu erkranken.

Wie entsteht Speiseröhrenkrebs?


Beim Speiseröhrenkrebs entarten vorwiegend die Zellen, welche die Innenseite der Speiseröhre bedecken. Von folgenden Risikofaktoren (in abnehmender Häufigkeit) ist bekannt, dass sie die Entstehung eines Ösophaguskarzinoms fördern:
  • Alkoholmissbrauch, insbesondere mit hochprozentigem Alkohol
  • Rauchen
  • Langjährige Speiseröhrenentzündung durch Rückfluss von Magensäure in dien Speiseröhre
  • Krebsauslösende Nahrungsbestandteile, z. B. gepökeltes oder geräuchertes Fleisch sowie heiße Getränke
  • Laugenverätzungen der Speiseröhre: eine Entartung ist auch nach vielen Jahren noch möglich
  • Unterernährung mit Vitamin- und Eisenmangel
  • Virusinfektionen, z. B. Papilloma-Viren
  • Achalasie (mangelnde Öffnung des unteren Speiseröhrenschließmuskels)


Welche Symptome macht Speiseröhrenkrebs?


Im Allgemeinen verursacht ein Ösophaguskarzinom zunächst keine Beschwerden. Wenn die Speiseröhre um mehr als die Hälfte eingeengt ist, kommt es in den meisten Fällen zu Schluckbeschwerden. Schmerzen beim Schlucken hinter dem Brustbein und ein Kloßgefühl sind ebenfalls häufige Symptome.

Die Verengung der Speiseröhre kann es unmöglich machen, feste Nahrung zu sich zu nehmen. Die Betroffenen verlieren manchmal mehrere Kilogramm Körpergewicht in wenigen Wochen. Liegt der Tumor im oberen Bereich der Speiseröhre, macht sich dies häufig durch Husten und Heiserkeit bemerkbar.

Zu den unspezifischen Beschwerden, die im Rahmen einer bösartigen Tumorerkrankung auftreten können, zählen Schwäche und Abgeschlagenheit, ständige Müdigkeit und ein plötzlicher Leistungsknick. Hinzu können Fieber, eine erhöhte Schweißneigung oder nächtliches Schwitzen kommen.

Wie wird Speiseröhrenkrebs festgestellt?


Zunächst führt der Arzt ein ausführliches Gespräch (Anamnese), um Informationen über den allgemeinen Gesundheitszustand zu erfragen sowie gezielte Auskünfte über die aktuellen Beschwerden und die Lebensgewohnheiten zu erhalten. Anschließend findet eine gründliche körperliche Untersuchung statt.

Ergibt sich der Verdacht auf eine Speiseröhrenerkrankung, erfolgt eine Spiegelung der Speiseröhre. (Ösophagoskopie) Diese ähnelt einer Magenspiegelung (Gastroskopie). Es wird ein flexibler Schlauch mit einer Kamera und einer Lichtquelle über den Mund eingeführt. Beim weiteren Vorschieben des Schlauches Richtung Magen wird die Innenwand der Speiseröhre beurteilt. Vor der Untersuchung erhält man gewöhnlich eine leichte Narkose.

Bei sichtbaren Auffälligkeiten der Speiseröhrenwand können mit einer kleinen Zange Gewebeproben entnommen und mikroskopisch untersucht werden. Die Untersuchung ist im Allgemeinen ungefährlich und mit wenigen Komplikationen behaftet. In seltenen Fällen kann es bei der Gewebeentnahme zu Verletzungen der Speiseröhre kommen, die Blutungen und Entzündungen nach sich ziehen. Eine sehr seltene Komplikation ist die Durchstoßung der Speiseröhre (Perforation), was am ehesten bei z. B. durch einen ausgedehnten Tumor vorgeschädigter Wand passieren kann.

Um Informationen über die Ausdehnung der Erkrankung zu erhalten, wird eine so genannte Endosonografie durchgeführt. Das ist eine Ultraschalluntersuchung, bei der eine Ultraschallsonde in die Speiseröhre eingeführt wird und so die lokale Ausdehnung des Tumors beurteilt werden kann. Demselben Zweck dient auch eine Röntgenuntersuchung der Speiseröhre mit Kontrastmittel (Ösophagus-Breischluck). Hier lassen sich oft typische Veränderungen erkennen. Außerdem werden eine Computertomografie des Brustkorbs, der Halsregion und ein Ultraschall oder eine Computertomografie des Bauchraumes durchgeführt. Besteht der Verdacht auf eine Beteiligung der Lunge, können die Bronchien gespiegelt werden (Bronchoskopie). Bei Knochenschmerzen wird eine Skelettszintigrafie durchgeführt.

Um die Entwicklung der Krebserkrankung kontrollieren zu können, muss im Rahmen der Diagnostik zu Beginn und im Verlauf der Therapie wiederholt Blut abgenommen werden. Häufig ist die Anzahl der roten (Erythrozyten) und weißen Blutkörperchen (Leukozyten) sowie der Blutplättchen (Thrombozyten) verändert. Man achtet außerdem auf typische Entzündungszeichen, die Blutgerinnung, den Eisengehalt des Blutes, verschiedene Elektrolyte wie Natrium oder Kalium sowie auf veränderte Werte bestimmter Zellenzyme.

Tumormarker sind Eiweiße, die in Krebszellen produziert werden und bei bestimmten Krebserkrankungen häufig im Blut nachweisbar sind. Sie sind allerdings nicht sehr aussagekräftig, denn sie können auch bei Gesunden vorkommen oder auch bei Entzündungen. Ihr Fehlen kann einen bösartigen Tumor außerdem nicht sicher ausschließen. Tumormarker werden deshalb nicht zur Diagnostik, sondern nur zur Verlaufskontrolle von Speiseröhrenkrebs herangezogen.

Wie wird Speiseröhrenkrebs behandelt?


Sowohl die Therapie als auch die Prognose sind entscheidend davon abhängig, in welchem Stadium sich der Tumor befindet, ob er in das umliegende Gewebe eingedrungen, Lymphknoten befallen oder schon Absiedelungen (Metastasen) in andere Organe (z. B. die Leber, Lunge) gestreut hat.

In der Behandlung einer Krebserkrankung unterscheidet man einen kurativen von einem palliativen Therapieansatz. Das Hauptziel kurativer Therapien ist die Heilung des Patienten von der Erkrankung. Dazu gehört die vollständige Entfernung des Tumors. Nach einer erfolgreichen Behandlung dürfen also keine Metastasen oder befallenen Lymphknoten mehr nachweisbar sein. Es sollte dann auch zu keinem Wiederauftreten der Krebserkrankung (Rezidiv) kommen.

Eine palliative Therapie verfolgt hingegen nicht mehr das Ziel der Heilung des Patienten, sondern die Verbesserung seiner Lebensqualität. Dazu gehören zum Beispiel die Linderung seiner Schmerzen und ggf. die Verlängerung der Lebenszeit. Palliativ behandelt man Krebserkrankungen, bei denen zu Beginn oder im Verlauf keine Aussicht mehr auf Heilung besteht.

Grundsätzlich gibt es beim Speiseröhrenkrebs folgende Behandlungsmöglichkeiten:

Endoskopische Therapie
Sehr frühe Karzinome, die auf die oberflächlichen Schleimhautschichten begrenzt sind, können endoskopisch entfernt werden. Die endoskopische Therapie ist weitaus schonender als die offene Operation und mit erheblich weniger Komplikationen verbunden. Die Methode ist bisher allerdings nur in wenigen Kliniken möglich und stellt noch keine Standardbehandlung dar.

Operation
Die Heilung der Erkrankung kann nur durch die vollständige Entfernung des Tumors erfolgen. Aufgrund des späten Auftretens von Beschwerden und der daher bereits fortgeschrittenen Tumorerkrankung können jedoch nur die Hälfte der Patienten mit einem kurativen Ziel operiert werden. Das Ausmaß der Erkrankung und die Lage des Tumors bestimmen die Erfolgsaussichten. Speiseröhrentumoren in der Nähe des Magens lassen sich aus technischen Gründen besser entfernen als Speiseröhrentumoren im Halsbereich.

Bei der Operation wird der befallene Abschnitt der Speiseröhre entfernt. Bei der gängigen Operationstechnik wird dazu der Brustkorb geöffnet, um an die Speiseröhre zu gelangen. Nach der Entfernung des erkrankten Anteils wird als Speiseröhrenersatz entweder der Magen nach oben verlagert oder ein Teil des Dickdarmes so bearbeitet, dass er zwischen restlicher Speiseröhre und Magen eingepasst werden kann.

Weil gleichzeitig Brustkorb und Bauchhöhle eröffnet werden, handelt es sich um eine anspruchsvolle und risikoreiche Operation. Erschwert wird dies, da viele Patienten durch Alkohol- und Rauchgewohnheiten Begleiterkrankungen aufweisen. Die Hauptrisiken der Operation sind Lungenentzündungen und Undichtigkeiten der Naht zwischen Speiseröhre und Speiseröhrenersatz (Magen, Dick- oder Dünndarm). Dadurch können Entzündungen des Brustraumes und des Bauchfelles auftreten. Nach dem Eingriff überwacht man die Patienten auf der Intensivstation. Als späte Komplikation kann eine narbige Enge im Bereich der Naht an der Speiseröhre auftreten.

Jeder zweite Patient muss trotz Operation damit rechnen, dass der Tumor wiederkommt oder Absiedelungen (Metastasen) in Leber, Lunge oder anderen Organen auftreten. Statistisch gesehen überlebt nach operativer Behandlung eines Speiseröhrenkrebses nur jeder vierte Patient die folgenden fünf Jahre.

In einigen Fällen kann die Speiseröhre nur über eine Eröffnung des Bauchraumes entfernt werden. Ob diese Methode schonender ist, und ob das befallene Gewebe ebenso gründlich entfernt werden kann, ist umstritten.

Selbst wenn keine Heilung erreicht werden kann, sind durch die Operation eine Verbesserung der Lebensqualität und eine Verlängerung der Lebensdauer möglich.

In Studien wird derzeit untersucht, ob durch eine Vorbehandlung des Tumors mit Bestrahlung und/oder Chemotherapie (Radiochemotherapie, alleinige Chemotherapie) für den Patienten ein besseres Operationsergebnis erreicht werden kann.

Kombinierte Radiochemotherapie
Bei der kombinierten Radiochemotherapie wird der Tumor bestrahlt und der Patient erhält zusätzlich eine Chemotherapie. Sie wird bei Patienten durchgeführt, bei denen der Tumor nicht mehr operiert werden kann sowie u. U. bei Patienten, bei denen der Tumor durch eine Radiochemotherapie verkleinert und danach operativ entfernt werden kann.

Bestrahlt wird entweder durch ein Gerät von außen, oder es werden radioaktive Stoffe direkt in die Speiseröhre eingebracht. Beide Verfahren können auch kombiniert werden. Um die Wirkung zu verbessern und Nebenwirkungen zu verringern, wird die Strahlenbehandlung in mehreren Sitzungen vorgenommen. Trotzdem kann es durch die Bestrahlung zu Schleimhautentzündungen und Hautreizungen kommen. Seltene Spätschäden sind Vernarbungen im Bereich der bestrahlten Körperregion.

Bei der Chemotherapie werden die Medikamente in die Vene verabreicht. Sie können Nebenwirkungen wie Übelkeit und Erbrechen hervorrufen. Zusätzlich kann es zu Entzündungen der Schleimhäute sowie zu Haarausfall und zur Schwächung des körpereigenen Abwehrsystems kommen. Die Nebenwirkungen verschwinden, wenn die Behandlung beendet ist.

Insbesondere bei Speiseröhrenkrebs, der keiner Operation mehr zugänglich ist, kann durch die Behandlung das Schlucken und die Nahrungsaufnahme wieder ermöglicht und die Lebensqualität verbessert werden.

Ergänzende Behandlungsformen
Es gibt Behandlungen, die Speiseröhrenkrebs zwar nicht heilen, jedoch die Lebensqualität wesentlich verbessern können.

Über eine endoskopische Aufdehnungsbehandlung (Bougierung) kann die eingeengte Speiseröhre erweitert werden, sodass eine normale Nahrungsaufnahme möglich ist. Dafür werden durch den Mund verschieden dicke Röhrchen vorgeschoben und die Engstelle Schritt für Schritt aufgedehnt. Zusätzlich kann eine Bestrahlung der verengten Speiseröhre oder eine Lasertherapie durchgeführt werden, um den Tumor zu verkleinern und so die Nahrungsaufnahme wieder zu ermöglichen. Die Behandlung muss meist in regelmäßigen Abständen wiederholt werden. Der Eingriff kann ambulant erfolgen. Verletzungen der Speiseröhre oder des Magens können, allerdings sehr selten, auftreten.

Alternativ kann ein stabiles Metallrohr (Stent) in die verengte Speiseröhre eingebracht werden, um eine erneute Verengung zu verhindern.

Um die Ernährung zu ergänzen oder sie erst möglich zu machen, kann das Einsetzen eines Ernährungsschlauches in den Magen notwendig sein. Dieser wird bei einer Magenspiegelung eingebracht und durch die Bauchdecke nach außen geleitet. Über die Sonde können spezielle Flüssignahrung und Getränke verabreicht werden.

In manchen Fällen erfolgt die Ernährung, auch zu Hause, über Infusionen in die Vene. Dazu wird in einem kleinen Eingriff ein spezieller Katheter in die Halsvenen eingebracht. Die Infusionen werden durch geschultes Personal angelegt.

Was ist zu beachten?


Auch nach erfolgreicher Behandlung kann man erst nach Jahren sicher von einer Heilung sprechen. Daher stellt die Krebserkrankung, neben den körperlichen Veränderungen, auch immer eine persönliche Krisensituation für Betroffene und Angehörige dar. Ein offener Umgang mit den entstehenden Problemen und Fragestellungen kann aber die Ungewissheit und Ängste der Betroffenen erleichtern und die Lebensqualität erhöhen.

Speiseröhrenkrebs ist eine ernste und schwer zu heilende Erkrankung. Daher sollte das Augenmerk auf der Vorbeugung der Erkrankung liegen. Insbesondere Rauchen und übermäßiger Alkoholkonsum sind für die Mehrzahl der Ösophaguskarzinome verantwortlich. Daneben sollte bei Sodbrennen oder Schluckbeschwerden rechtzeitig ein Arzt aufgesucht werden.

Die frühe Erkennung der Krebserkrankung verbessert die Aussichten auf Heilung.

Impressum


Copyright: sanvartis GmbH
Erstellungsdatum: Januar 2001
Autor: Dr. med. Martina Modrack
Letzte Aktualisierung: April 2005
Durch: Dr. med. Maria-Anna Schoppmeyer

Literatur/Leitlinien/EBM:


Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag (2004).

Mühr-Wilkenshoff F., Stahl M., Faiss S., Zeitz M., Scherübl H.: Aktuelle Diagnostik und Therapie des Ösophaguskarzinoms. Zeitschrift für Gastroenterologie 42, S. 615-621 (2004).

Geissler M., Schwacha H., Usadel H., Harder J., Opitz O. Arnold C. Mohr L., Blum H.E.: Ösophaguskarzinom - Nicht-chirurgische Therapie. X. Gastroenterologische Seminarwoche Titisee (2004).

Ell, Ch. et al:: Kurative endoskopische Therapie früher Adenokarzinome der Speiseröhre.
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Hasse, F. M.: Klinikleitfaden Chirurgie. Urban & Fischer (3. Auflage 2002).

Seeber, S.: Therapiekonzepte Onkologie. Springer (2002).

Müller, M.: Chirurgie. Medizinische Verlags- und Informationsdienste (2002/2003).

Deutsche Krebsgesellschaft: Kurzgefasste Interdisziplinäre Leitlinien 2002 (3. Auflage 2002).

Becker, H. D.: Chirurgische Onkologie. Thieme (2001).

Siewert, J. R.: Chirurgie. Springer (7. Auflage 2001).

Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF),
Deutsche Krebsgesellschaft und der Deutsche Gesellschaft für Chirurgie: Ösophaguskarzinom.
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