Laktose-Intoleranz
(Laktase-Mangel; Milchzucker-Unverträglichkeit)
Was ist Laktose, und was ist Laktose-Intoleranz?
Der deutsche Begriff für Laktose ist Milchzucker. Es, Wie der Name andeutet, handelt es sich um den Zucker, der natürlicherweise in der Milch vorkommt. Er setzt sich aus zwei Zuckermolekülen zusammen, nämlich aus Galaktose (Schleimzucker) und Glukose (Traubenzucker). Das Enzym Laktase, das bei jedem Gesunden im Dünndarm vorkommt, spaltet die Laktose in ihre beiden Bestandteile, die so über die Darmschleimhaut ins Blut aufgenommen werden können.
Nicht jeder Mensch ist in der Lage, Laktose abzubauen und zu verwerten. Bei der Laktose-Intoleranz (Milchzucker-Unverträglichkeit) liegt ein Mangel des Enzyms Laktase vor: In Folge dessen kann die Laktose im Dünndarm nicht gespalten und auf natürliche Weise verdaut werden.
Der Milchzucker gelangt dann unverdaut in den Dickdarm, wo er von Bakterien aufgenommen und zu Milchsäure, Essigsäure, und verschiedenen Gasen wie Methan und Kohlendioxid verstoffwechselt wird. Diese Stoffe führen zu den für die Laktoseintoleranz typischen Beschwerden. Nach dem Genuss von Milch und Milchprodukten leiden die Betroffenen unter Völlegefühl, Bauchkrämpfen, Blähungen und Durchfall.
Wie häufig ist die Laktose-Intoleranz?
Die Laktose-Intoleranz tritt weltweit auf, allerdings mit erheblichen regionalen Unterschieden. So sind nach Schätzungen etwa 95 Prozent der Schwarzafrikaner betroffen. Milchzucker-Unverträglichkeit ist auch in den arabischen Ländern, vor allem in Syrien (etwa 70 Prozent), sowie in Asien, und da insbesondere in China (ca. 90 Prozent der Bevölkerung), häufig. Aus diesem Grund verzichtet die asiatische Küche gänzlich auf Milch und Milchprodukte.
Etwa 15 bis 20 Prozent der Europäer und weißen Amerikaner haben einen Laktase-Mangel. Die Zahl hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Durch bessere Aufklärung und Information von Ärzten, Medizinern und Betroffenen werden Menschen mit Magen-Darm-Beschwerden immer gezielter auf die Laktose-Intoleranz hin untersucht. Damit wird eine hohe Dunkelziffer an laktoseintoleranten Menschen, die vielleicht seit Jahren bis Jahrzehnten an ihrer bislang unentdeckten Nahrungsmittel-Unverträglichkeit leiden, mehr und mehr aufgedeckt.
Was ist die Ursache für die Laktose-Intoleranz?
Es gibt verschiedene Formen von Laktose-Intoleranz.
Am häufigsten ist die primäre Laktose-Intoleranz. Der Enzym-Mangel ist bei dieser Form angeboren. Typischerweise verringert sich die Aktivität der Laktase im Laufe des Lebens, bei den meisten Betroffenen bereits in den ersten Lebensjahren.
Aber auch in höherem Alter entwickeln viele Menschen eine Milchzucker-Unverträglichkeit. Der Grund dafür ist, dass mit zunehmendem Alter manche körpereigenen Stoffe wie Enzyme weniger gebildet werden.
Die Milchzucker-Unverträglichkeit kann aber auch durch bestimmte Darmkrankheiten verursacht werden. Der Enzym-Mangel tritt dann als Begleiterscheinung dieser Erkrankung auf und wird als sekundäre Laktose-Intoleranz bezeichnet. Ursachen sind z. B. entzündliche Darmerkrankungen wie die Einheimische Sprue (Zöliakie) oder der Morbus Crohn. Aber auch durch eine Therapie mit Antibiotika (Bakterien abtötenden Mitteln) oder Zytostatika (Zellgiften) kann der Darm so geschädigt werden, dass es zu einer Laktose-Intoleranz kommt.
Sehr selten ist der so genannte kongenitale Laktase-Mangel. Er ist angeboren und genetisch (erblich) bedingt. Bereits kurz nach der Geburt leiden die Säuglinge unter schweren, durch den zumeist kompletten Laktase-Mangel, verursachten Beschwerden.
Welche Beschwerden verursacht die Laktose-Intoleranz?
Die Beschwerden treten entweder unmittelbar oder einige Stunden nach dem Genuss von Milch beziehungsweise laktosehaltigen Lebensmitteln auf. Leitsymptome sind Bauchschmerzen, Unwohlsein, Durchfälle und Blähungen. Werden nur kleine Mengen an Milchzucker verzehrt, sind die Beschwerden oftmals weniger stark ausgeprägt.
In vielen Lebensmitteln, wie zum Beispiel Wurstwaren oder Saucen, kann Laktose enthalten sein, ohne dass dies für den Verbraucher erkennbar ist. Deshalb nimmt der Betroffene den Zusammenhang zwischen der Aufnahme von Milchzucker und dem Auftreten seiner Beschwerden manchmal gar nicht wahr.
Neben diesen Hauptsymptomen können auch unspezifische Beschwerden wie Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit oder Hautprobleme vorkommen. Welche Beschwerden und wie stark sie auftreten, ist individuell sehr unterschiedlich und hängt unter anderem auch von der Schwere des Laktase-Mangels ab.
Wie wird die Milchzucker-Unverträglichkeit erkannt?
Oft merkt der Betroffene selbst, dass er bestimmte Nahrungsmittel, die Milch enthalten, nicht verträgt. Das Auftreten der Beschwerden nach Milchaufnahme und die Beschwerdefreiheit, wenn Milch und Milchprodukte vollständig gemieden werden (Milchkarenz), sind somit für die Diagnose richtungsweisend.
Sind die oben genannten Beschwerden nur mäßig ausgeprägt oder fehlt das unmittelbare Auftreten der Symptome nach dem Essen, kann der Arzt mit Hilfe verschiedener Tests die Laktose-Intoleranz feststellen oder aber ausschließen. Dazu gehören:
Laktose-Toleranztest
Beim so genannten Laktose-Toleranztest erhält der Patient 50 Gramm reinen Milchzucker, den er mit etwas Wasser trinken muss. Wenn er eine Laktose-Intoleranz hat, steigt daraufhin sein Blutzuckerspiegel nicht oder nur gering an, da die Laktose im Darm nicht gespalten werden konnte. Oft treten dann auch Beschwerden wie Bauchschmerzen oder Rumpeln im Bauch auf.
H2-Atemtest
Nachdem er die Laktoselösung getrunken hat, atmet der Betroffene vermehrt Wasserstoff (H2) ab. Der Grund dafür ist, dass seine Darmbakterien den unverdauten (nicht gespaltenen) Milchzucker in Wasserstoff umgewandelt haben. Ein Gerät, in das der Patient hinein atmet, kann den Wasserstoffgehalt in seiner Ausatemluft messen.
Was kann man bei Laktose-Intoleranz tun?
Die Laktose-Intoleranz kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht ursächlich behandelt werden. Deshalb ist es am sinnvollsten, größtenteils oder vollständig auf Milch und alle Milcherzeugnisse zu verzichten. Mit anderen Worten: Wer laktoseintolerant ist, sollte lebenslang eine laktosearme oder laktosefreie Diät einhalten.
Dies bedeutet, dass zum Beispiel Vollmilch, Kondensmilch, Buttermilch, Trockenmilchpulver und Schlagsahne aus dem Speiseplan gestrichen oder nur noch in geringen Mengen verzehrt werden dürfen. Milchprodukte wie Käse, Joghurt, Quark, Schokolade, Milcheis, Puddings und Cremespeisen sollten Laktose-Intolerante ebenfalls meiden.
Milchzucker ist außerdem in Butter sowie in verschiedenen Teigwaren wie Milchbrötchen und Gebäck sowie in Kuchen und Torten enthalten. Für den Verbraucher oft leider nur wenig erkenntlich, findet sich Laktose in einigen Wurstwaren, Fertiggerichten, Salatdressings und Süßstoffen. Häufig wird Laktose auch Medikamenten zugesetzt, so dass man vor der Einnahme von Arzneimitteln gründlich den Beipackzettel lesen und den Arzt oder Apotheker nach laktosefreien Medikamenten fragen sollte.
Bei einer milchfreien Diät muss immer berücksichtigt werden, dass Milch und Milchprodukte einen hohen Anteil an Kalzium enthalten, welches für den Knochenbau sehr wichtig ist. Man sollte deshalb darauf achten, Kalzium aus anderen Lebensmitteln zu beziehen. So besitzen beispielsweise Brokkoli, Grünkohl, Tomaten, Tofu und Sojaprodukte viel Kalzium. Auch Kalziumzusätze in Pulver- oder Brausetablettenform sind eine Möglichkeit, den täglichen Kalziumbedarf zu decken.
Eine Alternative zur Kuhmilch ist die rein pflanzliche und damit milchzuckerfreie Sojamilch. Auch Kokosmilch ist frei von Laktose und wird deshalb gern in der asiatischen Küche verwendet.
Des Weiteren sind seit einigen Jahren in Deutschland Medikamente erhältlich, die das Enzym Laktase enthalten. Diese können in Tabletten- oder Kaudragee-Form unmittelbar vor dem Verzehr milchhaltiger Nahrung eingenommen werden. Man bekommt sie rezeptfrei in Apotheken, teilweise auch in Reformhäusern. Wie viele Tabletten man nehmen muss, ist jedoch sehr unterschiedlich. Dies hängt zum einen vom Laktose-Gehalt der Mahlzeit und zum anderen von der Schwere der Laktose-Intoleranz ab. Es empfiehlt sich, dass jeder Einzelne dies für sich selbst herausfindet und austestet, am Besten in enger Zusammenarbeit mit seinem behandelnden Arzt.
Zunehmend gibt es in Reformhäusern, vereinzelt auch in Supermärkten, laktosefreie Milch und Milchprodukte. Daneben werden auch direkt mit Laktase angereicherte Milch und Milcherzeugnisse angeboten.
Impressum
Copyright: sanvartis GmbH
Erstellungsdatum: Juni 2002
Autor: Dr. med. Martina Waitz
Letzte Aktualisierung: September 2005
Durch: Ulrich Kraft und Dr. med. Dirk Nonhoff (Facharzt für Allgemeinmedizin)
Literatur/Leitlinien/EBM:
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