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Leistenbruch



(Inguinalhernie)


Was ist ein Leistenbruch?


Hernien werden im Volksmund auch als Brüche bezeichnet. Bei einem Bruch wölbt sich Bauchinhalt (z. B. Darmteile) durch eine Lücke in der Bauchdecke nach außen vor. Der Leistenbruch (Inguinalhernie) ist die häufigste Bruchform und findet sich bei vier Prozent aller Menschen. In der Leiste lässt sich dann unter der Haut eine Schwellung tasten, je nach Größe kann man sie auch sehen. Kleine Leistenbrüche können sich auch nur durch ziehende oder drückende Schmerzen in der Leiste bemerkbar machen.

Leistenbrüche können angeboren oder erworben sein. Über 70 Prozent der Betroffenen sind Männer. Während der Entwicklung im Mutterleib wandern die Hoden aus der Bauchhöhle durch den Leistenkanal in den Hodensack. In diesem Bereich verbleibt somit lebenslang eine Schwachstelle, die sich leicht zur Bruchlücke erweitern kann. Erworbene Brüche entstehen als Folge von erhöhtem Druck in der Bauchhöhle. Bei schwerer körperlicher Arbeit wird oft stark "in den Bauch hinein" gepresst.

Ähnlich wirkt sich das Pressen bei Verstopfung oder das Husten bei chronischer Bronchitis aus. Auch wenn das Volumen des Bauchinhalts sich vergrößert, z. B. während einer Schwangerschaft oder bei Bauchwasser (Aszites) sowie im Rahmen von Tumorerkrankungen, kann sich durch den Druck die vorher schwache Stelle in der Leiste weiten, so dass ein Bruch entsteht.
Auch im Kindesalter ist der Leistenbruch die häufigste chirurgische Erkrankung, wobei Jungen fünfmal häufiger betroffen sind als Mädchen.

Wie wird ein Leistenbruch festgestellt?


Bei Neugeborenen fällt beim Schreien oder Pressen meist eine Vorwölbung in der Leiste auf. Erwachsene verspüren manchmal nur ziehende Schmerzen in der Leiste, insbesondere beim Gehen und Sitzen, gelegentlich bemerkt man auch hier eine Vorwölbung in der Leiste.

Die Diagnose wird durch eine Untersuchung beim Arzt (beim Hausarzt oder Kinderarzt, ggf. beim Chirurgen) bestätigt. Im Stehen bittet der Arzt den Patienten zu pressen oder zu husten, damit der Bruchsack an seiner Austrittsstelle sichtbar wird oder zu tasten ist. Beim Abhorchen des Bruches mit dem Stethoskop können Darmgeräusche zu hören sein.

Nur wenn ein Leistenbruch nicht sicher festgestellt werden kann oder der Verdacht auf Veränderungen in der Bauchhöhle besteht, sind weitere Untersuchungen wie eine Ultraschalluntersuchung (Sonografie), Röntgenaufnahmen des Darmes mit Kontrastmittel oder eine Computertomografie notwendig.

Welche Komplikationen kann ein Leistenbruch verursachen?


Jeder Leistenbruch kann einklemmen, d. h. der Bauchinhalt kann nicht mehr durch die Bruchlücke in die Bauchhöhle zurückgleiten. In dem Fall der Einklemmung kann sich ein lebensbedrohlicher Darmverschluss entwickeln und durch Abschnüren der Darmdurchblutung zu einem Absterben von Darmanteilen führen. Jede Einklemmung muss sofort beseitigt werden.

Gelingt es dem Arzt nicht, die Einklemmung zu lösen, muss die sofortige Operation erfolgen. Auch nach dem Lösen einer Einklemmung sollte der Bruch möglichst schnell (innerhalb der ersten 48 Stunden) operiert werden. Durch diese Komplikationen wird der harmlose Leistenbruch zu einer lebensbedrohlichen Erkrankung. Um diese Gefahr zu vermeiden, sollten alle Leistenbrüche frühzeitig behandelt werden.

Wie wird ein Leistenbruch behandelt?


Im Säuglingsalter wird ein Leistenbruch wegen möglicher Komplikationen direkt nach der Diagnosestellung operativ behandelt. Grundsätzlich sollte man aber jeden Leistenbruch unabhängig vom Alter operieren. Eine Ausnahme sind Menschen, bei denen aufgrund anderer schwerer Erkrankungen ein erhöhtes Operationsrisiko besteht. In diesen Fällen sollte der Leistenbruch nur bei Komplikationen, z. B. einer Einklemmung, Größenzunahme oder starken Beschwerden operiert werden. Ein Bruchband, also eine Bandage, die das Austreten von Darm durch die Lücke in den Bruchsack verhindert, wird heutzutage aufgrund der mangelnden Wirksamkeit nur noch in Ausnahmefällen verwendet. Langfristig schwächt dieses Verfahren die ohnehin schwache Bauchdecke noch mehr.

Es gibt verschiedene Operationsverfahren. Ziel jeder Operation ist es, die Bruchlücke dauerhaft zu verschließen. Der Erfolg einer Operationsmethode wird daran gemessen, wie häufig ein Bruch nachher wieder auftritt (Rezidiv). Auch viele Jahre nach einer Operation kann sich ein Rezidiv entwickeln.

Am häufigsten wird ein Leistenbruch von außen durch einen Hautschnitt operiert. Dazu legt der Chirurg den Leistenbruch frei, entfernt das überflüssige Bauchfell (den "Bruchsack") und vernäht die Bauchdecke in mehreren Schichten. Um eine höhere Stabilität zu erreichen und ein erneutes Einreißen zu verhindern, verstärkt er bei den Techniken nach Shouldice oder Bassini die Nahtstelle im Leistenkanal durch das Einnähen von Muskulatur oder Bindegewebe. Diese Methode wird bei kleineren Leistenbrüchen und jüngeren Patienten bevorzugt angewandt. Um ein Wiederauftreten des Bruches zu verhindern, kann bei der Operation auch ein kleines Kunststoffnetz über die Bruchstelle gelegt werden (Lichtenstein-Operation). Es verwächst nach dem Eingriff mit seiner Umgebung und stabilisiert die Bauchwand zusätzlich. Diese Methode wird bei größeren Brüchen angewandt, ebenso wenn das Bindegewebe älterer Patienten um die Bruchstelle herum nicht sehr belastbar ist.

Seit einigen Jahren gibt es auch die Versorgung des Leistenbruches "von innen" durch eine Bauchspiegelung (Laparoskopie). Sie kommen vor allem bei wiederholten Brüchen an der voroperierten Stelle zum Einsatz. Durch kleine Löcher wird eine Kamera an einer Sonde ins innere der Bauchhöhle eingeführt. Die Bilder aus dem Bauchraum verfolgt der Chirurg dann auf einem Monitor. Mit Hilfe mehrerer Sonden wird die Bruchlücke verschlossen. Bei dieser Operationstechnik wird immer ein Kunststoffnetz eingebracht. Es wird entweder innerhalb des Bauchfells oder an seiner Außenseite über die Bruchpforte gelegt und dort fixiert. Die Ergebnisse sind für die ersten Jahre nach der Operation sehr gut, da es selten zu Rezidiven kommt. Ob die Verwendung von Kunststoffnetzen, die ein Leben lang im Körper verbleiben, nach Jahren zu Problemen führen kann, kann noch nicht abschließend beantwortet werden.

Laparoskopische Operationen werden grundsätzlich in Vollnarkose durchgeführt, bei den offenen Methoden sind auch Lokal- oder Regionalbetäubungen möglich. Abhängig vom Operationsverfahren, von zusätzlichen Erkrankungen, dem Alter und der häuslichen Versorgung kann eine Leistenbruch-Operation manchmal auch ambulant durchgeführt werden. In der Regel bleibt der Patient allerdings für einige wenige Tage stationär im Krankenhaus. Bei einem Leistenbruch ohne Einklemmungszeichen kann der Patient den Operationszeitpunkt frei bestimmen und planen, da kein lebensbedrohlicher Zustand vorliegt.

Welche Risiken gibt es?


Während der Operation besteht beim Mann die Gefahr den Samenstrang oder die Blutgefäße in der Leiste zu verletzen. Wird die Blutversorgung zum Hoden eingeengt, kann es nach der Operation zum Schrumpfen des Hodens kommen. Beide Komplikationen treten etwa bei einer von hundert Operationen auf, können aber die Fruchtbarkeit (Zeugungsfähigkeit) der Betroffenen einschränken. Bei einer Bauchspiegelung kann es in sehr seltenen Fällen zu einer Verletzung innerer Organe kommen.

Es bestehen weiterhin die allgemeinen Risiken einer Operation wie Narbenbildung, Entzündung der Wunde oder Verletzung von feinen Nervenästen.

Insgesamt ist die Operation aber heutzutage komplikationsarm und recht ungefährlich. Mit 200.000 Leistenbruchoperationen pro Jahr ist sie die häufigste Operation der Bauchchirurgie in Deutschland.
Insgesamt besteht nach der Operation ein Risiko von ein bis fünf Prozent, dass an gleicher Stelle wieder ein Bruch auftritt.

Was ist bei einem Leistenbruch zu beachten?


In den ersten Tagen nach der Operation wird körperliche Schonung zur Förderung der Wundheilung empfohlen. Häufiges Gehen zur Vorbeugung von Blutgerinnseln (z. B. Beinvenenthrombosen) ist jedoch erwünscht. Auch nach Entfernung der Hautfäden oder Klammern sollte man für mindestens vier Wochen auf starke körperliche Belastung verzichten. Sportarten wie z. B. Schwimmen können nach Abheilen der Wunde rund zwei Wochen nach der Operation in Maßen betrieben werden.

Die Dauer der erforderlichen Schonung ist allerdings von Person zu Person verschieden. Wann man wieder arbeiten gehen kann, hängt hauptsächlich von der Belastung im ausgeübten Beruf und den verbliebenen Wundschmerzen ab. Einen absolut sicheren Weg, einem erneuten Leistenbruch vorzubeugen, gibt es allerdings nicht.


Literatur/Leitlinien/EBM:



Hasse, H. M.: Klinikleitfaden Chirurgie. Urban & Fischer (3. Auflage 2002).

Rixen, D. / Münster, A.: Chirurgie-Skript Merheim: "Leistenhernien (1998).

Schumpelick, V.: Chirurgie des Leistenbruchs. Langenbecks Arch Chir 1983; 361: 297-304

Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie: Leistenhernie (Letzte Aktualisierung: September 2002).
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