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Lungenemphysem



(Lungenblähung)


Was ist ein Lungenemphysem?


Die Atemwege leiten die Atemluft vom Nasen-Rachen-Raum in die Lungen. Die sich an den Kehlkopf anschließende Luftröhre teilt sich im Verlauf zunächst in zwei Hauptäste, die Hauptbronchien. In ihrem weiteren Verlauf verästelt sich das System immer feiner wie die Zweige eines Baumes, die kleinsten Äste sind die terminalen Bronchiolen. Schließlich gehen die Atemwege in Form der Lungenbläschen in das eigentliche Lungengewebe über; hier findet der Gasaustausch statt.

Eine Erweiterung der Lufträume hinter den terminalen Bronchiolen bezeichnet man als Lungenemphysem. Die Lunge wirkt insgesamt überbläht. Dieser Zustand ist irreversibel, d. h. nicht mehr umkehrbar. In den erweiterten Räumen findet kein Gasaustausch mehr statt, so dass ein Lungenemphysem mit einer eingeschränkten Lungenfunktion einhergeht.

Welche Ursachen hat diese Erkrankung?


Eine geringe Erweiterung der Lufträume fern der terminalen Bronchiolen der Lunge ist eine normale Alterserscheinung, die keinen Krankheitswert besitzt. Anders als bei diesem Altersemphysem schreiten die so genannten sekundären Emphyseme mit krankhaftem Hintergrund durch anhaltend einwirkende Schädigungen von außen fort und beeinträchtigen die Atemfunktion immer mehr. Die mit Abstand häufigste Ursache ist die durch Zigarettenrauchen verursachte Schädigung der Atemwege. Folgen sind die Chronisch Obstruktive Bronchitis (COPD) und das Lungenemphysem. Auch ein Asthma bronchiale kann zu einem Lungenemphysem führen.

Bestimmte Enzyme, so genannte Proteasen, können das Lungengewebe so schädigen, dass es zu einer Überblähung der Lunge kommt. Als Folge eines angeborenen Mangels an dem Protein Alpha-1-Antitrypsin, einem Protease-Hemmer, kann ein Lungenemphysem entstehen.

Seltener überdehnt sich das Lungengewebe in der Umgebung schrumpfender Lungenbereiche (Narbenemphysem) oder nach der operativen Entfernung eines Teils der Lunge infolge der Ausdehnung der Restlunge (Überdehnungsemphysem).
3 Wie äußert sich ein Lungenemphysem?
Unterschieden wird aus medizinischer Sicht zwischen zwei charakteristischen Emphysemtypen: dem "Pink Puffer" und dem "Blue Bloater". Während Patienten, die dem Typ Pink Puffer entsprechen, normal- bis untergewichtig sind und unter starker Atemnot leiden, sind die so genannten Blue Bloater übergewichtig, leiden unter einem schweren Sauerstoffmangel sowie unter Husten mit Auswurf. Der Mangel an Sauerstoff macht sich vor allem durch eine Blaufärbung der Fingernägel und Lippen bemerkbar. Die Gefahr, dass es zu einem Lungenhochdruck kommt, das rechte Herz zunehmend geschwächt wird und sich eine Insuffizienz des rechten Herzens entwickelt, ist beim Blue Bloater besonders groß.

Die Überblähung der Lungen verändert die Form des Brustkorbs, der mit der Zeit die Gestalt eines Fasses annimmt (Fassthorax). Die Rippen verlaufen horizontal, es zeichnen sich kleine Hautvenen im Bereich des Rippenbogens ab und die Schlüsselbeingruben erscheinen gebläht. Die Beweglichkeit des Brustkorbs wird durch die Vergrößerung der Lunge immer mehr eingeschränkt und die Atmung vor allem beim Ausatmen behindert. Die Luft wird dann oft durch die Lippen gepresst. Der zunehmende Sauerstoffmangel und eine oft auch gleichzeitige Erhöhung von Kohlendioxid im Blut führen zu einer fortschreitenden Minderversorgung aller Organe. Die Betroffenen haben oft Kopfschmerzen, sind müde, geschwächt und immer weniger belastbar.

Wie wird die Diagnose gestellt?


Die oben beschriebenen typischen Beschwerden und das Erscheinungsbild des Betroffenen lenken den Verdacht auf eine Lungenblähung. Meist sind Emphysematiker starke Raucher oder berichten über eine langjährige Lungenerkrankung wie Asthma bronchiale oder eine chronische Bronchitis.

Der Arzt klopft den Brustkorb ab und hört mit dem Stethoskop die Atemgeräusche, die meist leiser sind als normal. Eine Röntgenaufnahme des Brustkorbs bestätigt die Diagnose. Auf dem Röntgenbild sieht man die vergrößerten Lungen, die zum Teil andere Organe wie das Herz oder andere Strukturen wie das Zwerchfell in ihrer Lage verdrängen. Auch lassen die überblähten Lungen viel mehr Strahlen durch als normales Lungengewebe.

Eine hochauflösende Computertomografie als bildgebendes Verfahren weist ein Lungenemphysem am genauesten nach. Mit einer Lungenfunktionsprüfung kann man feststellen, wie weit die Überblähung der Lunge die Atemfunktion bereits eingeschränkt hat. Oft sind weitere Untersuchungen wie Blutproben notwendig, um den Sauerstoff- und Kohlendioxidgehalt des Blutes zu bestimmen oder einen angeborenen AAT-Mangel (Enzymmangel) auszuschließen.

Wie kann man ein Lungenemphysem behandeln?


Zunächst ist es wichtig, alle auslösenden Faktoren zu meiden - insbesondere das Rauchen, um das Fortschreiten des Emphysems zu verhindern. Der Wohn- und Arbeitsraum sollte frei von Staub und anderen die Atemwege reizenden Stoffen sein. Infekte der Bronchien müssen frühzeitig und konsequent behandelt werden. Eine vorbeugende Impfung gegen die Virusgrippe (Influenza) ist sinnvoll.

Die Beschwerden, die das Emphysem verursacht, können mit Medikamenten gelindert werden. Die Therapie orientiert sich dabei an dem so genannten Drei-Stufen-Schema, das auch bei der chronischen Bronchitis angewendet wird. Je nach vorliegenden Beschwerden kommen dabei Bronchien erweiternde und entzündungshemmende Medikamente zum Einsatz.

Atemwegs-Erweiterung (Bronchodilatation)
Zu den Medikamenten, die die Atemwege erweitern, zählen die sog. Beta-2-Sympathomimetika, die Parasympatholytika (Anticholinergika) und das Theophyllin.

Diese Medikamente wirken sehr schnell. Manchmal ist eine längerfristige Basismedikation erforderlich, die man auch in Form von Tabletten einnehmen kann. Um die Medikation dem Bedarf anpassen zu können, ist die regelmäßige Kontrolle durch den behandelnden Lungenfacharzt erforderlich.
Nebenwirkungen dieser Medikamente treten v. a. bei längerfristiger und hochdosierter Einnahme auf wie Herzklopfen, innere Unruhe und Blutdruckerhöhung. Bei der Einnahme von Theophyllin treten gelegentlich u. a. allergische Reaktionen und Magen-Darm-Beschwerden auf.

Hemmung der Entzündungsreaktion
Medikamente, die das Immunsystem hemmen, können die entzündungsbedingte Überempfindlichkeit der Bronchialschleimhaut herabsetzen.

Hauptsächlich kommt Kortison zum Einsatz, ein im Körper selbst vorkommendes Hormon der Nebenniere, welches unter anderem die Entzündungsreaktion hemmt. Nebenwirkungen des Kortisons, die den Stoffwechsel und die allgemeine Abwehrlage betreffen, treten erst bei höherer Dosierung und längerfristiger Einnahme auf. Dazu zählen unter anderem Hauterscheinungen wie Akne sowie ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung eines grauen Stars, eines Knochenschwundes (Osteoporose) oder von Magengeschwüren.

Zu Beginn der Behandlung wird meist nur eine sehr geringe Menge Kortison eingeatmet (Dosieraerosol, Spray). Die Nebenwirkungen beeinträchtigen nicht den Gesamtorganismus, allerdings kann es zu Pilzinfektionen im Mund kommen. Deshalb sollte der Betroffene nach der Inhalation des Sprays immer etwas trinken und für eine gute Mundhygiene sorgen.

Weitere Maßnahmen
Besteht ein Infekt der Atemwege, kann eine Antibiotika-Therapie zum Abtöten der Erreger und zur schnelleren Ausheilung sinnvoll sein. Wichtig ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, um dem zähen Hustenschleim entgegen zu wirken. Gegebenenfalls können zusätzlich schleimlösende Mittel gegeben werden.

Bei der Therapie des Lungenemphysems empfiehlt sich außerdem eine regelmäßige Atemgymnastik und das Erlernen einer speziellen Atemtechnik, um die Muskulatur zu stärken und somit besser Luft zu bekommen.

Liegt bereits ein schweres Lungenemphysem vor, so ist oft auch die Gabe von Sauerstoff, z. B. über eine Nasensonde, notwendig. Bei Emphysematikern, die unter einem Sauerstoffmangel leiden, verbessert die Langzeittherapie mit Sauerstoff nachweislich die Überlebensdauer.

Operative Behandlung
Bei einigen Emphysematikern ist ein operatives Eingreifen sinnvoll, bei dem Teile der Lunge entfernt werden. So kann sich die Lungenfunktion möglicherweise verbessern. Ist die Lunge in einem so hohen Maße geschädigt, dass der Körper nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird, ist die letzte Möglichkeit eine Lungentransplantation.

Die operative Therapie setzt meist allerdings einen stabilen Allgemeinzustand voraus, so dass sie für schwerkranke Patienten mit zusätzlichen gesundheitlichen Einschränkungen wie einer Herzschwäche ein sehr hohes Risiko darstellen, und der Arzt deshalb zusammen mit dem Patienten Nutzen und Risiken sehr sorgfältig abwägen muss.


Literatur/Leitlinien/EBM:



Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag (2005).

Lorenz, J.: Checkliste Pneumologie. Thieme (2.Aufl. 2003).
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