Legionellose
(Legionärskrankheit; Veteranenkrankheit)
Was ist Legionellose?
Die Legionellose ist eine umweltbedingte Infektionskrankheit, die durch bestimmte Bakterien, die Legionellen, ausgelöst wird. Sie äußert sich vor allem bei alten und abwehrgeschwächten Menschen mit einer schweren fieberhaften Erkrankung der Atemwege bis hin zu einer Lungenentzündung.
Die Krankheit trat erstmals im Jahr 1976 bei einem Treffen von Kriegsveteranen in Philadelphia/USA auf und wird aus diesem Grund auch als Legionärskrankheit oder Veteranenkrankheit bezeichnet. Auch hierzulande kommt die Erkrankung vor; etwa ein bis zwei Prozent aller im Krankenhaus behandelten Lungenentzündungen sind durch Legionellen verursacht.
Legionellen vermehren sich im Süßwasser innerhalb von Einzellern wie z. B. den Amöben bei Temperaturen zwischen 20 bis 55 °C. Unter 20 °C vermehren sie sich nicht mehr, ab 60 °C sterben sie ab.
Wie wird die Erkrankung übertragen?
Durch das Einatmen bakterienhaltiger Luft aus Wasseranlagen wie z. B. Klimaanlagen, Kühltürmen, Whirlpools oder Inhalationsgeräten kann man sich mit Legionellen anstecken. In gemeinschaftlich genutzten Einrichtungen wie Hotels und Schwimmbädern (vor allem in Whirlpools, Duschen und klimatisierten Räumen) kann sich die Erkrankung rasch ausbreiten und Masseninfektionen (Epidemien) verursachen.
Auch in Krankenhäusern besteht die Gefahr sich anzustecken. Besonders gefährdet sind abwehrgeschwächte Patienten. Direkt von Mensch zu Mensch kann die Legionellose allerdings nicht übertragen werden. Bei gesunden Menschen besteht auch beim Trinken von legionellenhaltigem Wasser keine Infektionsgefahr.
Wie äußert sich Legionellose?
Gesunde bemerken die Infektion mit Legionellen in den meisten Fällen gar nicht. Ihr Immunsystem kann die Erreger so gut bekämpfen, dass die Erkrankung nicht ausbricht. Dies ist bei 90 Prozent aller Infektionen der Fall.
Vor allem bei alten und abwehrgeschwächten Menschen führt die Krankheit aber zu Beschwerden. Die Legionellose kann in Form zwei verschiedener Krankheitsbilder auftreten: Dem eher harmlosen Pontiac-Fieber und der klassischen Legionellose.
Das Pontiac-Fieber macht sich nach ein bis zwei Tagen mit grippeähnlichen Symptomen bemerkbar. Obwohl die Betroffenen sich schwer krank fühlen, erholen sie sich normalerweise auch ohne Behandlung innerhalb von fünf Tagen vollständig.
Die Infektion kann aber auch einen schwereren Verlauf nehmen und eine atypische Lungenentzündung - die Legionellen-Pneumonie - verursachen. Nach zwei bis zehn Tagen äußert sich die Legionärskrankheit dann mit hohem Fieber, Schüttelfrost, Kopf- und Muskelschmerzen, trockenem Husten und Brustschmerzen. Oft kommen Magen-Darm-Beschwerden mit Durchfällen, gelegentlich auch Schwindel und Verwirrtheit hinzu.
Gefährdet sind auch Patienten in Krankenhäusern, vor allem diejenigen, die beatmet werden. Auch bei Diabetikern (Zuckerkranken), starken Rauchern und Alkoholabhängigen nimmt die Legionellen-Infektion oft einen schweren Verlauf.
Eine gefürchtete Komplikation der Legionellen-Pneumonie ist das Nierenversagen.
Wie wird die Erkrankung diagnostiziert?
Wichtig ist, überhaupt an die Legionellose zu denken, wenn so uncharakteristische Symptome wie Fieber, Husten und Brustschmerzen auftreten. Falls man sich in Hotels, Schwimmbädern und Whirlpools, oder auch in der Nähe von Kühlanlagen aufgehalten hat, sollte man dies unbedingt dem Arzt mitteilen.
Aus Speichel, Bronchialsekret, Blut oder Urin lässt sich der Erreger der Legionärskrankheit nachweisen. Mit spezielleren Untersuchungen (z. B. ELISA) können im Urin des Erkrankten Legionella-Antigene nachgewiesen werden und so die Diagnose einer Legionellose eindeutig gestellt werden. Weiterhin können auch Antikörper gegen die Legionellen sowie deren Erbmaterial (DNA) ermittelt werden.
Um die Schwere der Erkrankung zu beurteilen, werden weitere Untersuchungen, wie z. B. Röntgenaufnahmen der Lungen, durchgeführt.
Wie sieht die Behandlung aus?
Schon beim Verdacht auf eine Legionellose sollte man die Therapie mit einem Antibiotikum beginnen.
Antibiotika sind Medikamente, die Bakterien abtöten und damit deren weitere Ausbreitung im Körper verhindern. Erythromycin ist bei der klassischen Legionellose das Antibiotikum der ersten Wahl. Mit Antibiotika aus der Gruppe der Makrolide oder der Fluorchinolone (ggf. zusätzliche Gabe von Rifampicin) lassen sich die Legionellen auch bei komplizierteren Verläufen gut bekämpfen.
Als unerwünschte Wirkungen der Antibiotika kann es zu allergischen Reaktionen, Mundtrockenheit, Übelkeit und Magen-Darm-Beschwerden sowie zu Blutbildveränderungen kommen. Schwere Nebenwirkungen der Antibiotika-Therapie wie Schäden an Nieren und anderen Organen sind selten.
Je nach Schwere der Erkrankung erfolgt die Therapie im Krankenhaus, ggf. auf einer Intensivstation. Die Behandlung dauert in der Regel zwei Wochen.
Wie ist die Prognose?
Das Pontiac-Fieber ist im Allgemeinen recht harmlos und hat eine gute Prognose. Innerhalb von fünf Tagen klingen die Beschwerden in der Regel vollständig ab.
Die Prognose bei einem schwereren Verlauf der Legionellose hängt entscheidend vom Allgemeinzustand des Erkrankten ab. So haben vorher gesunde Menschen, die an der Legionellen-Pneumonie erkranken, eine bessere Aussicht auf Genesung als abwehrgeschwächte Personen, die an einer Grundkrankheit (z. B. AIDS, zytostatische Behandlung bei Tumorerkrankung) leiden.
Wie kann man der Infektion vorbeugen?
Die beste Vorbeugung von Legionellen-Infektionen sind Maßnahmen zur Verbesserung der Hygiene von Warmwasseranlagen. So müssen alle Trinkwassererwärmungs- und Leitungsanlagen regelmäßig überwacht, gewartet und ggf. gereinigt und saniert werden, um zu vermeiden, dass sich die Bakterien dort ansiedeln und vermehren können. Die Vorbeugung beginnt bereits bei den baulichen Maßnahmen der entsprechenden Anlagen. Hierfür gibt es "sanitärtechnische Regeln". Kommt es zum Auftreten von Legionellose muss die Erregerquelle schnellstmöglich gefunden und saniert werden, um weitere Erkrankungen zu verhindern.
Vor allem im Krankenhaus muss auf besondere Hygiene geachtet werden. Abwehrgeschwächte Personen sollten besondere Vorsichtsmaßnahmen beherzigen, z. B. keine öffentlichen Warmsprudelbecken (Whirlpools) benutzen.
Eine spezielle Impfung gegen Legionellose gibt es nicht.
Literatur/Leitlinien/EBM:
Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag (2005).
Auswärtiges Amt: Legionellose (Legionärserkrankung)(2003).
Braunwald, E.: Harrisons Innere Medizin. ABW Wissenschaftsverlag (5. Auflage 2002).
The European Working Group for Legionella Infections. http://ewgli.org
Robert-Koch-Institut: Ratgeber Infektionskrankheiten: Legionellose (10/1999). http://www.rki.de


