Lassa-Fieber
Was ist Lassa-Fieber?
Das Lassa-Fieber ist eine fieberhafte Viruskrankheit, die in Afrika, insbesondere in den tropischen Regionen Westafrikas vorkommt. Überträger sind Nagetiere (Mäuse, Ratten, Meerschweinchen und andere), die das Virus vor allem mit dem Urin, aber auch in anderen Körpersekreten ausscheiden.
Die Krankheit kann unter dem Bild einer fieberhaften Infektion sehr milde, aber auch tödlich mit Blutungs- und Schockzuständen verlaufen.
Nach Schätzungen erkranken jährlich 100.000 Menschen in Westafrika am Lassa-Fieber. In Deutschland sind seit 1974 vier Krankheitsfälle registriert worden, von denen zwei tödlich endeten. Allen Erkrankungen ist ein Afrikaaufenthalt vorausgegangen.
Wie bekommt man Lassa-Fieber?
Die Übertragung erfolgt durch Aufnahme der Viren aus verseuchten Nahrungsmitteln oder über Gebrauchsgegenstände, auf denen die infizierten Nagetiere ihren Urin abgesetzt haben. Dies passiert vorwiegend auf dem Lande unter sehr einfachen Lebensbedingungen, wenn die Nager Gelegenheit haben, in menschliche Behausungen einzudringen. In einigen Gegenden Afrikas werden die Nager auch gefangen und verzehrt, was ebenfalls eine Infektion mit dem Lassa-Virus nach sich ziehen kann.
Allerdings kann die Krankheit auch direkt von Mensch zu Mensch übertragen werden, denn die Erkrankten scheiden das Virus mit dem Urin aus. Auch Speichel, Erbrochenes und Blut können infektiös sein.
Wie bemerkt man eine Erkrankung an Lassa-Fieber?
Wer während oder unmittelbar nach einem Afrikaaufenthalt mit Fieber, Gesichtsschwellungen, Rachenentzündung (weiße Flecken auf den Mandeln), Schmerzen unter dem Brustbein und Eiweißausscheidung im Urin erkrankt, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit Lassa-Fieber.
Die Erkrankung beginnt schleichend mit Fieber und nicht eindeutigen Symptomen wie Kopfschmerzen und einem allgemeinen Krankheitsgefühl und ist deshalb schwer gegen andere fieberhafte Erkrankungen abzugrenzen. In den meisten Fällen verläuft das Lassa-Fieber milde, und die Genesung setzt ab der zweiten Krankheitswoche ein.
Typische Vorzeichen für einen schweren Verlauf sind Gesichtsschwellungen, Brust- und Muskelschmerzen sowie Bindehaut- und Rachenentzündung mit quälendem Husten. Rund 20 Prozent der Patienten entwickeln eine Herzbeutelentzündung. Der Blutdruck ist meist erniedrigt, und es kann zu Kreislauf- und Nierenversagen kommen. Auch eine Gehirnentzündung wird in komplizierten Fällen beobachtet. Bei etwa einem Viertel der Betroffenen treten schwere Blutungen hinzu. Dann spricht man von einer hämorrhagischen Verlaufsform.
Ob es zu einer Genesung des Kranken kommt oder der Tod eintritt, entscheidet sich meist zwischen der zweiten und dritten Krankheitswoche. Überlebt der Kranke, schließt sich eine sehr lange Genesungszeit an, während der er stark geschwächt ist. Im Rahmen der Gehirnentzündung kann es zu einer bleibenden Ertaubung kommen.
Wie wird Lassa-Fieber festgestellt?
Oben beschriebene Symptome und Verläufe in Zusammenhang mit einem Aufenthalt in Afrika lenken den Verdacht auf eine Erkrankung an Lassa-Fieber.
Der Beweis erfolgt durch eine Blutuntersuchung, bei der in Speziallaboren auf das Virus oder entsprechende Antikörper getestet wird.
Wie kann man sich vor Lassa-Fieber schützen?
Der sicherste Schutz besteht darin, nicht in Gebiete zu fahren, in denen das Lassa-Fieber vorkommt. Sind Aufenthalte dort unvermeidbar, sollte man für ausreichende hygienische Bedingungen sorgen, d. h. es muss sichergestellt sein, dass Mäuse und Ratten keinen Zugang zu den Wohnräumen oder zu den Nahrungsmittelvorräten haben. Außerdem sollte man den Kontakt mit erkrankten Personen meiden.
Eine Impfung gibt es bisher nicht. Bei Verdacht auf stattgehabten Kontakt mit an einem Lassa-Fieber Erkrankten, wird die vorsorgliche (prophylaktische) Einnahme des Wirkstoffes Ribavirin, eines Virus abtötenden Medikamentes, empfohlen.
Wie kann man Lassa-Fieber behandeln?
Eine ursächliche Behandlung des Lassa-Fiebers gibt es nicht. Der Verlauf der Erkrankung kann durch die frühzeitige Gabe von Ribavirin aber abgemildert werden. Laut klinischen Studien senkt das Medikament die Sterblichkeit deutlich. Je früher eine Behandlung beginnt, desto besser sind die Heilungsaussichten.
Ribavirin ist ein Wirkstoff, der die Vermehrung der krankheitsauslösenden Viren hemmt. Es kann als Kapseln zum Schlucken oder in Form einer Infusion (Tropf) verabreicht werden. Nebenwirkungen sind Hautveränderungen, Nasenbluten, Störungen der Atemwege, Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Depressionen und Blutveränderungen. Bei schweren Herz- oder Nierenerkrankungen, bei psychischen Krankheiten sowie in der Schwangerschaft und Stillzeit darf Ribavirin nicht eingenommen werden.
Die weitere Behandlung erfolgt symptomatisch, das heißt mittels fiebersenkenden und schmerzstillenden Medikamenten sowie durch Flüssigkeitsersatz. Nach dem Infektionsschutzgesetz müssen Erkrankte isoliert werden. Personen, die mit ihrer Behandlung und Pflege betraut sind, haben entsprechende Vorsichtsmaßnahmen einzuhalten.
Literatur/Leitlinien/EBM:
Lang: Tropenmedizin in Klinik und Praxis. Thieme (1999).
Kretschmer/Kusch/Scherbaum: Reisemedizin. Urban & Fischer (2005).
Diesfeld: Praktische Reise- und Tropenmedizin. Thieme (2003).
CRM Handbuch zur Reisemedizinischen Beratung (Ausgabe Mai 2000).
Robert-Koch-Institut: Impfempfehlungen. www.rki.de (2004).
Robert-Koch-Institut: Lassa-Fieber RKI-Ratgeber Infektionskrankheiten Merkblätter für Ärzte (2002)
WHO Fact sheets: Lassa fever (2000)
http://www.who.int/mediacentre/factsheets/fs179/en/


