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Lyme-Borreliose




Was ist eine Lyme-Borreliose?


Eine Borreliose, auch Lyme-Borreliose genannt, ist eine durch Zeckenstich übertragene Infektionskrankheit, die Haut, Gelenke, Nervensystem, Auge und Herz betreffen kann. Der Erreger ist das Bakterium Borrelia burgdorferi, benannt nach seinem Entdecker Willi Burgdorfer. In ganz Mitteleuropa, aber auch in Skandinavien, osteuropäischen Ländern sowie in Nordamerika und Australien besteht die Gefahr einer Übertragung. Die Ansteckung mit Borrelien erfolgt meist erst 12 bis 24 Stunden nach dem Zeckenstich. Erstmals wurde die Borreliose in den siebziger Jahren in dem Ort Lyme in den USA beschrieben, daher der Name.

Die Borrelien übertragende Zecke Ixodes ricinus (Holzbock) lebt sowohl im Unterholz der Wälder als auch in Gärten und städtischen Parks. In Europa sind je nach Region ca. 5 bis 35 Prozent der Zecken mit Borrelien befallen. Das ist einer der Gründe, warum nicht jeder Zeckenbiss eine Borrelien-Infektion nach sich zieht. Selbst wenn Erreger mit dem Speichel der Zecke übertragen werden, führt das nicht immer zu einer Erkrankung, weil das Immunsystem die Keime vernichtet. Bei vielen Menschen lassen sich Antikörper gegen Borrelien nachweisen, ohne dass jemals Krankheitszeichen aufgetreten sind. Bevorzugt stechen Zecken in der Kniekehle, der Leiste, der Achselhöhle und im Gesicht. Der Stich ist schmerzlos, weshalb er häufig nicht wahrgenommen wird.

Eine jahreszeitliche Häufung der Borreliose findet sich in den Monaten März bis November mit einem Gipfel in den Sommermonaten. Das Nationale Referenzzentrum für Borrelien schätz die Zahl der jährlichen Neuerkrankungen auf 60.000 bis 100.000.

Welche Beschwerden treten bei einer Borrelieninfektion auf?


Das Krankheitsbild der Borrelieninfektion ist sehr vielschichtig. Generell unterscheidet man drei Stadien der Erkrankung, eine Früh- und eine Spätphase. Frühe Symptome treten Tage bis Wochen, späte Symptome Monate bis zu zwei Jahren nach dem Zeckenstich auf. Die Spätsymptome sind aber nicht zwingend an die Frühsymptome gebunden, das heißt sie können auch auftreten, ohne dass die Betroffenen in der Frühphase irgendwelche Beschwerden hatten. Da verschiedene Organe von der Infektion betroffen sein können, variieren die klinischen Symptome der Borreliose oft stark.

Im Frühstadium, einige Tage bis drei Wochen nach einem Zeckenstich, findet sich an der Einstichstelle eine sehr charakteristisch aussehende flächenhafte Hautrötung infolge einer Erweiterung und vermehrten Füllung der Blutgefäße. Sie breitet sich kreisförmig aus und wird deshalb als "Wanderröte" oder "Erythema migrans" bezeichnet. Es entwickelt sich nur bei 50 Prozent aller Infizierten, ist dann aber ein sicheres Zeichen für eine Ansteckung. Seltener kommt es zu knotigen oder flächenhaften, bläulichen, verhärteten Hautbezirken (Lymphozytom). Gelegentlich treten Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit, Muskelschmerzen, Temperaturerhöhungen und selten auch Lymphknotenschwellungen auf.
Wird die Infektion nicht in diesem Stadium mit Antibiotika behandelt, besteht die Gefahr dass der Erreger auch andere Organe befällt und die Krankheit ins nächste Stadium übergeht.
Das ist gekennzeichnet durch Gelenkschmerzen und Störungen des Nervensystems (Neuroborreliose). Bei der Neuroborreliose steht die meist einseitige Lähmung der Gesichtsmuskulatur, die so genannte akute periphere Fazialisparese, im Vordergrund. Die Borrelien-Hirnhautentzündung (Meningitis) ist oft klinisch nicht von einer viralen Hirnhautentzündung zu unterscheiden. Sie macht sich durch Kopf- bzw. Nackenschmerzen, Schwindel und Sehstörungen bemerkbar. Eine Entzündung des Herzens (Myokarditis) ist in diesem Stadium ebenfalls möglich.

Zu den späten Symptomen gehört eine Gelenkentzündung, die so genannte Lyme-Arthritis. Sie äußert sich als eine oft zeitweilig aussetzende, nur ein Gelenk betreffende Entzündung. Besonders häufig sind das Kniegelenk und das Sprunggelenk betroffen. Ohne Behandlung mit Antibiotika kann die Gelenkentzündung wiederkehren und chronisch werden. Seltener sind auch die Muskulatur sowie die Augen befallen.

Weiterhin findet man chronische Entzündungen des Gehirns und des Rückenmarks. Lähmungen und Nervenschmerzen können auftreten. Bei Erwachsenen beobachtet man außerdem gelegentlich eine charakteristische, entzündliche Hauterkrankung, die so genannte Acrodermatitis chronica atrophicans (ACA). Sie geht mit einer Schwellung und weinroter Hautfärbung (Erythem), nachfolgendem Schwund des Unterhautfettgewebes, zigarettenpapierartiger Fältelung der Haut mit durchscheinendem Verlauf der Blutgefäße einher und kommt bevorzugt an der Streckseite von Armen und Beinen vor.

Wie wird eine Borreliose festgestellt?


Wenn die typische Hauterscheinungen der Borreliose, das Erythema migrans, auftritt, beweist das zweifelsfrei eine Infektion. In diesem Fall kann auf eine weitere Diagnostik wie z. B. eine Blutuntersuchung verzichtet werden, zumal diese im Frühstadium der Erkrankung in etwa der Hälfte der Fälle negativ bleibt. Leider entwickeln nicht alle Patienten Hautveränderungen, deshalb suchen viele erst zu einem späteren Zeitpunkt der Erkrankung den Arzt auf, z. B. wenn sie unter Gelenkbeschwerden oder neurologischen Störungen leiden.

Berichtet der Betroffene von einem stattgehabten Zeckenstich, legt das den Verdacht auf eine Borreliose schon sehr nahe. Oftmals ist der Zeckenstich aber gar nicht bemerkt worden. Dann müssen weitere Untersuchungen, z. B. Röntgenaufnahmen der Gelenke, eine Computertomografie oder Kernspinuntersuchungen (MRT) des Gehirns durchgeführt werden, um andere Ursachen der Beschwerden von einer Borreliose abzugrenzen.

Die ärztliche Diagnostik der Borreliose beruht hauptsächlich auf dem Nachweis von Antikörpern gegen das Bakterium im Blut. Der Erreger selbst kann auch der mittels Anzüchtung oder selten mittels PCR (Polymerase-Kettenreaktion) in verschiedenen Körperflüssigkeiten nachgewiesen werden.
Sehr wichtig ist der Antikörpernachweis im Blut, wenn der Verdacht auf eine Gelenk- oder eine Gehirnbeteiligung besteht. Allerdings weisen auch Menschen ohne Beschwerden in einigen Fällen positive Antikörper-Bluttests auf.

Blut, Urin, Gelenkflüssigkeit oder die Haut kann ebenfalls auf den Erreger selbst untersucht werden. Das Anzüchten der Borrelien aus Körperflüssigkeiten ist beweisend für eine Infektion, gelingt allerdings nur selten. Für die Diagnose einer Neuroborreliose ist ein Antikörpernachweis im Gehirnwasser (Liquor) entscheidend. Dieses wird durch einen Einstich in den Wirbelkanal im Bereich der Lendenwirbelsäule entnommen (Lumbalpunktion).

Zur Behandlungskontrolle sind wiederholte Antikörper-Untersuchungen des Blutes nicht geeignet, denn auch bei einer ausgeheilten Borrelien-Infektion lassen sich bei vielen Betroffenen über Jahre hinweg hohe Antikörper-Titer nachweisen.

Wie wird eine Borreliose behandelt?


Eine Borrelien-Erkrankung muss stets mit Antibiotika, welche die Erreger abtöten, behandelt werden. In vielen Fällen, besonders im Frühstadium der Infektion, reicht eine ambulante Behandlung mit Tabletten aus. Schwere Gehirn- und Gelenkbeteiligungen behandelt man in Deutschland meistens im Krankenhaus mit Antibiotika-Infusionen. Die Behandlungsdauer beträgt deann zwei bis vier Wochen. Während der antibiotischen Therapie können Magen-Darm-Beschwerden und allergische Reaktionen als Nebenwirkungen auftreten.

Eine Behandlung mit Antibiotika ist in jedem Stadium der Erkrankung möglich. Auch die Schmerzen und Lähmungen bei einer frühen Neuroborreliose bessern sich unter Antibiotikatherapie rasch. Etwa zwei bis fünf Prozent der Patienten mit einer Lähmung der Gesichtsmuskulatur, müssen jedoch mit anhaltenden Lähmungserscheinungen rechnen. Bei der chronischen Neuroborreliose bilden sich die Krankheitszeichen meist erst nach einigen Wochen bis Monaten zurück. Bestehen die neurologischen Ausfälle bereits seit mehreren Jahren, sind Dauerschäden wie Lähmungen oder Kopfschmerzen möglich. Ohne Behandlung geht die Erkrankung oft in ein chronisches Stadium über.

Auch bei richtiger Behandlung können Erreger im Körper verbleiben. Dann treten nach Wochen oder Monaten der Beschwerdefreiheit erneut Symptome der Erkrankung auf. In diesem Fall sollte erneut mit Antibiotika behandelt werden.

Wie kann man sich vor einer Borrelieninfektion schützen?


Der beste Schutz vor einer Infektion besteht darin, Zeckenstiche zu vermeiden. Besonders Kinder und Menschen, die sich viel im Freien aufhalten, sind gefährdet. Geeignete Kleidung (langärmlige Hemden, lange Hosen) senkt die Gefahr eines Zeckenstiches deutlich. Auch Insekten abweisende Lotionen, die z. B. gegen Mücken verwendet werden, bieten einen gewissen Schutz.

Wenn Kinder draußen gespielt haben, sollte man sie am Abend sorgfältig nach Zecken absuchen, denn das Risiko der Übertragung von Erregern nimmt mit der Haftdauer der Zecken zu. Wird die Zecke innerhalb der ersten 24 Stunden entfernt, lässt sich eine Erregerübertragung meist vermeiden. Die Zeckenentfernung gelingt am besten mit einer speziellen Pinzette, die in Apotheken erhältlich ist. Die Anwendung von Öl, Sprays, Klebstoff und ähnliche Maßnahmen gelten als veraltet. Man sollte darauf achten, dass der Zeckenleib bei der Entfernung nicht gequetscht wird, da der Erreger so aus der Zecke in die Wunde gepresst werden könnte. Die Stichstelle wird anschließend desinfiziert und dann sollte man über mehrere Wochen auf Hautveränderungen achten.

Eine vorsorgliche Antibiotika-Behandlung nach Zeckenstichen ist wegen des geringen Übertragungsrisikos bei Patienten, die keine Symptome haben, nicht notwendig. Eine aktive Schutzimpfung gegen die europäischen Varianten von Borrelia burgdorferi befindet sich in der Entwicklung. Der in Amerika eingesetzte Impfstoff ist in Deutschland nicht zugelassen.

Die Borreliose ist in einigen Bundesländern nach dem Infektions-Schutzgesetz eine meldepflichtige Erkrankung.


Literatur/Leitlinien/EBM:



AWMF-Online - Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für pädiatrische Infektiologie: Lyme-Borreliose (048/007)(1998).

Fenner, T.: Therapie von Infektionen, Schattauer (2. überarbeitete Auflage 2003).

Mumenthaler M., Mattle, H.: Neurologie. Thieme (2002)

Huppertz, H. I.: Lyme-Borreliose. Der Internist Nr. 44 (2003) 175-183.

Nationales Referenzzentrum für Borrelien: Lyme Borreliose (2002).

Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag (2005).
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