Leberverfettung
(Fettleber; Steatosis hepatis)
Welche Aufgaben hat die Leber?
Die Leber ist das zentrale Verdauungs- und Stoffwechselorgan des Körpers. Sie liegt im rechten Oberbauch direkt unter dem Zwerchfell.
Im Magen und Dünndarm wird die aufgenommene Nahrung in ihre verwertbaren Bestandteile zerlegt, diese werden dann ins Blut aufgenommen. Das Blut aus den Verdauungsorganen wird anschließend durch die Leber geführt. Diese verarbeitet die aufgenommenen Nahrungsbestandteile zu Energielieferanten und zu Bausteinen für die Erneuerung und den Aufbau des körpereigenen Gewebes. Daneben bildet die Leber eine Art Filterstation des Körpers, die schwierig verwertbare Bestandteile sowie Giftstoffe umbaut, so dass diese ausgeschieden werden können. Damit erfüllt die Leber die wichtige Funktion der Entgiftung sowie der Abwehrfunktion des Körpers. Bei fortgeschrittenen Lebererkrankungen findet sich z. B. ein Anstieg des giftigen Ammoniaks als Ausdruck der verminderten Entgiftungsleitung des Organs.
Außerdem produziert die Leber Gallenflüssigkeit, welche vor allem für die Fettverdauung wichtig ist. Gespeichert wird die Galle in der Gallenblase. Des Weiteren bildet das Organ wichtige Stoffe für die Blutgerinnung, so dass bei einem Ausfall der Leberfunktion starke Blutungen auftreten können.
Wichtig für eine ungestörte Leberfunktion sind zum einen intakte Leberzellen, zum anderen die gute Passierbarkeit der Leber für das aus dem Verdauungstrakt zuströmende Blut.
Was versteht man unter Leberverfettung und Fettleber?
Bei einer Leberverfettung handelt es sich um eine gesteigerte Einlagerung von Körperfetten in das Lebergewebe. Von einer Fettleber (Steatosis hepatis) spricht man, wenn mehr als die Hälfte aller Leberzellen Fetttropfen eingelagert haben. Kommt es zusätzliche zu einer entzündlichen Reaktion, spricht man von einer Fettleberhepatitis (Steatohepatitis). Hierbei sind nicht etwa Viren oder Bakterien der auslösende Faktor, sondern das erhöhte Angebot von Fettsäuren.
Mit rund 20 Prozent Vorkommen in der Bevölkerung ist die Fettleber die häufigste Lebererkrankung in Deutschland.
Was sind die Ursachen der Leberverfettung?
In Deutschland und den anderen westlichen Ländern sind übermäßiger Alkoholkonsum sowie Übernährung die Hauptursachen der Leberverfettung. Insbesondere der Alkohol spielt bei der Entstehung dieser Erkrankung eine übergeordnete Rolle. Neben dem direkt schädigenden Reiz des Alkohols auf die Leberzelle führt auch die indirekte Schädigung durch die vielen Kalorien im Alkohol zur Verfettung des Lebergewebes.
Weitere Ursachen einer Leberverfettung sind Übergewicht, Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) und erhöhte Blutfettwerte (Hyperlipidämie). Seltener tritt eine Fettleber aufgrund einer dauerhaften Fehlernährung, Medikamenteneinnahme, Umweltgiften oder während einer Schwangerschaft auf. Aber auch bei einer extremen Mangelernährung (z. B. Magersucht) verfetten die Leberzellen als Folge gestörter Stoffwechselprozesse.
Wie wird eine Fettleber erkannt?
Die Leberverfettung bzw. die Fettleber macht nur wenige Beschwerden. Dies liegt an der hohen Funktionsreserve der Leber. Beschwerden kommen bei der nicht entzündlichen Form fast gar nicht, bei der entzündlichen Fettleber in etwa der Hälfte der Fälle vor. Deshalb werden oft auch erst Spätstadien der Erkrankung erkannt.
Von den Patienten wird ein Druckgefühl unter dem rechten Rippenbogen, Völlegefühl, Leistungsminderung und Abgeschlagenheit angegeben. Schleichend beginnende Blähungen oder Verstopfung sind uncharakteristisch, können aber ebenfalls hinweisend sein. Vor allem wenn der Betroffene übergewichtig ist, viel Alkohol trinkt oder andere Risikofaktoren aufweist, sollte an eine Fettleber gedacht werden.
Die Erkrankung wird häufig zufällig im Rahmen einer allgemeinen Untersuchung beim Hausarzt erkannt. Hier sind der klinische Untersuchungsbefund, insbesondere die vergrößerte Leber, die speziellen Laboruntersuchungen sowie die völlig ungefährliche Ultraschalluntersuchung des Bauchraumes (Sonografie) richtungsweisend. Eine Gewebeprobenentnahme (Leberbiopsie) kann unter Umständen sinnvoll sein, um den Schweregrad der Fettleber und den Verlauf der Erkrankung zu beurteilen.
In Einzelfällen sind eine Computer- oder Kernspintomografie sowie eine Bauch- oder Gallenwegsspiegelung sinnvoll.
Wie verläuft eine Fettlebererkrankung?
Unbehandelt führt die chronische Entzündung des Leberzellgewebes zu einem bindegewebigen Umbau des Organs. Die zarte Architektur der Leber aus Zellen und weichen Fasern wird allmählich durch hartes Narbengewebe ersetzt (Leberfibrose). Dieses Gewebe ist qualitativ minderwertig und kann die Funktion des Lebergewebes nur eingeschränkt wahrnehmen. Ein zunehmendes Defizit an Energie und eine Zunahme von schädigenden Abfallstoffen im Organismus ist die Folge.
Letztlich kann die Fettleber unbehandelt in eine nicht mehr umkehrbare Leberzirrhose mit schweren Leberfunktionsstörungen übergehen. Eine Reihe von Organen, die direkt oder indirekt von der Leberfunktion abhängen, wird auf diese Weise mit geschädigt. Dieser Zustand kann letztendlich in einem lebensbedrohenden Multiorganversagen enden.
Wie kann eine Fettleber behandelt werden?
Bislang existiert keine nachweislich wirksame medikamentöse Therapie der Fettleber.
Der Hauptpfeiler der Behandlung besteht daher in einer völligen Meidung der schädigenden Auslöser. Das heißt konsequenter Alkoholverzicht, mäßige und ausgewogene Ernährung, zum Beispiel durch eine fettreduzierte Vollwerternährung mit langsamer Gewichtsreduktion in Richtung Normalgewicht sowie Behandlung erhöhter Blutfettwerte. Die Gewichtsreduktion sollte immer langsam erfolgen, da ein zu rascher Gewichtsverlust zur Verschlechterung der Leberfunktion führen kann. Zusätzlich sollte ein körperliches Trainingsprogramm durchgeführt werden.
Kommen Medikamente als Auslöser der Fettleber in Betracht, muss ihre Notwendigkeit durch den Arzt überprüft und über Alternativen nachgedacht werden. Bei einem Diabetes mellitus muss auf eine gute Einstellung der Blutzucker-Werte geachtet werden.
Kommt es bei einem raschen Fortschreiten der Erkrankung zu einer Leberzirrhose, muss diese mit all ihren Komplikationen konsequent behandelt werden.
Literatur/Leitlinien/EBM:
Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag (2004).
Blechacz B., Stremmel W.: NASH - nichtalkoholische Steatohepatitis. Zeitschrift für Gastroenterologie 41, S. 77-90 (2003).
Hahn/Riemann: Klinische Gastroenterologie. Thieme (2000).
Thiemes Innere Medizin (TIM), Thieme (2000).


