Lungenkrebs
(Bronchialkarzinom)
Was ist die Lunge und was ist Lungenkrebs?
Die paarig im Brustkorb angelegten Lungen sind Teil des menschlichen Bronchialsystems. Ihre Aufgabe ist die Atmung, das bedeutet, dass der über Mund und Nase durch die Luftröhre eingeatmete Sauerstoff in die Lungenbläschen gelangt und von dort aus zu den lebenswichtigen Organen transportiert wird. Ohne Sauerstoff würde kein Organ funktionieren.
Bösartige Neubildungen in der Lunge bezeichnet man als Lungenkrebs, in der Fachsprache als Bronchialkarzinom.
Bronchialkarzinome gehören mit einem Anteil von 25 Prozent an allen Krebserkrankungen zu den häufigsten bösartigen Tumoren. Die Tendenz ist steigend. Männer sind etwa dreimal häufiger betroffen, doch es erkranken immer mehr Frauen. Der Erkrankungsgipfel liegt zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr.
Wie entsteht Lungenkrebs?
Die Hauptursache für die Entstehung von Lungenkrebs ist das Rauchen. Über 90 Prozent aller Menschen mit einem bösartigen Tumor in der Lunge sind Raucher. Mit zunehmender Zahl der pro Tag gerauchten Zigaretten oder Zigarren und der Anzahl der Jahre, die man geraucht hat, steigt das Risiko erheblich, Lungenkrebs zu bekommen. Der Grund dafür, dass immer mehr Frauen Lungenkrebs bekommen, ist wahrscheinlich, dass in den letzten Jahren und Jahrzehnten die Zahl der Raucherinnen stark zugenommen hat.
Von wesentlich untergeordneter Rolle für die Entstehung von Lungenkrebs sind andere Faktoren. Dazu gehören zum Beispiel das Inhalieren berufsbedingter Stoffe wie Asbeststaub, Uran, Nickel oder Chrom. Auch Umweltfaktoren wie der Luftverschmutzung wird eine krebsauslösende (kanzerogene) Wirkung nachgesagt. Auf dem Boden von Lungennarben oder einer durchgemachten Infektion wie Tuberkulose können manchmal bösartige Lungentumoren entstehen. Wie bei allen anderen Krebserkrankungen auch, gibt es eine erbliche Veranlagung für Lungenkrebs.
Die beste Möglichkeit, einem Lungenkrebs vorzubeugen, ist der konsequente Verzicht auf das Rauchen.
Wie äußert sich die Erkrankung?
Lungenkrebs macht im Anfangsstadium oftmals keine oder nur wenige und uncharakteristische Beschwerden. Ein seit Monaten bestehender, hartnäckiger Reizhusten, der von den Betroffenen manchmal als "normaler Raucherhusten" fehlgedeutet wird, kann durch ein Bronchialkarzinom bedingt sein. Weiterhin können Atembeschwerden bis hin zu Atemnot, Brustschmerzen und Heiserkeit auftreten.
Bluthusten ist auf jeden Fall immer abklärungsbedürftig. Eine Bronchitis oder eine Lungenentzündung, die trotz Antibiotika-Behandlung nicht ausheilen, können ebenfalls Ausdruck einer bösartigen Lungenerkrankung sein. Wie bei anderen Krebserkrankungen können auch beim Lungenkrebs uncharakteristische Beschwerden wie rascher Gewichtsverlust, nächtliches starkes Schwitzen, Fieber und ein allgemeiner Leistungsknick auftreten, da eine Tumorerkrankung den Körper schwächt.
Nur ein früh erkannter Lungenkrebs kann geheilt werden. Vor allem starke Raucher sollten deshalb beim geringsten Anzeichen für eine bösartige Lungenerkrankung unverzüglich den Arzt aufsuchen und die Beschwerden abklären lassen.
Wie wird Lungenkrebs diagnostiziert?
Eine Reihe von Untersuchungen sind beim Verdacht auf Lungenkrebs notwendig, um herauszufinden, ob es sich wirklich um einen bösartigen Tumor handelt, oder ob eine andere Erkrankung für die Beschwerden verantwortlich ist. Im Hinblick auf die Therapie und die Prognose ist es außerdem wichtig, festzustellen, um welche Krebsart es sich handelt und wie weit die Erkrankung fortgeschritten ist.
Des Weiteren kann man herausfinden, wo genau in der Lunge der Tumor sitzt. Statistisch gesehen befindet sich das Bronchialkarzinom am häufigsten zentral am so genannten Lungenhilus, das ist der Bereich, in dem die großen Blutgefäße der Lunge und die Bronchien in die Lunge einmünden. Es kommen aber auch bösartige Lungentumoren an der Lungenspitze oder diffus im Lungengewebe wachsende Karzinome vor.
Bei dringendem Verdacht auf Lungenkrebs werden verschiedene Untersuchungen durchgeführt.
Auf eine ausführliche Befragung (Anamnese) zu den Beschwerden und der Vorgeschichte des Patienten folgt eine gründliche körperliche Untersuchung durch den Arzt. Hier werden vor allem die Lungen mit dem Stethoskop abgehört, der Brustkorb wird abgetastet und abgeklopft, um mögliche Schalländerungen festzustellen.
Es werden Blutuntersuchungen vorgenommen, um Informationen über den Allgemeinzustand des Patienten zu bekommen. Im Blut findet man Hinweise auf mögliche Blutungen oder Entzündungen. Die Nierenfunktion und die Aktivität der Leber können anhand der Blutwerte ebenfalls beurteilt werden.
Tumormarker sind spezielle Eiweiße, die von einem bösartigen Tumor in hohem Maße gebildet und im Blut nachgewiesen werden. Bronchialkarzinome produzieren vorzugsweise die Tumormarker CEA (Carcinoembryonales Antigen), NSE (Neuronenspezifische Enolase) und SCC (Squamous Cell Carcinoma). Tumormarker sind allerdings nicht sehr spezifisch, da sie zum einen auch bei Gesunden vorkommen können und andererseits ihre Abwesenheit eine Krebserkrankung keinesfalls ausschließt.
Des Weiteren werden Röntgenuntersuchungen durchgeführt. Auf Röntgenbildern des Brustkorbs beurteilt man die Lungen und das Herz. Im Röntgenbild zeigt sich ein Tumor als so genannter Rundherd, der sich vom übrigen Lungengewebe abgrenzt. Man kann dann weitere diagnostische Untersuchungen veranlassen, um den Tumor hinsichtlich seiner Gutartigkeit oder Bösartigkeit einzustufen.
Einen großen Wert bei der Diagnose eines Bronchialkarzinoms bietet die Lungenspiegelung (Bronchoskopie). Unter einer leichten Betäubung wird ein biegsames Rohr, an dem eine Kamera befestigt ist, über die Nase in die Luftröhre bis in die Bronchien geschoben. So hat man direkte Einsicht in das Bronchialsystem und kann dabei auch gleich Gewebeproben entnehmen (Biopsie) und diese anschließend unter dem Mikroskop auf Krebszellen untersuchen (Histologie).
Bei dringendem Verdacht auf befallene Lymphknoten wird zusätzlich eine Mediastinoskopie durchgeführt. Dabei wird unter Vollnarkose ein kleiner Schnitt über dem Brustbein gemacht und ein Spiegelgerät in den mittleren Brustraum (Mediastinum) vorgeschoben. So können verdächtige Lymphknoten entfernt und weiter untersucht werden.
Mit einer Lungenfunktionsprüfung wird vor einer Operation getestet, ob auch nach Entfernung eines Teils der Lunge oder gar eines ganzen Lungenflügels noch genügend Reserve bleibt, um eine ausreichende Atemfunktion zu gewährleisten.
Der Nutzen einer Ultraschalluntersuchung (Sonografie) der Lungen ist hauptsächlich, eine Ansammlung von Flüssigkeit im Pleuraspalt festzustellen. Der Pleuraspalt ist der Bereich, an dem die beiden Blätter des Lungefells normalerweise dicht aneinander liegen. Dieser Spalt kann sich durch Eintritt von Flüssigkeit, die bei Lungenentzündung wie auch bei bösartigen Erkrankungen, zu einem Raum erweitern. Das so genannte Pleurawasser lässt sich im Ultraschall gut nachweisen.
Einen weitere Methode steht durch die Computertomografie (CT) zur Verfügung. In dieser "Röhre" werden Schichtaufnahmen des gesamten Körpers angefertigt. Die Untersuchung ist außerordentlich gut geeignet, um die genaue Lokalisation eines Tumors, seine Beziehung zu den Organen in der Nachbarschaft, einen möglichen Befall von Lymphknoten und eine Streuung in andere Organe beurteilen zu können.
Eine Skelettszintigrafie eignet sich, um Tochtergeschwülste (Metastasen) des Lungenkrebses in die Knochen nachzuweisen bzw. ausschließen zu können. Das knöcherne Skelett ist häufig von einer Streuung des Bronchialkarzinoms betroffen.
In welche Stadien und Formen wird die Erkrankung eingeteilt?
Histologie
Betrachtet man Lungenkrebsgewebe unter dem Mikroskop (Histologie), so lassen sich verschiedene Zelltypen unterscheiden. Histologisch lässt sich das kleinzellige Bronchialkarzinom vom nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinom abgrenzen.
Der kleinzellige Lungenkrebs macht etwa 25 Prozent aus. Die nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinome unterteilt man noch weiter in Plattenepithelkarzinome, Adenokarzinome, das großzellige Bronchialkarzinom sowie weitere seltenere Formen. Das Plattenepithelkarzinom ist mit etwa 45 Prozent die häufigste Zellform des Lungenkrebses. Das Adenokarzinom wird im Gegensatz zu den anderen Bronchialkarzinomen auch bei Nichtrauchern gehäuft beobachtet.
Das kleinzellige Bronchialkarzinom zeichnet sich durch eine frühe und rasche Metastasierung aus. Es streut vor allem über den Lymphweg und über die Blutbahn in die Leber, die Nebennieren, das Gehirn, die Nieren und die Knochen (vor allem in die Wirbelsäule). Bei Diagnosestellung ist häufig eine Metastasierung wahrscheinlich.
Tumorstadium (TNM-System)
Neben der histologischen Krebsart werden Therapie und Prognose der Lungenkrebserkrankung hauptsächlich vom Grad der Ausbreitung, dem Tumorstadium, bestimmt. Das Stadium, in dem sich der Krebs befindet, wird international nach dem so genannten TNM-System klassifiziert.
Dabei steht T als Kürzel für Tumor für die Größe und Ausdehnung der bösartigen Geschwulst. Angefügt wird das Suffix 0 bis 4. Ein Bronchialkarzinom im Stadium T1 ist kleiner als zwei Zentimeter, im Stadium T2 ist der Tumor zwischen zwei bis fünf Zentimeter groß und im Stadium T3 größer als fünf Zentimeter. Ein Tumor im Stadium T4 hat sich bereits auf die umliegenden Strukturen wie Brustwand, Luftröhre, Herz, Speiseröhre, Haut oder die großen Blutgefäße ausgedehnt.
Nodulus ist der lateinische Begriff für Lymphknoten. Der Buchstabe N gibt in der TNM-Klassifikation das Ausmaß der von Krebszellen befallenen Lymphknoten an. Im Stadium N0 sind gar keine Tumorzellen in den Lymphknoten nachweisbar, wohingegen das Stadium N3 für einen ausgedehnten Lymphknotenbefall spricht.
M steht für Metastasen und gibt an, ob der Krebs gestreut und Tochtergeschwülste in anderen Organen abgesiedelt hat. M0 bedeutet, dass keine Metastasierung stattgefunden hat, M1 spricht hingegen für den Nachweis von Tochtergeschwülsten als weiteres Zeichen einer fortgeschrittenen Krebserkrankung.
Limited und extended disease
Beim kleinzelligen Bronchialkarzinom unterscheidet man außerdem, ob es sich um eine begrenzte Ausbreitung des Tumors (limited disease) oder eine fortgeschrittene Erkrankung (extended disease) handelt.
Im Stadium des limited disease ist der Tumor auf nur eine Seite der Brusthöhle beschränkt und hat dort zwar bereits Lymphknoten befallen, ist aber noch nicht auf die Gegenseite übergegriffen wie ein Tumor im Stadium des extended disease.
Leider wird die Mehrzahl der kleinzelligen Bronchialkarzinome schon im fortgeschrittenen Stadium erstmalig diagnostiziert.
Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?
Die Therapie der Lungenkrebserkrankung richtet sich nach der Art des bösartigen Tumors und seiner Ausbreitung, die anhand der oben genannten Klassifikation festgemacht wird. Außerdem sind der Allgemeinzustand und die Lungenfunktion des Betroffenen maßgeblich entscheidend, welche Therapie gewählt und unter welchem Ansatz die Behandlung durchgeführt wird.
Man unterscheidet nämlich in Abhängigkeit des Nutzens, die eine Therapie bringt, und der Risiken und Nebenwirkungen einer Behandlung, die zu keinem Erfolg führen würde, ein kuratives und ein palliatives Therapieziel.
Das Hauptziel kurativer Therapien ist die Heilung des Patienten von der Erkrankung. Dazu gehört die vollständige Entfernung des Tumors ohne Hinterlassen jeglicher Tumorreste, das heißt, es dürfen nach erfolgreicher Behandlung keine Metastasen oder befallene Lymphknoten nachweisbar sein. Es darf zu keinem Wiederauftreten der Krebserkrankung, also zu keinem Rezidiv kommen.
Eine palliative Therapie hingegen verfolgt nicht das Ziel der Heilung des Patienten, sondern vielmehr eine Verbesserung seiner Lebensqualität. Dazu gehört zum Beispiel die Linderung seiner Schmerzen. Dabei wird gelegentlich auch eine Verlängerung der Lebenszeit erreicht, der Patient wird allerdings an den Folgen seiner Erkrankung versterben. Palliativ behandelt man Krebserkrankungen, bei denen zu Beginn oder im Verlauf keine Aussicht auf Heilung besteht. Dies ist leider bei einigen Bronchialkarzinomen zum Zeitpunkt der Diagnosestellung der Fall.
Zur Behandlung des Lungenkrebses stehen grundsätzlich drei Therapieformen zur Verfügung. Es handelt sich um die Operation, die Chemotherapie und die Strahlentherapie.
Operation
Das Ziel der Operation mit kurativem Ansatz ist, den Tumor und alle möglicherweise mitbefallenen Strukturen vollständig zu entfernen. Je nach Ausmaß des Tumors muss entsprechend radikal operiert werden. Manchmal reicht die Entfernung eines Lungensegmentes (Lungenteilresektion) oder eines Lungenlappens (Lobektomie). In einigen Fällen muss ein ganzer Lungenflügel entfernt werden (Pneumektomie). Vor einer Operation muss aber immer geprüft werden, dass auch noch mit dem restlichen verbliebenen Lungengewebe eine ausreichende Atemtätigkeit gewährleistet ist. Dies testet man mit der Lungenfunktionsprüfung.
Wie bei jeder Operation gibt es Risiken und Komplikationen, vor allem je umfangreicher die Operation ist. So kann es zu Verletzungen von anderen Organen, von Nerven und Blutgefäßen kommen, die Blutungen und Nachblutungen nach sich ziehen können. Infektionen, vor allem im Bereich der Wunde, sind möglich, die schlimmstenfalls zu einer Blutvergiftung führen. Blutgerinnsel (Thrombosen und Embolien) kommen in der Regel selten vor. Über die Risiken der Narkose klärt vor der Operation ein Narkosearzt (Anästhesist) auf. Er bespricht mit dem Patienten das individuelle Risiko, um die Narkose entsprechend anzupassen.
Nach einer Operation, bei der ein großer Lungenabschnitt entfernt wurde, ist in der Regel damit zu rechnen, dass der Betroffene schlechter Luft bekommt und vor allem unter Belastung schneller "außer Puste" gerät.
Für eine Operation kommen vor allem die nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinome in Frage. Der kleinzellige Lungenkrebs tritt sich trotz operativer Entfernung meist rasch wieder auf und eignet sich deshalb besser für eine Chemotherapie.
Chemotherapie
Die Medikamente, die bei einer Chemotherapie zur Behandlung einer Krebserkrankung eingesetzt werden, nennt man Zytostatika. Es sind Zellgifte, die Krebszellen eher angreifen als gesunde Zellen. Sie wirken vor allem auf sich teilende Zellen, und da sich Krebszellen sehr rasch und häufig teilen, werden diese bevorzugt zerstört.
Die Zytostatika können einzeln als Monotherapie oder auch kombiniert in so genannten Schemata verabreicht werden. Beim Bronchialkarzinom wird am häufigsten das so genannte "ACO-Schema" angewandt, das ist eine Kombination aus den drei Medikamenten Adriamycin, Cyclophosphamid und Oncovin. Die Zeiträume, in denen die Medikamente verabreicht werden, bezeichnet man als Zyklen, zwischen denen Pausen (Intervalle) liegen.
Das kleinzellige Bronchialkarzinom spricht am besten auf eine Chemotherapie an. Bei nicht-kleinzelligen Tumoren kann die Chemotherapie "adjuvant", das heißt zusätzlich und unterstützend zu einer Operation oder Strahlentherapie durchgeführt werden.
Leider wird nicht nur bösartig entartetes, sondern auch gesundes Gewebe durch die Zellgifte beschädigt. Dies bedeutet, dass im Prinzip jedes Organ mehr oder weniger in Mitleidenschaft gezogen werden kann. Nebenwirkungen einer Chemotherapie äußern sich zum Beispiel in Übelkeit, Erbrechen und Durchfällen. Dies kann aber im Vorfeld durch die Gabe entsprechender Medikamente oftmals verhindert oder die Beschwerden zumindest gemindert werden. Eine erhöhte Infektionsgefahr, Entzündungen der Schleimhäute, Haarausfall und eine allgemeine Abgeschlagenheit können als Nebenwirkungen der Chemotherapie ebenfalls auftreten.
Strahlentherapie
Zur Behandlung des Lungenkrebses eignet sich außerdem eine Strahlentherapie.
Röntgenstrahlung in bestimmter Dosierung verursacht Zellschäden, von denen sich gesunde Zellen schneller erholen können, da sie über bessere Reparaturmechanismen verfügen. Tumorzellen, die primitiver und anfälliger sind, sterben hingegen ab.
Beim kleinzelligen Lungenkrebs kann man mit einer so genannten Tumorvernichtungsdosis von 50 Gray eine Reduktion der Tumormasse erreichen. Prophylaktisch bestrahlt man den Schädelknochen, da sich hier gerne Metastasen ansiedeln. Prophylaktisch bedeutet also, dass auch wenn noch gar keine Tumorzellen in den Schädel gestreut sind, soll dies im Vorfeld durch die Bestrahlung verhindert werden.
Die nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinome sprechen in der Regel weniger gut auf eine Strahlentherapie an. Deshalb wird hier eher unter palliativen Aspekt bestrahlt.
Da bei einer Strahlentherapie auch gesundes Gewebe in Mitleidenschaft gezogen wird, kann es zu so genannten frühen und späten Strahlenschäden als Nebenwirkung kommen. Schnell verschwindet in der Regel der "Strahlenkater" wieder, der zu Beginn der Therapie in Form von Appetitlosigkeit, Müdigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Kopfschmerzen als Reaktion des Körpers auf die plötzliche hohe Strahlenbelastung auftritt. Später beobachtet man vor allem Reizungen der Haut und Schleimhäute, die zu entsprechenden Entzündungen führen können.
Wie ist die Prognose?
Die Prognose einer Lungenkrebserkrankung ist von zahlreichen Faktoren abhängig. Entscheidend ist zum Beispiel, um welche Lungenkrebsart es sich handelt, also ob ein kleinzelliges oder ein nicht-kleinzelliges Bronchialkarzinom vorliegt. Das Stadium, in dem sich der Tumor bei Diagnosestellung befindet und seine Ausbreitung im Körper wirken sich ebenso auf die Prognose aus wie der Allgemeinzustand und das Alter des Patienten. Wahrscheinlich spielt auch das Geschlecht eine Rolle, da bei Frauen bessere Therapieerfolge beobachtet werden.
Leider ist der Lungenkrebs das am häufigsten zum Tode führende Karzinom. Unbehandelt würde ein kleinzelliges Bronchialkarzinom innerhalb weniger Wochen bis Monate tödlich verlaufen. Die beste Prognose unter allen bösartigen Neubildungen der Lunge hat das Plattenepithelkarzinom in einem frühen (T1) Stadium ohne Beteiligung von Lymphknoten und ohne Nachweis von Metastasen.
Was sollte man nach der Therapie beachten?
Direkt im Anschluss an den Klinikaufenthalt ist nach abgeschlossener Therapie meist eine Anschlussheilbehandlung (AHB) sinnvoll, um sich wieder vollständig zu erholen. Die AHB finden in speziellen Nachsorgekliniken statt, über die der Arzt informiert.
Neben einer Umstellung der Lebensgewohnheiten und insbesondere dem konsequenten Verzicht auf Rauchen und der Vermeidung anderer krebserregender Faktoren ist es in den ersten Monaten und Jahren nach der Krebserkrankung vor allem wichtig, regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen wahrzunehmen. Nur so können Folgeerkrankungen oder ein Wiederauftreten der Krankheit rechtzeitig erkannt und behandelt werden. So kann durch gezielte Suche nach Fernmetastasen im Röntgenbild, im Skelettszintigramm oder in der Computertomografie eine Streuung des Lungenkrebses frühzeitig festgestellt werden. Neben gründlichen körperlichen Untersuchungen werden auch das allgemeine Befinden und eventuelle Beschwerden oder Probleme des Patienten im Rahmen der Nachsorgeuntersuchungen besprochen.
Für viele Betroffene ist es hilfreich, sich an weitere Institutionen zu wenden, um Informationen über ihre Krankheit und um Unterstützung bei der Wiedereingliederung in ihren häuslichen Alltag zu finden. Dafür eignen sich neben diversen Selbsthilfegruppen auch Einrichtungen wie die Deutsche Krebshilfe, die über ein umfangreiches Informationsmaterial und wichtige Adressen verfügt.
Literatur/Leitlinien/EBM:
Becker, H. D.: Chirurgische Onkologie. Thieme (2001).
Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag (2004).


