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Leptospirose



(Bataviafieber; Feldfieber; Fort-Bragg-Fieber; Kanikolafieber; Reisfeldfieber; Schlammfieber; Sumpffieber; Schweinehüterkrankheit; Weil-Krankheit)


Was ist Leptospirose?


Die Leptospirose (Weil-Krankheit) ist eine weltweit verbreitete bakterielle Infektionskrankheit, die von infizierten Tieren auf den Menschen übertragen wird. Meist kommt es zu milden Krankheitsverläufen, die oftmals unerkannt bleiben. Der Erreger heißt Leptospira interrogans.

Am häufigsten sind Kanal-, Feld- oder Abwasserarbeiter betroffen. Für sie ist die Leptospirose eine anerkannte Berufskrankheit. Aber auch Angler und Wassersportler sind gefährdet. In Deutschland kommt es zu etwa 40 Erkrankungen im Jahr.

Die schwere Verlaufsform der Leptospirose, auch Weil-Krankheit genannt, ist selten. Sie geht mit hohem Fieber, Gelbsucht, Blutungen und Nierenversagen einher und führt in fünf Prozent der Fälle zum Tode.

Wie infiziert man sich mit Leptospirose?


Das Bakterium wird von infizierten Tieren (Ratten, Mäuse u. a. Nagetiere, selten Hunde, Schweine) mit dem Urin ausgeschieden. Folglich kommt der Mensch durch verseuchtes (Ab-) Wasser oder Erdreich damit in Kontakt. Durch Schleimhäute, die Augenbindehaut, über kleine Wunden oder oberflächliche Hautabschürfungen, teilweise sogar durch die intakte Haut dringt der Erreger in den Körper ein, z. B. beim Baden in verseuchten Gewässern.

Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist möglich, aber ausgesprochen selten. Bestimmte Berufsgruppen wie Kanal-, Feld- oder Abwasserarbeiter sind besonders gefährdet, mit infiziertem Wasser in Kontakt zu kommen. Eine Gefahr stellen auch Überschwemmungsgebiete dar.

Wie bemerkt man eine Leptospirose?


Sieben bis dreizehn Tage nach der Infektion beginnt die Erkrankung plötzlich mit grippeähnlichen Symptomen, Hautausschlag und Bindehautentzündung. Nach kurzfristiger Besserung der Beschwerden treten in einer zweiten Krankheitsphase dann eventuell eine Entzündung der Leber (Hepatitis), der Nieren (Nephritis), der Hirnhäute (Meningitis) und des Herzmuskels (Myokarditis) auf. In mehr als 50 Prozent der Fälle verläuft die zweite Phase jedoch symptomlos (ohne Beschwerden). Nur bei wenigen Erkrankten kommt es in dieser Phase zum Vollbild der Weil-Krankheit mit schweren Blutungen, Gelbsucht, Nierenschäden bis hin zum Nierenversagen und Bewusstseinstrübungen.

Wie wird die Leptospirose diagnostiziert?


Die genannten Symptome sollten vor allem bei Menschen, die in den gefährdeten Berufen arbeiten, oder die sich in einem Überschwemmungsgebiet aufgehalten haben, den Verdacht auf eine Leptospirose lenken.

Im frühen Stadium der Erkrankung kann der Erreger durch eine mikroskopische Untersuchung in Blut, Urin oder Gehirnflüssigkeit des Erkrankten festgestellt werden. Die Treffsicherheit dieser Methode ist jedoch gering. Ab dem sechsten Krankheitstag bildet der Erkrankte Antikörper gegen den Erreger. Diese können durch weitere Blutuntersuchungen nachgewiesen werden.

Beide Untersuchungen werden nur durchgeführt, wenn der Verdacht auf eine Leptospirose besteht.
Bei einer fieberhaften Erkrankung mit Gelbsucht muss immer an eine Leptospirose gedacht werden, wenn andere Ursachen (z. B. Virushepatitis) ausgeschlossen wurden.

Wie wird die Leptospirose behandelt?


Schon bei dem Verdacht auf eine Leptospirose sollte frühzeitig mit einer antibiotischen Therapie begonnen werden, um den Verlauf der Erkrankung günstig zu beeinflussen und schwere Folgen zu verhindern. Antibiotika sind Medikamente, die die Erreger abtöten oder ihre Vermehrung hemmen.

Als besonders wirksam hat sich eine zweiwöchige Infusionstherapie mit Penizillin G oder Cephalosporin in hoher Dosierung erwiesen. Diese Behandlung wird während eines Krankenhausaufenthaltes durchgeführt. Als unerwünschte Wirkungen der Antibiotika selbst kann es zu allergischen Reaktionen, Mundtrockenheit, Übelkeit und Magen-Darm-Beschwerden sowie zu Blutbildveränderungen kommen. Schwere Nebenwirkungen der Antibiotika-Therapie wie Schäden an Nieren und anderen Organen sind selten.

Die frühzeitige antibiotische Therapie ist die einzige Möglichkeit, die Weil-Krankheit zu heilen oder zu verhindern, die unbehandelt in mehr als 20 Prozent der Fälle zum Tod führt.

Wie ist der Verlauf dieser Krankheit?


In den meisten Fällen verläuft die Erkrankung gutartig, wird eventuell überhaupt nicht oder nur als leichte grippeähnliche Erkrankung wahrgenommen und heilt dann von selbst aus. In einem Teil der Fälle kommt es zu einer zweiphasigen Krankheit mit Hirnhautreizung, Ausschlag und Bindehautentzündung. Nur in wenigen Fällen bildet sich das Vollbild der Weil-Krankheit aus.

Mit entsprechender Behandlung ist die Aussicht auf Heilung recht gut. Augenbeschwerden und Kopfschmerzen können jedoch Jahre lang bestehen bleiben.

Wie kann man sich vor Leptospirose schützen?


Bei gefährdeten Berufsgruppen (Kanalarbeiter, Abwasserarbeiter, Landwirte, Tierpfleger, etc.) vermindert Schutzkleidung (z. B. Gummistiefel) das Infektionsrisiko deutlich. Haus- und Nutztiere können ggf. geimpft werden (aktive Immunisierung).

Außerdem sollte man nicht in Gewässern baden, die nicht sicher rein sind und zum Baden freigegeben sind. Grundsätzlich kommen die Erreger weltweit vor. Als Risikogebiete gelten jedoch Regionen, in denen kürzlich eine Überschwemmung stattgefunden hat oder in denen schlechte hygienische Verhältnisse herrschen. Fernreisende sollten den Arzt auf den Aufenthalt im Risikogebiet aufmerksam machen.

Impressum


Copyright: sanvartis GmbH
Erstellungsdatum: Oktober 2000
Autor: Dr. med. Karl Addicks
Letzte Aktualisierung: September 2005
Durch: Dr. med. Maria-Anna Schoppmeyer

Literatur/Leitlinien/EBM:


Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag (2005).

Robert-Koch-Institut: Steckbriefe seltener und importierter Bakterien - Leptospirose.
www.rki.de (2003).

DRTM Reisegesundheit: Informationen für reisemedizinische Berater - Leptospirose.
http://www.drtm.de/drtm_online/sic/71.html (2002).

CRM Handbuch zur Reisemedizinischen Beratung (5/2000).

Lang: Tropenmedizin in Klinik und Praxis. Thieme (2000).
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