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Mundhöhlenkrebs



(Mundhöhlenkarzinom)


Was ist Mundhöhlenkrebs und wodurch entsteht er?


Bösartige Neubildungen in der Mundhöhle bezeichnet man als Mundhöhlenkrebs. Der Fachbegriff dafür lautet Mundhöhlenkarzinom. Betrachtet man das bösartige Gewebe der Mundschleimhaut unter dem Mikroskop, handelt es sich meist um so genannte Plattenepithel-Zellen, weshalb Mediziner auch von einem Plattenepithelkarzinom sprechen.

Rund 90 Prozent der Betroffenen sind langjährige Raucher. Auch ein übermäßiger Alkoholgenuss fällt bei vielen Menschen, die an einem Mundhöhlenkarzinom erkrankt sind, auf. Alkohol- und Nikotinmissbrauch zählen somit zu den größten Risikofaktoren von Mundhöhlenkrebs.

Mundhöhlenkrebs ist, ebenso wie Malignome (bösartige Tumoren) der Lippen, eine insgesamt seltene Krebserkrankung. Dennoch gehört er neben dem Rachen- und Kehlkopfkrebs zu den häufigsten bösartigen Neubildungen im Hals-Nasen-Ohren-Bereich.

Wie macht sich Mundhöhlenkrebs bemerkbar?


In frühen Stadien ruft Mundhöhlenkrebs bei vielen Betroffenen keinerlei Beschwerden hervor, was leider dazu führt, dass die Krankheit oft erst entdeckt wird, wenn sie weiter fortgeschritten ist.. Ob und welche Symptome auftreten, hängt entscheidend davon ab, wo sich der Tumor befindet und wie weit er sich ausgedehnt hat.

Bei fortschreitendem Wachstum verursacht der Tumor häufig Schmerzen beim Essen und beim Schlucken. Der Speichel ist gelegentlich blutig gefärbt. Einige Betroffene fallen durch einen starken, durch den Zerfall von Tumorteilen ausgelösten Mundgeruch auf, der sich auch als Mundfäule äußern kann.

Eine rasche Gewichtsabnahme oder ein plötzlicher Leistungsknick mit Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Schwäche sind allgemeine Zeichen, die bei einem - vor allem fortgeschrittenen - Krebsleiden vorkommen.

Wie stellt der Arzt die Diagnose?


Die genannten Beschwerden oder eine sichtbare Veränderung in der Mundhöhle, die zum Beispiel beim Zähneputzen aufgefallen ist, führen den Betroffenen häufig zum Arzt. Dieser nimmt zunächst eine ausführliche Befragung (Anamnese) hinsichtlich der aktuellen Beschwerden, deren Verlauf, möglichen Risikofaktoren (z. B. starkes Rauchen), Begleiterkrankungen und Ähnlichem vor.

Der Hals-Nasen-Ohren-Arzt schaut sich dann die Mundschleimhaut genau an, in der Regel mit ein Spiegelgerät, das es ihm erlaubt, die Mundhöhle besser einzusehen. Um die Ausdehnung des Tumors beurteilen zu können, tastet er die gesamte Mundhöhle sowie die Lymphknoten am Hals ab, da auch diese möglicherweise befallen sind.

Bildgebende Verfahren wie Ultraschalluntersuchungen, eine Computer- oder Kernspintomografie liefern weitere Informationen über die Ausdehnung des Tumors. Sie geben Hinweise, ob der Tumor in den Knochen eingewachsen ist oder möglicherweise auch schon Metastasen (Tochtergeschwülste) in andere Organe oder in die Lymphknoten abgesiedelt hat.
Nicht selten entnimmt der Arzt eine Gewebeprobe aus dem verdächtigen Bereich, die dann unter dem Mikroskop untersucht wird. Mit dieser so genannten Biopsie kann er eine sichere Diagnose stellen.

Eine gründliche körperliche Untersuchung durch den Arzt sowie Blutuntersuchungen geben zusätzliche Informationen über den Allgemeinzustand des Patienten.

Wie behandelt man Mundhöhlenkrebs?


Die Therapie von Mundhöhlenkrebs besteht im Allgemeinen in der operativen Entfernung des Tumors. Dabei wird der Tumor großflächig herausgeschnitten und der Defekt mit plastisch-rekonstruktiven Maßnahmen wie einem Transplantat verschlossen.

Ab einem bestimmten fortgeschrittenen Tumorstadium streut der Tumor oft in die benachbarten Lymphknoten und bildet dort Tochtergeschwülste, so genannte Metastasen. In diesen Fällen müssen sämtliche Lymphknoten einer Halsseite, gegebenenfalls auch beider Halsseiten entfernt werden. Da mit den Lymphknoten auch Muskel- und Nervengewebe entfernt werden muss, ist nach der Operation mit teilweise erheblichen Bewegungseinschränkung im Kopf- und Schulterbereich zu rechnen.

Im Anschluss an die Operation erfolgt in der Regel eine Strahlenbehandlung. Die Bestrahlung des umgebenden Gewebes und der Lymphknoten wird durchgeführt, um auch das restliche, bei der Operation eventuell nicht erfasste Tumorgewebe zu zerstören.
Röntgenstrahlung in bestimmter Dosierung verursacht Zellschäden, von denen sich gesunde Zellen jedoch schneller erholen, da sie über bessere Reparaturmechanismen verfügen. Tumorzellen, die primitiver und anfälliger sind, sterben dagegen ab.

Bei fortgeschrittenen Tumorstadien kann alternativ auch zuerst eine Bestrahlung oder eine kombinierte Strahlen-Chemotherapie mit Zellgiften (Zytostatika) in Erwägung gezogen werden. Allerdings sind hierbei in der Regel die Heilungschancen geringer. Die Entscheidung, welche Therapie hinsichtlich ihrer Risiken und ihres Nutzens die beste ist, sollte im Einzelfall eingehend mit den behandelnden Ärzten besprochen werden.

Was sind die Risiken der Behandlung?


Risiken der Operation:
Wie jede Operation bergen auch Eingriffe in der Mundhöhle Risiken und Komplikationen. Als Grundsatz gilt, dass je umfangreicher die Operation und je mehr Gewebe vom Krebs befallen ist, desto mehr Komplikationen und Beschwerden können auftreten. Der verbleibende Defekt in der Mundhöhle nach der Entfernung des Tumors kann Schwierigkeiten beim Essen, Trinken und Schlucken, seltener auch beim Sprechen verursachen.

Bei den Operationen kann es zu Verletzungen von anderen Strukturen wie Nerven und Blutgefäßen kommen, die Blutungen und Nachblutungen nach sich ziehen können. Infektionen, vor allem im Bereich der Wunde, sind möglich. Schlimmstenfalls führt dies zu einer Blutvergiftung. Blutgerinnsel, also Thrombosen und Embolien, kommen in der Regel selten vor. Die radikale Halsausräumung ist bei Mundhöhlenkrebs sicherlich als der größte und komplikationsreichste Eingriff anzusehen. Aber auch hier muss vor und auch während der Operation der Nutzen, also die Heilung des Patienten, im Vordergrund stehen.

Über die Risiken der Narkose klärt vor der Operation ein Narkosearzt, der Anästhesist, auf. Er bespricht mit dem Patienten dessen individuelles Risiko und passt die Narkose dementsprechend an.

Nebenwirkungen der Strahlentherapie:
Da auch gesundes Gewebe durch die Strahlen in Mitleidenschaft gezogen wird, bleiben Nebenwirkungen nicht aus.
Von Bedeutung ist aber auch, wie umfangreich die Bestrahlung erfolgt. Wird nur ein kleiner örtlicher Bereich in der Mundhöhle und die umgebenden Lymphknoten bestrahlt, ist in der Regel mit weniger Nebenwirkungen zu rechnen als bei einer Strahlentherapie bei ausgedehntem, fortgeschrittenem Tumorleiden. Auch können die Reaktionen auf die Therapie im Einzelfall sehr unterschiedlich sein, und die Bestrahlung kann vom dem einen besser vertragen werden als von einem anderen.

Grundsätzlich unterscheidet man frühe und späte Strahlenschäden. Ein sehr frühes Zeichen ist der so genannte Strahlenkater, eine typische Reaktion des Körpers auf die plötzliche Strahlenbelastung mit Appetitlosigkeit, Müdigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Kopfschmerzen. Die Beschwerden verschwinden in der Regel nach der Behandlung schnell wieder. Durch die Strahlenbelastung kommt es vor allem zu Reizungen der Haut und der Schleimhäute. Die Folge sind Entzündungen des Zahnfleischs, der Speiseröhre, des Magens, des Darms und der Harnblase. Es kann auch zu einer Lungenentzündung kommen. Die Entzündung der Darmschleimhaut äußert sich mit Bauchschmerzen, Krämpfen und blutig-schleimigen Durchfällen. Strahlenschäden an der Haut (Strahlendermatitis) ähneln einem Sonnenbrand. Zu den Spätschäden einer Strahlentherapie kommen unter anderem großflächige Gewebezerstörungen und Geschwüre.

Nebenwirkungen der Chemotherapie:
Erfolgt zusätzlich noch eine Chemotherapie, werden auch dabei nicht nur die bösartigen Tumorzellen, sondern auch das gesunde Gewebe durch die Zellgifte (Zytostatika) geschädigt. Im Prinzip kann jedes Organ (z. B. Herz, Nieren, Blase, Leber, Lungen, Knochenmark) mehr oder weniger in Mitleidenschaft gezogen und in seiner Funktion beeinträchtigt werden. Übelkeit, Erbrechen und allgemeine Abgeschlagenheit sind häufige Begleiterscheinungen einer Chemotherapie. Auch werden allergische Reaktionen und Haarausfall beobachtet. Die Zellgifte haben ihrerseits eine gewisse krebsauslösende (kanzerogene) Wirkung.

Wie ist die Prognose von Mundhöhlenkrebs?


Die Prognose von Mundhöhlenkrebs hängt in entscheidendem Maße von der Art, der Lokalisation und dem Stadium, in dem sich der Tumor zum Zeitpunkt der Diagnose befindet, ab.
Dabei sind der Differenzierungsgrad des Tumors, seine Größe und Ausdehnung, ein möglicher Lymphknotenbefall und die Frage nach Metastasen in anderen Organen von großer Bedeutung.

So schwanken die Zahlen von bis zu 80 Prozent Heilungschancen bei sehr früh entdeckten und nicht weit fortgeschrittenen Tumoren und nahezu 0 Prozent bei erheblich fortgeschrittenen Mundhöhlenkarzinomen. Dies unterstreicht die Bedeutung der Früherkennung. Veränderungen in der Mundhöhle, z. B. nicht abheilende Entzündungen oder Geschwüre, sollten unbedingt beim Arzt abgeklärt werden. Dies gilt insbesondere für Menschen, die sich den Risikofaktoren aussetzen, wie starke Raucher. Ganz generell hat sich die Prognose der Erkrankung durch neue, effektiver Behandlungsmethoden in letzter Zeit verbessert.

Nach einem Mundhöhlenkarzinom müssen lebenslang regelmäßige Nachuntersuchungen durchgeführt werden, um einen erneuten Tumor und mögliche Komplikationen frühzeitig zu erkennen.


Literatur/Leitlinien/EBM:



Boenninghaus, H.G.: Hals-Nasen-Ohrenheilkunde. Springer (12. Auflage 2005).

Probst, R.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme (2. Auflage 2004).

Strutz, J.: Praxis der HNO-Heilkunde, Kopf- u. Halschirurgie. Thieme (2001).

Deutsche Krebshilfe e.V. Krebs im Mund-, Kiefer-, Gesichtsbereich (2005).

AWMF online. Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie:Onkologie des Kopf-Hals-Bereiches (1999).
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