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Meningitis



(Hirnhautentzündung)


Was ist eine Meningitis?


Als Meningitis (Hirnhautentzündung) bezeichnet man die Entzündung der Hirnhäute (Meningen). Es handelt es sich um eine schwere Erkrankung, die zu bleibenden Schäden des Nervensystems, aber auch zum Tod führen kann.

Gehirn und Rückenmark werden durch die knöcherne Hülle des Schädels und der Wirbelsäule mechanisch geschützt. Diese knöcherne Hülle ist mit der Hirnhaut (Dura mater, Pia mater, Arachnoidea) ausgekleidet. Innerhalb des von den Hirnhäuten umgebenen Raumes befindet sich das Gehirnwasser, der so genannte Liquor, durch den Gehirn und Rückenmark gegen Stöße geschützt werden.

Eine Meningitis kann durch unterschiedliche Erreger hervorgerufen werden. Die häufigste Form der Meningitis wird von Meningokokken, einer Bakterienart, verursacht. An dieser Form der Meningitis erkrankt jährlich etwa eine Person pro 100 000 Einwohner. Die Meningokokken-Infektion tritt gehäuft im Frühjahr und im Herbst bei Kindern und Jugendlichen auf. Da sie sehr ansteckend ist, müssen nach dem Infektionsschutzgesetz alle Patienten, bei denen die Infektion vermutet wird oder sie nachgewiesen wurde, ebenso wie Todesfälle, dem Gesundheitsamt gemeldet werden. Weitere bakterielle Erreger der Meningitis sind die Pneumokokken und Haemophilus influenzae, die aufgrund der vorhandenen Impfmöglichkeiten jedoch weitgehend zurückgedrängt wurden.

Virale Erreger einer Hirnhautentzündung sind Mumps-, Masern-, Grippe-, Herpes-simplex-, Varizella-zoster-, FSME-, HI-Viren u. a. Auch Pilze können eine Meningitis verursachen.

Wie kommt es zu einer Meningitis?


Je nach Erreger unterscheidet man verschiedene Formen der Hirnhautentzündung. So gibt es bakterielle und virale Formen. Die tuberkulöse Meningitis stellt eine spezielle Form der bakteriellen Hirnhautentzündung dar. Sie ist selten, ebenso wie die durch eine Pilzinfektion hervorgerufene Form.

Gelangen Krankheitserreger in das Innere des von den Hirnhäuten umgebenen Liquorraums, kann sich eine Entzündung der Hirnhäute entwickeln. Die Krankheitserreger können dabei auf verschiedenen Wegen in den Liquorraum gelangen. Sie können durch eine Tröpfcheninfektion, z. B. durch Husten und Niesen, von Mensch zu Mensch übertragen werden, von einem Entzündungsherd in einer anderen Körperregion (z. B. Herpes-Viren, Tuberkulose-Erreger, Pilze) ausgehen, oder im Rahmen von Allgemein-Infektionen (z. B. Mumps- oder Grippeviren) auftreten.

Eine Ausbreitung der Keime erfolgt entweder über den Blutstrom oder auf direktem Wege durch eine offene Verletzung des Schädels, einen nahe gelegenen Abszess z. B. der Nasennebenhöhlen oder des Mittelohres. Die Ausbreitung über die Nasenschleimhaut ist ein typischer Infektionsweg bei der Meningokokken-Infektion.

Je nach Krankheitserreger kann die Meningitis sehr ansteckend sein. Während Hirnhautentzündungen durch Viren, Tuberkulose-Bakterien oder Pilze in der Regel auf ein geschwächtes Immunsystem hinweisen, ist die Ansteckungsgefahr für die durch Meningokokken verursachte Form der bakteriellen Meningitis sehr hoch. Diese Erreger verbreiten sich durch Tröpfcheninfektion, also durch Anhusten oder -niesen, sowie den direkten Kontakt mit erkrankten Personen. Sie führen immer wieder zu örtlichen Masseninfektionen (Epidemien).

Wie macht sich eine Meningitis bemerkbar?


Die Symptome einer Meningitis bestehen anfangs in einem allgemeinen Krankheitsgefühl mit Abgeschlagenheit, Konzentrationsschwäche, Kopf- und Gliederschmerzen. Nachfolgend kommt es zu hohem Fieber und heftigen Kopfschmerzen. Typischerweise werden auch Nackenschmerzen angegeben. Beim Beugen des Kopfes nach vorne kommt es zu einer reflexartigen Versteifung des Nackens vor Schmerzen, der so genannten Nackensteifigkeit (Meningismus), einem typischen Symptom der Hirnhautentzündung.

Häufig sind auch Übelkeit und Erbrechen, Konjunktivitis (Bindehautentzündung) mit Lichtscheu und Rückenschmerzen. Bei schweren Krankheitsbildern treten zusätzlich Verwirrtheit und Bewusstseinsstörungen, manchmal auch Lähmungen oder Krampfanfälle auf. Diese Symptome entwickeln sich meist in sehr kurzer Zeit (innerhalb von wenigen Tagen bis Stunden), manchmal ist der Verlauf aber auch schleichender.

Wie wird eine Meningitis diagnostiziert?


Anhand der oben beschriebenen Beschwerden fällt der Verdacht in der Regel sofort auf eine Meningitis. Nach einer gründlichen körperlichen Untersuchung sind Blutuntersuchungen notwendig, mit denen man Entzündungszeichen, eventuell den Erreger selbst (Blutkultur) oder Antikörper gegen ihn nachweisen kann. Besonders bei Säuglingen verläuft eine Meningitis untypisch, sonst häufige Symptome wie Kopfschmerzen und Nackensteifigkeit können fehlen. Dadurch werden eine frühzeitige Diagnose und eine entsprechende Therapie erschwert.

Der Verdacht auf das Vorliegen einer Meningitis erfordert die rasche Untersuchung des Liquors, um die Diagnose so schnell wie möglich zu bestätigen. Dazu wird mit einer dünnen, langen Nadel in den Wirbelkanal deutlich unterhalb des Rückenmarks eingestochen und eine geringe Menge Liquor entnommen (Lumbalpunktion). In dieser Probe können im Falle einer Meningitis typische Veränderungen, Antikörper oder die Krankheitserreger selbst nachgewiesen werden, so dass die Behandlung dann zielgerichtet erfolgen kann.

Eine Computertomografie (CT) des Schädels kann ebenfalls notwendig sein, z. B. um eine eventuelle Knochenbeteiligung oder Abszesse zu entdecken. Die Kernspintomografie (MRT, NMR) trägt dazu bei, ein Übergreifen der Entzündung auf das Gehirn (so genannte Enzephalitis) nachzuweisen. Kommt es im Krankheitsverlauf zu Krampfanfällen, werden die Hirnströme im Elektro-Enzephalogramm (EEG) aufgezeichnet und ausgewertet.

Sollte die Hirnhautentzündung Folge einer anderen Infektion im Körper sein, so ist eine "Focussuche z. B. mithilfe von Röntgenaufnahmen der Lunge (bei Verdacht auf eine Lungenentzündung als Ursache), CT von Kiefer-, Stirn- und Nasennebenhöhlen sowie anderen Untersuchungen angezeigt.

Wie wird eine Meningitis behandelt?


Sofort nach Abnahme der Blutkulturen und der Lumbalpunktion sollte eine Therapie eingeleitet werden. Bei Verdacht auf eine bakterielle Meningitis wird ein breit wirksames Antibiotikum verabreicht. Antibiotika sind Medikamente, die Bakterien abtöten und damit deren weitere Ausbreitung im Körper verhindern. Nur so kann gefährlichen und z. T. lebensbedrohlichen Komplikationen wie einer Hirnentzündung (Enzephalitis) oder Blutvergiftung (Sepsis) entgegengewirkt werden. Wenn die Ergebnisse der Blut- und Liquoruntersuchungen vorliegen, kann die Therapie auf ein spezifisch gegen den nachgewiesenen Erreger wirksames Antibiotikum umgestellt werden. Schwere Nebenwirkungen einer Antibiotikatherapie wie Schäden an Nieren und anderen Organen sind sehr selten.

Virale Hirnhautentzündungen werden besonders bei einer Infektion mit Herpes-Viren mit Virus hemmenden Mitteln behandelt. Als unerwünschte Wirkungen der Behandlung kann es zu allergischen Reaktionen, Mundtrockenheit, Übelkeit und Magen-Darmbeschwerden sowie zu Blutbildveränderungen, Verschiebungen der Salzkonzentrationen im Blut (Natrium, Kalium) und Störungen des Blutzuckers kommen. Diese leichteren Nebenwirkungen sind angesichts der Gefahr lebensbedrohlicher Komplikationen einer Hirnhautentzündung kein Grund, die Behandlung nicht durchzuführen.

Außerdem können zusätzliche Maßnahmen getroffen werden, um mögliche Komplikationen einer Hirnhautentzündung zu beseitigen oder diesen vorzubeugen. Dazu gehört z. B. die Gabe von Medikamenten zur Blutverdünnung, um das Auftreten von Blutgerinnseln (Thrombosen) zu verhindern, oder der Einsatz von Medikamenten zur Behandlung einer Hirnschwellung. Bei Krampfanfällen werden Antiepileptika eingesetzt. Im Bedarfsfall können Schmerzmittel die Symptome einer Meningitis lindern.

Welche Risiken bestehen bei einer Meningitis?


Die Meningitis ist eine sehr ernste Erkrankung. Unbehandelt hat sie schlechte Aussichten auf Heilung und kann innerhalb kurzer Zeit zum Tode führen. Da es im akuten Stadium der Erkrankung auch zu Atem- und Kreislaufstörungen kommen kann, ist eine Überwachung auf einer Intensivstation notwendig. In manchen Fällen muss vorübergehend künstlich beatmet werden.

Trotz schneller und richtiger Behandlung kann eine Meningitis bleibende Schäden zur Folge haben. Es kann zur Entzündung des Gehirns selbst, zu einem Hirnabszess, zu Schäden der Hirnnerven (z. B. Schwerhörigkeit, Gesichtslähmung) oder einem Liquoraufstau durch Vernarbungen der Hirnhäute und einer damit verminderten Wiederaufnahme der Hirnflüssigkeit kommen. Wiederholte Krampfanfälle können als Zeichen einer Schädigung des Gehirns auch nach Abheilen der Entzündung fortbestehen.

Darüber hinaus muss in Abhängigkeit von der Schwere der Erkrankung auch mit den allgemeinen Komplikationen einer Infektionskrankheit gerechnet werden (Blutgerinnungsstörungen, Blutvergiftung, Organversagen). Die bakterielle Meningitis hat eine Letalität von 10 bis 30 Prozent,
d. h. 10 bis 30 Prozent der Erkrankten überleben die Hirnhautentzündung nicht. Andere Formen der Infektion, wie die tuberkulöse Meningitis, haben z. T. noch schlechtere Prognosen, auch in Abhängigkeit vom Allgemeinzustand und der Abwehrlage des Betroffenen.

Wie kann man sich vor einer Hirnhautentzündung schützen?


Falls jemand an einer bakteriellen Meningitis durch Meningokokken erkrankt, muss die Umgebung vor einer Ansteckung geschützt werden. Die Erkrankten werden nach dem Beginn der Antibiotika-Therapie für 24 Stunden isoliert. Menschen, die mit Meningitiskranken in Kontakt gekommen sind, müssen für die Dauer der Inkubationszeit (bis zu zehn Tage) sorgfältig überwacht werden. Nach einem Erkrankungsfall bleiben Gemeinschaftseinrichtungen wie Schulen oder Kindergärten für diesen Zeitraum geschlossen. In der Regel wird Kontaktpersonen vorbeugend ein Antibiotikum verabreicht.

Eine aktive Immunisierung gegen Meningokokken ist möglich und wird Personen mit Immunschwäche sowie bei Reisen in den tropischen "Meningokokken-Gürtel (Südliche Sahara, Saudi-Arabien, Indien, Nepal, Südamerika etc.) empfohlen. Diese Impfung gibt allerdings nur Schutz vor einigen Untergruppen der Meningokokken, den Serogruppen A, C, W135 und Y. Bei örtlich gehäuftem Auftreten von Infektionen mit einem dieser Serotypen ist eine Impfung auch in Deutschland sinnvoll.

Ein Impfstoff gegen den häufigsten Erreger der Hirnhautentzündung bei Säuglingen und Kleinkindern, Hämophilus influenzae Typ B (HIB), steht ebenfalls zur Verfügung. Diese Impfung wird von der Impfkomission empfohlen und sollte im Alter von zwei, vier, sechs und zwölf Monaten durchgeführt werden. Sie schützt neben der Meningitis auch vor einer lebensbedrohlichen Entzündung der Atemwege und des Kehldeckels durch den gleichen Erreger.

Bei der Meningitis handelt es sich um kein einheitliches Krankheitsbild. Nicht alle Formen sind gleichermaßen ansteckend, sodass vorbeugende Maßnahmen zum Schutz von Kontaktpersonen nicht immer erforderlich sind. Eine virale Hirnhautentzündung als Begleiterkrankung bei einer Grippe- oder einer Mumps-Infektion sind Anzeichen eines geschwächten Immunsystems. Vor einer Ansteckung schützt in diesen Fällen am Besten eine Impfung gegen die entsprechende Grunderkrankung. Manche Formen der Hirnhautentzündung, wie zum Beispiel eine Entzündung als Folge einer offenen Schädelverletzung, sind nicht ansteckend.


Literatur/Leitlinien/EBM:



Arbeitsgemeinschaft Meningokokken. www.agmk.de (2005).

Robert-Koch-Institut: Ratgeber Infektionskrankheiten - Merkblätter für Ärzte: Meningokokken-Erkrankungen (6/2004).

Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag (2004).

Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF),
Deutsche Gesellschaft für Neurologie: Meningitis (9/2003).

Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF),
Deutsche Gesellschaft für Neurologie: Virale Meningoenzephalitis (1/2003).

Huwendiek S., Tonshoff B.: Meningitis in children and adults. Differential diagnostic approach and management. MMW - Fortschritte der Medizin 145, S. 38-41 (2003).

Gleixner, C.: Neurologie und Psychiatrie. Medizinische Verlags- und Informationsdienste (2002/2003).

Klingelhöfer, J.: Klinikleitfaden Neurologie/Psychiatrie, Urban & Fischer (2001).

Pfister, H.W.: Meningitis. Kohlhammer-Verlag (2001).

Grehl, H.: Checkliste Neurologie. Thieme (2000).
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