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Mandelentzündung



(Angina tonsillaris; Tonsillitis, akute)


Was ist eine Mandelentzündung?


Eine Mandelentzündung ist eine Infektion der Gaumenmandeln (Tonsilla palatina). Der Fachausdruck lautet Tonsillitis oder Angina tonsillaris.

In den meisten Fällen wird die Mandelentzündung von bestimmten Bakterien, den so genannten beta-hämolysierenden Streptokokken der Gruppe A, ausgelöst. Selten rufen auch andere Bakterien (Staphylokokken oder Pneumokokken) die Entzündung hervor. Im Kindesalter können manchmal auch Viren verantwortlich sein.

Wie häufig ist eine Mandelentzündung?


Die Erkrankung tritt insbesondere bei Kindern und Jugendlichen häufig auf. Man kann im Laufe seines Lebens mehrmals an einer Tonsillitis erkranken.

Plötzlich auftretende, schnell und heftig verlaufende Infektionen nennt man akute Mandelentzündungen. Treten Mandelentzündungen in kurzen Abständen immer wieder auf, werden sie als chronisch bezeichnet.

Ist eine Mandelentzündung ansteckend?


Die Mandelentzündung ist eine ansteckende Krankheit. Die häufigsten Erreger, die Streptokokken, werden durch wässrige Tröpfchen (Speichel, Niesen etc.) über den Nasen-Rachen-Raum übertragen.

Nach der Ansteckung dauert es zwei bis vier Tage, bis die Erkrankung ausbricht (Inkubationszeit).

Große Menschenansammlungen fördern die Übertragung. Aus diesem Grund sollten Erkrankte nach Beginn der Behandlung (Antibiotikatherapie) für eine Woche von Gemeinschaftseinrichtungen wie Kindergärten, Schulen oder Großraumbüros fernbleiben.

Welche Beschwerden macht eine Mandelentzündung?


Eine Mandelentzündung beginnt meist heftig mit schnellem Fieberanstieg und sich verschlechterndem Allgemeinbefinden. Es stehen Halsschmerzen mit Ausstrahlung in die Ohren, Schluckbeschwerden und erhebliche Schwellungen der Halslymphknoten im Vordergrund. Der Rachen ist gerötet, die Mandeln sind angeschwollen und mit punktförmigen oder länglichen Eiterstippchen belegt.

Kinder wollen wegen der starken Schmerzen beim Schlucken häufig nicht essen und trinken.

Eine chronische Mandelentzündung kann sich in immer wieder auftretenden akuten Beschwerden äußern, sie kann aber auch ohne wesentliche Symptome mit Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit, unangenehmem Geschmack und Mundgeruch ablaufen.

Welche Untersuchungen sind bei einer Mandelentzündung notwendig?


Die körperliche Untersuchung ist am wichtigsten. Sie beinhaltet die Inspektion der Mundhöhle, des Rachens und der Gaumenmandeln. Dabei sieht der Arzt gerötete und geschwollene Mandeln, später finden sich auch weiße Stippchen und Beläge. Der Hals wird auf vergrößerte und druckschmerzhafte Lymphknoten abgetastet.

Da die meisten Mandelentzündungen von Streptokokken hervorgerufen werden, ist bei den typischen Krankheitszeichen und auffälligen Mandeln häufig eine Behandlung mit Antibiotika auch ohne die vorhergehende Bestimmung der auslösenden Bakterien sinnvoll.

Für die Festlegung der Therapie ist es trotzdem sinnvoll, den Erreger der Mandelentzündung zu bestimmen. Dazu stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung. Am häufigsten wird der Streptokokken-Schnelltest durchgeführt: Es wird mit einem kleinen Wattestäbchen über die Mandeln gestrichen und auf diese Weise erregerhaltiges Material gewonnen (Rachenabstrich). Der Schnelltest kann bereits nach wenigen Minuten ausgewertet werden. Bei positivem Testergebnis liegt eine Streptokokkeninfektion vor. Ist der Test negativ und besteht weiterhin der Verdacht auf eine bakterielle Infektion wird aus dem Rachenabstrich eine Bakterienkultur angelegt.

Bis das Ergebnis vorliegt, vergehen zwei bis drei Tage. Dafür ist die Bakterienkultur wesentlich genauer und kann außer den Streptokokken auch andere Bakterien nachweisen. Außerdem kann bei dieser Untersuchung gleichzeitig die Wirksamkeit verschiedener Antibiotika auf das vorliegende Bakterium bestimmt werden (Antibiogramm). Treten bei einer ungenügend oder gar nicht behandelten bakteriellen Tonsillitis Symptome auf, die auf Komplikationen hinweisen, wird zur Sicherung der Diagnose häufig eine Blutprobe auf Antikörper gegen spezielle Bakteriengifte untersucht.

Zur Unterscheidung zwischen Bakterien und Viren als Auslöser der Infektion ist im Einzelfall eine Blutuntersuchung hilfreich. Bei einer bakteriellen Infektion sind die weißen Blutkörperchen vermehrt, die Blutsenkungsgeschwindigkeit beschleunigt und das C-reaktive Protein (CRP) deutlich erhöht. Bei einer Entzündung mit Streptokokken ist der Antistreptolysin-Titer erhöht. Sind Viren die Ursache der Mandelentzündung finden sich keine starken Veränderungen im Blut.

Wie wird eine Mandelentzündung behandelt?


Allgemeine Maßnahmen wie Bettruhe, feucht-warme Umschläge, Schmerzmittel, Lutschtabletten, Mundspülungen (zum Beispiel mit Salbeitee) und weiche Kost sind bei allen Formen der Mandelentzündung sinnvoll.

Liegt eine bakterielle Infektion vor, ist eine Behandlung mit einem Antibiotikum unbedingt notwendig. Ohne Behandlung mit Antibiotika drohen Folgeerkrankungen, besonders am Herzen, an den Muskeln und Gelenken sowie an den Nieren. Die Wirkung der Antibiotika beruht darauf, dass sie die Bakterien abtöten und damit deren weitere Ausbreitung im Körper verhindern. Als unerwünschte Wirkungen der Antibiotika kann es zu allergischen Reaktionen, Mundtrockenheit, Übelkeit und Magen-Darm-Beschwerden sowie zu Blutbildveränderungen kommen. Schwere Nebenwirkungen der Antibiotikatherapie wie Schäden an Nieren und anderen Organen sind selten.

Penizillin in Tabletten- oder Saftform ist das Antibiotikum der Wahl. Manchmal werden auch andere Antibiotika eingesetzt. Das ist dann notwendig, wenn eine Penizillin-Allergie vorliegt, Komplikationen auftreten oder im Rachenabstrich Keime nachgewiesen wurden, die auf Penizillin weniger empfindlich reagieren. Manchmal ist es notwendig, das Antibiotikum als Spritze zu verabreichen. Wichtig ist, dass das Medikament auch nach dem Abklingen der Beschwerden über insgesamt zehn Tage eingenommen wird, selten ist auch eine noch längere Behandlung nötig.

Gibt es bei einer Mandelentzündung Komplikationen?


Komplikationen treten bei einer Mandelentzündung heute nur noch selten auf, da es mit den Antibiotika eine sehr gut wirksame Therapie gibt. Man unterscheidet akute Komplikationen, die während der Erkrankung auftreten und Zweiterkrankungen, die als Folge einer fehlenden oder zu kurzen Einnahme von Antibiotika auftreten.

Akute Komplikationen
Durch die starke Schwellung der Mandeln kann es nicht nur zu Schluckbeschwerden, sondern auch zu Atemnot kommen. Insbesondere bei unzureichender Therapie mit Antibiotika kann sich eine Blutvergiftung (tonsillogene Sepsis) entwickeln. Schmilzt Gewebe ein, kann sich eine Eiterhöhle bilden (Peritonsillarabszess). In diesen Fällen ist außer einer Antibiotikatherapie auch eine sofortige Operation zur Mandelentfernung angezeigt.

Zweiterkrankungen
Wird die bakterielle Mandelentzündung nicht ausreichend oder gar nicht mit Antibiotika behandelt, kann es zu einer Entzündung der Nierenkörperchen in den Nieren (akute Glomerulonephritis), einem akuten rheumatischen Fieber oder zu einer Entzündung der Herzinnenhaut (Endocarditis rheumatica) kommen. Alle diese Erkrankungen sind gefährlich und heilen oft nicht folgenlos aus.

Aus diesem Grund ist es erforderlich, die Einnahme des Antibiotikums so lange fortzusetzen, wie es verordnet wurde, auch wenn die Beschwerden bereits abgeklungen sind. Die Zweiterkrankungen können sich mit Schmerzen in der Muskulatur ("Muskelkater"), den Gelenken oder in den Flanken (bei Befall der Nieren) äußern. Auch ein unregelmäßiger Herzschlag, Wassereinlagerungen in den Beinen oder eine Veränderung des Urins können Hinweise auf eine Folgekrankheit sein.

Wann müssen die Mandeln operativ entfernt werden?


Operativ entfernt werden müssen die Mandeln (medizinisch: Tonsillektomie) bei starker Schwellung mit Atemnot, bei einer Blutvergiftung sowie bei der Entwicklung von Abszessen (eitrige Abkapselungen). Weniger eilig ist eine Operation bei den genannten Zweiterkrankungen. Im Allgemeinen wird sie dann aber dennoch empfohlen.

Bei einer chronischen Mandelentzündung ist eine Tonsillektomie bei häufig auftretenden Infektionen oder bei starkem Mundgeruch sinnvoll. Ob eine Operation notwendig ist oder nicht, wird im Einzelfall entschieden.


Literatur/Leitlinien/EBM:



Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF)
Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie:
Chronische Tonsillitis (6/2001).

Boenninghaus, H. G.: Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Springer (2000).

Probst, R.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Thieme (2000).
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