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Meningeom



(Hirnhauttumor)


Was ist ein Meningeom?


Von den Häuten (Meningen) des Gehirns oder des Rückenmarks ausgehende Tumore bezeichnet man als Meningeome (Hirnhauttumoren).

Das Gehirn wird von Schädelknochen umgeben und ist damit der bestgeschützte Teil des Körpers. Durch das Zusammenspiel der verschiedenen Hirnareale werden Gedächtnis und Lernvermögen ermöglicht, außerdem Sinneswahrnehmungen wie das Sehvermögen, der Geruchssinn, Gehör, Geschmack- und Tastsinn gesteuert. Das Gehirn wird in drei funktionell bedeutsame Bereiche eingeteilt: das Großhirn, das Kleinhirn und den Hirnstamm.

Zwischen Schädelknochen und Gehirn liegen die Hirnhäute. Die weiche Hirnhaut (Leptomeninx) besteht aus der Arachnoidea und der Pia mater und überzieht das Gehirn. Der Schädelknochen ist hingegen mit harter Hirnhaut (Dura mater) überzogen.

Meningeome sind die häufigsten Tumoren im Gehirn, sie machen etwa ein Viertel der Neubildungen im Schädelinneren aus. In Zahlen ausgedrückt erkranken in Deutschland jährlich sechs von 100.000 Menschen an einem Meningeom. Sie treten vor allem zwischen dem 40. und 70. Lebensjahr auf, bei Frauen etwa doppelt so häufig wie bei Männern. Die genaue Ursache für die Entstehung eines Hirnhauttumors ist zwar nicht bekannt, bestimmte Veränderungen im Erbgut scheinen die Krankheit aber zu begünstigen..

In der Regel wachsen Meningeome langsam über Jahre und verdrängen dabei das umliegende Hirngewebe. Sie werden oft erst dann entdeckt, wenn sie durch ihre zunehmende Größe auf Nerven oder Hirnzentren drücken und dadurch Beschwerden verursachen. Viele Meningeome sind auch reine Zufalsbefunde, diagnostiziert anlässlich anderer Untersuchungen. Da sie langsam verdrängend wachsen und keine Tochtergeschwülste (Metastasen) in den Körper streuen, sind Meningeome in aller Regel gutartig. Vom umgebenden Hirngewebe grenzen sie sich durch eine Kapsel ab und sind gut durchblutet. Manchmal wachsen Hirnhauttumoren aber auch in den Schädelknochen ein und zerstören ihn. Sehr selten sind Tumoren der Hirnhäute bösartig - man spricht dann von Hirnhautkarzinomen.

Welche Beschwerden treten bei einem Meningeom auf?


Da Meningeome langsam über Jahre wachsen, verursachen sie oft lange Zeit gar keine Beschwerden und werden  wenn überhaupt  erst spät entdeckt.

Die ersten Anzeichen eines Hirnhauttumors können vielfältig sein. Entscheidend ist oft der Tumorort, je nachdem, in welchem Bereich im Gehirn das Meningeom liegt, sind die Symptome sehr unterschiedlich. Hinweise auf eine Raumforderung im Gehirn sind plötzlich auftretende Kopfschmerzen, Sprach-, Hör- und Geruchsstörungen, verschwommenes Sehen und Ausfälle im Blickfeld. Aber auch Veränderungen im Verhalten und im Wesen wie Gereiztheit, Vergesslichkeit, Antriebslosigkeit und unkontrollierte Wutanfälle können durch ein Tumorwachstum an den Hirnhäuten bedingt sein.

Die Ursache der Beschwerden liegt vor allem im verdrängenden Tumorwachstum. Ein gutartiges Meningeom vergrößert sich unkontrolliert und drückt wegen der beengten räumlichen Verhältnisse im Schädelinnern irgendwann auf das gesunde, funktionierende Hirngewebe. In seltenen Fällen ist das Meningeom bösartig, so dass es in das gesunde Gehirn hineinwächst und dieses zerstört. Dann kommt es zu Funktionsausfällen der Hirnregion, die sich zum Beispiel als plötzlich auftretende Bewegungsstörung äußern kann.

Ein Meningeom kann sich auch durch Krampfanfälle (epileptische Anfälle) bemerkbar machen. Dabei verkrampfen sich Arme und/oder Beine, die Augen blicken zur Seite. Die Betroffenen sind zum Teil bewusstlos. Die Ursache dieser Krampfanfälle muss beim ersten Auftreten abgeklärt werden, da es sich neben einer "klassischen Epilepsieerkrankung" auch um einen Tumor handeln kann.

Wie wird ein Hirnhauttumor festgestellt?


Ein ausführliches Gespräch mit dem behandelnden Arzt, in dem der Betroffene die Beschwerden schildert, die ihn zum Arzt führen, steht am Anfang der Diagnostik. Berichtet er z. B. über in der letzten Zeit zunehmende Kopfschmerzen, Krampfanfälle, Sprachstörungen oder Lähmungen, so kann das vor allem bei älteren Menschen auf ein Meningeom hinweisen und muss ursächlich abgeklärt werden.

Auf eine gründliche allgemeinärztliche Untersuchung (Herzabhören, Blutdruckmessen, Pulstasten etc.) folgt eine intensive neurologische Untersuchung, um Hinweise auf eventuelle nervenbedingte Störungen und Ausfälle zu gewinnen. Der Arzt überprüft unter anderem die Reflexe, die körperliche Kraft und das Empfindungsvermögen. Anschließend schaut er durch die Pupille auf den Augenhintergrund, um zu prüfen, ob Anzeichen für einen erhöhten Druck im Gehirn vorliegen.

Weitere Untersuchungen, die zur Feststellung bzw. zum Ausschluss eines Meningeoms durchgeführt werden, sind:
  • Röntgenaufnahmen des Schädels:
    Meningeome zeigen häufig Verkalkungen, eventuell auch Knochenzerstörungen oder verbreiterte Gefäßfurchen im Schädel
  • Computertomografie des Kopfes (CCT): Schichtbildaufnahmen des Gehirns
  • Kernspintomografie (MRT, NMR) mit Gabe von Kontrastmittel, das sich im Tumor anreichert
  • MR-Angiografie (Darstellung der Blutgefäße des Tumors)
  • Elektroenzephalogramm (EEG, Messung der Hirnströme)

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?


Operation
Ziel der Behandlung ist es, das Meningeom möglichst vollständig durch eine Operation zu entfernen. Die komplette Entfernung des Tumors nennt man Totalexstirpation. Es gibt aber auch Tumoren der Hirnhäute, die aufgrund ihrer Lage oder Größe einem solchen Eingriff nicht zugänglich sind und nur teilweise weggenommen werden können.

Die Operation erfolgt in der Regel über die Eröffnung des Schädels. Dabei versucht der Chiriurg, den Zugangsweg so klein wie möglich aber so groß wie nötig zu halten, um eine sichere Entfernung des Tumors und eine geringe Verletzungsgefahr von Gehirngewebe, Nerven und Blutgefäßen zu gewährleisten. Neben den allgemeinen Operationskomplikationen wie Blutungen, Infektionen und erhöhter Gefahr eines Blutgerinnsels (Thrombose), bergen Eingriffe am Gehirn zusätzlich das Risiko von vorübergehenden bis hin zu bleibenden Schäden des Nervensystems (z. B. Lähmungen). Risiko und Nutzen einer solchen Operation sollten deshalb im Vorfeld eingehend mit den behandelnden Ärzten besprochen und hinsichtlich des Heilungserfolges bzw. der zu erwartenden Verbesserung der Lebensqualität abgewogen werden.

Endoskopische Operation
In einigen Fällen besteht auch die Möglichkeit einer endoskopischen Operation, also der so genannten Schlüsselllochchirurgie. Dabei geht man mit speziellen Mikroskopen, Lasern und Spezialinstrumenten vor, die der Arzt über ein kleines Loch im Schädelknochen ins Gehirn vorschiebt. Auch nach einer komplikationslosen Operation ist mit einem ein- bis zweitägigen Aufenthalt auf der Intensivstation zu rechnen. Nach einem Eingriff am Gehirn sind längere Ruhepausen, ausreichend Schlaf und das Meiden von Alkohol und Nikotin empfehlenswert.

Gamma-Knife-Verfahren
Eine recht neue Form der Strahlentherapie stellt das Gamma-Knife-Verfahren dar. Anstelle eines chirurgischen Instruments werden bei dieser Therapie Gamma-Strahlen eingesetzt, die von einem Gerät stark gebündelt worden sind. Zielgenau können die Strahlen so jeden vorher genau berechneten Punkt im Gehirn erreichen, ohne den Schädel zu eröffnen. Die gebündelten Strahlen sind hochwirksam, sie zerstören die Tumorzellen, sodass mit ihnen Hirntumore, aber auch Gefäßveränderungen ohne Messer nahezu "herausgeschnitten" werden können. Daher der Name: knife = (engl.) Messer.

Umgebende Gewebe werden dabei im Vergleich zur herkömmlichen Strahlentherapie weitgehend geschont. Das Verfahren wird zur Zeit intensiv erforscht, um nachzuweisen, ob es hinsichtlich der Langzeitergebnisse der konventionellen Radiotherapie und Hirnoperationen gleichwertig oder überlegen ist. Zur Zeit liegen diese Ergebnisse nicht vor. Einschränkend muss erwähnt werden, dass das Verfahren sich nicht für alle Tumore eignet. Tumore, die kleiner als vier Millimeter sind, können in der Regel nicht behandelt werden, bei solchen über drei Zentimeter Durchmesser nimmt die Gefahr der Nebenwirkungen (z. B. Hirnschwellung, Einblutung) stark zu. Der Vorteil der so genannten Radiochirurgie, also der "Operation mit Strahlung", liegt in der kurzen und ambulant durchzuführenden Behandlung. In der Regel sind die Nebenwirkungen gering und das Allgemeinbefinden wird kaum beeinträchtigt.

Strahlentherapie
Bei einem bösartigen Tumor der Hirnhäute, dem anaplastischen Meningeom, folgt der Operation eine Strahlentherapie. Röntgenstrahlung in bestimmter Dosierung verursacht Zellschäden, von denen sich gesunde Zellen jedoch schneller erholen, da sie über bessere Reparaturmechanismen verfügen. Tumorzellen, die primitiver und anfälliger sind, sterben dagegen ab.
Da auch gesundes Gewebe in Mitleidenschaft gezogen wird, bleiben Nebenwirkungen nicht aus. Man unterscheidet frühe Strahlenschäden ("Strahlenkater" mit Appetitlosigkeit, Müdigkeit, Übelkeit, Kopfschmerzen u. a.) und späte (v. a. Entzündungen der Haut, des Zahnfleischs, des Magen-Darm-Traktes sowie des Gehirnes selbst) Strahlenschäden.
Auch gutartige Meningeome werden, wenn sie nicht vollständig chirurgisch entfernt werden können, bestrahlt, mit dem Ziel, ihr weiteres Wachstum zu unterbinden.

Wie ist die Prognose eines Meningeoms?


Die meisten Meningeome sind gutartig und haben nach der Operation eine sehr gute Prognose. In etwa 15 Prozent der Fälle tritt nach einer Totalentfernung erneut ein Tumor auf - man spricht dann von einem Rezidiv, das eventuell noch einmal operiert werden muss.

Konnte das Meningeom nicht komplett weggenommen werden, wächst es in über der Hälfte der Fälle innerhalb von zehn Jahren wieder nach. Das seltene bösartige Meningeom hat trotz Operation und Strahlentherapie insgesamt eine sehr ungünstige Prognose.

Literatur/Leitlinien/EBM:



Gleixner, C.: Neurologie und Psychiatrie. Medizinische Verlags- und Informationsdienste (2004/2005).

Grehl, H.: Checkliste Neurologie. Thieme (2002).

Masuhr, K.: Duale Reihe Neurologie, Thieme (5. vollständig überarbeitete Auflage 2004)

Klingelhöfer, J.: Klinikleitfaden Neurologie/Psychiatrie. Urban & Fischer (3. Auflage 2003).
Mumenthaler, M.: Neurologie. Thieme (11. Auflage 2002).

Müller, M.: Chirurgie für Studieum und Praxis. Medizinische Verlags- und Informationsdienste (2004/05).

Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Deutsche Gesellschaft für Neurochirurgie: Intrakranielle Meningeome (Erstellungsdatum Januar 1999).

Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Leitlinien in der Radioonkologie. Radiotherapie von primären Tumoren des Zentralnervensystems und ZNS-Metastasen im Erwachsenenalter (Erstellungsdatum Oktober 1999).
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