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Migräne




Was versteht man unter Migräne?


Nicht bei jedem starken Kopfschmerz handelt es sich um eine Migräne. Es sind mehr als 165 unterschiedliche Kopfschmerzformen bekannt, die sich im klinischen Erscheinungsbild und der Therapie unterscheiden. Unter Migräne wird eine besondere Form von Kopfschmerzen verstanden, die anfallsartig immer wieder auftreten und mit typischen Begleiterscheinungen einhergeht.

Typische Migräne-Kopfschmerzen sind mittelschwer bis schwer, pulsierend und pochend und treten in der Regel nur auf einer Seite des Kopfes auf. Die Seite der Kopfschmerzen kann von einem Migräneanfall zum anderen oder sogar während einer Attacke wechseln. Migräneanfälle dauern typischer Weise zwischen vier und 72 Stunden. Durch körperliche Anstrengung werden die Beschwerden stärker, so dass sie die Leistungsfähigkeit einschränken oder das Verrichten von alltäglichen Handlungen sogar unmöglich machen.

Die Betroffenen klagen während der Migräneattacke oft über Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen. Sie sind besonders licht- und lärmempfindlich und reagieren sensibel auf Gerüche. Vor und nach den Attacken können sich die Stimmung, der Appetit, der Flüssigkeitshaushalt und die Darmfunktion verändern. Zwischen den einzelnen Kopfschmerzanfällen ist der Migränepatient nicht auffällig und normal leistungsfähig.

Den eigentlichen Kopfschmerzen gehen bei manchen Patienten andere Beschwerden voraus, die als Aura bezeichnet werden. Dabei handelt es sich zum Beispiel um Sehstörungen (Ausfälle des Gesichtsfeldes, so genannte Skotome) oder um Kribbelgefühle in einer Gliedmaße. Diese Störungen dauern zwischen 15 Minuten und einer Stunde an und verändern sich typischerweise während dieser Zeit. So breiten sich die Missempfindungen in der Regel über die Gliedmaßen aus, Ausfälle im Sehfeld wandern z. B. von innen nach außen. Zumeist verschwinden diese Störungen mit dem Einsetzen der Kopfschmerzen. Bei bestimmten Migräneformen kommt es während einer Aura auch zu vorübergehenden Lähmungserscheinungen.

Wie entsteht Migräne und wodurch kann sie ausgelöst werden?


Migräne ist eine häufige Erkrankung. Etwa sieben Prozent der Bevölkerung sind betroffen. Die Krankheit kommt in allen Bevölkerungsgruppen und in allen sozialen Schichten gleichermaßen oft vor. Die Veranlagung, eine Migräne zu entwickeln, tritt in einigen Familien gehäuft auf. Wenn ein Elternteil an Migräne leidet, haben die Kinder eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, ebenfalls zu erkranken. Bei einer bestimmten Migräneform konnte man eine Veränderung in den Erbanlagen nachweisen, die weiter vererbt wird.

In den meisten Fällen spielen bei der Entstehung einer Migräne jedoch viele Faktoren eine Rolle. Dazu zählen Erbanlagen ebenso wie das Lebensalter, aber auch äußere Faktoren wie bestimmte Lebensgewohnheiten, die Einnahme von Medikamenten oder der Einfluss von Stress. Wenn eine Veranlagung besteht, können bestimmte Einflüsse einen Migräneanfall auslösen.

Migräne tritt oft bereits bei Kindern oder Jugendlichen auf. In vielen Fällen werden die Anfälle im höheren Lebensalter seltener und nehmen in ihrer Intensität ab. Vor der Pubertät sind Jungen und Mädchen etwa gleich häufig von einer Migräne betroffen. Danach überwiegen Frauen im Verhältnis von zwei zu eins. Weibliche Geschlechtshormone spielen als Auslöser von Migräneattacken wahrscheinlich eine wichtige Rolle. Bei jeder zehnten Frau ist die Migräne an den Rhythmus der Periodenblutung gebunden. Die Einnahme der Pille verstärkt bei manchen Migränepatientinnen die Beschwerden. Viele Patientinnen machen die Erfahrung, dass die Migräne während der Schwangerschaft deutlich nachlässt. Danach ist die Migräne meist genauso häufig wie zuvor. Nach den Wechseljahren werden die Migräneattacken bei einigen Frauen seltener und schwächer.

Sowohl zu kurzer als auch zu langer Schlaf kann eine Migräneattacke auslösen. Halten die Patienten ihren normalen und regelmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus ein, bleiben Attacken häufiger aus. Ein typischer Auslöser ist die Veränderung des Schlaf-Wach-Rhythmus bei Fernreisen. Aber Schlaf selbst schützt nicht vor Migräne. Manche Migräneattacken treten sogar während des Schlafes auf.

Viele Migränepatienten leiden gerade in einer Entspannungsphase nach einer Stress-Situation an einer Migräneattacke. Auch hier besteht ein Zusammenhang mit der so genannten Wochenend-Migräne, da die meisten Menschen während der Woche stärkeren Stressreizen ausgesetzt sind als am Wochenende. Aus diesem Grund sind Migräneanfälle in den ersten Urlaubstagen ebenfalls besonders häufig. Aber auch Aufregung und Angst vor einem wichtigen Ereignis, wie zum Beispiel einer Prüfung, können Migräneattacken auslösen. Dies bedeutet nicht, dass Migräne eine ausschließlich psychische Ursache hat. Stress setzt verschiedene körperliche Veränderungen, wie zum Beispiel die Ausschüttung von Hormonen, in Gang und ist nur ein möglicher Auslöser, aber nicht die Ursache der Migräne.

Etwa zehn Prozent der Betroffenen berichten, dass bestimmte Nahrungsmittel gelegentlich eine Migräneattacke auslösen können. Das sind unter anderem Rotwein, bestimmte Käsesorten, Schokolade, sehr fette Speisen und Zitrusfrüchte. Ein Zusammenhang von Migräneanfällen und Nahrungsmitteln ist wissenschaftlich jedoch nicht sicher nachweisbar. Eine spezielle Anti-Migräne-Diät, die über das Meiden der Lebensmittel hinausgeht, die bei dem einzelnen Patienten einen Anfall auslösen, ist nicht sinnvoll und schränkt die Lebensqualität weiter ein. Ein plötzlich verändertes Essverhalten, wie zum Beispiel eine Schlankheitsdiät, kann einen Migräneanfall auslösen, der möglicherweise durch den Abfall des Blutzuckerspiegels entsteht. Bei Menschen, die regelmäßig Kaffee trinken, kann das Absinken des Koffeinspiegels im Blut Auslöser einer Migräneattacke sein.

Viele Migränepatienten reagieren empfindlich auf die Wetterlage: In Umfragen berichtete nahezu jeder Zweite, dass seine Migräneattacken durch Luftdruckabfall, Wetterumschwung und Föhn ausgelöst würden. Diese Faktoren sind als Auslöser wissenschaftlich jedoch ebenfalls nicht nachgewiesen.

Lärm oder starke Gerüche, beispielsweise aus Chemikalien oder bestimmten Parfüms, können ebenfalls als Migräneauslöser wirken. Viele Migränepatienten vertragen keinen längeren Aufenthalt in klimatisierten oder verqualmten Räumen. Sehr selten können auch verschiedene andere äußere Reize Migräneattacken auslösen. Manche Patienten reagieren zum Beispiel empfindlich auf flackerndes Fernsehlicht oder Lichtblitze in einer Discothek. Diese Reize sind jedoch nur in Ausnahmen für das Auslösen eines Migräneanfalls verantwortlich.

Welche Ursachen kann eine Migräne haben?


Zu Beginn einer Migräneattacke verengen sich die Blutgefäße im Gehirn. Bestimmte Hirnregionen werden schlechter durchblutet. Dies führt zu einer vorübergehenden Funktionseinschränkung von Nervenzellen. Anschließend erweitern sich die Blutgefäße wieder. Da Blutgefäße schmerzempfindlich sind, verursacht diese Gefäßdehnung und der Austritt von Blutplasma durch die Gefäßwände die migränetypischen Schmerzen. Die Vorgänge im Gehirn, die dazu führen, dass eine Migräneattacke entsteht, sind in der Vergangenheit intensiv erforscht worden.

Der Migräneanfall selbst entsteht im Gehirn. Dabei spielt der Hypothalamus, eine Region im Gehirn, eine Rolle. Diese Region koordiniert wichtige Vorgänge im Körper, die willentlich nicht zu steuern sind, wie zum Beispiel den Wach- und Schlafrhythmus, den Blutdruck, die Atmung, die Nahrungsaufnahme und den Stoffwechsel. Bei Migränepatienten kann der Hypothalamus durch verschiedene äußere Reize stark erregt werden. Eine Reizung löst dann eine Verengung der Hirngefäße aus und hemmt das Schmerzkontrollsystem.

Die Verengung der Blutgefäße führt zu einer vorübergehenden Funktionseinschränkung von Nervenzellen. Diese Funktionseinschränkung breitet sich über verschiedene Bereiche des Gehirns aus. Einige Patienten erleben diese Funktionseinschränkung als Sehstörungen oder Missempfindungen, die sich über eine Gliedmaße oder das Gesicht ausbreiten. Diese Störungen, die den eigentlichen Kopfschmerzen vorhergehen, werden auch als Aura bezeichnet.

Durch die Funktionsstörung der Hirnregionen kommt es auch zu einer Freisetzung von Entzündungsbotenstoffen. Sie erweitern die Blutgefäße im Gehirn und in den Hirnhäuten und erhöhen die Durchlässigkeit der Gefäßwände. Blutplasma kann dann in die Umgebung austreten. Die Entzündung der Blutgefäße verursacht starke Schmerzen, jeder Pulsschlag gegen die gereizte Gefäßwand ist unangenehm. Durch den Ausfall des Schmerzkontrollsystems führt jeder Reiz von außen, wie Lärm oder helles Licht, zu einer Verstärkung der Schmerzen. Übelkeit und Erbrechen entstehen durch eine Bewegungseinschränkung des Magen-Darm-Traktes. Diese wird möglicherweise auch über die Erregung des Hypothalamus ausgelöst.

Eine wichtige Rolle spielt auch der Botenstoff Serotonin. Diese Substanz verengt die Blutgefäße im Gehirn. Migränepatienten weisen in Studien eine niedrigere Konzentration an Serotonin im Gehirn auf als Menschen ohne Migräne.

Wie wird die Diagnose gestellt?


Um eine Migräne sicher von anderen Kopfschmerzformen unterscheiden zu können, ist vor allem die Krankengeschichte des Patienten wichtig. Um dem behandelnden Arzt die richtige Diagnose zu erleichtern, sollten ihm folgende Fragen beantwortet werden:
  • Seit wann und wie oft treten Kopfschmerzen auf?
  • Wie lange dauern die einzelnen Attacken?
  • Wo genau sind die Schmerzen lokalisiert?
  • Sind die Schmerzen eher pulsierend, dumpf-drückend, brennend oder stechend?
  • Treten Begleiterscheinungen wie Licht- oder Lärm-Empfindlichkeit, Übelkeit oder Erbrechen, Sehstörungen auf?
  • Treten die Kopfschmerzen gehäuft in bestimmten Situationen auf, z. B. am Wochenende, nach besonderem Stress oder vor der Regelblutung? Wird ein Zusammenhang mit der Aufnahme von bestimmten Nahrungsmitteln, Alkohol oder Medikamenten vermutet?
  • Wurden bereits Medikamente gegen die Schmerzen eingenommen oder sonstige Maßnahmen ergriffen? Welche Medikamente/Maßnahmen helfen und welche nicht?
  • Werden regelmäßig Schmerzmittel oder andere Medikamente eingenommen?
  • Sind in der Familie ähnliche Beschwerden bekannt?

Zur sicheren Diagnosestellung einer Migräne müssen mindestens fünf Kopfschmerz-Anfälle aufgetreten sein, die sich durch bestimmte Kriterien ausgezeichnet haben:

Sie dauerten zwischen 4 und 72 Stunden an.
Sie weisen mindestens zwei der folgenden Symptome auf:
  • einseitig auftretend
  • pulsierend
  • gleichzeitiges Auftreten von Übelkeit und Erbrechen
  • Überempfindlichkeit auf Licht und/oder Lärm
  • mittelschwere bis schwere Schmerzen und Verstärkung bei körperlicher Anstrengung

Als wichtiges Hilfsmittel werden zur Sicherung der Diagnose Schmerzfragebogen und spezielle Kopfschmerz-Kalender eingesetzt. Diese Hilfsmittel ermöglichen es, die Merkmale des Kopfschmerzes genau zu erfassen. Außerdem kann der Zusammenhang zu verschiedenen Auslösern, zum Beispiel ein gehäuftes Auftreten der Migräne am Wochenende oder vor der Regelblutung festgestellt werden. Nicht jedem Patienten sind solche Auslöser bewusst. Im Verlauf der Behandlung ermöglicht es ein Kopfschmerzkalender aufzuzeigen, ob Anfälle unter einer Therapiemaßnahme seltener auftreten oder weniger stark ausfallen.

Wenn die Beschwerden nicht in allen Bereichen typisch für Migräne sind, ist eine Abgrenzung zu anderen Kopfschmerzformen notwendig. In diesem Fall kann es sinnvoll sein, weitere Untersuchungen durchzuführen. Eine Abgrenzung von anderen Kopfschmerzformen ist auch dann sinnvoll, wenn sich die Beschwerden bei einer bekannten bestehenden Migräne deutlich verändert haben, stärker geworden sind oder wenn neue Begleiterscheinungen hinzugekommen sind. Nervenausfälle, wie sie bei einer Aura auftreten, können auch im Rahmen von anderen Erkrankungen auftreten. Aus diesem Grund sollten solche Beschwerden, wenn sie erstmals auftreten, grundsätzlich sorgfältig abgeklärt werden.

Blutuntersuchungen können erste allgemeine Hinweise auf Entzündungen oder Stoffwechselerkrankungen geben. Die Untersuchung von Nervenwasser (Liquor), das aus dem Wirbelkanal unterhalb des Rückenmarks entnommen wird, liefert Hinweise auf spezielle Entzündungen des zentralen Nervensystems. Durch Schichtaufnahmen in Form einer Computertomografie oder einer Kernspintomografie können bestimmte Krankheiten wie Durchblutungsstörungen, Entzündungen oder Hirntumore festgestellt werden, die ebenfalls eine seltene Ursache für Kopfschmerzen darstellen. Auch eine Messung der Hirnströme durch ein EEG kann in einzelnen Fällen angezeigt sein.

Bei einer Migräne können in diesen Untersuchungen keine auffälligen Veränderungen festgestellt werden. Zur Sicherung der Diagnose sind diese Untersuchungen nicht routinemäßig erforderlich.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?


Eine Migräne ist eine komplexe Krankheit mit vielen Symptomen, Schweregraden und Ausprägungen. Daher gibt es zu ihrer Therapie auch kein Patentrezept, das bei jedem Patienten angewendet werden kann. Migräne ist nicht heilbar. Dennoch gibt es verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, die das Leben mit Migräne erleichtern und es ein ganzes Stück lebenswerter machen. Die Behandlung besteht einerseits darin, während einer Migräneattacke die Schmerzen und die Begleiterscheinungen zu reduzieren. Andererseits soll die Häufigkeit und die Schwere der Anfälle reduziert werden, mit dem Ziel, die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.

Eine Migränebehandlung muss in enger, ständiger und vertrauensvoller Zusammenarbeit zwischen dem Arzt und dem Patient erfolgen. Welche Medikamente sinnvoll sind, hängt vom Einzelfall und der Schwere der Migräneattacken ab. Kopfschmerzexperten setzen gegen eine leichte Migräneattacke andere Medikamente ein als gegen mittlere und schwere Attacken. Durch gezielte nicht-medikamentöse Maßnahmen kann oft zusätzlich eine Besserung erreicht werden.

Einige Migräneattacken lassen sich oft mit relativ unkomplizierten Maßnahmen behandeln. Sind die Schmerzen nicht sehr intensiv, müssen nicht immer Medikamente eingesetzt werden: Beispielsweise hilft es vielen Betroffenen, sich in einen abgedunkelten, ruhigen Raum zurückzuziehen und ein wenig zu ruhen oder zu schlafen. Häufig lindert auch ein kühlender Eisbeutel die Beschwerden.
Bei vielen Patienten sind schmerzstillende und entzündungshemmende Medikamente aus dem Bereich der Rheuma-Mittel gegen Migräne gut wirksam. Diese Medikamente wirken nicht nur schmerzstillend, sondern sie haben auch einen Einfluss auf die Entzündungsvorgänge an den Blutgefäßen.

Viele dieser Präparate, wie zum Beispiel Medikamente mit dem Wirkstoff Acetylsalicylsäure sind auch ohne Rezept erhältlich, ebenso wie andere Wirkstoffe aus dieser Gruppe, z. B. Ibuprofen. Die Hauptnebenwirkung ist eine Reizung der Magenschleimhaut. Bei manchen Menschen können sich Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre entwickeln. Paracetamol besitzt diese Nebenwirkung nicht, wirkt allerdings auch nicht entzündungshemmend. Bei gelegentlicher Einnahme sind diese Medikamente in der Regel gut verträglich. Trotzdem sollte die Behandlung mit frei verkäuflichen Medikamenten bei Migräne sowie die Häufigkeit der Einnahme und ihre Dosierung mit dem behandelnden Arzt besprochen werden und im Kopfschmerzkalender notiert werden.

Viele Migränepatienten leiden während der Attacke unter heftiger Übelkeit und Erbrechen Es bereitet ihnen Schwierigkeiten, Tabletten zu schlucken. Da der Magen-Darm-Trakt während des Migräneanfalls nur eingeschränkt arbeitet, werden Tabletten während des Anfalls nur langsam vom Körper aufgenommen. Aus diesem Fall kann es hilfreich sein, Medikamente vor der Einnahme aufzulösen oder nicht als Tablette, sondern als Zäpfchen anzuwenden. Außerdem hat es sich bewährt, eine Viertelstunde vor dem eigentlichen Schmerzmittel Medikamente gegen Erbrechen einzunehmen, die einerseits die Begleiterscheinungen wie Übelkeit und Erbrechen reduzieren, andererseits durch eine Steigerung der Beweglichkeit des Verdauungstraktes die Aufnahme der Schmerzmittel ermöglichen. Diese Medikamente sind in der Regel verschreibungspflichtig.

Reichen diese Behandlungsstrategien nicht aus, werden spezielle Migräne-Medikamente eingesetzt, die verschreibungspflichtig sind. Es werden überwiegend Medikamente aus der Gruppe der so genannten Triptane eingesetzt. Der Wirkstoff wurde speziell für die Behandlung schwerer Migräneattacken entwickelt. Sie wirken an den Wänden der Blutgefäße wie Serotonin und führen so zu einer Engstellung der erweiterten Adern. Die früher häufig eingesetzten ergotaminhaltigen Medikamente führen ebenfalls zu einer Verengung der Blutgefäße aber können schwere Nebenwirkungen haben und werden deshalb nur noch in Einzelfällen eingesetzt.

Beide Substanzgruppen dürfen bei Krankheiten der Herzkranzgefäße und einer arteriellen Verschlusskrankheit mit Durchblutungsstörungen nur mit Vorsicht angewendet werden, weil sie nicht nur auf die Blutgefäße im Gehirn verengend wirken. Da sich die Wirkung beider Substanzgruppen massiv verstärken würde, dürfen sie in keinem Fall kombiniert eingesetzt werden. Bei einer Behandlung mit Triptanen treten gelegentlich Druck- und Engegefühle im Brustkorb auf. Manche Patienten leiden nach der Einnahme auch an Müdigkeit oder Benommenheit. Triptane stehen nicht nur als Tabletten, sondern auch als Zäpfchen oder als Nasenspray zur Verfügung. Der Wirkstoff wird über die Nasenschleimhaut ähnlich schnell wie bei einer Spritze aufgenommen.

Da bei Beginn einer Migräneattacke die Blutgefäße im Gehirn eng gestellt sind, dürfen Triptane, die eine weitere Verengung bewirken, während dieser Phase nicht eingesetzt werden. Die ohnehin stark eingeschränkte Durchblutung könnte sonst weiter herabgesetzt werden.
Alle Medikamente, die gegen Kopfschmerzen eingesetzt werden, können bei häufiger und langfristiger Einnahme selbst Kopfschmerzen auslösen. Deshalb sollte die Einnahmehäufigkeit immer mit dem Arzt besprochen werden. Ist an mehr als zehn Tagen im Monat die Einnahme von Medikamenten gegen Migräneanfälle notwendig, sollten zusätzlich andere Maßnahmen ergriffen werden, die helfen, Anfällen vorzubeugen.

Wie kann einer Migräneattacke vorgebeugt werden?


Eine Migräne lässt sich nicht heilen. Es gibt dennoch einige Strategien, um die Anzahl und auch die Schwere von Migräneattacken zu reduzieren. Ein wichtiger Punkt der Vorbeugung von Migräneattacken ist, Auslöser von Migräneanfällen zu kennen und zu vermeiden. Migräneauslöser sind sehr individuell. Nicht jedem Betroffenen sind seine Auslöser bekannt. Deshalb empfehlen Experten, ein Kopfschmerz-Tagebuch zu führen, um individuelle Einflüsse festzustellen.

Da Stress bei Migräne eine wichtige Rolle spielt, ist es zur Vorbeugung von Migräneanfällen sinnvoll, die Auswirkungen von Stress zu reduzieren. Es kann bereits helfen, in den Tagesablauf ganz regelmäßig feste Pausen einzubauen. Das Gehirn kann in diesen Phasen die aufgebauten Spannungen wieder reduzieren. Als nachweislich wirksam hat sich das Erlernen eines Entspannungsverfahrens erwiesen. Bekannte Methoden sind zum Beispiel das Autogene Training oder die Progressive Muskelentspannung nach Jacobson. Im Einzelfall können professionelle Stressbewältigungs-Programme nach verhaltenstherapeutischen Gesichtspunkten angezeigt sein.

Zusätzliche gute Hilfe bietet häufig auch Sport. Die Wirksamkeit von regelmäßigem Ausdauersport ist wissenschaftlich belegt. Neben der Möglichkeit, aktiv Stress abzubauen, scheint die regelmäßige körperliche Aktivität auch die Schmerz-Wahrnehmungsschwelle günstig zu beeinflussen. Optimal ist eine mäßige körperliche Betätigung ohne Leistungsanspruch. Eine körperliche Überanstrengung kann einen Migräneanfall auslösen! Zwei- bis dreimal wöchentliches leichtes Jogging oder Aerobic für jeweils 20 bis 30 Minuten führt bei vielen Patienten zu einer Reduktion der Anfallsschwere und vermindert die Häufigkeit der Attacken. Nicht jede Sportart ist allerdings für jeden Patienten gleichermaßen geeignet. Wichtig ist es, individuell für den einzelnen Patienten die Sportart zu finden, die ihm Spaß macht und die über eine lange Zeit regelmäßig durchgeführt werden kann.

Wenn Migräneanfälle sehr häufig auftreten oder mit schweren Begleiterscheinungen einhergehen, besteht die Möglichkeit, Migräneattacken mit Medikamenten vorzubeugen. So werden beispielsweise so genannte Betablocker zur Migränevorbeugung eingesetzt, die ursprünglich für die Behandlung eines zu hohen Blutdrucks und anderer Herz-Kreislauf-Krankheiten entwickelt wurden. Ihre positive Wirkung auf die Migräne wurde zufällig entdeckt. Besonders zu Beginn einer Behandlung fühlen sich Patienten oft müde oder leiden an niedrigem Blutdruck und Schwindel. Deshalb wird die Dosierung oft zu Beginn der Behandlung sehr niedrig gewählt und langsam gesteigert. Außer den Betablockern kommen noch verschiedene andere Wirkstoffgruppen zur Anwendung. Eine Alternative ist ein pflanzliches Präparat aus der Pestwurz. Es kann bei manchen Patienten zu Magen-Darm-Nebenwirkungen führen. Die Wirkungsweise aller Medikamente, die zur Migräneprophylaxe eingesetzt werden, ist bisher unbekannt. Was sie jedoch verbindet, ist die Tatsache, dass es sich nicht um Schmerzmittel handelt. Sie werden auch bei anderen Krankheiten langfristig eingenommen und sind in der Regel gut verträglich.

Die Vorbeugung mit Medikamenten ist eine längerfristige Behandlung, die in der Regel nicht sofort Wirkung zeigt. Der Behandlungserfolg kann frühestens nach sechs Wochen beurteilt werden. Auch eine gut wirksame Prophylaxe kann das Auftreten von Migräneanfällen nicht völlig verhindern. Ein Erfolg zeigt sich in einem Rückgang der Anfallshäufigkeit um 30 Prozent oder mehr. Bei der Beurteilung der Wirksamkeit ist deshalb die Mitwirkung des Patienten notwendig, der während der Behandlung die Entwicklung seiner Krankheit in einem Migräne-Tagebuch festhalten sollte. Nicht jedes Medikament ist für jeden Patienten geeignet. Der Arzt muss den Nutzen einer Behandlung gegen mögliche Nebenwirkungen abwägen. Ist die medikamentöse Vorbeugung erfolgreich, sollte sie spätestens nach einem Jahr beendet werden. Eine wirksame Migräneprophylaxe führt auch über die Einnahmedauer hinweg zu einer Reduktion der Anfälle.

Wenn ein enger Zusammenhang zwischen der Menstruation und der Migräne besteht, hilft einigen Patientinnen die Behandlung mit Hormonpräparaten. Die Einnahme der "Pille" zur Empfängnisverhütung kann Migräne bessern, aber auch verschlechtern, manchmal hilft der Wechsel zu einem anderen Präparat. Eine niedrig dosierte Östrogen-Gabe, z. B. über ein Pflaster, kann nach Rücksprache mit dem Gynäkologen für die Zeit erfolgen, in der es nach dem Kopfschmerz-Kalender zu einer Häufung von Anfällen kommt (oft kurz vor der Regelblutung). Sollte trotzdem ein Migräneanfall auftreten, kann er natürlich ebenso behandelt werden wie andere Migräne-Attacken.

Viele Patienten interessieren sich für alternative Behandlungsformen. Grundsätzlich ist Migräne auch durch solche Maßnahmen nicht heilbar. Häufig sammeln Migränepatienten im Laufe ihrer Erkrankung vielfältige Erfahrungen. Die Akupunktur zeigt bei einigen Patienten eine gute Wirksamkeit, die Häufigkeit von Migräneanfällen zu reduzieren. In manchen Fällen ist ein Behandlungsversuch mit der Homöopathie wirksam. Allerdings wirken diese Methoden nicht bei jedem Patienten gleichermaßen stark. Der Erfolg mancher anderer alternativer Methoden ist allerdings zweifelhaft, einige von ihnen sind sogar gefährlich.

Alternative Heilmethoden können die Schulmedizin in einigen Fällen sinnvoll ergänzen. Besonders bei häufigen Kopfschmerzanfällen können sie jedoch nur ein Bestandteil in einem sinnvollen Behandlungs-Konzept sein, bei dem nicht-medikamentöse Maßnahmen sowie eventuell eine medikamentöse Migräne-Vorbeugung individuell für den einzelnen Patienten zusammengestellt werden.

Literatur/Leitlinien/EBM:



Brandt, Th.; Dichgans, J.; Diener, H-C.: Therapie und Verlauf neurologischer Erkrankungen. Kohlhammer Verlag (4.Aufl. 2003).

Hufschmidt, C. H.; Lücking, C.H.: Neurologie compact. Thieme (3.Aufl. 2002).

Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF):
Deutsche Gesellschaft für Neurologie: Therapie der Migräne.
AWMF-Leitlinien-Register Nr. 030/057. (Letzte Aktualisierung: 2004).

Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF):
Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft: Therapie der Migräneattacke und Migräneprophylaxe.
AWMF-Leitlinien-Register Nr. 062/001. (Erstellung: 2000).
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