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Meniskusschaden




Welche Aufgaben hat der Meniskus?


Die Menisken (Einzahl Meniskus) sind sichelförmige Knorpelscheiben im Kniegelenk, dem größten Gelenk des menschlichen Körpers. Das Kniegelenk wird aus dem Oberschenkelknochen und dem Schienbein gebildet. In jedem Kniegelenk befinden sich zwei Menisken, jeweils ein Innen- und ein Außenmeniskus.

Die Menisken liegen zwischen dem Schienbeinkopf und den kufenförmigen Enden des Oberschenkelknochens. Die Knorpelscheiben nehmen etwa ein Drittel der Gewichtsbelastung auf und verteilen diese gleichmäßig auf das Gelenk. Sie haben im Bereich des Kniegelenks die Funktionen eines Lastverteilers, Bremsklotzes, Stoßdämpfers und Stabilisators.

Wodurch entstehen Meniskusschäden?


Ein Meniskusschaden kann verschiedene Ursachen haben. Prinzipiell wird Knorpel, und damit auch der Meniskus, vorwiegend indirekt über die Gelenkflüssigkeit ernährt. Deshalb besitzt er im Vergleich zu anderen Körpergeweben nur eine begrenzte Fähigkeit zur Erneuerung (Regeneration). Dadurch wird der Meniskus im Laufe der Zeit spröde und verliert langsam an Widerstandskraft. In der Regel entstehen Meniskusschäden dann, wenn es bereits zu Knorpelverschleiß (degenerative Veränderungen) gekommen ist. Zunehmend bilden sich feinste Spalten (Fissuren) und Zerreißungen. Schon bei mäßiger Gewalteinwirkung können diese feinen Spalten zu Rissen (Rupturen) führen.

Je nach Beanspruchung treten Verschleißerscheinungen am Meniskus unter Umständen schon in jungen Jahren auf. Faktoren, die zu einer erhöhten Beanspruchung führen, sind langdauernde, knieende Tätigkeiten (z. B. Fliesenleger) und vor allem bestimmte sportliche Aktivitäten.
Ursache für akute Meniskus-Verletzungen sind vor allem Sportarten wie Fußball und Skilaufen, bei denen es häufig zu plötzlichen Drehbewegungen mit abrupten Bewegungsstopps kommt. Durch die Einwirkung von Scherkräften kann der Knorpel dann einreißen. Aber auch einfache sportliche Betätigung wie Joggen belasten über Jahre hinweg das Knorpelgewebe und können so einen Meniskusschaden nach sich ziehen.

Wer ist gefährdet?


Meniskusschäden treten vorwiegend zwischen dem dritten und fünften Lebensjahrzehnt auf. Männer sind mehr als doppelt so häufig von einem Meniskusschaden betroffen wie Frauen. Man vermutet, dass der höhere körperliche Aktivitätsgrad von Männern für diesen Unterschied verantwortlich ist.

Der Innenmeniskus ist deutlich häufiger von einer Verletzung betroffen als der Außenmeniskus. Meniskusschäden, bei denen gleichzeitig Bänder verletzt sind, zeigen sich meist als Risse im Bereich des inneren Meniskusrandes. Sie treten besonders häufig bei jüngeren und aktiveren Personen auf und werden überwiegend durch Sport oder Unfälle verursacht.

Reine Meniskusverletzungen, bei denen die stabilisierenden Bänder im Kniegelenk unversehrt sind, treten meist erst im höheren Lebensalter auf. Die Risse sind dann häufig schwerwiegender, weil gleichzeitig ein Verschleiß des Meniskus vorliegt.

Wie bemerkt man einen Meniskusschaden?


Erstes und oft einziges Zeichen sind Knieschmerzen, vor allem bei Belastung.
Ist ein Meniskus beschädigt, so wirken die gerissenen Anteile häufig wie Fremdkörper im Gelenk. Falls sie zwischen die Gelenkflächen geraten, können sie schmerzhafte Bewegungs- und Belastungseinschränkungen verursachen und das Gelenk sogar völlig blockieren. Akustisch kann sich eine Meniskusverletzung als Schnappen oder Knacksen bemerkbar machen.

Verletzte Menisken, die ihre Pufferfunktion nicht mehr erfüllen, führen zu einer erhöhten Belastung des Gelenkknorpels. Dadurch kann der Gelenkknorpel beschädigt und knorpelabbauende Stoffe freigesetzt werden. Daraus resultiert dann eine Entzündung. Die Gelenkschleimhaut ist gereizt und produziert vermehrt Gelenkflüssigkeit. Es kommt zu einem, meist sehr schmerzhaften, Gelenkerguss. Das Knie ist in diesem Zustand angeschwollen und evtl. auch überwärmt.

Wie wird ein Meniskusschaden erkannt?


Der Arzt wird, neben der Frage nach den akuten Beschwerden, auch dauerhafte Belastungen und frühere Unfälle des Knies erfragen. Um einen Meniskusschaden und mögliche Begleitschäden, beispielsweise zusätzliche Bandverletzungen, zu erkennen, ist eine genaue körperliche Untersuchung erforderlich. Hierzu gehören spezielle Funktions- und Schmerztests des Kniegelenks.

Liegt ein Gelenkerguss vor, kann eine Punktion des Kniegelenkes und die Untersuchung der gewonnenen Flüssigkeit weitere Hinweise liefern (Gelenkpunktion). In den meisten Fällen muss eine Röntgenaufnahme des Kniegelenkes durchgeführt werden, auch um knöcherne Verletzungen auszuschließen.

Bleiben hiernach noch Fragen offen, bringen Kernspintomografie und Ultraschalluntersuchungen meist Klarheit. Kann damit immer noch keine sichere Diagnose gestellt werden, führt der Arzt eine Kniegelenkspiegelung (Endoskopie) durch. Dieses Verfahren erlaubt es ihm, die Menisken über ein spezielles optisches Gerät, das er über eine kleine Öffnung ins Gelenkinnere vorschiebt, zu betrachten. Szintigrafien kommen eher selten und bei sehr speziellen Fragestellungen zum Einsatz.

Wie werden Meniskusschäden behandelt?


Die verschiedenen Formen der Meniskusschäden erfordern unterschiedliche Behandlungsmethoden. Ziel der Behandlung ist die Minderung von Schmerzen, sowie die Verbesserung der Beweglichkeit und der Gehleistung. Das Fortschreiten des Meniskusschadens soll möglichst verhindert, zumindest aber verlangsamt werden. Eine ursächliche Behandlung gibt es derzeit nicht. Wegen der wichtigen Stütz-und Pufferfunktion versucht man heute, den Meniskus, wenn möglich, zu erhalten. Wird die Therapie nicht rechtzeitig eingeleitet, können die Verschleißerscheinungen des Kniegelenks aufgrund des fehlenden Puffers voranschreiten, und es entwickelt sich eine Arthrose. Grundsätzlich unterscheidet man zwei Therapiemethoden:

Konservative Behandlung (ohne Operation):
Bei leichteren, vor allem durch Verschleiß bedingten Beschwerden gibt es eine Reihe von Möglichkeiten, den Zustand zu verbessern. Neben einer teilweisen oder völligen Entlastung des Kniegelenks, gegebenenfalls durch Gehilfen unterstützt, werden vor allem krankengymnastische Übungen angewandt. Das Ziel besteht darin, das Knie durch Kräftigung der Oberschenkelmuskulatur zu entlasten. Wichtig ist dabei, die Übungsmaßnahmen auch selbstständig zu Hause fortzuführen. Bei gleichzeitigem Reizzustand hilft die Kühlung des Gelenkes. Nur selten ist eine Ruhigstellung durch einen Gipsverband erforderlich. Viele Patienten müssen begleitend Medikamente gegen Schmerzen und Entzündungen einnehmen (Rheumamedikamente). Diese können bei langfristigem Gebrauch zu Verdauungsstörungen bis hin zum Magengeschwür führen. In Einzelfällen werden entzündungshemmende Medikamente direkt ins Kniegelenk gespritzt. Wegen der Infektionsgefahr sollte dies nur in Ausnahmefällen erfolgen.
Unterstützt werden kann die Behandlung durch Anwendung von Ultraschall oder Elektrotherapie. Hiermit sollen Gewebedurchblutung und die Stoffwechselaktivität auf Zellebene angeregt werden.

Operative Behandlung:
Bis vor 20 Jahren musste man jeden Meniskus offen operieren. Heute können die Mehrzahl der Erkrankungen mittels einer Kniegelenkspiegelung behandelt werden. Unter einer Kniegelenkspiegelung (Arthroskopie) versteht man den Blick in das Innere des Knies mit Hilfe einer an einem Stab befestigten Kamera. Die Bilder aus dem Knie werden auf einem Bildschirm (Monitor) vergrößert wiedergegeben. Für die Kniespiegelung wird das Gelenk mit Flüssigkeit aufgefüllt. Über weitere kleine Hautschnitte können zusätzlich Behandlungsinstrumente eingeführt werden, die es dem Arzt erlauben, im Kniegelenk zu operieren. Das Bein wird dabei mit Hilfe einer aufblasbaren Manschette von der Blutzufuhr abgeschnitten, damit kleinere Blutungen die Sicht nicht beeinträchtigen. Die Narkose kann in Form einer Vollnarkose oder Teilnarkose (Rückenmarksnarkose) erfolgen. Arthroskopische Eingriffe werden sowohl ambulant als auch stationär, im Krankenhaus, durchgeführt. Im letzteren Fall dauert der Krankenhausaufenthalt selten länger als eine Woche.

Prinzipiell unterscheidet man bei der Operation zwischen einer Meniskusentfernung, der am häufigsten durchgeführten Teilentfernung und einer Meniskusnaht. Daneben können mit speziellen Instrumenten auch Unebenheiten geglättet werden. Häufig werden die Verfahren kombiniert angewandt. Je mehr gesundes Meniskusgewebe belassen werden kann, desto besser für das Kniegelenk. Ziel der Meniskusnaht ist die Schmerzlinderung und der möglichst vollständige Funktionserhalt durch die Wiederherstellung des Meniskus. Sie kann aber nur bei Verletzungen des äußeren Meniskusrandes angewandt werden, weil nur dort die Durchblutung für ein Zusammenwachsen ausreicht. Nachteil dieser Behandlung ist eine lange Rehabilitationszeit, mit mehrwöchiger Entlastung des Knies.
Offene Operationen sind heute nur noch bei Mitverletzung von Knochen und Bändern erforderlich.

Die Meniskustransplantation stellt eine weitere Form der Behandlung dar. Sie befindet sich aber noch in der Erprobungsphase.

Die Risiken der operativen Behandlung sind vergleichsweise gering. Während der Operation kann es zu Knorpel- und Schleimhautverletzungen kommen. Infektionen sind eher selten, können aber schwerwiegende Folgen haben (Gelenksteife). Die Gefahr einer Blutgerinnselbildung in den Beinvenen (Beinvenenthrombose) hängt von der Dauer der Operation, den Risikofaktoren des Patienten und der Länge der anschließenden Ruhigstellungsphase ab. Ist die Gefahr erhöht, werden blutverdünnende Medikamente in Spritzenform unter die Haut verabreicht.

Wie erfolgt die Nachbehandlung?


Je nach vorgenommenem Eingriff ist es notwendig, das Kniegelenk für einige Zeit durch die Benutzung von Unterarmstützen beim Gehen zu entlasten. Das operierte Bein soll dabei nur unter leichtem Bodenkontakt mitlaufen. Ob eine solche Entlastungsphase notwendig ist und wie lange sie dauert, hängt von der Schwere der Verletzung und vom Operationsverfahren ab.

Von seinem Arzt bekommt jeder Meniskuspatient deshalb genaue Instruktionen bezüglich Schonung und Belastungsfähigkeit des operierten Gelenkes. Verschiedene Behandlungsverfahren, wie beispielsweise Krankengymnastik und Elektrotherapie, ergänzen die Gelenkentlastung. Kurz nach der Operation brauchen viele Betroffene vorübergehend Schmerzmittel. Je nach ausgeübtem Beruf kann die Arbeitsunfähigkeit nach einer Meniskusoperation mehrere Wochen dauern.

Was kann man selbst gegen diese Beschwerden tun?


Eine häufige Veränderung der Sitzhaltung am Arbeitplatz ist empfehlenswert, auch der Wechsel zwischen Gehen, Stehen und Sitzen ist sehr hilfreich. Menschen mit Meniskusschäden sollten Übergewicht abbauen. Das Gehen auf ebener und weicher Unterlage ist günstig.

Besonders gelenkschonende Sportarten wie Fahrradfahren, Schwimmen und gezielte Gymnastik sind gut geeignet, die Kniegelenkbeweglichkeit dauerhaft zu erhalten oder sogar zu verbessern. Dabei muss man aber beachten, dass die viele sportlichen Aktivitäten mit einer erhöhten Belastung des Knorpels und Meniskus verbunden sind. Nicht wenige Leistungssportlern zwingt ein Meniskusschaden zur Beendigung ihrer Laufbahn.

Literatur/Leitlinien/EBM:



Wirth, C.J.: Praxis der Orthopädie, Band 2, Operative Orthopädie. Thieme (2000).

Debrunner, A.M.: Orthopädie und Orthopädische Chirurgie. Huber (4. Auflage 2002).

Krämer, J.; Grifka, J.: Orthopädie. Springer (2005)

Niethard, F.U.; Pfeil, J.: Orthopädie. MLP Duale Reihe. Thieme (2003).

Niethard, F.U. Orthopädie compact. Thieme (2005)

Röseler, S.: HTA-Report: Evaluation arthroskopischer Operationen bei akuten und degenerativen Meniskusläsionen. Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information, ISEG Hannover / Medizinische Hochschule Hannover (1999).

Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF)
Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und orthopädische Chirurgie und des Berufsverbandes der Ärzte für Orthopädie: Meniskuserkrankungen. AWMF-Leitlinie Nr. 033/006 (letzte Überarbeitung April 2002).
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