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Mittelohrentzündung, chronische



(Otitis media chronica)


Wie funktioniert das Hören?


Akustische Signale verursachen Schallwellen, die über Ohrmuschel und Gehörgang auf das Trommelfell treffen. Das Trommelfell grenzt den Gehörgang vom Mittelohr ab, das mit Schleimhaut ausgekleidet ist.

Im Mittelohr befinden sich die drei Gehörknöchelchen Hammer, Amboss und Steigbügel. Sie übertragen die durch die Schallwellen hervorgerufenen Schwingungen des Trommelfells auf das Innenohr und das Hörorgan. Hier werden die Schallwellen in elektrische Nervensignale umgewandelt. Diese erreichen über den Hörnerv das Gehirn.

Das Mittelohr ist über einen Gang, die so genannte Ohrtrompete, (Tuba Eustachii) mit dem Rachen verbunden. So können Druckveränderungen (z. B. beim Tauchen oder im Flugzeug) im Mittelohr ausgeglichen werden.

Was ist eine chronische Mittelohrentzündung?


Eine chronische Mittelohrentzündung bezeichnet eine dauerhafte bzw. immer wiederkehrende Entzündung des Mittelohres, die mit einem bleibenden Loch im Trommelfell (Perforation) einhergeht.

Man unterscheidet zwei Formen der chronischen Mittelohrentzündung: Zum einen eine chronische Schleimhauteiterung und zum anderen eine chronische Knocheneiterung (Cholesteatom).

In Deutschland leiden etwa zwei Prozent der Bevölkerung an einer chronischen Mittelohrentzündung, wobei rund 60 Prozent dieser Fälle durch ein Cholesteatom verursacht sind.

Wie entsteht eine chronische Mittelohrentzündung?


Eine bedeutende Rolle für die chronische Schleimhauteiterung spielen die Funktion und die Durchgängigkeit der Ohrtrompete und Belüftungsstörungen des Mittelohrs. Umbauprozesse der Mittelohrschleimhaut führen letztlich zu einer chronischen Entzündung der Mittelohrschleimhaut. Auch Entzündungen oder Verletzungen können einen Riss im Trommelfell verursachen und eine chronische Mittelohrentzündung zur Folge haben.

Ein Cholesteatom entsteht, wenn äußere Hautschichten des Trommelfells bzw. des Gehörgangs in das Mittelohr einwachsen, z. B. über ein Loch am Rand des Trommelfells. Können diese nicht nach außen abgestoßen werden, bildet sich ein zwiebelschalenartig aufgebautes Perlgeschwulst, das Cholesteatom, das auch den angrenzenden Knochen schädigen kann. Bei dauerhaften Belüftungsstörungen mit Unterdruck im Mittelohr kann eine Einziehung des Trommelfells in den Mittelohrraum entstehen (so genannte Trommelfellretraktion). In solchen Einziehungen kann sich ebenfalls ein Cholesteatom entwickeln.

Welche Beschwerden sind typisch für eine chronische Mittelohrentzündung?


Eine chronische Mittelohrentzündung geht meist mit einer Hörminderung auf dem betroffenen Ohr einher. Durch das Loch im Trommelfell gelangt entzündliches Sekret in den Gehörgang, was zu ständigem Ohrenlaufen führt.

Bei einem Cholesteatom riecht das Sekret dabei oft unangenehm. Ein fortschreitendes Wachstum des Cholesteatoms gefährdet angrenzende anatomische Strukturen, was schwerwiegende Komplikationen mit entsprechenden Beschwerden zur Folge haben kann. Hierzu zählen Schwerhörigkeit bis hin zur Ertaubung des betroffenen Ohrs, Schwindel und Gleichgewichtsstörungen, eine Gesichtsnervenlähmung, eine Entzündung des Gehirns und seiner Häute sowie eitrige verkapselte Absiedelungen (Abszesse).

Wie wird eine chronische Mittelohrentzündung festgestellt?


Der Hals-Nasen-Ohren-Arzt stellt die Diagnose anhand der Vorgeschichte, den geschilderten Beschwerden und den Untersuchungsergebnissen. Die sichtbare Perforation in der Mitte oder am oberen Rand des Trommelfells gibt den entscheidenden Hinweis, ob eine Schleimhauteiterung oder ein Cholesteatom vorliegt.

Im Hörtest (Tonschwellenaudiogramm) lässt sich meistens eine Hörminderung feststellen. Weitere Untersuchungen zeigen, dass es sich um eine Störung der Schallübertragung im Mittelohr handelt. Man spricht dann von einer Schallleitungs-Schwerhörigkeit. Zur weiteren Diagnostik gehört eine umfangreichen Untersuchung des gesamten Hals-Nasen-Ohren-Traktes, besonders der Nase, des Nasenrachens und der Nasennebenhöhlen.

Außerdem erfolgen weitere Hörprüfungen, Untersuchungen des Gleichgewichtorgans, Röntgenaufnahmen bzw. eine Computertomografie der zum Schädelknochen gehörenden Felsenbeine, neurologische Untersuchungen sowie ein Ohrabstrich zum Nachweis von Bakterien und zur Austestung der Wirksamkeit von Antibiotika.

Wie wird eine chronische Mittelohrentzündung behandelt?


Eine chronische Mittelohrentzündung sollte rechtzeitig operiert werden. Von Versuchen, eine Schleimhaut- oder gar eine Knocheneiterung des Mittelohrs dauerhaft mit Medikamenten oder mit alternativen Heilmitteln zu behandeln, ist aufgrund der zu befürchtenden Komplikationen sowie des nicht belegten Erfolges dieser Methoden, abzuraten.

Die Operation kann in örtlicher Betäubung oder in Vollnarkose durchgeführt werden. Das Mittelohr wird entweder über einen Schnitt im Gehörgang oder einen Hautschnitt hinter dem Ohr eröffnet. Das Loch im Trommelfell wird mit körpereigenem Gewebe verschlossen und eine unterbrochene Gehörknöchelchenkette mit eigenen Gehörknöchelchen oder Prothesen wiederhergestellt. Vorrangiges Ziel bei einem Cholesteatom ist die vollständige Entfernung der Knocheneiterung.

Vor jeder Operation wird der Arzt über die möglichen Risiken aufklären. Bei Eingriffen im Mittelohr kann es selten zu Wundheilungsstörungen und Wildfleischbildung am Hautschnitt kommen. Ohrenlaufen oder Entzündungen des Ohrknorpels sind weitere mögliche Risiken. Selten heilt der Trommelfellersatz nicht ein und wird abgestoßen. Außerdem können Geschmacksstörungen und Ohrensausen auftreten. Sehr selten kann es bei der Operation zu Verletzungen von angrenzenden Strukturen wie dem Gesichtsnerv, dem Hör- und Gleichgewichtsorgan oder des Gehirns und der Hirnhäute kommen.

Gibt es Alternativen zu einer Mittelohroperation?


Eine chronische Schleimhauteiterung, vor allem in einer akuten entzündlichen Phase mit eitrigem Ohrenlaufen, kann durch Reinigung des betroffenen Ohrs und Antibiotika günstig beeinflusst werden. Diese töten Bakterien ab und verhindern deren Ausbreitung z. B. auf das Innenohr oder das Gehirn.

Aber nur der Trommelfellverschluss und die Wiederherstellung der Schallleitung verbessert das Hörvermögen, dämmt die Infektanfälligkeit ein und lässt die chronische Entzündung ausheilen. Die Funktion und Durchgängigkeit der Tube ist dabei eine wichtige Voraussetzung für den erfolgreichen Trommelfellverschluss.

Ein Cholesteatom ist ein fortschreitender Prozess ohne Tendenz zur Ausheilung. Wird ein Cholesteatom des Mittelohrs nicht operiert, drohen langfristig schwere und in einem weit fortgeschrittenen Stadium auch potenziell lebensbedrohliche Komplikationen.

Worauf muss man nach einer Mittelohroperation achten?


Nach der Operation sollte zur Vorbeugung einer Infektion ein Antibiotikum für sieben bis zehn Tage eingenommen werden. Weiterhin sollten regelmäßig und frühzeitig Medikamente gegen Schmerzen eingenommen werden.

Es ist ratsam, Niesen, Husten und Schnäuzen zu Beginn nach Möglichkeit zu unterlassen. Bei Erkältungen muss unbedingt ein Arzt aufgesucht werden. Für den Zeitraum von acht Wochen nach der Operation ist von Flugreisen und starken körperlichen Anstrengungen abzuraten.

Auch das Rauchen verzögert die Heilung. Bis zur vollständigen Abheilung darf kein Wasser in den Gehörgang gelangen, worauf vor allem beim Haare waschen zu achten ist.

Literatur/Leitlinien/EBM:



Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Deutsche Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie (DGHM): Diagnostik von Infektionen des Mundes und der oberen Atemwege. Otitis media.

Bluestone, C. D.: The Eustachian Tube. BC Decker (2001).

Boenninghaus, H. G.: Hals-Nasen-Ohrenheilkunde. Springer (2001).

Strutz, J.: Praxis der HNO-Heilkunde, Kopf- u. Halschirurgie. Thieme (2001).

Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie: Cholesteatom (6/2001).

Probst, R.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme (2000).
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