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Morbus Crohn



(Ileitis terminalis; Enterocolitis regionalis)


Was ist ein Morbus Crohn?


Der Morbus Crohn ist eine chronische Darmentzündung, die alle Abschnitte des Verdauungstraktes - vom Mund über die Speiseröhre bis zum Enddarm - betreffen kann. Typisch ist die Beteiligung des letzten Dünndarmabschnitts (Ileum), was der Erkrankung in der Fachsprache den Namen "Ileitis terminalis" gegeben hat.

Die Entzündung betrifft alle Schichten der Darmwand. Sie verläuft schubweise, d. h. die beschwerdefreie Zeit wird in regelmäßigen oder unregelmäßigen Abständen durch entzündliche Schübe mit z. T. starken Beschwerden unterbrochen. Zusammen mit der Colitis ulcerosa zählt der Morbus Crohn zu den chronisch entzündlichen Darmerkrankungen.

Die Krankheit befällt häufig jüngere Menschen zwischen 25 und 35 Jahren, kann aber grundsätzlich in jedem Alter und bei beiden Geschlechtern mit gleicher Häufigkeit auftreten.

Wodurch wird der Morbus Crohn verursacht?


Obwohl die Ursachen des Morbus Crohn noch nicht bis ins Detail bekannt sind, konnten eine Reihe von Faktoren und Umwelteinflüssen fest gemacht werden, die für die Krankheit mitverantwortlich sind. Zu diesen Einflussfaktoren zählen:
  • Familiäre Belastung (genetischer Defekt auf Chromosom 16)
  • Störungen des Immunsystems
  • Rauchen
  • Stress und psychische Belastung
  • Infektionen

Die Ansicht, dass Morbus Crohn eine durch seelische Belastungen verursachte (psychosomatische) Erkrankung ist, ist schwierig zu beweisen oder zu widerlegen. Sicher ist, dass psychische Faktoren den Verlauf und den Umgang mit der Erkrankung beeinflussen können. Umgekehrt wirken sich die Erkrankung und die damit verbundenen Beschwerden selbst natürlich auch auf die Psyche aus und können für den Betroffenen zu einer seelischen Belastung werden.

Welche Beschwerden verursacht die Erkrankung?


Häufigste Krankheitszeichen des Morbus Crohn sind Bauchschmerzen, die über den ganzen Bauchraum verteilt sein können. Ist der letzte Dünndarmabschnitt (das terminale Ileum) von der Entzündung betroffen, treten die Schmerzen vor allem im rechten Unterbauch auf und können leicht mit einer Blinddarmentzündung verwechselt werden. Hinzu kommen flüssige Durchfälle, Blähungen und Gewichtsabnahme.

Aufgrund der vermehrten Durchfälle mit einer erschwerten Aufnahme der Nahrungsbestandteile im Darm (Malabsorptionssyndrom) kommt es häufig zu einer Mangelernährung mit Gewichtsverlust. Bei Kindern können auch Wachstumsstörungen auftreten.

Der Morbus Crohn kann von krampfartigen Schmerzen und Koliken begleitet sein. Dem Stuhlgang sind oftmals Schleim oder Eiter, selten auch Blut beigemischt. Fieber, Abgeschlagenheit und eine Blutarmut sind allgemeine Zeichen der Entzündung.

Typisch für die Erkrankung ist die Bildung von Darmfisteln. Darmfisteln sind Verbindungsgänge zwischen zwei Darmabschnitten, zwischen Darm und anderen Organen oder zwischen Darm und Haut, die durch die Entzündung hervorgerufen werden. Die Bildung von Abszessen (abgekapselte Entzündungen) und Fissuren (Einrisse der Haut bzw. Schleimhaut) ist ebenfalls nicht selten. Fisteln, Fissuren und Abszesse können im gesamten Magen-Darm-Trakt auftreten, z. B. in der Mundschleimhaut oder als Fisteln und Fissuren am After.

Durch die Entzündung sowie durch Spätfolgen von Operationen können Verklebungen und narbige Einziehungen im Darm entstehen, die möglicherweise einen Darmverschluss (Ileus) zur Folge haben. Hierbei ist in den meisten Fällen ein operativer Eingriff notwenig, da es sonst zum lebensbedrohlichen Durchbruch des Darmes kommen kann.

Bei langjährigem Krankheitsverlauf können andere Organe und der Gesamtorganismus mitbeteiligt sein. Dazu zählen u. a.:
  • Gelenkbeteiligungen (z. B. Arthritis)
  • Augenentzündungen (z. B. Episkleritis)
  • Hauterscheinungen (z. B. Zinkmangeldermatosen, Erythema nodosum)
  • Gallen- und Nierensteinbildung
  • Knochenschwund (Osteoporose)
  • Gallenwegsentzündungen

Mit zunehmender Krankheitsdauer steigt auch das Risiko, einen bösartigen Tumor im Darm (kolorektales Karzinom) zu entwickeln. Deshalb sind regelmäßige Untersuchungen des Darmes notwendig, um einen solchen Prozess frühzeitig zu entdecken.

Wie wird die Diagnose gestellt?


In der Regel führen die geschilderten und oftmals schon über einen längeren Zeitraum bestehenden Beschwerden den Betroffenen zum Arzt. Die ärztliche Untersuchung umfasst neben Befragung und allgemeiner körperlicher Untersuchung verschiedene Blut- und Stuhluntersuchungen.

Die Diagnose des Morbus Crohn wird durch eine endoskopische Untersuchung (Darmspiegelung oder Koloskopie) gestellt. Dieses Verfahren sollte allerdings nicht während eines akuten Entzündungsschubes, sondern erst nach Abheilen der Darmschleimhaut erfolgen, da ansonsten die Gefahr von Komplikationen zu groß ist. Zu Beginn der Erkrankung wird auch eine Spiegelung der Speiseröhre, des Magens und des Zwölffingerdarmes durchgeführt, um das Ausmaß des Morbus Crohn beurteilen zu können. Im weiteren Verlauf der Erkrankung erfordert nicht jeder neue Schub eine komplette endoskopische Abklärung.

Bei der Koloskopie betrachtet der Arzt die entzündete Darmschleimhaut und kann gezielt Gewebeproben zur mikroskopischen Untersuchung entnehmen, um damit die eindeutige Diagnose zu stellen.

Ergänzt werden diese Untersuchungen regelmäßig durch Ultraschall- und in speziellen Situationen durch Röntgenuntersuchungen. Bei Verdacht auf Komplikationen (Fistel, Abszess, Darmverengung) müssen häufig weitere bildgebende Verfahren wie Computertomografie oder Kernspintomografie erfolgen.

Wie kann ein Morbus Crohn behandelt werden?


Eine vollständige Heilung des Morbus Crohn ist nicht möglich. Ziel der Behandlung ist die Bekämpfung der Beschwerden, der Entzündung und das Vermeiden von Komplikationen. Die Behandlung orientiert sich durch den schubweisen Verlauf am Grad der Entzündung.

Liegt ein akuter Schub vor, sollte eine ballaststofffreie Diät eingehalten werden, unter Umständen muss der Darm auch mit Hilfe künstlicher Ernährung entlastet werden. Diese Maßnahmen sind als alleinige Behandlung jedoch meist nicht ausreichend.

In der Regel sollte die Behandlung eines akuten Schubes im Krankenhaus erfolgen, da die Medikamente in größerer Dosis und effektiverer Wirkung über die Vene verabreicht werden können. Die Dauer des Aufenthalts hängt entscheidend vom Verlauf der Entzündung ab und kann sich von wenigen Tagen bis zu einigen Wochen erstrecken.

Medikamente:
Das Therapieziel im akuten Schub ist zum einen die rasche Beseitigung der Entzündung, um den Patienten von seinen Beschwerden zu befreien. Zum anderen soll eine bleibende Schädigung und eine weitere Ausbreitung der Entzündung über den Verdauungstrakt sowie mögliche Komplikationen vermieden werden.

Je nach Schweregrad der Entzündung werden verschiedene Medikamente eingesetzt. Bei einem leichteren Schub können Aminosalicylate verabreicht werden. Auch Kortikosteroide, die lediglich im unteren Dünndarm- und oberen Dickdarmabschnitt wirken, kommen zum Einsatz. Ist der untere Dickdarmbereich betroffen, können auch Zäpfchen, Einläufe oder Schaumpräparate angewendet werden, die einen dieser Wirkstoffe enthalten.

Bei schwereren Entzündungen werden Kortikosteroide in hoher Dosierung verabreicht. Intravenös gegeben wirken sie systemisch im gesamten Körper. Diese Medikamente in einer anfänglich hohen Dosis führen in den meisten Fällen innerhalb von wenigen Wochen zu einer deutlichen Besserung des Zustandes. Dann müssen die Medikamente langsam reduziert werden. Nebenwirkungen, die bei längerer Anwendung beobachtet werden, sind bei der kurzfristigen Verabreichung nicht zu befürchten. Verbessern Kortikosteroide auch nach mehreren Wochen die Beschwerden nicht, wird immunsuppressiv behandelt. Bei einer Immunsuppression wird das Abwehrsystem des eigenen Körpers medikamentös unterdrückt.

Patienten, die unter häufigen Schüben oder unter einem chronischen Morbus Crohn leiden oder Fisteln entwickelt haben, erhalten eine Dauermedikation über mehrere Jahre, um einer erneuten Entzündung vorzubeugen. Dabei kommen Medikamente zum Einsatz, welche die körpereigene Abwehr unterdrücken (Immunsuppressiva). Da diese Präparate auch das Knochenmark schädigen können, sind regelmäßige Blutbildkontrollen notwendig.

Gegen die häufigen Durchfälle und krampfartigen Bauchschmerzen können zusätzlich Medikamente eingesetzt werden, welche die Darmtätigkeit hemmen und die Darmmuskulatur entspannen. Diese Mittel sind aber nicht in jedem Falle zu empfehlen und sollten deshalb nur in Rücksprache mit dem behandelnden Arzt eingenommen werden.

Operationen:
Bei Abszessen, narbigen Einengungen des Darmes oder Darmfisteln kann ein operatives Eingreifen notwendig werden. Dennoch sollte der behandelnde Arzt zusammen mit dem Patienten die Risiken gegenüber dem Nutzen einer Operation sorgfältig abwägen. Eine Notfallindikation ist ein Darmverschluss oder eine Darmperforation, hier muss sofort operativ behandelt werden.

Der operative Eingriff kann die Entfernung eines betroffenen Darmabschnittes beinhalten. Dabei sollte so wenig Darm wie möglich, aber so viel wie nötig entfernt werden. Abhängig vom betroffenen Darmabschnitt kann dessen Fehlen Folgen für die Verdauung nach sich ziehen. Es kann zu fehlender Eindickung des Stuhls mit wässrigen Durchfällen kommen. Fehlt ein großer Teil des oberen Dünndarms, resultiert oftmals eine mangelhafte Aufnahme der Nahrungsbestandteile ins Blut und eine Mangelernährung.

Etwa vier von fünf Erkrankten müssen sich innerhalb von zehn Jahren einer Operation unterziehen.
Zu den allgemeinen Risiken einer Operation zählen neben Blutungen und Nachblutungen Wundheilungsstörungen, Infektionen, Vernarbungen und Verletzungen anderer Gewebe.

Ballondilatation:
Eine Alternative zur Operation kann in einigen Fällen die Aufdehnung verengter Darmabschnitte mit einem Ballonkatheter sein. Diese Methode ist für den Betroffenen schonender und er muss nicht mit einer Entfernung eines Darmabschnittes rechnen. Allerdings kann das Verfahren nur bei kurzstreckigen unkomplizierten Verengungen erfolgen und ist bei Vorliegen von Fisteln untersagt. Nach der derzeitigen Erfahrung kann die Ballondilatation eine Operation bei vielen Patienten zwar hinauszögern, aber oft nicht endgültig verhindern.

Unterstützende Psychotherapie:
Psychotherapeutische Verfahren können eine sinnvolle Ergänzung zur rein körperlichen Behandlung darstellen. Psychotherapie lässt die Betroffenen häufig besser mit ihrer Krankheit umgehen, verbessert ihr psychisches Befinden und ihre Lebensqualität.

Ernährung:
Eine spezielle Diät bei Morbus Crohn gibt es nicht. Allerdings sollten die Patienten auf eine ausreichende Kalzium- und Vitaminzufuhr achten, da es zu Aufnahmestörungen von Nährstoffen im Darm kommen kann.

Nahrungsmittel können die Beschwerden beeinflussen. Insbesondere sollten ballaststoffreiche Speisen gemieden werden. Oft weiß der Betroffene selbst, was er gut verträgt und welche Nahrungsmittel er meiden sollte, da sie Beschwerden oder sogar einen entzündlichen Schub auslösen.

Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass Zigarettenrauchen die Häufigkeit eines Rückfalles erhöht. Auch aus diesem Grund ist es sinnvoll, das Rauchen aufzugeben.

Wie ist die Prognose?


Eine Heilung des Morbus Crohn ist nach wie vor nicht möglich. Die Erkrankung neigt dazu, auch nach einer Operation immer wieder an einer anderen Stelle im Magen-Darm-Trakt aufzutreten.
Die Komplikationen zwingen aber früher oder später die meisten Erkrankten, sich einer Operation zu unterziehen.

Bei optimaler Therapie hat die überwiegende Zahl der Patienten eine normale Lebenserwartung. Aufgrund des erhöhten Risikos einer bösartigen Entartung sollten regelmäßige Darmspiegelungen zur Kontrolle durchgeführt werden.

Da der Morbus Crohn sowohl durch die Beschwerden (häufige Bauchschmerzen, Durchfälle) als auch durch mögliche Therapiefolgen den Patienten stark in seinem Alltag und in seiner Lebensqualität einschränken können, empfehlen sich vor allem Selbsthilfegruppen, in denen man auf Menschen trifft, die von der gleichen Erkrankung betroffen sind. Auch kann man hier Tipps und Informationen über Ärzte, Kliniken, neue Therapien, Ernährung oder ähnliches austauschen.

Literatur/Leitlinien/EBM:



Hahn, E.G.; Riemann, J.F.: Klinische Gastroenterologie; Thieme (2000).

Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag (2005).

Herrlinger, K. et al.: Chronische entzündliche Darmerkrankungen.
Der Internist 9, S. 1151-1173 (2003).

Standardtherapie bei Morbus Crohn, Konsensusbasierte Empfehlungen. Der Internist 43:1376 (2002).

Koop, I.: Gastroenterologie compact. Thieme (2002).

Schumpelick, V.; Bleese, N.; Mommsen, U.: Chirurgie. Thieme (6.Aufl. 2003).

Stange, E. F. et al.: Diagnostik und Therapie des M. Crohn - Ergebnisse einer evidenzbasierten Konsensuskonferenz der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten. Zeitschrift für Gastroenterologie 1 (2003).

Thiemes Innere Medizin (TIM). Thieme (1999).

Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF)
Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten / Deutsche Gesellschaft für Pathologie: Diagnostik und Therapie des Morbus Crohn.
AWMF-Leitlinien-Register Nr. 021/004. (Letzte Überarbeitung: 2003).
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