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Myome



(Gebärmuttermyome; Uterus myomatosus)


Was sind Myome?


Myome sind gutartige Knoten, die in der Muskulatur der Gebärmutter entstehen. Einzeln vorkommende Myome sind selten; häufig finden sich mehrere Knoten in der Gebärmutter, was als Uterus myomatosus (Uterus = Gebärmutter) bezeichnet wird.

Die meist runden Myome können einige Millimeter bis mehrere Zentimeter groß werden. Myome können in der Gebärmutterwand, an der Gebärmutteroberfläche, in der Gebärmutterhöhle oder aber auch im seitlichen Gewebe der Gebärmutter vorkommen. Viele Frauen haben Myome, ohne es jemals zu bemerken. Man schätzt, dass jede fünfte Frau ab 30 ein oder mehrere Myome hat. Die Muskelknoten treten im Allgemeinen nur bei Frauen auf, die noch regelmäßig ihre Periode haben. Bei Frauen nach den Wechseljahren bilden sich die Myome zurück.

Nur in außerordentlich seltenen Fällen (0,1 Prozent) entarten Myome bösartig.

Wie entstehen Myome?


Die Ursache dieser Erkrankung ist nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass die Anlage für die Entwicklung von Myomen im Erbgut (auf den Genen) festgelegt ist. Sicher ist, dass Myomknoten nur entstehen können, wenn das weibliche Geschlechtshormon Östrogen vorhanden ist.

Östrogen wird von Frauen während der Geschlechtsreife in den Eierstöcken gebildet. Daher können Myome nur bei Frauen im geschlechtsreifen Alter auftreten. Bei Kindern oder bei Frauen nach den Wechseljahren bilden sich keine Myome, sofern sie keine Östrogene einnehmen.

Welche Beschwerden können auftreten?


Häufig verursachen Myome keine Beschwerden, so dass sie entweder zufällig oder gar nicht entdeckt werden. Treten Beschwerden auf, sind diese sehr vielfältig und hauptsächlich vom Sitz der Myomknoten abhängig. Da die Myome während der Geschlechtsreife unter dem Einfluss des Östrogens weiter wachsen bzw. auch neu entstehen, kann sich das Beschwerdebild im Laufe der Zeit verändern.

Liegen Myome in der Gebärmutterwand oder -höhle, treten oft Regelstörungen mit sehr starken, sehr langen oder sehr schmerzhaften Blutungen auf. Die Patientinnen geben häufig auch Zwischenblutungen an, die sich zu einer Dauerblutung entwickeln können. Lang anhaltende, starke Blutungen verursachen häufig eine Blutarmut mit Eisenmangel. Diese äußert sich mit Müdigkeit, Schwäche und Kopfschmerzen.

In selteneren Fällen können Myome an der Oberfläche oder im seitlichen Gewebe der Gebärmutter ein Druckgefühl oder auch Schmerzen im Bauchraum verursachen. Ist die Funktion der Blase durch die Myome beeinträchtigt, resultiert ein häufiger Harndrang oder eine behinderte Blasenentleerung. Auch die Entleerung des Enddarms kann gestört werden. Selten führen die Myome zu einer Abflussbehinderung des Urins aus den Nieren in die Harnblase. Dann staut sich der Urin in den Nieren, was Schmerzen in den Flanken zur Folge hat. Durch aufsteigende Krankheitskeime kann es zu einer Blutvergiftung kommen und die Funktion der betroffenen Niere dauerhaft geschädigt werden.

Bei Frauen, die schwanger werden möchten, gelten besondere Regeln. Myome können Fehlgeburten verursachen. Durch den Hormoneinfluss in der Schwangerschaft wachsen Myome im Allgemeinen sehr schnell und können Schmerzen und vorzeitige Wehen hervorrufen, die Lage des Kindes beeinflussen, ein Geburtshindernis darstellen oder zu einer Ablösung des Mutterkuchens mit nachfolgendem Kindstod führen.

Wie können Myome festgestellt werden?


Die beschriebenen Beschwerden können erste Hinweise auf das Vorliegen von Myomen liefern.
Auch eine Vergrößerung der Gebärmutter insgesamt spricht für einen Uterus myomatosus. Der Frauenarzt kann die Myomknoten je nach Größe und Lage in der Regel ertasten. Durch eine unschädliche und nicht schmerzhafte Ultraschalluntersuchung (Sonografie) der Gebärmutter stellt er die Myome dar und bestimmt deren genaue Größe und Sitz. Diese Methode ist auch geeignet, den Erfolg einer Behandlung zu überwachen oder die Myome zu beobachten, falls eine Behandlung aktuell nicht erforderlich ist.

Selten sind weitere Untersuchungen notwendig, um festzulegen, ob die Myome behandelt werden müssen. Dazu gehören u. a. Blutuntersuchungen, Röntgenuntersuchungen der Nieren oder Schichtaufnahmen (Computertomografie, CT) des Bauchraums.

Manchmal werden Myome, die keine Beschwerden verursachen, auch zufällig bei einer anderen Operation entdeckt.

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?


Welche Behandlungsmöglichkeit in Betracht kommt, richtet sich nach den Beschwerden, nach dem Alter und dem Befinden der Frau sowie nach der Anzahl, dem Sitz und der Größe der Myomknoten. Liegen keine Beschwerden vor, muss in der Regel auch keine Behandlung erfolgen.

Sollte eine Behandlung notwendig werden, wird generell zwischen operativen und nicht operativen Verfahren unterschieden.

Die Operation stellt heutzutage allerdings die Therapie der Wahl dar. Durch eine Hormonbehandlung kann jedoch in bestimmten Fällen versucht werden, eine Operation zu umgehen, hinauszuschieben oder bessere Voraussetzungen für eine Operation zu schaffen. Dies ist vor allem dann sinnvoll, wenn die Myome starke Blutungen verursachen.

Behandlung mit Hormonen


Die Hormonbehandlung kann mit unterschiedlichen Präparaten durchgeführt werden. Vor allem starke und unregelmäßige Blutungen werden mit weiblichen Geschlechtshormonen behandelt. Hier kommen entweder Östrogene und das Gelbkörperhormon (Gestagen) oder nur das Gelbkörperhormon zum Einsatz. Letzteres wirkt sich oft auch günstig auf starke Regelschmerzen aus und kann das Wachstum des Myoms verlangsamen oder vorübergehend stoppen.

Wenn eine Blutungsstörung vorliegt, ist aber der Ausschluss anderer Erkrankungen der Gebärmutter die Voraussetzung für die Durchführung einer Hormontherapie. Durch eine Hormonbehandlung kann möglicherweise eine Operation hinausgezögert oder sogar auch vermieden werden. Ob dies gelingt, kann nicht vorhergesagt werden. Auf diese Behandlung sprechen vor allem Frauen kurz vor den Wechseljahren an. Mögliche Nebenwirkungen der Hormonbehandlung sind eine Erhöhung des Blutdrucks, Kopfschmerzen, Leberveränderungen oder ein Gefäßverschluss (Thrombose). Vor allem die Thrombose kann zu lebensbedrohlichen Folgen (z. B. Lungenembolie) führen. Ob die Einnahme von Östrogenen mit einem erhöhten Brustkrebsrisiko verbunden ist, konnte bisher nicht eindeutig geklärt werden.

Eine weitere Behandlungsmöglichkeit besteht darin, Frauen durch bestimmte Hormone, so genannte GnRH-Analoga, künstlich in die Wechseljahre zu versetzen. Die GnRH-Analoga hemmen die Hormonproduktion der Eierstöcke. Da Myome hormonabhängig wachsen, fehlt ihnen so der Anreiz, weiter zu wachsen. Kurzfristig kann man sogar ein Schrumpfen der Myome beobachten. Während der Behandlung setzt die Periode aus.

Diese Therapieoption sollte jedoch nicht länger als ein halbes Jahr durchgeführt werden, da es durch den Hormonmangel frühzeitig zu einer Osteoporose (Knochenschwund) kommen kann. Weitere unerwünschte Nebenwirkungen sind typische Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen, Stimmungsschwankungen, Libidoverlust, trockene Haut und Schleimhäute sowie Schlafstörungen. Diese Behandlung wird daher nur vor einer geplanten Operation durchgeführt, z. B. um bei einer schon bestehenden Blutarmut die starken Blutungen zu stoppen, oder um die zu entfernenden Myome zu verkleinern, was aber nicht in jedem Fall gelingt.

Aufgrund der oben genannten Nebenwirkungen darf eine Hormonbehandlung grundsätzlich nicht durchgeführt werden, wenn bereits vor der geplanten Einnahme eine Lebererkrankung, eine Zuckerkrankheit, ein hoher Blutdruck oder eine Thrombose bekannt sind.

Myom-Operationen


Eine Operation ist in der Regel dann anzuraten, wenn die Myome sehr groß sind, sehr schnell wachsen, starke Beschwerden verursachen oder der Grund für eine Unfruchtbarkeit sein können.

Es gibt verschiedene Operationsverfahren:

Entfernung der Gebärmutter
Eine Möglichkeit ist die komplette Entfernung der Gebärmutter; dies sollte nur dann in Betracht gezogen werden, wenn die Familienplanung abgeschlossen ist oder alternative Therapien nicht anwendbar sind. Dieser Eingriff kann von der Scheide aus oder über einen Bauchschnitt erfolgen. Vorteil dieser Methode ist, dass keine neuen Myome mehr entstehen können und die durch die Myome verursachten Beschwerden sicher aufgehoben werden. Nachteilig empfinden viele Frauen den Verlust ihrer Gebärmutter. Der Hormonhaushalt verändert sich nach einer Gebärmutterentfernung nicht, wenn nicht gleichzeitig auch die Eierstöcke mit entfernt werden. Auch wirkt sich das Fehlen der Gebärmutter aus körperlicher Sicht nicht auf das sexuelle Lustempfinden aus, weder auf das der Frau noch auf das des Mannes.

Ausschälung der Myome
Bei Frauen im gebärfähigen Alter, die vielleicht noch ein Kind bekommen möchten, oder bei Frauen, die den Verlust der Gebärmutter nicht hinnehmen möchten, bietet sich unter bestimmten Voraussetzungen die Möglichkeit der Entfernung (Ausschälung) einzelner Myome. Dies ist jedoch nur möglich, wenn nicht zu viele Myome vorhanden sind, und wenn sie einen für diese Methode günstigen Sitz haben. Vor allem Myome an der Rückseite der Gebärmutter können eine gezielte Entfernung unmöglich machen.

Ist die Lage der Myome günstig, erfolgt die Ausschälung über eine Bauchspiegelung, wobei nur mehrere (meistens drei) bis zu einem Zentimeter kleine Schnitte am Bauchnabel und im Bereich der Schamhaare gemacht werden. Der Vorteil liegt in der geringeren Belastung für den Körper durch den relativ kleinen Eingriff. Außerdem ist die Narbenbildung gering. Der Nachteil dieser Methode ist, dass vor Operationsbeginn nicht immer sicher beurteilt werden kann, ob die Myome auf diese Weise entfernt werden können. Es kann also unter Umständen erforderlich sein, den Eingriff zu erweitern und doch noch einen Bauchschnitt durchzuführen.

Bei ungünstigem Sitz, bei großer Anzahl von Myomen oder auch bei Frauen mit Kinderwunsch wird die Ausschälung meist über einen Bauchschnitt vorgenommen. Der Schnitt liegt im Bereich der Schamhaare und ist ca. 10 bis 15 Zentimeter lang. Der Vorteil dieser Methode ist, dass auch Myome mit ungünstigerem Sitz entfernt werden können, ohne dass die ganze Gebärmutter entfernt werden muss. Die durch die Ausschälung entstandenen Defekte in der Gebärmutterwand können sicherer versorgt werden, besonders wichtig bei geplanter Schwangerschaft, da das Gewebe extreme Dehnungen standhalten muss. Der Nachteil liegt in der größeren Belastung für den Körper, einer längeren erforderlichen Erholungsphase und aus kosmetischer Sicht in der größeren Narbenbildung.

Liegen die Myome in der Gebärmutterhöhle, können sie auch in einem operativen Eingriff von der Scheide aus abgetragen werden. Dadurch werden die Beschwerden in der Regel deutlich vermindert. Es kann jedoch sein, dass die Entfernung der Myome mit dieser Methode nicht oder nicht vollständig erreicht werden kann. Auch treten gelegentlich nach der Abtragung starke Blutungen auf. So kann auch bei diesem Vorgehen ein zusätzlicher Eingriff notwendig sein.

Myom-Embolisation
Seit einigen Jahren wird ein weiteres Behandlungsverfahren durchgeführt, die so genannte Myom-Embolisation. Bei dieser Methode wird die Blutzufuhr der Myome unterbunden. Sie erhalten dann keine Nährstoffe mehr und trocknen aus. Diese Methode ist, wenn die Myome nicht größer als zehn Zentimeter sind, in ca. 85 Prozent der Fälle erfolgreich. Die Unterbindung der Blutgefäße erfolgt unter Röntgenkontrolle in örtlicher Betäubung.

Über einen kleinen Schnitt in linker und rechter Leistenregion wird jeweils ein Katheter zu den Blutgefäßen vorgeschoben, die die Gebärmutter versorgen. Diese werden dann mit einem bestimmten Kunststoff undurchgängig gemacht. Nachfolgend schrumpft das Myom innerhalb von Wochen und Monaten, und die Beschwerden verschwinden. Während der Behandlung und in den folgenden Tagen können jedoch Schmerzen auftreten, die eine Einnahme von Schmerzmitteln erfordern. Da bei dieser Methode in seltenen Fällen auch die Blutversorgung der Eierstöcke beeinträchtigt wird, so dass diese keine oder nicht mehr ausreichend Hormone produzieren, führt man die Methode nur bei Frauen über 40 Jahre mit abgeschlossener Familienplanung durch.

Risiken dieser Methode sind unter anderem das Auftreten von Unterleibsentzündungen. Vorteile dieser Methode liegen im Erhalt der Gebärmutter, in der fehlenden Vollnarkose und dem bei komplikationslosem Verlauf kurzen (wenige Tage) stationären Aufenthalt.

Ist eine Behandlung immer notwendig?


Ob eine Behandlung notwendig ist, hängt von der Anzahl und von der Lage der Myome sowie von den vorliegenden Beschwerden ab. Verursachen die Myome keine Beschwerden, ist meist keine Behandlung erforderlich. Eine Abklärung bzw. Entfernung beschwerdefreier Myome ist allerdings dann notwendig, wenn diese ein schnelles Wachstum zeigen, um eine bösartige Entartung auszuschließen oder frühzeitig zu erkennen. Außerdem sollte eine Behandlung erfolgen, wenn ein Myom besonders groß ist oder die in der Mitte gelegenen Myomanteile abzusterben beginnen, da dies zu schweren Unterleibsentzündungen führen kann. Auch wenn die Erkrankung Ursache eines unerfüllten Kinderwunsches ist, sollte therapeutisch eingegriffen werden.

Mögliche Folgen hängen vor allem von der Art der Beschwerden und dem Sitz der Myome ab. Zu lange und starke Blutungen führen unbehandelt zu einer Blutarmut. Drücken Myome auf Harnleiter, Darm oder Blase, können sie dort dauerhafte Druckschäden verursachen.
In den Wechseljahren ist nach dem Ausbleiben der Periodenblutung eine Behandlung oft nicht erforderlich, da sich die meisten Myome durch die Hormonumstellung zurückbilden.
Grundsätzlich gilt jedoch: Wird auf eine Behandlung verzichtet, sollten in regelmäßigen Abständen Kontrolluntersuchungen zur Überwachung der Myome durchgeführt werden. Dies ist wichtig, um mögliche Komplikationen rechtzeitig zu erkennen und behandeln zu können.

Literatur/Leitlinien/EBM:



Berg, Ch.: Sinn und Unsinn der organerhaltenden Myomoperation. In: Der Frauenarzt (2001).

Feige, A. et al.: Frauenheilkunde. Urban & Fischer (2.Aufl. 2001).

Goerke, K.; Steller, J.; Valet, A.: Klinikleitfaden Gynäkologie und Geburtshilfe. Urban & Fischer (6.Aufl. 2003).

Kirschbaum, M.: Checkliste Gynäkologie und Geburtshilfe. Thieme (2.Aufl. 2005).

Pfleiderer, A.; Breckwoldt, M.; Martius, G.: Gynäkologie und Geburtshilfe. Thieme (4.Aufl. 2001).

Schmidt-Matthiesen, H.: Gynäkologie und Geburtshilfe. Schattauer (10.Aufl. 2004).
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