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Magengeschwür, Zwölffingerdarmgeschwür



(Ulcus ventriculi/Ulcus duodeni; Gastroduodenale Ulkuskrankheit)


Was sind Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre?


Der Magen und der Zwölffingerdarm (Duodenum) sind Organe des Verdauungstraktes. Die Wand dieser Organe besteht aus vier Schichten. Dies sind von innen nach außen die Schleimhaut, eine Gefäß- und Verschiebeschicht, eine Muskelschicht und ein dünner Bauchfellüberzug (Peritoneum). Die Schleimhaut bildet einen Schutz gegen die (Magen-) Säure und andere aggressive Stoffe. Dort, wo diese Schutzschicht defekt ist, können Magen und Zwölffingerdarm "angedaut" werden und sich Geschwüre bilden.

Ein Geschwür (Ulkus) ist somit eine abgegrenzte Schädigung in der Wand des Magens (Magengeschwür) oder des Duodenums (Zwölffingerdarmgeschwür), die sich in immer tiefere Wandschichten der Verdauungsorgane ausbreiten kann. Überschreitet das Ulkus letztlich den Bauchfellüberzug, kommt es zur "Perforation", d. h. zum "Magendurchbruch" bzw. zum Durchbruch des Zwölffingerdarms in die Bauchhöhle, was für den Betroffenen lebensbedrohlich werden kann.

Woran ist ein Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür zu erkennen?


Geschwüre im Magen oder Zwölffingerdarm verursachen in der Regel mehr oder weniger heftige Schmerzen im Oberbauch. Magengeschwüre, die durch die Einnahme von Rheuma- und Schmerzmedikamenten entstehen, sind durch die schmerzstillende Wirkung der Medikamente relativ schmerzarm und werden daher von den Betroffenen häufig erst spät erkannt.

Die Nahrungsabhängigkeit der Beschwerden kann unter Umständen einen Hinweis auf den Ort des Geschwürs geben. Während Zwölffingerdarmgeschwüre oft eine leichte Linderung nach der Nahrungsaufnahme zeigen, nehmen die Schmerzen des Magengeschwürs hierbei eher zu. Längere Perioden der Nüchternheit, beispielsweise nachts, können zu einer erheblichen Zunahme der Beschwerden eines Zwölffingerdarmgeschwürs führen.

Kommt es im Rahmen der geschwürigen Veränderung der Magenschleimhaut zu einer Blutung, verfärbt sich der Stuhlgang schwarz. Die schwarze Verfärbung ist auf eine Reaktion des Blutes mit der Magensäure zurückzuführen, kann aber auch nach der Einnahme von Eisentabletten oder anderen metallhaltigen Medikamenten auftreten.

Welche Ursachen hat ein Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür?


Die Magenschleimhaut produziert Magensäure, die chemisch gesehen aus Salzsäure besteht. Diese hat die Aufgabe, mit der Nahrung aufgenommene Bakterien abzutöten und die Verdauung in Gang zu setzen. Gleichzeitig wird eine Schleimschicht gebildet, welche die Innenwand des Magens auskleidet und so vor der Säurewirkung schützt. Ein Ulkus entwickelt sich, wenn das Gleichgewicht zwischen Faktoren, die die Schleimhaut schützen und solchen, die die Schleimhaut schädigen, gestört ist.

Zu den Schleimhaut-schädigenden Faktoren zählt in erster Linie das Bakterium Helicobacter pylori. Dieses Bakterium wird bei etwa 95 Prozent der Patienten mit einem Zwölffingerdarmgeschwür und bei 70 bis 80 Prozent der Patienten mit einem Magengeschwür gefunden. Da Helicobacter pylori aber auch bei Gesunden gefunden wird, kann auf das Vorliegen anderer, zusätzlich schädigender Faktoren geschlossen werden.

Nicht alle diese Ursachen sind ausreichend erforscht. Bekannt ist jedoch, dass eine vermehrte Säureproduktion besonders Zwölffingerdarmgeschwüre begünstigt. Diese Form der Geschwüre tritt bei Menschen mit der Blutgruppe 0 häufiger auf als bei Personen mit anderen Blutgruppen.
Umweltfaktoren und belastende Lebenssituationen begünstigen zusätzlich die Entstehung von Magen- und Darmgeschwüren.

Die Einnahme von entzündungshemmenden und schmerzlindernden Medikamenten (z. B. nichtsteroidale Antirheumatika, Acetylsalicylsäure) zur Behandlung von Gelenkbeschwerden und chronischen Schmerzen, wirkt sich ebenfalls negativ auf eine Geschwürbildung aus. Kortisonpräparate, häufig bei entzündlichen Erkrankungen verordnet, beeinträchtigen in erster Linie die Abheilung entstandener Schleimhautschädigungen. Auch Nikotin-, Kaffee- und Alkoholkonsum tragen zur Entstehung von Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren bei.

Was macht Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwüre gefährlich?


Wie geschildert, kann im Verlauf der Geschwürbildung in einem umschriebenen Bereich die gesamte Wand des Magens oder Zwölffingerdarms zerstört werden. Dabei kann es zur Öffnung eines in der Wand gelegenen Blutgefäßes mit der Folge einer starken, mitunter lebensgefährlichen Blutung kommen. Bei starken Blutungen wird das Blut erbrochen, bei schwächeren Blutungen mit dem Stuhlgang ausgeschieden. Ebenso ist der komplette Durchbruch eines Geschwürs in die Bauchhöhle oder die Penetration des Geschwürs in ein benachbartes Organ möglich. In diesen Fällen ist dann meist eine Operation als Notfallmaßnahme erforderlich.

Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre stellen trotz dieser Risiken gutartige Erkrankungen dar und können mit einer geeigneten Behandlung komplett geheilt werden.

Besonders an ungewöhnlichen Stellen gelegene Geschwüre im Magen oder Zwölffingerdarm sind verdächtig auf eine bösartige Neubildung. Hier ist eine feingewebliche Untersuchung (Biopsie) erforderlich.

Wie wird ein Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür diagnostiziert?


Die Spiegelung des Magens und Zwölffingerdarms (Gastroduodenoskopie) ist derzeit die sicherste Methode ein Geschwür festzustellen. Diese Untersuchung zählt zu den endoskopischen Untersuchungsverfahren und erlaubt eine unmittelbare Betrachtung der Wand des Magens und Zwölffingerdarms. Gleichzeitig kann eine gezielte und schmerzlose Gewebeentnahme (Biopsie) vorgenommen werden. Die mit Hilfe dieser Methode durchgeführte Diagnose gilt als sicher. Hierbei ist sowohl die Erkennung bösartiger Veränderungen möglich als auch der Nachweis von Helicobacter pylori. Das Bakterium ist durch die Verfärbung einer Testflüssigkeit bereits wenige Stunden nach der Untersuchung nachweisbar. Entsprechend rasch kann eine Behandlung eingeleitet werden.

Eine Kontrolluntersuchung in Form einer Gastroduodenoskopie ist, auch bei Rückgang der Beschwerden, nach ein paar Wochen bis Monaten erforderlich, um zu sehen, ob sich das Geschwür unter der Therapie zurückgebildet haben, oder ob es vielleicht zu anderen, möglicherweise sogar bösartigen, Veränderungen gekommen ist.

Wie wird ein Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür behandelt?


Helicobacter pylori kann mit Medikamenten abgetötet werden. Hierzu werden zwei oder drei Antibiotika (Clarithromycin, Amoxicillin) und ein Medikament, das die Magensäureproduktion hemmt (Protonenpumpenblocker), verschrieben (Triple-Therapie). Die Behandlung muss sieben Tage lang durchgeführt werden. Nebenwirkungen sind selten und meistens nicht schwerwiegend. Es kann unter anderem zu Übelkeit und Erbrechen, Magen-Darm-Beschwerden, Verdauungsstörungen, Kopfschmerzen, Blutbildveränderungen und allergischen Reaktionen kommen. Bei bestimmten Lebererkrankungen sollten die Medikamente nicht eingesetzt werden. Im Verlauf der Therapie wird Helicobacter pylori abgetötet und das Geschwür heilt ab, sodass auch die mit der Erkrankung aufgetretenen Beschwerden abklingen.

Liegt ein Geschwür vor, ohne dass Helicobacter pylori nachgewiesen werden konnte, werden Medikamente verordnet, welche die Säureproduktion unterdrücken. Dies sind z. B. Protonenpumpenblocker oder H2-Rezeptorantagonisten. Weiterhin sollten alle schleimhautschädigenden Faktoren wie Rauchen, Stress, bestimmte Schmerzmittel vermieden werden. In seltenen Fällen werden die genannten Medikamente auch eingesetzt, um einem erneuten Geschwür vorzubeugen. Die unerwünschten Wirkungen dieser Mittel äußern sich z. B. in Verdauungsstörungen, Magen-Darm-Beschwerden und Überempfindlichkeitsreaktionen.

Ist bereits eine Blutung aus einem Geschwür eingetreten, kann diese häufig durch entsprechende Maßnahmen bei einer Magenspiegelung gestillt werden. Auf diese Weise bleibt dem Patienten eine Operation erspart. Anschließend muss eine medikamentöse Ulkustherapie, wie sie oben beschrieben wurde, erfolgen.

Wenn die endoskopische Blutstillung nicht erfolgreich ist oder bereits ein Durchbruch eingetreten ist, muss eine Operation und eventuell eine Entfernung des betroffenen Organabschnittes durchgeführt werden. Ist es durch Narbenbildung zu einer erheblichen Verengung des Magenausgangs (Übergang Magen - Zwölffingerdarm) gekommen, kann durch eine Operation die freie Passage in den Dünndarm wiederhergestellt werden. Diese Operationen werden unter Vollnarkose durchgeführt und sind mit einem Narkose- und Operationsrisiko verbunden. Dazu gehören u. a. Wundinfektionen, Bauchfellentzündung, Nachblutungen sowie Blutgerinnselbildung (Thrombose, Embolie).

Da heutzutage wegen eines Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwürs selten der ganze Magen entfernt wird, haben die genannten Operationen keine erheblichen Langzeitfolgen. Einem Völlegefühl und Verdauungsbeschwerden kann mit der Einnahme mehrerer kleiner Mahlzeiten über den Tag verteilt entgegengewirkt werden.

Was kann der Betroffene selbst tun?


Alkohol, Nikotin und Koffein sollte man meiden und mehrere kleine Mahlzeiten täglich einnehmen.

Um ein Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür frühzeitig zu erkennen, sollte man aufmerksam gegenüber Veränderungen des Befindens und der Körperfunktionen sein. Bemerkt man zum Beispiel schwarzen Stuhlgang, sollte auf jeden Fall sofort ein Arzt aufgesucht werden.

Die verordneten Medikamente müssen regelmäßig und für die angesetzte Dauer eingenommen werden, um den Erfolg einer Therapie zu gewährleisten.

Literatur/Leitlinien/EBM:



Malfertheimer P., Peitz U., Wolle K., Treiber G.: Helicobacter-pylori Infektion - ein Update 2004. Deutsche Medizinische Wochenschrift 129, S. 1821-1826 (2004).

Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag (2004).

Thiemes Innere Medizin (TIM). Thieme (2000).

Hahn, Riemann: Klinische Gastroenterologie (2000).
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