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Menière-Krankheit



(Morbus Menière)


Was ist die Menière-Krankheit?


Der Pariser Arzt Prosper Menière beschrieb die Krankheit erstmals Anfang des 19. Jahrhunderts. Bei der nach ihm benannten Menière-Krankheit (lateinisch: Morbus Menière) kommt es zu plötzlichen Anfällen von Drehschwindel mit Übelkeit bis hin zum Erbrechen.

Ohne erkennbaren Anlass können die Attacken plötzlich und ohne Vorwarnung zu jeder Tages- und Nachtzeit auftreten und Minuten bis Stunden andauern.

Manchmal ist der Schwindel so ausgeprägt, dass sich der Betroffene nicht mehr auf den Beinen halten kann. Bei Stürzen (so genannte Drop attacks) kann sich der Betroffene dann schwer verletzen. Neben einem vorübergehenden Hörverlust kommt es zu Ohrensausen (Tinnitus) und einem Druckgefühl im betroffenen Ohr.

Was ist die Ursache der Menière-Krankheit?


Der Krankheit liegt eine Störung im Innenohr zu Grunde. Dabei ist die Bildung und Aufnahme der sich im Innohr befindlichen Flüssigkeit, der Endolymphe, gestört. Dies führt zu einer erhöhten Anzahl elektrisch geladener Teilchen (Ionen), was eine vermehrte Wasseransammlung (Hydrops) im Innenohr und im Gleichgewichtsorgan zur Folge haben kann. Die Häutchen (Membranen) des Innenohres können durch den erhöhten Druck sogar einreißen.

Die genaue Ursache der Menière-Krankheit ist bisher unbekannt. Betroffen sind allerdings vor allem sehr labile und oft auch seelisch empfindsame Menschen, die begleitend unter Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems (z. B. Blutdruckstörungen) leiden. Übermäßiger Nikotin- oder Alkoholgenuss kann, ebenso wie Stress, Anfälle provozieren. Man diskutiert, ob die Menière-Krankheit auch eine allergische, immunologische oder virusbedingte Ursache haben könnte.

Was sind die typischen Beschwerden bei Morbus Menière?


Die charakteristischen drei Anzeichen, die bei der Menière-Krankheit vorkommen, bezeichnet man auch als Symptom-Trias:
  • Anfallsartiger Drehschwindel mit Übelkeit und Erbrechen, der Minuten bis Stunden andauert.
  • Einseitige Ohrgeräusche (Tinnitus), besonders im Tiefton-Bereich.
  • Einseitige Hörminderung, häufig von Druck- und Völlegefühl im betroffenen Ohr begleitet.


Wie stellt der Arzt die Diagnose?


Zunächst ist es wichtig, die Ursache des Drehschwindels und der Begleitbeschwerden herauszufinden. Da Schwindel bei vielen unterschiedlichen Erkrankungen als Symptom auftreten kann, ist es notwendig, durch sorgfältige Untersuchungen andere Krankheiten auszuschließen.

Eine eingehende Befragung durch den Arzt ist notwendig. Leidet der Betroffene an anderen Erkrankungen wie einer Herzschwäche, Herzrhythmusstörungen oder Bluthochdruck, ist es in erster Linie sinnvoll, dass diese behandelt werden. Um andere Krankheiten vom Morbus Menière abzugrenzen, ist eine allgemeinärztliche oder internistische Untersuchung notwendig, die u. a. eine Blutdruckmessung, am besten eine 24-Stunden-Blutdruckmessung, beinhaltet. Eine Aufzeichnung der Herzaktionen über 24 Stunden (24-Stunden-EKG) ist sinnvoll, um anfallsartig auftretende Herzrhythmusstörungen festzustellen. Bei der Menière-Krankheit ist bei all diesen Untersuchungen kein auffälliger Befund zu finden.

Der Hals-Nasen-Ohren-Arzt führt eine Untersuchung des Ohres (Ohrmikroskopie), eine Reihe von Hörprüfungen, z. B. die Messung von akustischen Aussendungen aus dem Mittelohr (otoakustische Emissionen), sowie Gleichgewichtstests durch. In den meisten Fällen lässt sich eine Hörminderung auf dem betroffenen Ohr feststellen.

Ergänzend können Blutuntersuchungen (z. B. auf Infektionen), die Bestimmung der Nervenleitgeschwindigkeit (ENG), Röntgenaufnahmen und bildgebende Verfahren (Computertomografie, Kernspintomografie) sinnvoll sein, um Entzündungen oder Tumoren (z. B. im Innenohr) auszuschließen und um Hinweise auf eventuelle Grunderkrankungen zu bekommen.

Besteht der Verdacht auf Durchblutungsstörungen der Halsgefäße, die auch das Ohr versorgen, kann man mittels Ultraschall (Doppler- oder Duplex-Sonografie) oder Röntgenuntersuchungen (Angiografie) mögliche Verengungen erkennen. Ein Orthopäde kann Schäden der Halswirbelsäule diagnostizieren. Wenn sich bei diesen Untersuchungen Veränderungen und Auffälligkeiten zeigen, liegen dem Schwindel meist andere Ursachen als die Menière-Krankheit zugrunde.

Wie kann die Menière-Krankheit behandelt werden?


Im akuten Anfall sollte man jeglichen Stress vermeiden und im Bett bleiben. Der Arzt wird dann zunächst Medikamente gegen die Übelkeit und das Erbrechen (Antiemetika) verabreichen.
Durchblutungsfördernde Infusionen und die Gabe von abschwellenden und entzündungshemmenden Glukokortikoiden (Kortison) können manchmal die Beschwerden verringern, wissenschaftlich belegt ist die Wirkung dieser Maßnahmen allerdings nicht. Manchmal ist auch zusätzlich ein Beruhigungsmittel hilfreich, besonders dann, wenn die Schwindelanfälle zu einem starken Angstgefühl führen.

Als unerwünschte Wirkung kann der Kreislauf durch die Medikamente stark belastet werden. Schwere Nebenwirkungen des Kortisons treten nur bei längerfristiger Verabreichung auf und sind bei einer kurzen Anwendung nicht zu befürchten. Es kann aber zu vorübergehenden Veränderungen des Blutdrucks, des Blutzuckers und der Blutzellen sowie zu Elektrolytstörungen (Natrium, Kalium) kommen.

Die Anfälle selbst können bislang nicht durch Medikamente verhindert werden. Menschen, die an der Menière-Krankheit leiden, sollten deshalb seelische Belastungen und Stress vermeiden sowie auf Alkohol, Kaffee, Nikotin und salzreiches Essen weitestgehend verzichten. In manchen Fällen kann man auf diese Weise Schwindelattacken vorgebeugen.

Sind die Schwindelanfälle so unerträglich, dass sie die Lebensqualität des Betroffenen erheblich verschlechtern, kommen verschiedene Maßnahmen in Betracht:
Bei der so genannten chemischen Labyrinth-Ausschaltung wird durch das Trommelfell hindurch ein Medikament ins Innenohr eingebracht, das die Sinneszellen schädigt. Oft sind mehrere Behandlungen im Abstand von einigen Wochen notwendig, bis sich eine deutliche Besserung der Beschwerden einstellt. Ziel der Behandlung ist, das Gleichgewichtsorgan zu schädigen. In vielen Fällen kommt es zusätzlich zu einer Hörminderung. Das Gleichgewichtsorgan kann auch mechanisch zerstört werden.

Mit einer so genannten Sakkotomie versucht man, den Überdruck im Gleichgewichtsapparat operativ zu entlasten. Dieses Verfahren wird aufgrund der nur unzureichend erwiesenen Wirksamkeit heute nur noch selten durchgeführt. In schweren Fällen der Menière-Krankheit kann man sogar den Gleichgewichtsnerv durchtrennen.

Bei den Operationen kann es zu Verletzungen von Blutgefäßen, Nerven und anderen benachbarten Strukturen im Ohr mit der Folge von Blutungen, Nachblutungen, Verwachsungen, Infektionen und Wundheilungsstörungen kommen.

Wie ist die Prognose?


Der Verlauf des Morbus Menière ist sehr unterschiedlich und, da die genaue Ursache nicht bekannt ist, auch in gewisser Weise unberechenbar. Er hängt zum großen Teil davon ab, wie gut der Einzelne auf die Therapie anspricht. In den meisten Fällen schreitet der Hörverlust allerdings bis zur Ertaubung fort, die Schwindelanfälle nehmen hingegen langfristig ab. In rund zehn Prozent sind im Laufe der Zeit dann beide Ohren betroffen.

Bestimmte Berufe sollten nicht mehr ausgeübt werden, wenn der Betroffene häufig unter schweren Schwindelanfällen leidet. So kann die Menière-Krankheit beispielsweise bei einem Piloten oder einem Gerüstarbeiter zur Arbeitsunfähigkeit führen und damit zur Aufgabe des Berufes zwingen.

Impressum


Copyright: sanvartis GmbH
Erstellungsdatum: September 2002
Autor: Dr. med. Martina Waitz
Letzte Aktualisierung: Januar 2005
Durch: Dr. med. Dirk Nonhoff

Literatur/Leitlinien/EBM:


Arnold, W.: Checkliste Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme (3. Auflage 1999).

Boenninghaus, H. G.: Hals-Nasen-Ohrenheilkunde. Springer (11. Auflage 2000).

Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Deutsche Gesellschaft für Neurologie: Schwindel (Erstellungsdatum: März 2002).

Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie: Morbus Menière (Erstellungsdatum: Juni 2001).
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