Nasennebenhöhlen-Entzündung, chronische
(Sinusitis chronica)
Was sind die Nasennebenhöhlen?
Die Nasennebenhöhlen sind mit Luft gefüllte Hohlräume im knöchernen Schädel. Zu ihnen gehören zwei Stirn-, Kiefer- und Keilbeinhöhlen sowie die Siebbeinzellen zwischen den Augenhöhlen.
Die Nebenhöhlen sind mit Schleimhaut ausgekleidet. Kleine Öffnungen und Gänge verbinden die Nebenhöhlen mit der Nasenhöhle. So kann das Sekret, dass die Schleimhaut produziert, über die Nase in den Rachen abfließen.
Was ist eine chronische Nasennebenhöhlen-Entzündung?
Eine Entzündung der Nasennebenhöhlen wird Sinusitis genannt. Man kann akute von chronischen Nasenebenhöhlen-Entzündungen unterscheiden. Meist sind Kiefer- und Siebbeinhöhlen betroffen, seltener die Stirnhöhlen. Siebbein- und Kieferhöhlen-Entzündungen treten auch oft gemeinsam auf. Wenn alle Nebenhöhlen betroffen sind, spricht man von einer Pansinusitis.
Wenn Entzündungen der Nebenhöhlenschleimhaut länger als acht Wochen bestehen oder akute Nebenhöhlen-Entzündungen viermal und mehr im Jahr auftreten, spricht man von einer chronischen Nasennebenhöhlen-Entzündung. Allergische Schleimhautschwellungen, Verbiegungen der Nasenscheidewand oder vergrößerte Nasenmuscheln können die Ausführungsgänge und Öffnungen der Nebenhöhlen einengen. Auch vergrößerte Adenoide, so genannte Rachenpolypen, können die Ausführungsgänge der Nebenhöhlen verlegen.
Die Folgen sind Abflussbehinderungen, Belüftungsstörungen und Sekretstau. So besteht die Möglichkeit, dass Nebenhöhlen-Entzündungen nicht abheilen und immer wieder oder sogar dauerhaft zu Beschwerden führen. Bei chronischen Entzündungen der Nasennebenhöhlen können sich regelrechte Schleimhautwucherungen (Polypen) bilden.
Welche Beschwerden macht die Erkrankung?
Zu den typischen Beschwerden einer chronischen Nasennebenhöhlen-Entzündung gehören eine Behinderung der Nasenatmung und häufige Infekte der oberen Atemwege. Treten Kopfschmerzen auf, sind diese meist nicht so stark wie bei einer akuten Nebenhöhlenentzündung.
Außerdem sind Riechstörungen möglich. Das Sekret aus den Nebenhöhlen fließt meistens rachenwärts. Husten, Auswurf und Kurzatmigkeit sind ein Zeichen für das Übergreifen der Nasennebenhöhlen-Entzündung auf die Lunge und Bronchien.
Wie wird eine chronische Sinusitis festgestellt?
Der Hals-Nasen-Ohren-Arzt stellt die Diagnose anhand der Vorgeschichte, der Beschwerden und der Untersuchungen. Er inspiziert das Naseninnere mit einer Nasenspiegelung (Rhinoskopie) und benutzt kleine Spiegelgeräte (Endoskope), um auch die hinteren und die seitlichen Abschnitte in der Nase mit den Ausführungsgängen der Nebenhöhlen einzusehen. Die Nasenschleimhaut wird vorher mit einem abschwellenden Spray eingesprüht, um die Sicht zu verbessern.
Röntgenaufnahmen bzw. eine Computertomografie der Nebenhöhlen sichern die Diagnose. Vor solchen Aufnahmen sollte eine antibiotische und abschwellende Therapie durchgeführt werden, um akute Entzündungen abheilen zu lassen. Bleibende Schleimhautschwellungen in der Computertomografie über zwei Millimeter Dicke werden als Zeichen einer chronischen Sinusitis gewertet. Sinnvoll ist außerdem ein Allergietest.
Wie wird eine chronische Nasennebenhöhlenentzündung behandelt?
Meist erfolgt ein längerer Therapieversuch mit abschwellenden Nasentropfen und Inhalationen. Zusätzlich kommen Schleimlöser und in Phasen starker Entzündung der Schleimhaut auch Antibiotika zum Einsatz. Die Antibiotika sollen einer Ausbreitung der Bakterien und der Entzündung und damit auch weiteren Komplikationen vorbeugen. Allerdings sollten alle Medikamente nicht dauerhaft eingenommen werden, da es zur Gewöhnung und zur Wirkungsabschwächung kommt.
Auch besteht eine größere Gefahr des Auftretens von Nebenwirkungen bei längerfristiger Anwendung. Als unerwünschte Wirkungen der Antibiotika kann es zum Beispiel zu allergischen Reaktionen, Mundtrockenheit, Übelkeit und Magen-Darm-Beschwerden sowie zu Blutbildveränderungen kommen. Selten kann die längerfristige Einnahme von Antibiotika zu Schäden an Organen wie den Nieren oder der Leber führen.
Beim Versagen der medikamentösen Therapie werden nach einiger Zeit auch operative Eingriffe in Betracht gezogen, um auch langfristig eine Besserung zu erreichen. Bei Kindern sollte man allerdings wegen des noch im Wachstum befindlichen Nasen- und Gesichtsskelettes mit operativen Eingriffen zurückhalten.
Ziel der Operation ist es, die natürlichen Öffnungen und Abflüsse der erkrankten Nebenhöhlen so zu erweitern, dass Abflussbehinderungen, Belüftungsstörungen und Sekretstau behoben werden. Es stehen dabei verschiedene Methoden zur Verfügung. Man kann zum einen mit speziellen Geräten (Weitwinkeloptiken, Operationsmikroskopen) durch die Nasenhaupthöhle operieren (endonasale Mikrochirurgie). Andererseits kann der Eingriff durch eine der knöchernen Nebenhöhlenwände hindurch ausgeführt werden.
Heutzutage wird in der Regel schleimhauterhaltend operiert, denn die Nebenhöhlenschleimhaut kann sich bei normaler Belüftung und regelrechtem Sekretabfluss erholen. Radikalchirurgische Operationen werden im Gegensatz zu früher nur noch selten vorgenommen.
Chirurgische Eingriffe an den Nasennebenhöhlen bergen, wie alle Operationen, natürlich auch das Risiko von Komplikationen. So kann es zu Verletzungen von Gewebe, Nerven und Blutgefäßen kommen und Blutungen und Nachblutungen nach sich ziehen. Infektionen, vor allem im Bereich der Wunde, sind möglich. Verletzungen des Riechnervs beinhalten das Risiko von Geruchsstörungen. Auch muss bei den Operationen an den Nasennebenhöhlen auf die benachbarte Augenhöhle geachtet werden, um Verletzungen des Auges zu vermeiden.
Manchmal ist das operative Vorgehen bei der chronischen Sinusitis erfolgreich. Da die Erfolgsraten zwischen 10 bis 25 Prozent schwanken, sollte diese Maßnahme gründlich überlegt werden. Verbiegungen der Nasenscheidewand und Vergrößerungen der Nasenmuschel können in der Regel gleichzeitig korrigiert werden.
Literatur/Leitlinien/EBM:
Arnold, W.: Checkliste Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme (3. Auflage 1999).
Boenninghaus, H. G.: Hals-Nasen-Ohrenheilkunde. Springer (11. Auflage 2001).
Probst, R.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme (2000).
Strutz, J.: Praxis der HNO-Heilkunde, Kopf- u. Halschirurgie. Thieme (2001).
Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie:
Sinusitis maxillaris/ethmoidalis (Letzte Aktualisierung: Juni 2001).
Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Pneumologie: Sinusitis (Letzte Aktualisierung: Juni 2001).


